Niederjochkogel


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Vorderriß - Staffelgraben

»Entführung in die Zauberwelt«


Man erblickt die Blüte und ist gebannt: Dieser gelbe Schuh würde jeder Märchenprinzessin gut zu Gesicht stehen. Beim Frauenschuh handelt es sich um eine der größten und zauberhaftesten Einzelblüten, die heimische Pflanzen in Mitteleuropa hervorbringen können. Bei der Rundwanderung im Isartal bei Vorderriß begegnen wir der streng geschützten „Orchidee des Jahres 2010“ gleich an mehreren Stellen. Doch als ob sich der Naturfreund dieses seltene Glück erst verdienen müsste, sind die Bergpfade zu den Fundstellen nur mit Trittsicherheit und Orientierungsvermögen zu meistern.
Um den optimalen Blütenrundgang zu vollziehen, nehmen wir den teils sehr steilen Anstieg zum Schürpfeneckberg und dort auch weglose Waldpassagen in Kauf. Wer sich beim Anstieg unsicher fühlt, kehrt auf derselben Route wieder zum Ausgangsort zurück; alternativ gelangt man auf markiertem Waldsteig (Einstieg bei der Mautstelle) über den Roßsattel zur Luitpoldalm, verpasst dann allerdings den Blütenreichtum im Isartal.

Der Routenverlauf: Vorderriß – Schürpfeneckberg – Luitpoldalm – Laineralm – Staffelgraben – Isartal - Vorderriß

Der Aufstieg vom Isartal zum Schürpfeneckberg ist im oberen Abschnitt sehr steil.

Der Gelbe Frauenschuh wächst am Fuß des Berges und, etwas später blühend, im Staffelgraben.


Kurzinfo:

Region:Karwendel
Tourenart:Bergtour (schwer)  
Erreichte Gipfel:Schürpfeneckberg 1296 m
Dauer:7 Std.
Touristinfo:Lenggries

Anforderung:

Höhenunterschied:800 m
Schwierigkeit:schwer
Sowohl weg- als auch orientierungstechnisch schwierige Tour! Die Bergpfade sind kaum markiert sowie teilweise steil und abschüssig (einzelne Drahtseile) – Trittsicherheit unbedingt erforderlich!
Sehr steiler Anstieg zum Schürpfeneckberg, im Wald Richtung Luitpoldalm auch weglose Passagen, hier allerdings in einfachem Gelände!
Wegweiser: Tourenrelevante Beschilderung so gut wie nicht vorhanden.
Hinweis Wandervarianten (siehe Text) beachten!

Startpunkt:

Parkplatz vor der Bachbrücke (Gasthof zur Post) in Vorderriß, 786m


GPS-Wegpunkt:

N47 33.557 E11 26.177  [@google-maps]

Umweltfreundliche Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln:

Bayerische Oberlandbahn (BOB) nach Lenggries, RVO-Bus Richtung Eng (Station Vorderriß)

Mit dem Pkw:

Ab Bad Tölz B 13 über Lenggries nach Vorderriß.


Ab Rosenheim: 85 Km / 1:10 Std
Ab München: 80 Km / 1:10 Std
Ab Bad Tölz: 35 Km / 0:30 Std
Ab Salzburg: 160 Km / 1:50 Std


Tourenplaner / Online-Fahrpläne:

hier klicken


Tourenbeschreibung:

Parkplatz vor der Bachbrücke (Gasthof zur Post) in Vorderriß, 786m


Aufstieg:

Vom Parkplatz in Vorderriß überqueren wir die Isarbrücke und wandern rechts in das ausgewiesene Landschaftsschutzgebiet. Bereits im Talboden stoßen wir auf eine üppige Alpinflora, darunter Kugelige Teufelskralle, Bergflockenblume, Gewöhnliche Kreuzblume, Weiße Silberwurz, Wohlriechende Weißwurz, Maiglöckchen und das seltene Steinröschen, ein ausladender Zwergstrauch mit vielen rosa Blüten. An der Weggabelung halten wir uns links und erreichen einen kleinen Bach. Dahinter folgen wir einem Wiesenpfad, der sich in Kehren einen kleinen Steilhhang hochwindet und den Hang bis zu einem Zaun quert. Einzelne Schwertblättrige Waldvöglein und Knabenkräuter säumen den Wegesrand. An der zweiten Serpentine stoßen wir auf die vielblütige Frauenschuh-Kolonie.   

Die prächtige Orchidee verwendet einen Trick zur Fortpflanzung: Nektarsuchende Sandbienen gleiten in den Schuh, kriechen von hellen „Fenstern“ geleitet an Staubblatt und Narbe entlang zu einer engen Öffnung und bestäuben beim Hinausschlüpfen, sofern sie schon Pollen tragen, die Blüte; ein Zurück gibt es nicht mehr, weil der Haupteingang mit einem schmierigen Ölfilm überzogen ist. Dieses Wechselbad der Gefühle ist für das Insekt immer noch besser als in den Klauen einer Krabbenspinne zu enden, die manchmal im Schuh auf ihre Opfer lauert. 

Luftiger Anstieg in sanftes Wald- und Wiesengelände

Nach einigen Kehren führt der Jägersteig in eine kleine Bachschlucht und links haltend über steile Wiesen empor. Zahlreiche Stängellose Enziane und kühn in Felsnischen wachsende Alpen-Aurikel sorgen neben dem Weißen Silberwurz für Farbtupfer. Dann geht es an Drahtseilen gesichert in eine Geländesenke hinab und weiter in einen kleinen Kessel. Hier endet der Pfad: Wir überwinden die letzten Meter bis zur nahen Einsattelung vis-à-vis der kühnen Felswand auf Pfadspuren über steile Grasmatten in der Direttissima!
 
Das Gelände im Wald wird deutlich flacher, dafür unübersichtlicher. Wir halten uns links stets in Nähe des bewaldeten Bergkamms, überschreiten dabei mehrere Geländebuckel – höchster Punkt: der Schürpfeneckberg - und ignorieren abzweigende Holzfällerwege; allein der vom Roßsattel hinabführende, rot markierte Wanderweg führt uns zielsicher zur Luitpoldalm. Im sumpfigen Almgelände treffen wir neben Frühlingsenzian und Mehlprimel vor allem auf Gelbblüher: Sumpfdotterblume, Trollblume und Blutwurz. Wir erreichen einen breiten Wanderweg, den wir später links durch Wald Richtung Laineralm verlassen. Die Alm lassen wir rechts liegen und wandern nach kurzem Gegenanstieg an einer T-Kreuzung nach rechts; nach wenigen Minuten zweigt von dem breiten Forstweg abermals rechts unser deutlich erkennbare Steig in den Staffelgraben ab. 

Abstieg durch den Staffelgraben

Der Steig führt zunächst relativ flach über sumpfige Feuchtwiesen mit vielen Enzianen, dann geht es abrupt und steil in die wildromantische Bachklamm. Weitere Frauenschuhe, teilweise Ende Mai in der Höhe noch nicht blühend, liegen am Weg. Im Talboden der Klamm folgt ein etwas luftiger Gegenanstieg an Drahtseil und Stiften. Etwas später zweigt rechts ein Steig von dem nun wieder breiteren Weg ab; in weitem Bogen erreichen wir das Isartal und nach Querung des breiten Kiesbetts die Deutsche Alpenstraße. Von hier sind es noch öde vier Kilometer bis Vorderriß, die wir bei Blitz und Donner trampend zurückgelegt haben.


Flora und Fauna:

Blumen am Weg: Maiglöckchen, Kugelige Teufelskralle, Wohlriechende Weißwurz, Steinröschen, Gewöhnliches Kreuzblümchen, Berg-Flockenblume, Herzblättrige Kugelblume, Trollblume, Weiße Silberwurz, Schwertblättriges Waldvöglein, Frauenschuh, Stängelloser Enzian, Alpen-Aurikel, Gewöhnliche Akelei, Knabenkraut, Mittlerer Wegerich, Blutwurz, Brillenschötchen, Sumpfdotterblume, Frühlingsenzian

Der Gelbe Frauenschuh:
Fundstellen unterwegs: Beim Anstieg zum Schürpfeneckberg ca. 100 m über dem Talboden; beim Abstieg im Staffelgraben mehrere Kolonien
Familie: Orchideengewächse, Blütezeit: Mai bis Juni, Lebensraum: Lichte Wälder mit grasig-krautigem Unterwuchs, bevorzugt im Halbschatten
Wichtigste Merkmale:
• 15 – 60 cm Höhe
• pantoffelförmige, kräftig gelbe Blütenlippe mit vier purpurbraunen, abstehenden, oft spiralförmig gedrehten Blütenblättern
• am Stängel 3-5 breit-elliptische, spitz zulaufende Laubblätter; meist 1-2 Blüten je Stängel; wächst gern in Kolonien
Schon gewusst? Der Frauenschuh braucht mindestens 16 Jahre, um erstmals zu erblühen. Auf zunehmende Beschattung und Beschädigung reagiert er äußerst empfindlich. In privaten Vorgärten ist er zum Sterben verurteilt.
Diese stolze Orchidee steht unter strengstem Naturschutz!


Literatur:

Wanderführer:Die schönsten Blüten-Wanderungen in Oberbayern
40 Touren für Einsteiger und Kenner
Reimer, Michael
Karte:Kompass Wanderkarte Nr. 182, Isarwinkel Bad Tölz Lenggries
Wandern, Rad, Skifahren
Kompass

Karte: