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Heuberg mit allen Gipfeln

»Tages-Rundtour mit Möglichkeit als „4-Gipfel-Tour“«


Eine mittelschwere Wanderung (=Basis-Runde) mit Einkehrmöglichkeit und Raum für individuelle Variationen zu den Heuberg-Nebengipfeln (=schwere Bergtour). Vom Inntal auf den „zweiten Rosenheimer Hausberg“, dem nordwestlichsten Eckpfeiler der Chiemgauer Alpen mit folgenden Stationen:
Nußdorf/Inn – Bichleralm – Kindlwand / HEUBERG / Wasserwand / Kitzstein – Daffnerwald-Alm – Kirchwald – Nußdorf..

Der Inntaler Heuberg weist mit seinen drei „Nebengipfeln“ eine interessante geologische Struktur auf – und dadurch ist schon allein der Weg „Ziel“ genug. Ohne weit fahren zu müssen, bietet er – zwar als Voralpenberg in der Fläche begrenzt – für fast sämtliche alpinen Ausprägungen Raum für Erlebnisse: Angefangen von einfachen Wanderungen bis zum anspruchsvollen Bergsteigen, vom Bergradeln über Gleitschirmfliegen („Walk&Fly“) bis zum Sportklettern, im Winter auch Rodeln und Schneeschuh-/Skitour.
Als alpines Naherholungsgebiet ist er auch ein abwechslungsreicher Aussichtsberg: Bei klaren Wetterbedingungen reicht die Sicht vom mittleren Bereich der Chiemgauer Alpen über das Kaisergebirge und die Kitzbüheler Alpen (vom Kitzstein aus) bzw. das Alpenvorland und dem Bayerischen Wald (von der Wasserwand aus) bis hinein in die Brandenberger Alpen und das Mangfallgebirge.

Kindlwand, Heuberg und Kitzstein von SW; Aufnahme vom Wildbarren-Jochstein im Nov. 2015 (Foto: geroldh@roBerge)

Kitzstein und Wasserwand von SO; rechts die Heubergalmen (Daffnerwaldalm). Aufnahme vom Spitzstein. Kitzstein und Wasserwand von SO; rechts die Heubergalmen (Daffnerwaldalm). Aufnahme vom Spitzstein


Kurzinfo:

Region:Chiemgauer Alpen
Tourenart:Bergtour (mittel)  Schneeschuh (schwer)  
Andere Bergsportarten:Klettern:
Die beiden traditionsreichsten Klettermassive am Heuberg sind die Kundl und der Backofen – zwei Felstürme, die etwa auf Höhe der Bichleralm in der Südwestflanke aus dem Wald ragen. Alpines Sportklettern für Fortgeschrittene bietet die Höllwand, die vom Kitzstein nach Süden abbricht. Berüchtigt ist dort der klassische "Höllwandpfeiler", eine gewagte Abenteuertour aus dem Jahr 1959. Ein Sportklettergebiet der Neuzeit ist die am historischen Bichleralm-Steig gelegene sogenannte „Weigend-Wall“. Im Kletterführer „Bayerische Alpen, Band 2“ werden die Kletterrouten am Heubergmassiv ausführlich beschrieben.
Gleitschirmfliegen:
Im Rahmen von „Walk&Fly“ gibt es auf dem Heuberg-Grasgipfel in Richtung W-SW eine zugelassene Startmöglichkeit für Gleitschirme. Aufgrund des thermisch bedingten Talwindsystems im Inntal – morgends pfeift der „Erler-Wind“ hinaus und am Nachmittag zieht der „Boarische“ bzw. „Bayerische Wind“ hinein – gilt der Heuberg unter den Fliegern nicht gerade als zuverlässiger Thermikberg. Insbesondere bei einem zu spät gewähltem Startzeitpunkt kann der von Osten übergreifende Rückenwind einen sicheren Start vereiteln. Gelandet wird z.B. auf dem Sportplatz oder auf einer der abgemähten Wiesen.
Erreichte Gipfel:Kindlwand (1228 m) / Heuberg-Grasgipfel (1338 m) / Wasserwand (1367 m) / Kitzstein (1398 m)
Dauer:Gehzeit Basis-Runde: Parkplatz - Bichleralm ca. 1 Std. 30 Min.; Bichleralm - Heuberg-Grasgipfel ca. 1 Std.; Heuberg-Grasgipfel - Daffnerwald-Alm ca. 30 Min.; Daffnerwald-Alm - Kirchwald ca. 1 Std.; Kirchwald - Parkplatz ca. 45 Min. Basis-Runde insgesamt ca. 4½ - 5 Std. (ohne Pausen)
Für „Nebengipfel“ zusätzlich: Kindlwand ca. 45 Min.; Wasserwand ca. 30 Min.; Kitzstein ca. 1 Std.
Beste Jahreszeit:April bis zum ersten Schneefall
Basis-Runde als Schneeschuh-/Wintertour möglich, aber anspruchsvoller
Touristinfo:Nußdorf

Anforderung:

Höhenunterschied:Basis-Runde: ca. 875 Höhenmeter (jeweils im Auf-/Abstieg)
Streckenlänge:Basis-Runde: ca. 10 km
Schwierigkeit:mittel
Basis-Runde mittelschwer. Im Aufstieg an mehreren Stellen Trittsicherheit erforderlich, hier Abrutschgefahr bei Nässe. Gut markierte und gut begehbare Bergpfade, gelegentlich etwas Orientierung erforderlich.
Zu den „Nebengipfeln“ hin felsig mit leichter Kletterei (tw. Absturzgelände!). Etwas Almstraße im Abstieg.
Kinder:Für größere Kinder mit entsprechender Ausdauer geeignet („Nebengipfel“ mit entsprechender Umsicht)
Kinderwagen geeignet:Nein
Hunde:Für Hunde geeignet (außer Nebengipfel Wasserwand und Kindlwand). Vom Grasgipfel zum Kitzstein gibt es eine/zwei kleine felsige Stellen, kleinere Hunde evtl. für ca. einen Meter tragen.

Einkehrmöglichkeit:

Deindlalm:
Von Ende Oktober bis Mitte Mai:
DI bis SA von 10 bis ca 23 Uhr, SO und Feiertag von 10 bis 18 Uhr
MO Ruhetag, Schulferien täglich geöffnet
Von Mitte Mai bis Ende Oktober: täglich geöffnet
Link zur Hütte ...mehr Info, hier klicken

Lagler Hütte (Daffnerwaldalm):
im Sommer Dienstag bis Sonntag, im Winter Donnerstag bis Sonntag, während der Weihnachts- und Osterferien ist immer geöffnet
Link zur Hütte ...mehr Info, hier klicken

Hinweis: Da wir die Öffnungszeiten, Übernachtungshinweise, etc. oft aus dritter Hand erhalten, kann es immer wieder vorkommen, dass die hier veröffentlichten Daten nicht mehr ganz aktuell sind. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich bitte vor Beginn einer Tour direkt bei der Hütte informieren (Telefon / Homepage).


Startpunkt:

Gemeindeparkplatz Am Steinbach, 480m


GPS-Wegpunkt:

N47 44.623 E12 09.369  [@google-maps]

Umweltfreundliche Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln:

Für umweltbewusste Bergwanderer ist Nußdorf insbesondere am Wochenende mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur bedingt erreichbar.
Mit der Bahn kann man über Rosenheim oder Kufstein bis nach Brannenburg fahren. Von hier aus gelangt man mit dem Bus weiter bis nach Nußdorf.
Nur an Werktagen fährt der RVO-Bus 9490 von Rosenheim-Bhf. nach Nußdorf a. Inn.

Mit dem Pkw:

Über die A8 München-Inntaldreieck/Salzburg und die A93 Inntaldreieck-Kufstein/Innsbruck bis zur Ausfahrt Brannenburg fahren und auf der St2359 weiter in östl. Richtung über den angestauten Inn bis nach Nußdorf. Hier zentral in der Ortschaft links nach Neubeuern/Rohrdorf abbiegen und unmittelbar darauf in den Wanderparkplatz „Am Steinbach“.
Alternativ die A8 Salzburg-München bei der Ausfahrt Rohrdorf verlassen und auf der St2359 in südl. Richtung durch Neubeuern (historischer Ortskern) fahren und etwas nach dem Nußdorfer Ortsschild in den Wanderparkplatz „Am Steinbach“.


Ab Rosenheim: 15 Km / 0:25 Std
Ab München: 80 Km / 0:45 Std
Ab Bad Tölz: 60 Km / 0:55 Std
Ab Salzburg: 85 Km / 1:28 Std


Mit dem Bike:

Sportliche Rosenheimer/innen können über Happing, dem Inndamm am Neubeurer See vorbei und entlang des Steinbachs an ihren Ausgangspunkt nach Nußdorf an Inn radeln (ca. 1 Std.).

Information:

Direkt gegenüber des zentralen Parkplatzes beginnt in östlicher Richtung ein im weiteren Verlauf für den öffentlichen Verkehr gesperrtes Sträßchen, das durch das romantische Mühltal führt. Im Mühltal befinden sich Abgrabungen und Höhlen, in denen früher „Gips-Gestein“ gewonnen wurde, das nach dem Brennen in den vom Steinbach betriebenen Gipsmühlen zerrieben wurde. Für Barock- und Rokokobauten war der Nußdorfer Gips bis nach Ungarn ein gefragtes Baumaterial. Etwa in der Mitte des Mühltalwegs liegt der Weiler Mühlthal mit der 550-jährigen Getreidemühle Müller, dessen Wasserrad heute wieder in steter Bewegung ist. Diese ist auch Teil des Geschichtspfads „Der Mühlenweg“, der in 18 Stationen einen Einblick in die Heimat- und Technikgeschichte von Nußdorf gibt und für den im Sommerhalbjahr regelmäßige Führungen angeboten werden (Info s. Verkehrsamt Nußdorf am Inn). Die zum Vermahlen von Getreide und Gestein benötigten Mühlsteine kamen aus den heute historischen Steinbrüchen bei Neubeuern (Hinterhör) und Brannenburg (Biber).
Weiterführende Links: Mühlenweg / Führungen

Mariä Heimsuchung und Einsiedelei Kirchwald
Als bedeutendstes kirchliches Bauwerk im Gemeindebereich von Nußdorf darf die barocke Wallfahrtskirche im Ensemble mit der heute noch bewohnten Einsiedelei Kirchwald bezeichnet werden. Im Jahr 1644 schuf sich ein mit einem Gnadenbild aus Rom zurückkehrender Pilger eine Klause in einer Felsenhöhle unterhalb der heutigen Kirche. Eine neben der "Quarantan" austretende Wasserquelle hatte heilende Wirkung und schon bald entwickelte sich eine häufig besuchte Wallfahrtsstätte. Die weitere Entwicklung ist einem Nußdorfer Wirtssohn zu verdanken: Pater Casimir Weiß ließ 1720 die Kirche und die Klause erbauen. Den einheitlich gestalteten Spätbarockbau errichtete Wolfgang Dientzenhofer, die heutige Innenausstattung entstand 1756 mit drei Altären und einer Kanzel im Rokokostil. In der Mitte des Hochaltars ist das Gnadenbild - eine byzantinische Ikone - in einen prachtvollen Strahlenkranz eingearbeitet.
Bedeutung hatte die Einsiedelei in früheren Jahrhunderten als Schule für Nußdorf. Die Kinder mussten über viele Jahre den steilen Weg in die Klause zum Unterricht antreten.
Link zur Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung.

Tourenplaner / Online-Fahrpläne:

hier klicken


Tourenbeschreibung:

Gemeindeparkplatz Am Steinbach, 480m


Aufstieg:
Vom Parkplatz diagonal über die Strassenbrücke wechseln und auf dem südlichen Fussweg den Steinbach aufwärts wandern, bis nach einigen Minuten der Festplatz Waldpark erreicht wird. Hier noch kurz am Bach entlang und bei einer hölzernen Brücke über den Treppenweg den Graben verlassen. Anschließend wenige Meter östlich halten, dann nach rechts abbiegen und auf dem sogenannten Römerweg (blau) in leichtem auf und ab den westlichen Waldrand entlang wandern, bis zum betonierten Fahrweg, der hinauf über Kirchwald zu den Daffnerwaldalmen führt. Dieser wird jedoch nach wenigen Minuten an einem Wegweiser nach rechts verlassen, um auf dem markierten Bichleralm-Steig (DAV 224, rot) im schattigen Bergwald aus Laubbäumen leicht anzusteigen. Dieser Pfad ist im unteren Teil über 100 Jahre alt und bereits auf der Karte des „Topographischen Bureau“ von 1887 verzeichnet. Nach einigen Minuten Anstieg gibt es zwei Steigvarianten: Entweder links aufwärts der neuere markierte Steig oder geradeaus der historische Steig direkt am Steinbruch Nußdorf vorbei. In beiden Fällen muß die unschöne Werkstrasse (seit 1996) gekreuzt werden, auf der das Material der aktuellen Steinbrucherweiterung auf LKWs rund 250 Höhenmeter hinuntergekarrt wird. An der Stelle, an der beide Steigvarianten wieder zusammentreffen beginnt der Bichleralm-Steig nun steiler, felsiger und etwas ausgesetzter (rot) zu werden. Trittsicherheit und Konzentration sind hier erforderlich, aber im schattig-kühlen Bergwald fällt das Steigen leicht. An der kleinen unbewirtschafteten Bichleralmhütte (1024 m) angekommen gibt es als Belohnung und zum Verschnaufen den ersten Aussichtspunkt hinab nach Nußdorf und ins Inntal. Nun führt der Steig wieder gemütlicher bergauf und an einer kleinen Quelle vorbei zu einer Einsattelung auf etwa 1170 Meter. Hier bietet sich die erste Gipfel-Variation: Kurz durch den Wald in nördlicher Richtung (an der Felswand leicht abwärts!) und über eine kleine Kletterstelle sowie ein etwas ausgesetztes Wegstück (schwarz) kann in rund 15 Min. der Gipfel der Kindlwand (1228 m) erstiegen werden (Trittsicherheit erforderlich! Nicht geeignet für Kleinkinder und Hunde). Der Steig zum Hauptgipfel wendet sich an der Einsattelung wieder in südliche Richtung und gewinnt vorbei an einigen Aussichtspunkten die restliche Höhe bis zum 1338 m hoch gelegenen Gipfelkreuz des Heubergs, der seinen Namen von der früheren Almwirtschaft auf den damals üppigeren Bergwiesen hat. Entweder gibt es hier die verdiente Gipfelbrotzeit – oder wer noch etwas Kondition übrig hat, besteigt in rund 15 Min. über einen kleinen Klettersteig (schwarz) den Felsgipfel der Wasserwand (1367 m; Trittsicherheit erforderlich! Nicht geeignet für Kleinkinder und Hunde) oder folgt in rund 25 Min. in südlicher Richtung den etwas ausgesetzten Steig (rot-schwarz) hinüber zum Kitzstein (1398 m), dessen Gipfel über mehrere hundert Meter abrupt nach Süden abbricht. Auf dem Weg dorthin zeigen Draht- und Mauerreste die frühere Almbeweidung an, bevor sich dort der Fichtenwald ausgebreitet hat.

Abstieg:
Vom Heuberg-Hauptgipfel führt nun der markierte Steig (DAV 224; rot) im Wald etwas unklar und nach feuchter Witterung leicht rutschig nach Osten hinunter zu den bewirtschafteten Daffnerwald-Almen (1050 m), in die zum Aufwärmen eingekehrt oder mit einer „kühlen Blonden“ oder einem „dunklen WeiBi“ auf der Terasse die Sonne und Aussicht genossen werden kann. Der weitere Abstiegsweg führt in nördlicher Richtung zum Weiderost und unmittelbar danach rechts hinunter auf einen letzten begehbaren Teil des historischen Almerschließungswegs um 1900. Ab der Kehre wurde die neuere Betonstrasse darüber gelegt – aber wir kreuzen diese hinüber auf einen etwas unscheinbaren Pfad (ohne Markierung), der nun oberhalb der Fahrstrasse leicht abwärts zu einer Jagdhütte führt. Kurz darauf wird die Wiese von Mailach (ca. 970 m) erreicht, an der kurz links gegangen und sogleich an der ersten Hütte nach rechts abgebogen wird. Nach wenigen Metern zweigt nach links ein mit einem „Stoamandl im Kochtopf“ markierter Pfad ab, dem über eine Lichtung abwärts gefolgt wird, bis er einen Forstweg kreuzt (blauer Pfeil am Baum). Alten roten Markierungspunkten folgend führt der Pfad im Wald auf einem Geländerücken weiter hinab (rot) und mündet in einen steinigen Waldweg, der an einem großen Felsblock vorbei in die Bergstrasse (DAV 223; blau) mündet. Für einige Zeit muss hier auf einem größtenteils geschotterten Abschnitt abgestiegen werden – bis unterhalb das barocke Kirchlein und die Einsiedelei von Kirchwald (670 m) auftauchen (die Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung ist i.d.R. zur Andacht bzw. Besichtigung geöffnet). Nach dem Passieren einer geweihten Quellfassung („Brunnenkapelle“) dauert es nicht lange, bis nach rechts ein ausgeschilderter Fußweg abzweigt, auf dem die letzten Höhenmeter hinab nach Nußdorf abgestiegen wird. Auch hier lohnt es sich, noch einen interessierten Blick neben den Pfad zu richten, denn die sichtbaren parallelen „Spurrillen“ im Gelände sind die alten (Scheiben)Wege der früheren Samer, die mit ihren Pferden die Salzscheiben, von Bad Reichenhall über den Samerberg kommend, hier hinunter zur Verschiffung auf dem Inn gebracht haben. Bevor der Pfad über Treppenstufen steiler hinabführt, befindet sich rechts/nördl. unterhalb der vermutete Standort der historischen Zollburg Klammenstein (alle Steine wurden abgetragen und zum Kirchenbau in Nußdorf verwendet). Die letzten Wanderminuten sind vom Morgen her bekannt – ggfs. drängt der Durst in einen schattigen Biergarten zur Einkehr – und via Waldpark und entlang des Steinbachs kann der Ausgangspunkt wieder erreicht werden.


Steinbruch Nußdorf-Überfilzen:

Beginnend im Frühjahr 2015 gab es in der Lokalpresse zahlreiche Berichte hinsichtlich der Erweiterung des Steinbruchs Nußdorf-Überfilzen, denen lebhafte Diskussionen in den öffentl. Gemeinderatssitzungen und auf der Informationsveranstaltung für die Bürger vorausgegangen waren. Der Betreiber, das Rohrdorfer Zementwerk, dachte über eine „bequemere“ Abbaualternative nach, die vorsah, die bereits Mitte der 90’er-Jahre verkürzte (obere) Sichtschutzwand noch weiter abzutragen und damit an für die Zementherstellung qualitativ hochwertiges Kalkgestein heranzukommen.
Der Steinbruch wurde bereits in den frühen 60’er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts eingerichtet und sollte im Wesentlichen hinter einem schmalen Schlitz einer ausgeprägten Felswand stattfinden. Durch diese Vorgabe war eine möglichst geringe Beeinträchtigung der Bewohner vorgesehen – und obendrein der Steinbruch „kaum“ zu bemerken. Über viele Jahre wurde im Steinbruch nur reduziert abgebaut und selbst nach einer Erweiterung der Abbaugenehmigung konnte lange Zeit auf dem alten (historischen) Bichleralm-Steig der Heuberg „in Ruhe“ erstiegen werden, ohne den Steinbruch optisch zu erkennen. Dies änderte sich schlagartig mit dem Bau der heutigen Werkstrasse Mitte der 90’er-Jahre, die den Steinbruch nach oben hin öffnete. Seitdem war es bei jeder Wanderung möglich, die Abholzung des Bergmischwaldes und den Abbaufortschritt direkt zu beobachten.
Die Abbaualternative „Sichtschutzwand“ wurde schließlich „um den Jahreswechsel 2015/16“ aufgegeben, geblieben ist die ursprüngliche, Mitte der 90’er-Jahre bewilligte Abbaugenehmigung, die im Plan jedoch sich widersprechende Angaben bzgl. der maximalen Abbauhöhe aufweist. Zwischen der gezeichneten „halbrunden“ Abbaulinie in Relation zum tatsächlichen Gelände und der Angabe, die „Oberkante des Steinbruchs“ sei max. 758 m über NN, ergibt sich im Bereich der sog. Garwand, eine bisher bewaldete Geländenase, eine Differenz von rund 100 Höhenmetern. Eine klärende Anfrage der Gemeinde Nußdorf bei der Regierung von Oberbayern führte Anfang 2016 zu der Rückmeldung, dass die im genehmigten Lageplan von 1994 verzeichnete horizontale Abbaulinie (=Rundung) maßgebend sei und die max. Abbauhöhe sich (halt) dann durch das vorhandene Gelände ergäbe. Dies ist in der Entscheidung insofern von Bedeutung, nicht nur dass der Bichleralm-Steig unweit über der Garwand verläuft, sondern die obere Abbaukante dann auch optisch weit über die Sichtschutzwand hinauswächst und der Steinbruch weithin noch sichtbarer wird.


Flora und Fauna:

Am Fuß des Heubergs entlang des „Römerwegs“ wachsen im lichten Wald große Felder mit Bärlauch, die im Frühjahr wie ein „weißer Teppich“ blühen. Abhängig von der Jahreszeit lassen sich später im lichten Wald-/Wiesenbereich des Auf- und Abstiegs vereinzelt der zart blühende Seidelbast, die Akelei, der Türkenbund und der Schwalbenwurz-Enzian, sowie verschiedene Knabenkrautarten antreffen. Im oberen Gipfelbereich blüht etwas unscheinbar die Graslilie, der Mücken-Händelwurz und der Grossblütige Fingerhut. Da der Heuberg in die Föhnschneise des Inntals hineinreicht, kann in den wärmeren Südflanken die Alpen-Aster erspäht werden, die sonst in den Südalpen beheimatet ist.

Der jährliche Höhepunkt jedoch, sind unmittelbar nach dem Abschmelzen der Schneefelder die unzählig violett und weiß blühenden Krokus-Wiesen auf der Daffnerwald-Alm. Dennoch muss der richtige Zeitpunkt im April oder gar Anfang Mai gewählt werden, denn das prachtvolle Schauspiel dauert nur wenige Tage.

In den feuchten Laubmischwäldern des unteren Heuberg-Bereiches ist in der Nähe von kühlen Quellbächen der Lebensraum vom „Lurch des Jahres 2016“, dem Feuersalamander. An einsameren Tageszeiten lassen sich im Heuberg-Gipfelbereich kleinere Herden mit Gämsen beobachten, die auf den offenen Wiesenbereichen äsen, sich tagsüber aber in den felsigen Waldbereich unterhalb der Gipfel zurückziehen. Ihr Warnpfiff hat sie verraten: Oberhalb der Daffnerwald-Alm ist offenbar doch eine Murmeltier-Familie zuhause, denn die Zuwanderung in dieses Gebiet dürfte nicht so einfach sein. Und wenn der Eindruck nicht getäuscht hat, dann konnten zwei junge Steinadler (ggfs. auf der „Durchreise“?) am Kitzstein in der Frühjahrsthermik beim Aufwind-Kreisen beobachtet werden.

Vorsicht: Für die Wanderer ziemlich „unscheu“ sind die z.T. recht kleinen und unscheinbaren Zecken, die bereits ab dem wärmeren Frühjahr im Gras im Gipfelbereich, aber auch auf dem Weg dorthin, auf ihre „vorbeistreifenden Opfer“ warten. In Internet-Foren wurde bereits, insbesondere bei individuellen „AbseitsAufwärts-Touren“, von einer „Zecken-Tourensiegprämie“ am Körper im niedrigen zweistelligen Bereich berichtet – und aus eigener Erfahrung: Man findet diese Biester auch noch Tage später...


Geologie:

Die Chiemgauer Alpen sind ein geologisches Durcheinander und ein Berg besteht selten aus ein- und demselben Gestein. Dies ist bereits an den verschiedenen Formen der Berge zu erkennen: Sanfte Höhenzüge und schroffe Felsstöcke wechseln sich am Nordrand der Kalkalpen ab und bestehen dabei aus Material sehr verschiedenen Alters. Vor etwa 285 Millionen Jahren hatten sich die Schichtgesteine in der Nähe der Nordküste eines warmen alpinen Mittelmeeres abgelagert, das um einiges südlicher als die heutigen alpinen Formationen des Chiemgauer Raumes gelegen hat. Die Gebirgsbildung hat ungefähr vor etwa 140 Millionen Jahren begonnen und etwa 60 Millionen Jahre gedauert. Dabei haben sich gewaltige Ablagerungsdecken mehrmals übereinander geschoben und das Gebiet wurde schließlich durch die imensen Kräfte der Erdplattentektonik aufgefaltet. Im Gegensatz zu den (Kalk-)Hochalpen, in denen die Gesteine oft 1000 Meter dick aufgewachsen sind, haben die Kalkvoralpen geologische Schichten, die selten mehr als 150 Meter betragen. In der Folge konnten die schmächtigeren und weicheren Schichtpakete der Kalkvoralpen dem Faltungsdruck weniger standhalten als die mächtigen starren Felsblöcke der Kalkhochalpen und die Gesteinsverbände am Nordrand der Alpen weisen dadurch eine stärkere Faltung und Störung auf. Schließlich haben Frost, Wind und die Arbeit des Eises der ehemals vielen großen und kleinen Tal- und Kargletscher das Bild der Voralpenlandschaft so gestaltet, wie wir es heute wechselvoll vor uns haben.
Das Heuberg-Massiv macht in all dem keine Ausnahme und besteht, sowohl optisch in der Natur, als auch auf geologischen Karten* erkennbar, aus vielen unterschiedlichen Gesteinsqualitäten. Mit am ältesten und auch am kompaktesten ist der Muschelkalk, der an der unteren Westflanke des Heubergs zutage tritt und heute im dortigen Kalksteinbruch abgebaut und schließlich zu Zement weiterverarbeitet wird. Bzgl. dem Vorkommen schließt sich oft der Wettersteinkalk an und bildet mit dem Muschelkalk schroffe Wände und Steilabstürze. Die Felsen unterhalb der Bichleralm und die Kindlwand bestehen im Wesentlichen aus diesem Gestein. Die Wasserwand, aber auch Kundl und Backofen, haben den jüngeren Oberrät-Riffkalk als Grundmaterial, der sehr widerstandsfähig ist und glatte, schroffe Wände und Zacken bildet. Der Heuberg-Grasgipfel und der Kitzstein besteht aus noch jüngeren Jurakalke (Kieselkalk und Fleckenmergel, Dogger), die reich an fossilen Versteinerungen sein sollen. Auch die senkrecht abfallende Höllwand ist diesem Gestein zuzuordnen und weist neben kompakten Platten mit eisenfesten Quarznoppen oftmals großbrüchigen Fels auf. Ein weiterer wesentlicher Gesteinsbestandteil, das das Heuberg-Massiv über die Eingefallene Wand und die Wasserwand-Nordflanke/Mailach durchzieht, ist der Hauptdolomit, der brüchig-spröde ist und zu kleinen Felsstücken verwittert. Diese zerfallende Eigenschaft hat auch der auf der Kindlwand liegende Wettersteindolomit, was dadurch die erhöhte Steinschlaggefahr rund um diesen Felskopf erklärt.
Link zur geologischen Karte im Bayernviewer


Literatur:

Karte:Alpenvereinskarte BY17
Chiemgauer Alpen West: Hochries, Geigelstein
von Alpenverein
Wanderkarte:UK50-54 Chiemsee, Chiemgauer Alpen
Traunstein, Wasserburg a.Inn, Haag i.OB, Simsee, Kaiserwinkl
Karte:Rund um Heuberg - Dandlberg - Samerberg und Kranzhorn
von Stuffer, Dr. Georg
Software:TOP50 (Bayern-Süd) / AMAP3D
von Bayerisches Landesvermessungsamt / Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen
Bildband:Chiemgauer Alpen
Wasser - Moore - Wälder - Felsen
von Zebhauser, Helmuth
Alpenvereinsführer:Alpenvereinsführer Chiemgauer Alpen
von Zebhauser, Marianne und Helmuth
Wanderführer:Hüttenwandern in den Münchner Hausbergen
von Rolle, Reinhard
Wanderführer mit botanischen Beschreibungen:Blumenwanderungen in den Münchner Hausbergen
von Wiesmeier, Martin
Führer:Winterwandern Berchtesgaden – Chiemgau – Salzburg
50 Wander- und Schneeschuhtouren
von Strauß, Andrea und Andreas

GPS-Daten:

Die GPX-Datei enthält knapp 1500 Trackpunkte

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 Wasserwand
Das Panorama zeigt den Ausblick vom Gipfel der Wasserwand


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