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Heuberg und Kundl

»Heuberg - mal anders und schwer!«


Am Südosthang des Heubergs, also in Richtung zum Kranzhorn, befinden sich zwei riesige Felsen, der Backofen und die Kundl. Der Sage nach handelt es sich um einen versteinerten Backofen. Vor ihm steht eine versteinerte Frau, die Kundl, die wegen ihres Geizes zu einem Fels erstarrt ist. Beide Felsen bilden einen kleinen Klettergarten mit einem Schwierigkeitsgrad ab III nach UIAA. Der kürzeste Zustieg erfolgt in ca. 50 Minuten von Nußdorf aus. Wir stellen auf dieser Seite einen unbekannten, längeren Weg vor, der vom Samerberg aus über die Kindlwand zu dem Klettergebiet führt. Der Weg ist teilweise beschwerlich, oft nur in Spuren erkennbar und für Kinder nicht geeignet. Ein Teil-Anstieg von rund 150 Höhenmeter erfolgt weglos durch steiles Wiesen- und Felsgelände. Wer aber den Heuberg einmal von einer anderen Seite als den bekannten Wegen kennen lernen will, der wird mit dieser Variante voll auf seine Kosten kommen.

Die Kindlwand, hier vom Grasgipfel aus gesehen.


Kurzinfo:

Region:Chiemgauer Alpen
Tourenart:Bergtour (schwer)  
Erreichte Gipfel:Kindlwand 1229 m, Heuberg (Grasgipfel) 1310 m, Wasserwand 1367 m
Dauer:Parkplatz - Kindlwand 1 Stunde
Kindlwand - Kundl/Backofen 20 - 30 Minuten
Kundl/Backofen - Grasgipfel 45 Minuten
Grasgipfel - Wasserwand 15 Minuten
Wasserwand - Heubergalmen 30 Minuten
Heubergalmen - Parkplatz 40 Minuten
Gesamtgehzeit ca. 4 Stunden
Sehenswertes:Wenn man Glück hat, kann man auf der Plattform vor der Kundl Kletterern beim Erklimmen der Kundl zuschauen.
Weblinks:Die Sage von der Gundel und dem Backofen
Kleiner Kletterführer Heuberg, mit Backofen und Kundl

Anforderung:

Höhenunterschied:Waldparkplatz Schweibern ca. 800 m, Kindlwand 1229 m, Bichleralm ca. 1000 m, Grasgipfel ca. 1310 m, Wasserwand 1367 m, Heubergalmen 1050 m
insgesamt ca. 800 m
Schwierigkeit:schwer
mittel (mehrere Stellen UIAA I), guter Orientierungssinn erforderlich

Einkehrmöglichkeit:

Lagler Hütte (Daffnerwaldalm):
im Sommer Dienstag bis Sonntag, im Winter Donnerstag bis Sonntag, während der Weihnachts- und Osterferien ist immer geöffnet
Link zur Hütte ...mehr Info, hier klicken

Deindlalm:
Von Ende Oktober bis Mitte Mai:
DI bis SA von 10 bis ca 23 Uhr, SO und Feiertag von 10 bis 18 Uhr
MO Ruhetag, Schulferien täglich geöffnet
Von Mitte Mai bis Ende Oktober: täglich geöffnet
Link zur Hütte ...mehr Info, hier klicken

Hinweis: Da wir die Öffnungszeiten, Übernachtungshinweise, etc. oft aus dritter Hand erhalten, kann es immer wieder vorkommen, dass die hier veröffentlichten Daten nicht mehr ganz aktuell sind. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich bitte vor Beginn einer Tour direkt bei der Hütte informieren (Telefon / Homepage).


Startpunkt:

Wanderparkplatz Schweibern auf dem Samerberg, 782m


GPS-Wegpunkt:

N47 44.314 E12 12.245  [@google-maps]

Umweltfreundliche Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln:

Mit der Bahn nach Rosenheim, weiter mit dem Bus bis nach Grainbach, von dort ca. 5 km zu Fuß weiter Richtung Duftbräu bis zum Weiler Schweibern (450 m hinter dem Duftbräu). Direkt bei Schweibern folgt man in südwestlicher Richtung dem Forstweg zum Wanderparkplatz, der sich nach 280 m im nahe gelegenen Wald befindet.

Mit dem Pkw:

Inntalautobahn Ausfahrt Brannenburg, von dort nach Nußdorf fahren. Im Zentrum von Nußdorf links abbiegen Richtung Neubeuern, 500 m nach dem Ortsende rechts Richtung Samerberg halten. In Roßholzen bei der Kapelle rechts abbiegen und nun immer Richtung Duftbräu halten, bis man den Weiler Schweiber (Schweibern) erreicht. Dort folgt man in südwestlicher Richtung dem Forstweg zum Wanderparkplatz, der sich nach 280 m im nahe gelegenen Wald befindet.
Oder: A8 München-Salzburg, nach der Ausfahrt Achenmühle links abbiegen nach Achenmühle, dort rechts den Samerberg hinauf in Richtung Törwang. Bei einer Abzweigung links Richtung Duftbräu fahren, bis man den Weiler Schweiber (Schweibern) erreicht. Dort folgt man in südwestlicher Richtung dem Forstweg zum Wanderparkplatz, der sich nach 280 m im nahe gelegenen Wald befindet.


Ab Rosenheim: 20 Km / 0:25 Std
Ab München: 85 Km / 0:50 Std
Ab Bad Tölz: 65 Km / 1:00 Std
Ab Salzburg: 80 Km / 0:55 Std


Tourenplaner / Online-Fahrpläne:

hier klicken


Tourenbeschreibung:

Wanderparkplatz Schweibern auf dem Samerberg, 782m


Parkplatz - Kindlwand: Beim Parkplatz den Weg in südwestlicher Richtung einschlagen, nach ca. einer halben Stunde wird ein ausgebauter Fahrweg erreicht. Es ist die Forststraße, welche von Nußdorf herauf führt. Hier geradeaus (!) weiter - nach einigen Minuten öffnet sich eine sonnige Lichtung. Vor sich sieht man rechts hinten bereits die Spitze der Kindlwand. Auf der rechten Seite der Lichtung steht eine kleine Jagdhütte. Direkt hinter dieser (also zum Hang hinauf, nicht geradeaus dem Weg folgen!) beginnt der kaum erkennbare Steig durch hohes Gras und Gebüsch. Nach einigen Minuten wendet sich der Steig nach links und man steigt, immer auf dem Kamm, bis zum felsigen Fuß der Kindlwand.

Auf die Kindlwand: Direkt unterhalb der Kindlwand führt eine wenige Meter hohe Verschneidung zu einem Loch hinauf. Dieses ist von unten nicht erkennbar. Durch dieses hindurch gehen und auf der anderen Seite links in fünf Minuten zum Gipfel (UIAA I).

Zu Kundl und Backofen: Von der Kindlwand wieder hinab über den Einstieg. Dem ursprünglichen Steig weiter folgen, bis man wenigen Minuten eine kleine Kreuzung erreicht. Hier rechts hinunter (links ginge es direkt zum Grasgipfel). Der Steig verläuft einige Zeit nach unten, bis man nach ca. 15 Minuten die Bichleralm (privat - keine Einkehr) erreicht. Ab hier sieht man bereits deutlich die beiden Felsbrocken vor sich. Ein schlecht begehbarer und kaum erkennbarer Steig verläuft, nun wieder nach oben, zum Fuße der Kundl. Diese rechts unten umgehen und an ihrer Ostseite steil über Waldboden hinauf bis zur Stelle, wo man sich zwischen Kundl und Backofen befindet. Dort kann man über eine ca. drei Meter hohe Kletterstelle (UIAA I) einen schönen, kleinen Platz erreichen, der sich für eine Pause hervorragend eignet. Mit etwas Glück kann man hier Kletterer beim Besteigen der Kundl beobachten, deren Gipfel direkt vor dem Beobachter steht.

zum Grasgipfel: Weiter hinauf an der Ostseite des Backofens (dieser ist nur ab UIAA III begehbar!), weglos über eine großes Wiesen- und Felsstück ca. 30 Minuten hinauf, bis man auf den Steig zum Grasgipfel trifft. Hier rechts einbiegen. Den Grasgipfel mit seinem schönen kreuz sieht man nach ca. 15 Minuten.

Wasserwand: Wer noch eine weitere kleine Klettereinlage nicht scheut, steigt in 15 Minuten hinauf zum Gipfel der Wasserwand (UIAA1). Der Steig beginnt an dem Sattel, wo der Bergsteig wieder zu den Almen hinabführt. Vor dem Abstieg links wenden. Er ist durch Drahtseile gesichert. Die Felsen des kurzen Klettersteigs sind durch die vielen Begehungen sehr glatt. Für Bergsteiger unschwierig; Ungeübten ist große Vorsicht geraten. Siehe Bild links (anklicken). Die Aussicht von oben ins Voralpenland ist allerdings hervorragend

Zu den Heubergalmen: Der o. g. Steig führt in ca. 30 Minuten hinunter, über Almwiesen, zu den Heubergalmen.

Zurück zum Parkplatz: Ab den Heubergalmen die Forststraße in 15 Minuten bis zu der Kreuzung, die man (siehe oben) auf dem Weg zur Kindlwand, kurz vor der Lichtung, überquert hat. Hier rechts abbiegen und in ca. 30 Minuten zum Waldparkplatz.


Literatur:

Karte:Alpenvereinskarte BY17
Chiemgauer Alpen West: Hochries, Geigelstein
von Alpenverein
Karte:Rund um Heuberg - Dandlberg - Samerberg und Kranzhorn
von Stuffer, Dr. Georg
Bildband:Chiemgauer Alpen
Wasser - Moore - Wälder - Felsen
von Zebhauser, Helmuth

Galerie:

Weitere schöne Bilder sind in unserer Fotoshow

Diashow:


Sagen, Mythen und Wahrheiten:

Die Kundl und der Backofen

Einst hatte ein Bauer von Nußdorf auf einsamem, sonnendurchflutetem Wiesenboden an der Südwestseite des Berges eine fruchtbare Alm. Ein herrlicher Bergkranz beschirmte das Idyll, das eine ungewöhnlich schöne, aber auch ungewöhnlich hartherzige Sennerin bewirtschaftete mit Namen Kundel. In einer Jahreszeit, wo der Duft von frischem Bergheu um ihre Nase strich, war sie damit beschäftigt, aus dem Backofen bei der Sennhütte frischgebackene, duftende Brotlaibe herauszunehmen. Da kam plötzlich ein altes, zaundürres Männchen über den Steig und bat sie inständig um ein Stückchen Brot, um seinen größten Hunger zu stillen. Barsch wies ihn die hartherzige Dirn ab, hob einen Stein vom Erdboden auf und hielt ihn dem Bettler hin mit den groben Worten: "Das ist genug für dich!".

Kaum hatte sie dies gesagt, da zog vom Wendelstein her ein schweres, schwarzes Gewitter auf, das den Himmel ganz verfinsterte. Ein entsetzlicher Blitz schlug ein. Als es sich wieder aufhellte, waren die grünen Almwiesen verschwunden. Kein Grashalm wuchs mehr. Die mitleidlose Sennerin stand versteinert auf der kahlen Bergleite.

Dort steht sie heute noch oben vor dem versteinerten Backofen bis zum jüngsten Tag, zur Warnung für alle, die kein Herz für arme Menschen in ihrer Not haben.

Foto und Text mit freundlicher Genehmigung entnommen aus dem Buch "Chiemgauer Alpen" von Helmuth Zebhauser.


Geologischer Hinweis:

Bei beiden Felsen handelt es sich um Riffkalk. Dieser ist sehr widerstandsfähig. Er bildet als sog. Härtling in der Landschaft charakteristische schroffe Wände und Zacken. Weiter Fundort des Härtlings sind der Ostgrat des Heuraffelkopfs, die Aschenthaler Wände, der Spitzstein und auch die Wasserwand.