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Autor Thema: 24.06.16: Mangfallgebirge: Alte Steige im Brecherspitzgebiet  (Gelesen 756 mal)

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Offline geroldh

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    • climbing Chulu Far East (6059m), Annapurna Himalaya, Nepal (Okt.2007)
Im Rahmen einer Erkundungstour Mitte Sept. des verg. Jahres hatte ich bemerkt, dass es rund um die Brecherspitz noch ein paar (historische) Steigmöglichkeiten gibt – und diese zu begehen war nun das Tagesziel. Nach einigen feuchten und unterkühlten Wochen konnte das Gelände bereits ein paar Tage abtrocknen (wichtig, um die Trittsicherheit zu erhöhen!), aber dass es vor dem angekündigten Wettersturz am WE nun ausgerechnet der (bisher) heißeste Tag des Jahres werden würde (Zugspitze: 12,6°C; München 32°C; Berlin 35°C) #sonne6#, war dann ein herausfordernder Nebeneffekt, der durch Halbschatten und Wind jedoch einigermaßen erträglich wurde.

Zur Übersicht die Eckpunkte unserer Tages-Rundtour:
Start Spitzingsattel (ca. 1130m) – Aufstieg „Ostgratsteig“ (steil, T3+UIAA I) auf Brecherspitz-Gipfel (1685m) – Abstieg auf „Touri-Westgrat“ (T2) über Vorgipfel und via Freudenreich-Kapelle (am Grat) zur Oberen Freudenreichalm (ca. 1360m) – Höhen(weg) „Freudenreichsteig“ (Steilhang-Querungen!, T4!) nach Norden zum Grat-Gipfel Dürnbachwand (ca. 1280m; Sicht auf Schliersee) – Höhen(weg) „Ankelsteig“ (Querungen, T3+) nach Süden zur Ankelalm (ca. 1300m; Einkehr) – Gegenanstieg auf Brecherschneid (ca. 1430m) – Abstieg „Jägersteig“ (T3) und auf Höhenweg „Oststeig“ (T2) zurück zum Spitzingsattel (ca. 1130m)

Bei dieser Tourenmöglichkeit halten sich die absoluten Höhenmeter in Grenzen, aber das zu begehende Gelände ist abschnittsweise überaus anspruchsvoll und erfordert vom geübten Bergler unbedingt Trittsicherheit (gutes Schuhprofil), Koordinationsfähigkeit (sichere Bewegungen), Schwindelfreiheit, Orientierungsvermögen und mentale Stärke. Ich hatte die Tour vorab mit verfügbarem Material aus dem Internet (Übersicht: Steige rund um den Brecherspitz; BayernAtlas: Kartenausschnitt und Luftbild) vorbereitet, war dann aber ganz „klassisch“ ohne GPS unterwegs und konnte mit einer gewissen Tourenerfahrung und durch Aufmerksamkeit die Route im Gelände „lesen“. Zusätzlich ist „etwas Steigsuche“ für mich ohnehin „die Würze“ bei einer gelungenen Bergtour...

Was gäbe es zur Tour noch zu ergänzen?
Dadurch dass die Morgensonne in den Ostgratsteig hineinknallt, werden die rund 550m Aufstieg eine erste Bewährungsprobe, aber die „Schlüsselstelle“, an der sich „leichtsinnige Wanderer“ schon mal mit dem Hubschrauber ausfliegen lassen (müssen), merken wir kaum. Die größte Menschenansammlung des (Frei)Tages haben wir natürlich am Gipfelkreuz der Brecherspitz, danach wird es zunehmend ganz schön einsam. Am Brunnen an der alten Skihütte („SCA“) zw. der Freudenreich-Kapelle und der Oberen Freudenreichalm lässt sich die Trinkflasche nochmals mit leckerem Quellwasser füllen – die nächste flüssige Möglichkeit in Form einer „isotonischen Hopfenschorle“ wird es erst wieder an der Ankelalm geben.
Während andere leichtere und deutlich sichtbarere Steige im BayernAtlas, aber auch den „offiziellen“ (Wander)Karten wie Alpenverein oder Kompass-Verlag, fehlen (oder sogar herausgenommen werden), so ist ausgerechnet der anspruchsvolle (T4) „Freudenreichsteig“ dort verzeichnet.
… bei Nässe absolut abzuraten, wer auf den steilen Grashängen ausrutscht der kann sich garantiert nicht mehr halten. ...
Eine häufigere Begehung durch kompetente(!) Bergler könnte jedoch den zunehmenden Verfall ggfs. etwas aufhalten bzw. die Spur wieder deutlicher machen. Ähnlich verhält es sich m.E. mit dem „Brecherspitz-Jägersteig“: Soweit ich es im Gelände noch „lesen“ konnte, wurde die untere Hälfte vor viieelen Jahrzehnten (ggfs. vor 150 Jahren!?) mit größerem körperl. Einsatz als knapp 1m breiter Nutzpfad angelegt, irgendwann aber aufgegeben und dem zunehmenden Verfall preisgegeben.
Jetzt im Sommer weniger ein Problem, aber für die Tourenplanung in den Wintermonaten sollte bedacht werden, dass in der (gedruckten) AV-Karte das süd-östliche Gebiet unterhalb der Brecherspitz (betr. v.a. den „Ostgratsteig“, aber auch „Jägersteig“) durch den DAV als (freiwilliges) „Wald-Wild-Schongebiet“ markiert ist.

roBerge.de

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« am: 26.06.2016, 11:11 »