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Almen unter dem Wendelstein

Mitter- und Reindler Alm

Der Wendelstein ist die markanteste, aber nicht die höchste Erhebung zwischen Inntal und Tegernsee. Geologisch hat sein Umfeld einiges zu bieten. Neben der bekannte Wendelsteinhöhle existieren weiter unten Höhlen, die ihre Existenz dem Karst verdanken. Karst ist eine Geländeform, in dem das Wasser meist nicht ober-, sondern unterirdisch verläuft. Seine besondere Gesteinsart löst sich leicht in Wasser auf, sodass oft Höhlen und Klüfte unter der Oberfläche entstehen. Wenn eine derartige Höhle in sich zusammenfällt, bildet sich auf der Oberfläche eine trichterartige Vertiefung - eine Doline. Solch eine Doline finden wir auf dem höchstgelegenen Ziel unserer Wanderung, der Reindler Alm. Eine Schautafel ("Als die Höhle einstürzte") direkt vor der 300 m breiten Senke informiert uns sogar darüber, dass sich später in seiner Mitte eine sogenannte Tochterdoline, gebildet hatte. Heute noch zeugt ein kleines Sumpfrondell davon.

Auch die Mitteralm liegt an einem Kessel, der in der Eiszeit entstanden ist. Ein geologischer Lehrpfad führt übrigens von ihr hinauf zur Soin-Hütte. Die freundliche Alpenvereinshütte hat den Vorteil, direkt an der Mittelstation der Wendelstein-Zahnradbahn zu liegen. Sie bildet den angenehmen Ruhepol zum hektischen Wendelsteingipfel, der täglich von den Turnschuhtouristen bevölkert wird. Deshalb ist die Alm, und nicht der Gipfel, das Ziel unserer Wanderung. Da wir auf ihr übernachten können, bildet sie einen idealen Stützpunkt für Touren auf die umliegenden Berge. Die Reindler Alm liegt eine knappe Stunde höher und kann über einen schattigen Wirtschaftsweg problemlos erreicht werden. Im Winter ist sie allerdings geschlossen, während im Sommer eine freundliche Sennerin für den Wanderer gerne einmal herzhafte Brotzeiten und Getränke bereitstellt.


Die Mitteralm

Die Mitteralm

Die Reindler Alm

Die Reindler Alm


Kurzinfo:

Region:
Bayerische Voralpen
Tourenart:
Bergtour
Dauer:
ca. 5 Std. (hin und zurück mit Reindler Alm)
Einkehrmöglichkeiten:
Touristinfo:
Brannenburg

Anforderung:

Höhenunterschied:
830 hm
Streckenlänge:
14,3 km
Schwierigkeit:
(leicht)
Forststraße ohne besondere Schwierigkeiten, die ersten 15 Minuten sehr steil
Hunde:
für Hunde geeignet

Start:


St. Margarethen bei Brannenburg 630 m

GPS-Wegpunkt:
N47 43.519 E12 05.049 zu Google Maps

Umweltfreundliche Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln:
Mit der Bahn über Rosenheim zum Bahnhof Brannenburg. Ab hier gibt es keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr (2,5 Kilometer, ca. 150 Höhenmeter, zu Fuß bis zum Wanderparkplatz ca. 1 Stunde).

Mit dem Pkw:
Inntalautobahn Ausfahrt Brannenburg, bei der ersten Ampel in Brannenburg geradeaus weiterfahren in die Sudelfeldstraße (Richtung Bayrisch-Zell), bei der nächsten Straßengablung rechts einfahren in die Dientzenhoferstraße. Der geräumige Wanderparkplatz befindet sich in Margarethen unterhalb der Kirche.

  • Ab Rosenheim: 20 Km / 0:25 Std
  • Ab München: 75 Km / 0:50 Std
  • Ab Bad Tölz: 60 Km / 0:55 Std
  • Ab Salzburg: 90 Km / 1:00 Std

Mit dem Bike:
Mit dem Bike fährt man ab der Kirche in Brannenburg ca. 2,3 Kilometer (150 Höhenmeter) auf Asphalt.

Tourenplaner / Online-Fahrpläne: hier klicken

Zum Zoomen der Karte bitte STRG und Mausrad benutzen.

Information:
Die Kirche St. Margarethen wurde zwar 1445 erstmals urkundlich erwähnt, es gab sie jedoch schon früher als Kapelle. Die umgebenden Gehöfte sind vermutlich zwischen 1000 bis 1100 entstanden. Der Friedhof beherbergt die Gräber und Gedenktafeln bekannter Persönlichkeiten.


Tourenbeschreibung:

Start: St. Margarethen bei Brannenburg

Aufstieg
Ab dem Wanderparkplatz St. Margarethen schlendern wir an der Straße zehn Minuten in südlicher Richtung bis zum Waldrand, dort bei einem Wegweiser rechts steil hinauf und biegen nach 40 Metern nochmals rechts ab (Wegweiser „Breitenberghaus/Mitteralm“). Die darauffolgende Abzweigung zum Breitenberghaus nach rechts ignorieren wir und bald darauf steigt der Weg nur noch mäßig an, kurzzeitig ist er sogar eben. Nach einer halben Stunde unterqueren wir die Wendelstein-Zahnradbahn und steigen weiter durch lichten Wald empor. Nach einem längeren Marsch erreichen wir auf 980 m die Station Aipl, eine kleine Zwischenstation der Zahnradbahn. Hier überqueren wir die Gleise und haben danach zwei Möglichkeiten, um zur Mitteralm zu gelangen: Geradeaus verläuft der Sommerweg, der als steinige, steile Forststraße bis in das Almgebiet führt. Im Winter ist dieser wegen Lawinengefahr gesperrt. Linker Hand beginnt der Winterweg, der das ganze Jahr über begehbar ist. Er führt uns in wenigen Minuten zu einem bequemen Waldsteig, der uns zwar steil, aber durch Stufen entschärft in weniger als einer halben Stunde direkt zur Mitteralm (1200 m) und Mittelstation der Zahnradbahn bringt. Auf der sonnigen Terrasse mit Inntalblick oder in der heimeligen Stube lockt dann der Einkehrschwung zu einer ausgiebigen Pause. Wirtin Petra verwöhnt uns gerne mit ihrer gutbürgerlichen Küche oder schmackhaften Almbrotzeiten.

Zur Reindler Alm
Direkt im nahen Almgebiet, unterhalb der Kapelle St. Maria bei der Mailalm, beginnt der Weg zur Reindler Alm. Zuerst noch sonnig und steil, führt er uns bald in den Wald hinein, wird aber dort zunehmend flach. Nach einem Gedenkstein, der an zwei Lawinenopfer erinnert, lichtet sich der Wald und bald stehen wir bei einem Wegweiser vor einer großen Mulde, der eingangs erwähnten Doline. Links baut sich der Gipfel des Wendelsteins mit dem markanten Observatorium auf, und gegenüber blickt bereits das Dach der Reindler Alm (1430 m) hervor. Wir erreichen die idyllische Alm in einem kleinen Bogen. Im flachen Wasser in der Mitte der Senke tummeln sich Kaulquappen, Bergmolche und Wasserläufer, während Libellen in der Luft ihre Flugkünste zeigen. Die vielen Enziane färben im Frühjahr die Almwiesen tiefblau, welche dann im Sommer von vielen Kälbern und Schafen beweidet werden. Auf die Frage, wieviel Tiere sich denn hier oben genau aufhalten, verrät uns die Sennerin ganz verschmitzt ihren Trick: Sie zählt einfach alle Beine zusammen und teilt die Summe dann durch vier. Damit kommt sie auf 70 Stück. Eigentlich ist es sehr idyllisch hier oben, doch die Sennerin weiß auch zu berichten, dass sich immer wieder Besucher ungebührlich benehmen. Die einen legen sich an heißen Tagen direkt in den Getränketrog, wodurch die Tiere dann wegen der Sonnenmilch das Wasser nicht mehr trinken. Andere Baden ihre Hunde im Trog, aber die im Wasser verbleibenden Hundehaare verrotten nicht, wodurch das Wasser ebenfalls von den Tieren gemieden wird. Aber die Leser dieses Wanderbuches zählen sicher nicht zu dieser Art Menschen …

Abstieg
Der Abstieg erfolgt auf dem Aufstiegsweg. Eine Abfahrt mit der Zahnradbahn ist möglich. Sofern wir nicht mit der Bahn aus dem Tal angereist sind, müssen wir dann allerdings vom Talbahnhof nach St. Margarethen einen Aufstieg von 25 Min. in Kauf nehmen.

GPS-Daten:


GPX-Tracks sind oft ungenau. Die angezeigten Daten können (insbesondere zur Höhe und Steigung) falsch sein. Daher verwendet bitte nie die Tracks ohne betreffendes Kartenmaterial für das dazugehörige Gebiet. Die GPS-Daten sollen nur als zusätzliche Unterstützung verwendet werden. Auf der Karte lässt sich rechts oben in die Kartengrundlage OpenTopomap umschalten (OpenTopoMap ist nicht immer sofort verfügbar). Zum Zoomen der Karte bitte STRG und Mausrad benutzen.



Webcams:

Aktuelle Bilder von Webcams im Umkreis von 30km vom Ausgangspunkt.
  weitere Webcams findest du hier



Wendelstein "Gacher Blick"
(©www.foto-webcam.eu)

Törwang / Samerberg
(www.foto-webcam.eu)

Hochrieshütte
(©foto-webcam.eu)

Ähnliche Tour:

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Mit dem Bike steil über den Sommerweg
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Mitteralm über Sommer- oder Winterweg
Am Fuß des Wendelstein
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Zur Geschichte der Reindler Alm:

Lange Zeit galt die Reindler-Alm als wichtige Zwischenstation für Wanderer, die den Wendelstein besteigen wollten. Sie übernachteten auf der schön gelegenen Alm, um tags darauf den Gipfel zu erklimmen. Damals gab es in der Scharte noch ein paar kleine Seen. Fast hätte es die Reindler Alm Mitte der 1950er Jahre zu zweifelhaftem Ruhm gebracht. Damals wollte Otto Steinbeis, der Enkel des Erbauers der Zahnradbahn, mitten in der Reindler Scharte einen großen Parkplatz bauen. Vom Sudelfeld aus sollte dann eine fünf Meter breite, mautpflichtige Straße (2 Mark) hierher führen. Nach hitzigen Diskussionen wurde das Vorhaben jedoch vom Bayrischzeller Gemeinderat zum Glück abgelehnt.

Literatur:

Wanderführer

Familienwandern
Bayerische Alpen und Tirol
von Rolle, Reinhard
Infos: Wanderführer

Familienwandern

Fachbuch

Panorama in die Urzeit
von Kreutzer, Lutz H.
Infos: Fachbuch

Panorama in die Urzeit

Karte

Alpenvereinskarte BY16
Bayerische Alpen Mangfallgebirge Ost: Wendelstein, Traithen
von Alpenverein
Infos: Karte

Alpenvereinskarte BY16

Galerie:



Autor:

 Autor: Reinhard Rolle
 Mit freundlicher Genehmigung des Rosenheimer Verlagshauses aus dem Wanderführer "Familienwandern - Bayerische Alpen und Tirol"   Autorenportrait


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