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Eine stramme Dreiseenrunde


Oder: Drei Ausflüge zu Seeidyllen

Diese Tour entnahmen wir mit freundlicher Genehmigung dem Wanderführer "Im Traunsteiner Land" von Klaus Bovers und Christine Paxmann. Zusätzlich zu der nachfolgenden Tourenbeschreibung enthält das Kapitel noch weitere ausführliche Text auf diese Höhepunkte:
Naturbad Inzell - Die »Schmalzbuße«: St. Nikolaus in Einsiedel - Idylle mit Hochbetrieb – Das »Forsthaus Adlgaß« - Frillensee


Forellenteiche und Weiden – bei St. Nikolaus

Forellenteiche und Weiden – bei St. Nikolaus


Der Falkensee macht was mit der Seele

Der Falkensee macht was mit der Seele



Kurzinfo:


Region:
Alpenvorland
Tourenart:
Wanderung
Dauer:
ca. 6 Std. (ohne Aufenthalte)
Touristinfo:
Inzell

Anforderung:


Höhenunterschied:
ca. 450 hm
Streckenlänge:
ca. 14 km
Schwierigkeit:
leicht
gut begehbare Wanderwege
Hunde:
für Hunde geeignet.
Hinweise für Hundebesitzer: Vorsicht beim Betreten von Almgeländen und Weideflächen - Muttertiere schützen ihre Kälber, deshalb Hunde anleinen und Distanz halten, es besteht auch Gefahr für den Hundebesitzer. Bei Gefahr Leine loslassen. Flüchtendes Wild löst auch bei ansonsten friedlichen Hunden den Jagdinstinkt aus und kann zum Verletzen oder Reißen führen. Im Extremfall sind Jäger berechtigt, frei laufende und wildernde Hunde zu erschießen. Bitte die Hinterlassenschaften in Kotbeutel entsorgen und den Beutel ins Tal mitnehmen.

Start:


Badepark Inzell 695 m


GPS-Wegpunkt:
N47 45.962 E12 45.025 zu Google Maps


Umweltfreundliche Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln:
Mit der Bahn bis zum Bahnhof Traunstein, von dort mit dem Bus nach Inzell (ca. 18 km)


Mit dem Pkw:
Über die Autobahn A8 München-Salzburg bis zur Ausfahrt Traunstein/Siegsdorf, von dort auf der B306 nach Inzell. Im Ortszentrum von Inzell links in die Schwimmbadstraße einbiegen.

  • Ab Rosenheim: 60 Km / 0:50 Std
  • Ab München: 120 Km / 1:20 Std
  • Ab Salzburg: 50 Km / 0:45 Std


Tourenplaner / Online-Fahrpläne:
hier klicken


Zum Zoomen der Karte bitte STRG und Mausrad benutzen.

Tourenbeschreibung:


Wir könnten natürlich auch gleich mit einem Highlight beginnen, aber das heben wir uns für später auf. Am Badepark Inzell, woman sowohl öffentlich als auch mit dem Auto gut hingelangt, wollen wir starten. Von Mai bis September ist hier das wunderbare Naturbad Inzell täglich geöffnet, allerdings muss man unerschrocken gegenüber saisonalen Wassertemperaturen sein, sonst wird es auch im Sommer recht frisch dort. Der Blick aus dem Wasser in die Berge entschädigt aber für kleine Kälteschocks.

Auf die Höhe
Wir folgen ab dem Badepark der Lärchenstraße in Richtung Reith, der Wanderweg ist ausgeschildert. Zunächst geht es durch gepflegte Straßen, die von Pensionen und Apartmenthäusern gesäumt sind. Hier sieht man an der Architektur, dass Inzell einmal in den 1960er- und 1970er-Jahren seine Hochzeit hatte – an die es heute, nach der Wiederentdeckung der nahen Heimat, wieder anschließen kann. Bald schon, nach dem schmucken Alpenhotel »Das Bergmayer«, eröffnen sich grüne, leicht ansteigende Matten, die man ohne Not als puren Postkartenkitsch bezeichnen könnte, so romantisch sanft gibt sich hier die Landschaft. Da und dort ein Stadel, ein schmucker Garten oder eine tierhaltende Landwirtschaft säumen unseren Wanderweg, der durch die Weiden mäandert, immer in Richtung Adlgass. Im Ortsteil Brenner befinden wir uns bald auf einer kleinen Anhöhe, die zum Schusterbauern gehört, einem Hof mit einer imposanten Linde samt kleiner Kapelle und einer wunderbaren Ausruhliege mit Blick ins Inzeller Tal, was an sich schon die ganze Tour lohnen würde. Die kleine silberne Tafel an der Rückwand der Brenner Kapelle klärt uns darüber auf, was es mit diesem frommen Ensemble auf sich hat. Hier standen einst zwei Linden, gepflanzt 1860 anlässlich der Kapelleneinweihung. Philipp Grill dankte mit Kapelle und Bäumen für die gesunde Rückkehr von seiner Pilgerreise nach Jerusalem, wo er um reichen Kindersegen gebeten hatte. Die ursprünglichen Linden stehen jetzt nicht mehr. Der Großvater des heutigen Schusterbauern ließ nach dem Ersten Weltkrieg hier eine »neue« Linde aufstellen, die vorher am Dorfplatz in Inzell stand. Wie man es dreht und wendet – die Linde hat hier einen besonderen Stand. Und wenn man die Aussicht noch dazunimmt, dann kann man sich schon wie an einem »Kraftort« fühlen. Also nutzen wir unsere frisch getankte Kraft zum Wandern und marschieren in Richtung Osten weiter. Am Holz- und Sägewerk Spannring überqueren wir auf einem romantischen Holzbrückerl den Großwaldbach und die Adlgasser Straße, vorbei am Sterrhof, immer in Richtung Einsiedel vorbei. Zwar führt uns der Weg auf der Straße, aber die ist so wenig befahren, dass es sich gut anfühlt, und die Blicke rechts und links würden eh entschädigen. Nach einer leichten Anhöhe, auf der wir Showbilder von Kühen vor der Kulisse des Falkenstein machen können, erreichen wir Einsiedel und haben den ersten kulturellen Höhepunkt erreicht, der einen gar nicht so schönen Ursprung hat. Diese prächtige Anlage von Bauernhof und Kirche ist nämlich einem großen Unglück zu verdanken.

Lockerungsübung Frillensee
Wir könnten von St. Nikolaus aus auch einen Aufstieg zur Kohleralm starten, das ist aber etwas für die Ehrgeizigen unter uns, denn der Aufstieg zieht sich und ist steil und serpentinenreich, doch der Ausblick von der Alm lohnend. Oder wir gönnen uns eben vor unserer Drei-Seen-Landpartie noch eine kleine Aufwärmphase. Entlang am Fischteich zu Einsiedel, der davon zeugt, dass sich hier einmal von dem ernährt werden musste, was die Gegend hergab, entlang eines Weges, der von schwer Früchte tragenden Brombeerhecken gesäumt ist und von artenreichen Almwiesen, die ein Paradies für Insekten sind. Wir wundern uns angesichts der klimatisch günstigen Lage nicht – die Sonne scheint so gut wie den ganzen Tag in dieses Talende, das sich dann zu Gamskogel, Zwiesel und irgendwann Hochstaufen erhebt –, dass bei dem einzigen Anwesen, das am Wegesrand liegt, der Bauerngarten mit seinen ungezählten Tomatensorten prächtig gedeiht. Es scheint das Haus des Försters zu sein, wenn wir die Aufschrift auf dem davor parkenden Auto richtig deuten. Auf dem folgenden Höhenweg wartet kurz vor Waldbeginn ein Bankerl, das man, wenn man es sich mal gesichert hat, nicht so schnell verlassen sollte. Wer nicht gut zu Fuß ist, verkürzt den Ausflug einfach bis hierher und genießt. Wir aber gehen weiter, entlang am kristallklaren Großwaldbach. Die feuchte Gegend sorgt für prächtige Farne und Moose, die Strecke ist für Hochsommertage wie geschaffen. Vom Berg stürzen weitere Bäche herab, Sumpfdotterblumen bilden gelbe Teppiche und manches Grün von Flechten und Moosen ist von magischer Leuchtkraft. Doch schon nach kurzer Zeit holt uns die Zivilisation wieder ein in Form eines Wanderparkplatzes, der zu Spitzenzeiten schon einmal unübersichtlich voll sein kann. Das liegt an den beliebten Zielen Stoißer- und Bäckeralm, die von dort aus erreicht werden können. Wir ersparen uns diese Events, die nur etwas für Menschen mit Nerven sind: Zahllose Mountainbiker, E-Biker und ja, gelegentlich auch Wanderer hetzten da herauf und machen aus den zum Teil historischen Almen wahre Partymeilen. Wer das mag, biegt hier ab. Wir aber ziehen weiter Richtung »Forsthaus Adlgaß« und müssen uns wirklich zusammenreißen, um nicht hier hängen zu bleiben, und die drei Seen Seen sein zu lassen. Die Aussicht, nach der Rückkehr vom Frillensee da erneut einzukehren, lässt uns auf dem »Bergerlebnisweg« in Richtung Frillensee weiterziehen. Wie gute Waldpädagogik funktioniert, kann man hier lernen. Kinder werden diese Wanderung im Handumdrehen gemeistert haben, weil sie die vielen Entdeckerstationen recht spielerisch machen. Dass die Strecke auch der Natur ausgesetzt ist, merkt man an vielen Stellen: Mal sind Abschnitte ein wenig glitschiger oder Schneesturz hat Tafeln, Geräte und Bäume zu Fall gebracht oder der Bach tritt über die Ufer und reißt mächtige Stämme mit sich, die dann bizarre Barrieren bilden. Immer sanft bergauf geht es und wer schlecht zu Fuß ist, ruht sich auf den vielen Bänken immer wieder aus. Der Weg ist das Ziel, hier einmal mehr. Nach dem Queren der Forststraße halten wir uns geradeaus, dem Schild zum Frillensee folgend. Ein Weitspringbecken, das Erwachsene und Kinder reizt, ein Brunnen mit Quellwasser zum Nachfüllen der Wasserflaschen und rechter Hand sanftes Hochmoor begleiten die Strecke bis zu der Stelle, an der der Frillensee auftaucht und wirklich auch die stoischste Natur berühren wird. Hier führt ein Steg durchs Hochmoor und über den See. Die wenigen Bänke sind meist besetzt, also hockt man sich einfach auf die Planken und lässt das Smaragdgrün des Sees wirken, der so bedeutsam für Inzells sportliche Geschichte ist.

Eine magischer Ort
Man wird hier länger verweilen als gedacht, einfach weil der Frillensee ein Vademecum für alle Sinne ist, ein stiller, in sich ruhender grüner Flecken, der selbst den sachlichsten Betrachter zu einem nachdenklichen Menschen macht. Vielleicht umrundet man das Naturkleinod auch noch, um den Blick von allen Seiten zu bekommen. Ein mächtiger Steinabsturz markiert das Ende des Tals. Stürme und ihre Folgen haben das Bild der Landschaft verändert und jedes Jahr aufs Neue bereitet hier im Winter die Schneelast den Förstern mächtiges Kopfzerbrechen. Wer mit einem Fernglas unterwegs ist, wird in den steilen Hängen vielleicht sogar die ein oder andere Gams entdecken. So unberührt wie hier manche Bergflanken noch sind! Die Sportlichen unter uns können natürlich am Frillensee vorbeigehen, weiter zur Steiner Alm über das »Bayerische Stiegl«, also die ehemalige Landesgrenze zwischen Bayern und dem Erzbistum Salzburg, die hier verlief, ganze 600 Jahre lang, ab anno 1257.

Zurück zur Erde
Damit es nicht gar zu esoterisch wird, dafür sorgen die, die das Echo suchen, das beim Abstieg an ganz bestimmten Stellen recht gut funktioniert. Wo, wird nicht verraten, schließlich ist das ein Naturerlebnispfad, bei dem man schon selbst etwas tun muss. Der Rückweg, an dessen Ende wieder das »Forsthaus Adlgaß« wartet, führt uns die breite Forststraße hinab, ein gemächlicher Weg mit schöner Flora rechts und links. An manchen Stellen tritt die lehmige Erde zutage und dann ist es nicht nur für Kinder ein Spaß, die glitschigen Brocken aufzunehmen und zu formen. Bis zum Forsthaus sind meist kleine Kunstwerke fertig. Wir verlassen die Forststraße an der Stelle der Rodelbahn. Im Sommer nicht sehr steil, ist sie im Winter eine Mutprobe, weil hier gern alles vereist. Sobald wir auf die Almwiese vor dem »Adlgaß« hinaustreten, scheint das Postkartenidyll wieder perfekt und wir lassen uns auf einen der grünen Stühle plumpsen und genießen Forellen, Schnitzel, Wild und Kuchen, serviert auf den rot karierten Tischdecken. Eines dürfen wir dabei nicht vergessen: Wir haben noch zwei Seen vor uns. Gestärkt gehen wir das kleine Stück Richtung Einsiedel, das wir schon hergekommen sind, wieder zurück. Aber in dem Fall ist eine Wiederholung kein Schaden, denn kurz vor Einsiedel macht das Panorama wieder eine bella figura. An Einsiedel vorbei geht es noch ein Stück auf der Straße, bis wir bei Breitmoos in Richtung Falkensee abbiegen, ein Weg, der durch Ausblick besticht. Wer einen Hund dabeihat, wird ihn auf dem Pfad gerne springen lassen. Bald geht es durch Hochmoor, links tut sich ein Tümpel auf, den man zum Baden besser meiden sollte, denn er wird von den Einheimischen der »Schlangensee« genannt und das sollte man ernst nehmen. Denn neben Schleichen ist hier auch die Kreuzotter zu Hause! Bald treffen, kurz vor einem Marterl, mehrere Wege aufeinander. Wir bleiben geradeaus unterwegs, bis wir den Falkenseebach überqueren, der so klar ist, dass man jeden Kiesel zählen kann. Außerdem ist er recht flach. Hier baden die Hunde gerne und man selbst kann bequem die Füße ein wenig kühlen. Dabei sollte man es nicht übertreiben und sobald es wehtut, wieder rauskommen. Dann weitet sich der Weg, was manche Radler als Aufforderung zum Rasen nehmen. Deshalb muss man auch auf mitgeführte Hunde achten, damit sie schön am Rand bleiben. Rechter Hand erhebt sich mächtiger Mischwald mit altem Bestand – schön ist das besonders im Herbst! Jetzt sind es nur noch 10 Minuten bis zum Falkensteinsee, der sich als Erstes durch ein Wetterhäuschen und eine Infotafel ankündigt. Und dann spiegelt er herauf, der See, eine Melange aus Türkis und Schweinfurter Grün. Magisch und doch für den Tourismus erschlossen mit einem naturschonenden Steg, der das wilde Menschenvolk davon abhält, hier in dieses sensible Biotop zu trampeln. Frösche, Kröten, Enten, Fische, ungezählt die Insektenwelt, von seltenen Pflanzen ganz zu schweigen. Wenn bisher schon so vieles schön war, der See kann es noch toppen. Aber es hilft ja nichts, wenn wir noch zum Krottensee wollen und irgendwann nach Hause, müssen wir los. Wir gehen dieselbe Strecke zurück bis zur Weggabelung beim Marterl und biegen nun nach links ab, bis wir zur Brücke über den Falkenseebach und zum Natur-Kneipp-Becken kommen, einer Furt, an der man Wassertreten kann oder Balancieren üben. Gleich drauf, man muss ein bisserl die Augen offenhalten, zweigt der Weg zum Krottensee ab. Das wird wieder ein ganz anderes Seenerlebnis am Fuße des Falkenstein, hinauf zum Schwingmoor. Der pH-neutrale See speist sich unterirdisch. Die Umgebung ist Schwingmoor und Heimat von Kreuzottern, Kröten und Insekten. Die Hunde nehmen wir jetzt besser an die Leine, weil sich die bereits zitierten Schlangen hier noch lieber aufhalten, vom Wild ganz abgesehen, das in dieser Idylle ein seliges Leben lebt. Die Einsamkeit und die Kulisse sind grandios und reine Meditation. Wir spüren das Fluffige unter unseren Füßen. Der Boden schwingt wie ein Wasserbett.

Belohnung zum Schluss
Nach dem kleinen Naturphänomen kehren wir zum Hauptweg zurück und ziehen Richtung Inzell weiter, am Fuße des Falkenstein, unter mächtigen Bäumen. Dann mündet die Schotterpiste in die Falkensteinstraße, die wir bis zur Adlgasser Straße nehmen. Wir halten uns kurz rechts, überqueren die Fahrbahn und biegen links in die Ecker Straße ein, folgen ihr nur kurz, um dann in die Gamskogelstraße nach links zu biegen. Wieder empfangen uns gepflegte Gärten und Architektur der 1970er-Jahre, was schon fast etwas Historisches hat. Dann geht’s wirklich querfeldein über eine lang gezogene Wiese, an deren nordöstlichem Ende ein Campingplatz auftaucht – der Blick von dort muss grandios sein! Bevor wir wieder an der Kreuzfeldstraße in die Badeparkstraße einbiegen, machen wir einen Abstecher zum »Kaiserschmarrncafé Lindlbauer«, das in einem historischen Bauernhaus aus dem Jahr 1819 seine Gäste bewirtet. Ein wenig Stärkung kann jetzt nicht schaden. Und wer die Badesachen dabeihat, hüpft nach den drei Seen und den kulinarischen Genüssen noch ins Naturbad Inzell rein.

Webcams:


Aktuelle Bilder von Webcams im Umkreis von 30km vom Ausgangspunkt.
  weitere Webcams findest du hier



Ruhpolding-Zell
© https://www.terra-hd.de

Ruhpolding-Golfclub
© https://www.terra-hd.de

Literatur:


Wander- und Kulturführer

Im Traunsteiner Land
Entdeckungsorte für Neugierige
von Klaus Bovers & Christine Paxmann
Infos: Wander- und Kulturführer

Im Traunsteiner Land

Galerie:



Weitere Bilder:

Kühe mit Aussicht auf den Falkenstein


Autor/en:



   Klaus Bovers und Christine Paxmann,
   aus dem Wanderführer "Im Traunsteiner Land"
   erschienen im Allitera Verlag, München
  


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