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Autor Thema: 19.-21.09.18: Berchtesgd. Alpen: Watzmann-Ostwände und Scharte-1.Kind-Lablkopf  (Gelesen 1335 mal)

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Offline Patago

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Hallo Robergler,

seit Jahren spiele ich mit dem Gedanken die Watzmann Ostwand über den Berchtesgadener Weg zu besteigen. Kondition, Kletterfähigkeit und alpine Erfahrung sollte ausreichend vorhanden sein. Die schwierige Orientierung in der Wand hielt mich allerdings davon ab, einen Alleingang zu wagen. Letzten Montag erhielt ich dann allerdings sehr überraschend von Gerold eine Antwort auf meine Anfrage im Roberge Forum. Nach einem kurzen Telefonat mit dem potentiellen Mitstreiter, stellt sich sehr schnell heraus, dass  wir sehr wahrscheinlich ein schlagkräftiges Team stellen könnten. Wir beschließen uns noch eine Nacht Bedenkzeit zu geben und unsere Urlaubsmöglichkeiten abzuklären. Am Dienstagmorgen sind wir uns dann einig. Da die klettertechnischen Schwierigkeiten in der Wand mit 3+ angegeben werden, entschließen wir uns ein 50 m Halbseil und die notwendige Hardware für den Notfall mitzunehmen. Die Wettervorhersage für Donnerstag und Freitag verspricht hervorragendes Bergwetter und so geht es am Mittwochnachmittag zum Königssee und weiter mit dem Schiff nach Sankt Bartholomä (615 m). Nach und nach versammeln sich im Biergarten die potenziellen Gipfelaspiranten. Im Ostwandlager finden sich schließlich 9 autonome Bergsteiger und 3 Bergführer mit ihren Kunden ein.

Gerold:  Bei meiner ersten Watzmann-Überschreitung vor rund 25 Jahren hatte ich bereits den vagen Wunsch, auch irgendwann mal die legendäre Ostwand kennenzulernen, dazwischen verblasste dieser Wunsch zwar wieder, aber nun im besten „Kraxelalter“ (d.h. mit entspr. Erfahrung) wollte ich es doch mal angehen. Kam mir im Vorjahr nach erfolgter Vorbereitung dann der frühe Schneefall in die Quere, so kam die Anfrage von Christian hier in roBerge genau zur richtigen Zeit – und nach einer kurzen Phase der Überlegung nahm ich Kontakt auf. Von seinen Berichten her wußte ich, dass wir wohl ähnlich stark sind – und auch in der Annahme, in diesen Spätsommertagen dort nicht allein unterwegs zu sein, war mir eine „Begleitung“ doch lieber. Aus Respekt vor der mir unbekannten Wand und den zahlreichen Unglücksfällen wollten wir aber nicht den Leichtsinnsfehler vorab machen, aus Selbstüberschätzung auf die Mitnahme eines Seils zu verzichten, auch wenn dieses letztendlich an diesem Tag doch im Rucksack verblieben ist. Als aktuelle persönliche(!) Momentaufnahme war die Wand technisch leichter als angenommen, doch rückblickend waren wir in der exponierten Wasserfallplatte mit fast zu wenig Abstand am klettern – neben der Unruhe durch den „Stau“ davor war die mögliche Gefahr eines Mitreissunfalls in Worst-Case-Fall doch nicht ganz ausgeschlossen.

Um 5.00 Uhr morgens geht es dann mit Stirnlampen bestückt in Richtung Eiskapelle (830 m). Gegen 7.00 Uhr erreichen wir ohne Probleme das Schuttkar (ca. 1350 m / bis hierher UIAA I – II, meistens Gehgelände) wo wir auch unsere Klettergurte anlegen und unsere Helme aufziehen. Die hier normalerweise zu findende Wasserstelle ist bei uns ausgetrocknet und so muss zum Wasser auffüllen einige Höhenmeter abgestiegen werden. Die Klettereinlagen werden jetzt immer häufiger und schon stehen wir vor der griffarmen Platte (III) unterhalb der Wasserfallwand (1700 m). Aufgrund unserer sehr guten Verfassung und Sicherheit verzichten wir auf eine Sicherung und steigen problemlos aufwärts. Mittlerweile hat sich eine gleichstarke 6er Gruppe gefunden, die sich hervorragend ergänzt. Um ca. 9.30 Uhr erreichen wir die Brotzeitplatzwiese (ca. 2000 m) und genießen die Aussicht. In schönster Genußkletterei geht’s weiter zur Biwakschachtel (2380 m / 11.00 Uhr) und weiter hinauf zu den Ausstiegsrinnen. Hier setzt überraschenderweise Steinschlag ein, der nicht aufhören will. Wir ducken uns an die Wand und die Steine verfehlen uns nur knapp. Nun zeigt sich auch der Übeltäter, ein Steinbock mit einem Kitz/Jungen, der wohl sein Revier „verteidigt“. Mit klatschen und rufen vertreiben wir den Steinbock und erreichen um 12 Uhr den Gipfel der Südspitze (2712 m). Nach einer ausgiebigen Rast geht’s nun an die Watzmannüberschreitung hinüber zur Mittelspitze (2713 m / ca. 13:45 Uhr).

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« am: 26.09.2018, 20:55 »

Offline Steinbock78

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Da hattet ihr aber mit dem Wetter grade noch Glück. Mittlerweile ist der Watzmann oben schön eingezuckert. Heute hatte ich da eine schöne Sicht auf ihn. Zum Anschauen ist das ja schon was schönes.

Offline geroldh

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19.-21.09.18: Berchtesgd. Alpen: Watzmann-Ostwände ...
« Antwort #2 am: 27.09.2018, 08:35 »
Die „Idee“ haben wir mitgebracht, aber erst an der Mittelspitze sollte die endgültige Entscheidung fallen, abhängig von unserer konst. Verfassung und der zur Verfügung stehenden Zeit: Entweder die weitere Überschreitung via Hocheck und Abstieg am bereits (wg. Renovierung) geschlossenen Watzmannhaus vorbei zur Kühroint – oder der alternative „Abstieg“ durch die „kleine Ostwand“ die Wiederroute hinunter und das Watzmannkar hinaus.

Ende Aug. verg. Jahres war ich bereits einige Tage am Watzmann unterwegs * (ohne roBerge-Berichte), neben der zweitägigen WM-Überschreitung „a la Ameranger (bzw. TEIL II) hatte ich mir bereits den Zustieg zur Ostwand und die Eiskapelle angesehen – und vom „Basislager“ Kühroint aus führten mich noch zwei Tagestouren über die Wiederroute auf die WM-Mittelspitze (mit Abstieg Hocheck und Watzmannhaus) und via dem sog. "Gendarm" auf den Kleinen Watzmann (die „WM-Frau“ mit Abstieg über den Mooslahnerkopf).

Und gerade diese Solobegehung der Wiederroute (quasi ohne alles – nur mit Topo) ermöglichte es mir diese unübliche Abstiegsoption abzuschätzen. Christian meldete mir zurück, dass er sich noch sehr gut fühle – und in mir steckte der Ehrgeiz, es ebenso zu machen, wie die Gruppe mit der Ameranger diese beiden Ostwände erstmalig gemeistert hatte...
So klettern wir an festem Fels hinab und dürfen eine aufwärts steigende Dreiergruppe beruhigen, dass wir uns nicht verkraxelt haben, sondern dies in voller Absicht tun. Die größte Hilfe in Bezug auf die Orientierung sind uns die Stoamandl und meine Erinnerung aus dem Vorjahr an den ungefähren Routenverlauf. Das Topo gibt Christian noch eine leichte Rückmeldung, aber im Wesentlichen gilt es das Gelände zu „lesen“ und sich nicht in einer falschen Rinne oder einem falschen Band zu verhauen.
Mit dem Erreichen des Felsenfensters (ca. 15:00 Uhr) und kurz darauf des Bandwächters (WB) ist der größte Teil geschafft, mit leicht angewinkelten Knien haben die Schuhe einen guten Gripp auf dem breiten Wiederband und die längere Querung darunter zur bröseligen „Einstiegsrinne“ ist die letzte Orientierungsherausforderung. In der „Einstiegsrinne“ gibt es zwar zweimal doppelte Abseil-/Sicherungsösen, aber wir belassen das Seil im Rucksack und kraxeln in der Rinne vorsichtig hinab. Aufwärts würde man zwar seitlich am festeren Fels klettern, doch abwärts ist mir diese kleingriffige, etwas ausgesetzte Variante doch zu heikel.
Etwa um 16:30 Uhr stehen wir an unserem „Ausstieg“, dem Wandfuss der kl. Ostwand (2190 m). Nun folgt das eher unangenehmste Wegstück, den instabilen und steilen Blockschotter hinab ins Kar, um dort auf einen Steigansatz zu stoßen. Auf diesem geht es dann durch einen lichten Lärchenwald hinab und auf dem Falzsteig hinüber zur Kühroint (1420 m / ca. 18:45 Uhr), in dessen bewirtschafteter (Privat-)Hütte wir die Nacht verbringen wollen – und tatsächlich sind Mitte Sept. auch ohne Reservierung noch ausreichend Lagerplätze frei.


@ Steinbock78: Dies war in der Wettervorschau bereits abzuschätzen - an diesem Tag hatten wir das perfekte Wetter für die Wand (vgl. Webcam Funtenseetauern 20.09.18 - 14:00 Uhr).
Im Vorjahr gab es den ersten (stärkeren) Schneefall bereits am 3. Sept. (vgl. Webcam Funtenseetauern 04.09.17 - 13:30 Uhr).


*
Zitat von: Franz Rasp (Führer: "Watzmann-Ostwand")
Die Erschließung im Sommer:
Kederbacherweg:
  6. Juni 1881 - Johann Grill (Kederbacher) und Otto Schück (über 4. und 5. Band zur Mittelspitze)
12. Juni 1885 - Johann Punz (Preisei) und Ludwig Purtscheller (2. Begehung mit Ausstieg Südspitze)
...
Berchtesgadener Weg:
28. Sept. 1947 - Josef Aschauer und Hellmuth Schuster  [d.h. 2017 = 70 Jahre]
...

Der Watzmanngrat
Die Überschreitung der drei Watzmanngipfel vom Hocheck zur Südspitze wurde erstmals 1868 [d.h. 2018 = 150 Jahre] von den Bergführern Johann Grill (Kederbacher) und Johann Punz (Preisei) mit Albert Kaindl durchgeführt. Vom Wimbachtal ausgehend (über den heute üblichen Abstieg) zur Südspitze und hinüber zum Hocheck war Johann Punz aus der Ramsau mit J. Pöschl 1873 der erste. ...

Offline Zeitlassen

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Re: 19.-21.09.18: Berchtesgd. Alpen: Watzmann-Ostwände und
« Antwort #3 am: 27.09.2018, 09:26 »
Feine Tour #schoenetour#
Schöner Bericht  #danke1#
Glückwunsch zum Erfolg #gutgemacht#

Online Bergautist

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Alle Achtung! #gratulation#

Seids glücklich, euren Erfolg genießen zu können! Ist nicht jedem vergönnt:

http://www.sirdar.de/index.php?id=2+&bericht=b653

(Nur damit niemand glaubt, er könne die Tour so einfach mal nachmachen...)

Offline MANAL

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Seids glücklich, euren Erfolg genießen zu können! Ist nicht jedem vergönnt:

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(Nur damit niemand glaubt, er könne die Tour so einfach mal nachmachen...)


Etwas offtopic, aber weil DU auf deine Geschichte hinweist. Danke für das Dokumentieren des Geschehens wenn es leider mal schief läuft. Ich wünsche dir das Beste auf dem Weg zur möglichst vollständigen Genesung!!!
Verglichen mit Dir geht es mir blendend, ich habe mir vor 9 Wochen das rechte Wadenbein gebrochen und war die schönsten Sommertage außer Gefecht und arbeite mich gerade wieder ins Bewegungsleben zurück. Wie gesagt, verglichen mit dir alles harmlos, aber ich kann sehr gut manches Nachempfinden was Du durchmachst. Auch solche Momente endlich auf Krücken verzichten zu können oder eine Treppe hoch zu gehen.
Deswegen Dankeschön für das Teilen deines schlimmen Erlebnisses. Man kann auf jedem Fall daraus auch für sich was lernen, v.a. wenn man selber noch keinerlei Einschränkungen erleben musste (bei mir war es beispielsweise der erste Krankenhausaufenthalt seit der Geburt).

Wäre eine Überlegung hier im Forum einen eigenen "Verletzungs- und Reha-Thread" oder "der Weg zurück in die Berge-Thread".

@Gerold und @Patago:
Großartige Tour! Bei solchen Bedingungen sicher der absolute Traum. Hab fasziniert eure Berichte gelesen.

Für mich leider ein paar Nummern zu groß und zu schwierig. Und momentan sowieso nicht machbar. Gestern hat es bei mir gerade mal zu 4,5km ebnes Asphaltwandern am Walchensee gereicht...

Offline geroldh

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Danke Zeitlassen, Bergautist und MANAL für eure Rückmeldungen – und besonders dir Andi auch noch herzliche Genesungswünsche, damit du hoffentlich bald wieder gesund auf die Berge mit der grandiosen Weitsicht kommst.  #mountain#
Noch eine Richtigstellung zum „offtopic“ des Verständnisses wegen:
Die verknüpfte Seite ist nicht der Genesungsbericht vom Bergautist, sondern eines anderen engagierten Bergsteigers, der unglücklicherweise über der Eiskapelle am Einstieg zum Salzburger Weg verunfallt ist. Aber vllt. liest er ja mit... – und als Mahnung ist er mit Sicherheit wertvoll.

Ich hatte selbstverständlich einen Mords-Respekt vor dieser Wand – deshalb hatte ich im Vorjahr auch das Angebot anderer erfahrener Kraxler schweren Herzens abgelehnt, mich spontan ihnen anschließen zu dürfen – schließlich war ich komplett ohne Ausrüstung nur auf Erkundungstour. Eine 100%-Garantie sowohl auf Erfolg, als auch auf Unversehrtheit, gibt es im Alpinismus nicht, aber man muß versuchen alles wesentliche dafür zu tun, dass das Unternehmen gute Voraussetzungen erhält. Dazu hat für mich einerseits eine bestmögliche Vorbereitung und kritische Selbsteinschätzung im Vorfeld, sowie andererseits eine ständige Aufmerksamkeit und Konzentration während der Tour gehört. Zusätzlich passten dann bei uns auch noch die Bedingungen, angefangen vom superstabilen Wetter bis hin zu den kompetenten Mitstreitern, die sich unterwegs gefunden haben. Auch wenn es sich ggfs. „easy-going“ liest, so hoffe ich doch, dass sich niemand unüberlegt zum Nachmachen verführen läßt.


Doch hier nun die Fortsetzung des zweiten Tages:

Die gewichene Anspannung aus der vorherigen Nacht und möglicherweise der aufgenommene Hopfen am Abend hatten dazu geführt, dass ich bereits vor der Hüttenruhe ins Lager gekrochen bin – und so gut geschlafen hatte wie schon lange nicht mehr. Wir deponierten unser Material im Trockenraum und zogen gegen 8:00 Uhr von der Kühroint (1420 m) mit leichten Tagesrucksäcken los, um kurz hinter dem Trinkwasserbrunnen wieder in das Watzmannkar aufzusteigen. Zu gegebener Zeit orientierten wir uns links-aufwärts, um unterhalb der Watzmannscharte einigen mit Stoamandl markierten Bändern zu folgen, die uns etwas unterhalb der Felsflanke des 1. Kindes auf die Scharte führten (ca. 2100 m / ca. 9:30 Uhr). Der weitere „Anstieg“ mäandert dann ein wenig über die Felsstufen, die vorsichtig kraxelnd überwunden werden, aber gegen 10:30 Uhr stehen wir am kleinen Gedenk-Gipfelkreuz des 1. WM-Kindes (2247 m) und machen ausgiebig Pause, andere Bergsteiger beobachtend, die das 3. und 4. Kind besteigen.

Die heutige Rundtour hatte uns Anfang Aug. verg. Jahres der Axel/RossiS vorgestellt, in Abwägung der anderen unternommenen Touren hatte ich diese drei Wochen später für mich zurückgestellt, aber dass sie nun auch eine Gedenktour an ihn werden sollte, hätte ich definitiv nicht für möglich gehalten. Ich blättere im GB und finde neben schneerose auch einen „alten Bekannten“ aus meiner JuMa-Zeit, dann lösen wir uns von diesem Aussichtsbalkon und steigen wieder zur Scharte hinab, diesmal bis an die tiefste Stelle (ca. 2050 m / 11:15 Uhr). Dort beraten wir uns, und entscheiden das WM-Weibi mit dem Kriechband für heute links liegen zu lassen – wir schätzten für diesen Abstecher rauf und runter mind. 2,5 Std., wollen uns nach der großartigen Tour vom Vortag nicht hetzen, aber dennoch zeitig heimfahren – und orientierten uns östlich in das verblockte Karrenfeld hinab, um absolut weglos die kleine Scharte unterhalb des Lablkopfs zu erreichen. Hat es Axel im Vorjahr verpasst diesen Gupf noch zu erkraxeln, so nehmen wir ihn heute (auch für ihn) mit und sitzen überaus lange neben dem kleinen verbogenen Gipfelkreuz (ca. 1950 ? m / 12:00 Uhr), die ganze Szenerie um und unter uns betrachtend. Dieses Gipfelchen wird wirklich selten erstiegen, das GB beginnt mit Einträgen im Juli 1982 und wird wohl auch noch einige Jahrzehnte reichen...

Der südseitige Abstieg beginnt im losem Geröll, später orientieren wir uns rechterhand in den steilen Grashang hinein und steigen darin weglos(!) ab. Im mittleren Teil bietet sich hierzu auch ein schwach ausgeprägter Rücken an, aber dann verpassen wir es uns ein gutes Stück im Hang nach links zu orientieren, stehen bald vor einer breiten Felsrinne, die ins Eisbachtal hinunter führt und müssen wieder etwas hochkraxeln um Latschenfelder zu umgehen. Eine etwas versteckte „Gasse“ führt uns dann doch auf die Labl-Wiese, wo wir eine einsame Lärche im unteren Teil ansteuern (ca. 1450 m / 13:30 Uhr), an dem wir von oben bereits andere Bergler rasten gesehen hatten. Nun zahlt es sich aus, sich nicht hetzen zu müssen, es bleibt etwas Zeit den Königssee mit dem touristischen Treiben von diesem einsamen Platzl aus zu geniessen. Aber es hilft nix, wir müssen aufbrechen, vorsichtig das schmale Steigerl hinunter steigen, um eine knappe Stunde später etwa auf 1200 m auf den drahtseilversicherten Rinnkendlsteig zu treffen. Auch wenn die größte Mittagshitze bereits vorbei ist, so zieht sich der Gegenanstieg in Richtung Archenkanzel doch etwas arg, aber bereits die brunnengekühlte Erfrischung an der Kührointalm vor Augen, streben die Füsse dieser flott entgegen.
Wir packen unser deponiertes Material wieder in die Rucksäcke und machen uns auf dem breiten Wanderweg an den Abstieg – während Christian die direkte Variante (kenne ich aus dem Vorjahr) bevorzugt, um noch zu Kaffee und Kuchen zu kommen, versuche ich den unscheinbaren Einstieg für den kleinen Falkensteiner-Steig zu finden, den ich bereits im Vorjahr – auch hier war mir schneerose nur wenige Wochen voraus – in seiner historischen (und verfallenen) Verlängerung bis zur Archenkanzel erkundet hatte.


Resümé: Die beiden Tourentage haben wirklich Spass gemacht. Dadurch dass ich bereits einiges von Christian lesen konnte, war das „Blind-Date“ (vgl. Kontaktbörse) für die große Ostwand durchaus einschätzbar, und während der Tour sind wir miteinander super klar gekommen. Würde mich freuen, wenn wir im nächsten Jahr wieder zusammen eine Kraxeltour unternehmen könnten – eine Idee hätte ich da bereits...

Offline MANAL

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Danke für die Fortsetzung. Eine beeindruckende Tour!

Danke Zeitlassen, Bergautist und MANAL für eure Rückmeldungen – und besonders dir Andi auch noch herzliche Genesungswünsche, damit du hoffentlich bald wieder gesund auf die Berge mit der grandiosen Weitsicht kommst.  #mountain#
Noch eine Richtigstellung zum „offtopic“ des Verständnisses wegen:
Die verknüpfte Seite ist nicht der Genesungsbericht vom Bergautist, sondern eines anderen engagierten Bergsteigers, der unglücklicherweise über der Eiskapelle am Einstieg zum Salzburger Weg verunfallt ist. Aber vllt. liest er ja mit – und als Mahnung ist er mit Sicherheit wertvoll.

Danke Dir Gerold! Es wird auf jedem Fall wieder aufwärts gehen. Es ist einfach nur Geduld notwendig, diese 3000er-Saison ist leider an mir vorbeigegangen. Für den 2999 m hohen Kraxentrager hat es noch gereicht (leider ohne Sicht). Und die 3250m hohe Gefrorene Wand am Hintertuxer Hauptkamm habe ich vor ein paar Wochen nur mit der Seilbahn geschafft. Da war aber dann Fernsicht vom Feinsten. Nur war es ohne Anstrengung nicht das gleiche wie 5 Jahre zuvor zu Fuß auf dem benachbarten Hohen Riffler.

Auch Danke für die Richtigstellung, hab das tatsächlich falsch verstanden.

Man darf nie den Respekt vor den Bergen verlieren, aber man kann selbst mit größter Vorsicht und Können ein Unglück nicht ausschließen. Auf jedem Fall sollte man das Genießen was man macht solange man es kann.

Offline BFklaus

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Servus Patago & geroldh!

Berichte über Watzmannostwandbegehungen lösen bei mir immer widersprüchliche Gefühlsregungen aus, inklusive Neid.

Einerseits bin ich fasziniert von der Schönheit und Wucht dieser gewaltigen Wand und von den immer wieder beeindruckenden Leistungen der Begeher.
Andererseits schrecken mich über hundert tödlich verunglückte und wohl noch sehr viel mehr schwerverletzte Ostwandbergsteiger nachdrücklich davon ab, die Wand selbst mal anzugehen - alleine oder mit Führer.
Dazu kommt noch, dass die Ostwand „in“ ist und neben Massen von Normalbergsteigern auch Leistungsfetischisten aller Art magisch anzieht, wie ein Blog über eine unglaublich schnelle Watzmannfamilienrunde (Ostwand, kleine Ostwand, Überschreitung der Kinder mit Frau, Lablkopf und Labl in 8:05 Std.) beispielhaft zeigt.

Da ist mir eure „langsame“, zweitägige Tour schon erheblich sympathischer  :)

Alles Gute
Klaus

Offline MANAL

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Dazu kommt noch, dass die Ostwand „in“ ist und neben Massen von Normalbergsteigern auch Leistungsfetischisten aller Art magisch anzieht, wie ein Blog über eine unglaublich schnelle Watzmannfamilienrunde (Ostwand, kleine Ostwand, Überschreitung der Kinder mit Frau, Lablkopf und Labl in 8:05 Std.) beispielhaft zeigt.


Eine beeindruckende sportliche Leistung ist diese schnelle Watzmannfamillienrunde auf jedem Fall. Nur die Leidenschaft das so durchzuziehen kann ich nicht nachvollziehen. Die waren zwar überall drauf und haben alles gemacht, die Schönheit und Ruhe der Natur haben sie aber vermutlich nicht wahrgenommen. Genau das, wofür ich unterwegs bin. Vor allem was hat man danach von so einer Aktion? Aber jeder wie er mag...

Offline Patago

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Hallo zusammen, vielen Dank für die Lorbeeren.

Das unsere Durchsteigung der Ostwand völlig problemlos und von Anfang bis zum Ende ein reiner Genuss war, ist vielen Faktoren geschuldet.
1. Tourenpartner, beide sehr erfahren und ein sehr gutes Gespür für das Gelände, top Vorbereitung, Danke Gerold
2. Kondition für mindestens 2500 Hm im Auf- und Abstieg
3. Klettern bis UIAA 4 ohne Sicherung🧗🏼‍♂️
4. Ausführliches Studium der Route
5. Wettervorhersage an diesem Tag, Null Gewitterrisiko🌞
Obendrauf kam bei uns noch das Glück, dass wir uns zufällig in einer sehr homogenen 6 Gruppe wiederfanden, von denen 2 bereits die Ostwand durchstiegen hatten. Wären wir völlig alleine in der Wand gewesen, wäre der ein oder andere Versteiger meines Erachtens unausweichlich gewesen. Ob ich jetzt bei einem erneuten Versuch die Route ohne versteiger wiederfinden würde, schwer zu sagen.
Gute Besserung allen derzeit Verletzten und Kranken und einen schönen Bergherbst😜