Eine der rassigsten Eisenführen Deutschlands
Über 80 Jahre war es still in den wilden Nordwänden des Hochstaufen, nachdem Willo Welzenbach mit einem Gefährten hier 1921 eine harte Kletterroute eröffnet hatte; seine grandiose Karriere im Fels endete 1934 in der Tragödie am Nanga Parbat. Dieses Schicksal wird die Klettersteig-Liebhaber am Pidinger Klettersteig gewiss nicht ereilen, denn die Sicherungstechnik der 2003 eröffneten Eisenführe entspricht dem neuesten Stand. Die Routenführung durch die abweisenden, 700 m hohen Nordabstürze ist ebenso ideal wie genial, betont sportlich, z. T. atemberaubend ausgesetzt, mit grandiosen Tiefblicken. Über 1100 m führen solide Stahlseile über Steilwände und lange Quergänge, vorbei an versteckten Höhlen und Grotten. Man bewegt sich vorwiegend an natürlichen Griffen und Tritten, glatte Wandstellen wurden jedoch mit ausreichend Eisenklammern entschärft. Diese Schöpfung des Pidinger Bergsteigers Sepp Reichenberger ist gegenwärtig immer noch einer der rassigsten alpinen Klettersteige Deutschlands.
GPS-Wegpunkt:
N47 46.158 E12 53.013 zu Google Maps
Umweltfreundliche Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln:
Mit der Bahn Bad Reichenhall oder Mauthausen, weiter mit dem Bus bis zur Haltestelle Piding Urwies.
Mit dem Pkw:
Von der Autobahnausfahrt Bad Reichenhall zum Pidinger Ortsteil Urwies, 500 m, vom westl. Ortsschild noch 100 m bis zum Wegabzweig "Hochstaufen"; nach 0,7 km Parkgelegenheit (vor Schranke mit Fahrverbot).
Alternative:
Vom Ortsteil Mauthausen zum Schloss Staufeneck, 500 m, 200 m dahinter letzter Parkplatz.
Tourenplaner / Online-Fahrpläne:
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Zustieg:
Von den Ausgangspunkten auf Forststraßen und breiten Wegen in Richtung Steiner Alm. Zwischen Mairalm und Steiner Alm links ab am Schild »Pidinger Klettersteig«. Auf Trittspuren zum Einstieg in 1070 m Höhe.
Klettersteig:
Auf die 50 m hohe, steile Einstiegs-Wandstufe (KS3/4 bzw. C) folgt eine 250 m lange, teils gesicherte Strecke (Stellen II). Dann ungesichert über 150 m Länge auf reizvollem altem Steig (von hier aus erster Zugang zum »Fluchtweg«). Links empor zu einer Wandstufe, die 100 Hm luftige, schwierige und kraftraubende Kletterei fordert (KS4 bzw. C/D). Nach zweitem Notausstieg geht es hinauf zum 300 m langen »Panorama-Quergang« (leichte Kletterei, herrliche Ausblicke). Nun leicht abwärts, doch bald wieder empor zur Gipfelwand – die Schlüsselstelle ist ein 250 m hoher Pfeiler, sehr exponiert, z. T. aus senkrechtem glattem Fels mit sparsamen Tritthilfen (KS5 bzw. D/E). Der Ausstieg erweist sich mit seinen Klammern eher als gnädig (KS4 bzw. C/D).
Abstieg:
Über den landschaftlich schönen Normalweg – Nordwestroute – hinab zur Steiner Alm; gelegentlich Seilsicherungen, Trittsicherheit erforderlich.
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Auf den Spuren Willo Welzenbachs: Drahtseil-Direttissima durch die Nordwand des Hochstaufens
Im Jahre 1921 kämpfte sich ein junger Mann aus München zusammen mit einem Freund durch die Nordwand durch die Nordwand des Hochstaufens bei Piding, nachdem er im Sommer des Vorjahrs noch an dieser, seiner aller ersten Erstbegehung, gescheitert war. Als „hart und exponiert“ charakterisierte Willo Welzenbach die Route, die er gemeinsam mit F. Liebler eröffnet hatte. In den folgenden Jahren startete der zu dieser Zeit wohl erfolgreichste deutsche Alpinist einen beispiellosen Siegeszug zunächst durch die Ost-, ab Ende der zwanziger Jahre aber auch durch die Westalpen. Nicht weniger als 43 Erstbegehungen weisen seine Tourenberichte auf. Die großartige Karriere, die einst am Staufen begann, und das Leben Willo Welzenbachs endeten in der Katastrophe des Jahres 1934, auf über 7000m im Schneesturm am Nanga Parbat.
Jahrzehntelang ist es seither äußerst ruhig zugegangen in den bereits von der Autobahn München-Salzburg bestens sichtbaren Nordabstürzen des Hochstaufens. Mit Ausnahme der wenigen Kletterer, die sich hin und wieder auf die Spuren von Welzenbach und Ko begaben, blieben hier Gämsen, Kolkraben und Bergdohlen weitestgehend unter sich. Dank seiner absoluten Randlage – nördlich des Staufens beginnt definitiv das Flachland – bietet der knapp 1800m hohe Gipfel atemberaubende Ausblicke auf die Chiemgauer Seen, die Stadt Salzburg, das Saalachtal sowie die Berchtesgadener Bergriesen Watzmann, Hochkalter und Göll. Die Wanderer, die von den Talorten Piding, Bad Reichenhall und Inzell aus dem Gipfel zustreben, wissen das großartige Panorama traditionell auch zu schätzen. So konnte in diesem Jahr das Gipfelkreuz des Hochstaufens bereits das 150jährige Jubiläum seiner Errichtung feiern.
Bergsteiger der etwas schärferen Gangart aber ließen bisher, von der Autobahn kommend, den Staufen nicht links, sondern rechts liegen und wandten sich lieber den benachbarten, berühmteren Bergen Berchtesgadens zu.
Im Sommer 2003 kehrte urplötzlich rege Betriebsamkeit ein in der verlassenen und vergessenen Nordwand. Der Pidinger Sepp Reichenberger, aufgewachsen auf der Steiner Alm ganz nahe an den Nordabstürzen des Hochstaufens, suchte und fand – ideell und materiell unterstützt von seiner Heimatgemeinde – die ideale Linie für einen rassigen und athletischen Klettersteig. Zusammen mit einer handvoll weiterer Bergverrückter realisierte Sepp den recht anspruchsvollen Pidinger „via ferrata“ in nur wenigen Monaten. Der neue Weg überrascht den Begeher mit beeindruckender Ausgesetztheit ebenso wie mit grandiosen Tiefblicken und Quergängen durch lotrechte Wände, vorbei an versteckten Höhlen und Grotten. Der Ferrata-Aspirant bewegt sich weitgehend an natürlichen Griffen und Tritten, bestens gesichert vom durchgehenden, ca. 1100m langen Stahlseil. Nur außergewöhnlich glatte, griff- und trittlose Passagen wurden mit Trittbügeln und Griffen entschärft. Der Bizeps und Kletterkönnen sind also weiterhin gefragt in der Staufen-Nordwand.
Der brandneue Pidinger Klettersteig ist in Bezug auf Steilheit und Ausgesetztheit mit den klassischen Anlagen in den Berchtesgadener Alpen, wie etwa dem Mannlgrat am Hohen Göll oder der Überschreitung der Watzmannspitzen, nicht vergleichbar. Er stellt weit höhere Anforderungen an die athletischen Fähigkeiten des Begehers. Und gerade deshalb ist zu erwarten, daß viele ambitionierte Bergsteiger in Zukunft den Staufen nicht mehr links bzw. rechts liegenlassen, sondern die Herausforderung Nordwand-Ferrata annehmen werden!
Für alpinistische Fragen:
Sepp Reichenberger, Innebergweg 7,83451 Piding, Tel. 08651/ 61314, mobil 0171/ 4861314
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