Bildinfo


roBerge.de

Sagen und Legenden rund um den Wendelstein


Autor / Autoren:

»Bernrieder, Dr. Josef und Eberle, Ines (Illustrationen)«


Buchbild

Beschreibung:

Das Buch ist eine lesenswerte und interessante Zusammenstellung der schönsten Sagen des Inntales, mit netten Zeichnungen liebevoll illustriert.


Inhaltsverzeichnis:

Eine der vielen Sagen, die das Buch enthält:

Warum das erste Kirchlein des Inntales auf den Kleinen Madron (Petersberg) und nicht auf den Großen Madron kam.

Auch in alten Zeiten endete der Bergwald am Hohen Madron dicht unterhalb des kuppelförmigen Gipfels. Auf der freien Wiese dort oben hielten unsere Vorfahren ihre Versammlungen ab, wenn der Gaugraf die Edlen seines Stammes zu Beratungen zusammenrief, oder wenn Gerichtstag gehalten wurde. Auf dieser freien Bergwiese hoch über den Niederungen fühlten sich die Menschen aber auch ihren Göttern besonders nahe, so dass sie mit ihren Priestern auf dem ,,Maderan", was soviel heißt wie ,,Berg der Gemeinschaft", auch ihre Gottesdienste und religiösen Feste feierten.

Als dann die vom Papst in Rom ausgesandten fünf, sechs Mönche ins Inntal kamen, um die Bergbauern zum Christentum zu bekehren, wollten die neuen Christen auch eine Kirche haben. Auf den heiligen Berg der Ahnen, den Großen Madron, sollte sie kommen. Also fällten Bauern und Knechte am Berg Bäume und Zimmerleute begannen, die Stamme für den Kirchenbau zu bebauen. Einer der Männer schlug sich mit der Axt versehentlich in die Hand, so dass sein Blut die abgefallenen Späne rot färbte. Die Arbeit aber ging trotzdem weiter. Jedoch schon am anderen Morgen hackte sich ein Holzknecht tief in den Fuß und wieder floss Blut auf die Holzspäne. Und so passierten immer wieder schlimme Unfälle. ,,Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen!" sagten sich schließlich die arbeitgewohnten Männer. Sie unterbrachen ihre mühsame Arbeit auf dem Berg. Kaum hatte das Lärmen des Holzhackens aufgehört, kamen ein paar Bergfalken ohne Scheu angeflogen. Jeder nahm einen von den blutigen Spänen mit seinem Schnabel auf und schwirrte damit ab. Die erstaunten Leute guckten ihnen nach. Zum Kleinen Madron hinüber, dem niedrigeren Nachbarberg, brachten die Vögel die blutigen Späne, legten sie dort nieder und kamen zurück, um ihr Tun zu wiederholen. Jetzt erkannten die Kirchenbauer, dass Gott sein Haus nicht auf dem alten Heidenberg haben wollte. Sie packten ihr Werkzeug zusammen, gingen hinüber auf den Kleinen Madron, der heute Petersberg heißt, und begannen dort ihr Werk von neuem. Ohne jeden Unfall konnten sie es jetzt zu Ende bringen. Ihr Kirchlein, zu dem früher auch noch ein kleines Kloster gehörte, grüßt heute noch mit seinem behäbigen Satteldach herab ins Inntal.


Aus dem Inhalt:


Die Erlösung einer armen Seele

Oft fand eine Almerin auf dem Kranzhorn ihren Weg zur Bergkapelle. Eines Tages bemerkte sie, dass auf der Kapellenschwelle eine Kröte saß. Sie stieß diese voller Abscheu zur Seite. Immer wenn die Sennerin zur Andacht sich in der Kapelle einstellte, saß diese Kröte am Eingang und blähte sich gewaltig auf. Auf einmal bekam sie Federn wie eine Henne, hüpfte in die Kapelle, vor deren Altar sie sich auf die Hinterbeine stellte und die vorderen Füße, wie betend, übereinander legte. Die Sennerin erschrak über das seltsame Verhalten dieses Tieres und konnte sich daraus keinen Reim machen. Als sie sich bekreuzigte, war die Kröte von Stund an verschwunden. Der Almerin aber dämmerte es, dass dies eine arme Seele in Gestalt einer Kröte war, die nunmehr ihre Erlösung gefunden hatte. All der Spuk war wie zerronnen.

 


Weiterführende Links:

Verlag:Meissnerdruck, D-83080 Oberaudorf
Bestellung:erhältlich unter anderem im Rosenheimer Buchhandel