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Autor Thema: 16.06.19: Chiemg. Alpen: Einsam & umwegig auf den Heuberg  (Gelesen 289 mal)

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Offline geroldh

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    • climbing Chulu Far East (6059m), Annapurna Himalaya, Nepal (Okt.2007)
Diese Tour liegt definitiv mitten im roBerge-Tourengebiet – und mit der beschriebenen Routenführung wird man dort an einem sonst stark frequentierten Berg meißt einsam unterwegs sein.

Die Wettervorhersage hätte eigentlich eine verregnete erste Tageshälfte erwarten lassen, deshalb wurde kein Wecker gestellt und zu einer sonntäglichen Uhrzeit aufgestanden. Vor dem Fenster ist jedoch alles trocken – Rosenheim hatte von der nächtlichen Gewitterfront offenbar kaum etwas abbekommen. Stattdessen versucht sich die Sonne durch die niedrige Bewölkung hindurch zu kämpfen und auch das Wetterradar läßt die Vermutung zu, dass es kaum mehr feuchter werden soll...

So wird kurzentschlossen mit dem späteren Wanderbus Samerberg bis zur neuen Haltestelle am Berggasthof Duftbräu (ca. 790 m) gefahren. An der Ölbergkapelle (Name nach OSM) geht es vorbei auf einem breiten Wanderweg, der am Südosthang eines Höhenrückens in gemütlicher Steigung an Höhe gewinnt. Wenig später wird eine Lichtung gequert und an der nachfolgenden Wegkreuzung hält man sich gerade aus. Der schmale Wirtschaftsweg geht in einen zügig Höhe gewinnenden Steig über (Max-Schäfer-Steig nach OSM) und führt bald von östl. Richtung auf die inzw. mit Jungvieh beweidete Daffnerwaldalm (ca. 1050 m) hinaus, auf der zwei bewirtschaftete Hütten bereits ihre Dienste anbieten würden.

Doch nach etwas über einer halben Stunde Wanderzeit ist es hierfür noch viel zu früh, so lasse ich beide sprichwörtlich links liegen und wende mich nordwärts, um unmittelbar hinter dem Weiderost der betonierten Almstrasse nach rechts auf den historischen Almweg abzusteigen. Die heutige Betonstrasse wird unmittelbar darauf gequert und ein kleiner Steig führt in nordwestlicher Richtung mit wenig Höhenverlust am Jagdhaus vorbei auf die Lichtung Mailach (ca. 980 m) hinaus. Unmittelbar bei der ersten Hütte geht man nur wenige Meter nach rechts, um dann linkerhand den etwas unauffälligen Einstieg auf den Kindlwand-Bergsteig (nach OSM) zu finden. Dieser führt in mäßiger Steigung auf einem Höhenrücken entlang und nähert sich konsequent der Kindlwand an, um am Fuß dieser in die südliche Richtung zu schwenken. Kaum zu verfehlen ist der Abstecher mit einem kurzen Stück einer Kraxelstelle UIAA II und dem Durchschlupf durch die kleine Durchgangshöhle auf den wenig besuchten Gipfel der Kindlwand (1228 m; GK/GB).

Zurück auf dem Steig führt dieser in eine kleine Einsattelung hinab, auf der von links/östl. der DAV-markierte Weg von Mailach durch das sog. Wassertal herauf kommt und von rechts/westl. der Steig von Nußdorf im Inntal an der unbewirtschafteten Bichleralm vorbei. Konsequent ansteigend ist noch eine kurze leichte Kraxelstelle zu überwinden, am Grat bietet sich ein erster Blick das Inntal hinein, dann führt der Steig direkt aus westl. Richtung auf den bekreuzten Heuberg-Grasgipfel (1338 m) hinauf. Je nach Andrang ist hier etwas abseits eine ausgiebige Rast möglich.

Hier fällt dann auch die Entscheidung, je nach Wetter und verfügbarer Zeit die Bergfahrt zu einer "Vier-Gipfel-Tour" auszuweiten und die beiden höheren Nebengipfel des Heuberg-Stocks zu besteigen: Etwas in nördl. Richtung hinab läßt sich auf einem drahtseilgesicherten Felsanstieg auf den Gipfel der Wasserwand (1367 m; GK/GB) kraxeln und/oder in südl. Richtung auf die mit 1398 m höchste Gipfelmöglichkeit, dem Kitzstein (GK/GB).

Vom Grasgipfel aus ist der obere Abstieg im Wald üblicherweise ziemlich batzig, Wanderstöcke verhindern oftmals einen Bodenkontakt des Allerwertesten, doch nach dem Weidezaunüberstieg orientiert man sich am besten berg-/linksseitig (Markierungen) und steigt nicht auf die Wiese hinaus, auf der der Steig weiter steil und nach Regen meißt rutschig hinab führt. Stattdessen ist es hinter dem Waldrand angenehmer mit eher mäßigem Gefälle hinunter zu steigen. Ein Stückchen Kehre eines Almwegs läßt es zu, die Aufmerksamkeit vom Weg weg auf die weiteren Chiemgauer Berge zu legen, bevor dieser auf 1059 m zwischen den beiden bewirtschafteten Hütten (Deindlhütte und Lagler Hütte) auf die Almstrasse der Daffnerwaldalm einmündet.

=> Um die Rückfahrt des Wanderbusses relativ entspannt zu erreichen, sollte von dieser Almfläche mind. eine Stunde vor der Abfahrt aufgebrochen werden. Wenn es mit einer dreiviertel-Stunde zu knapp ist, gibt es mit dem Anstiegsweg (Duft) oder dem Forstweg zum Parkplatz Schweibern zwei kürzere Alternativen, doch um attraktiv und einsam unterwegs zu sein, lohnt sich noch ein kleiner Umweg:

Der Abstieg folgt zuerst die betonierte Almstrasse in nördlicher Richtung hinab, nimmt die S-Kehre mit und erreicht nach wenigen Minuten eine beschilderte Wegkreuzung (links/westl. Mailach & rechts/östl. Parkplatz Schweibern). Dort wird die Aufmerksamkeit erhöht, denn kurz darauf führt der Tipp an der Rechtskurve der Betonstrasse (ca. 960 m; unbeschildert) auf einer gekiesten Forststrasse ein Stück geradeaus, um nach nur ca. 100 m(!) etwas unscheinbar nach rechts auf einen alten, grasigen Wirtschaftsweg abzuzweigen. Hier ist man ein Stück auf dem alten historischen Almweg der Daffnerwaldalm unterwegs und gelangt zu einem kartenverzeichneten Höhenpunkt 852 m. Dort wird die Betonstrasse gekreuzt (Achtung Biker!) um gegenüber auf einen ebenen Forstweg zu wechseln. Dort gilt es nach ca. 300 m(!) relativ unscheinbar nach links abzuzweigen auf einen kleinen alten Wirtschaftssteig, der auf einem kleinen Höhenrücken zügig hinabführt. Wenn sich nach einer Linkskurve eine Bachfurt ankündigt, lässt es sich trockenen Fußes auf der gleichen Seite etwas auf Waldboden hinab steigen, um dann auf einen weiteren Wirtschaftsweg zu treffen, der diesen Höhenrücken weiter hinab folgt.
Dieser tritt am kleinen Weiler Gerstland (ca. 710 m) aus dem Wald heraus, doch dort wendet man sich unmittelbar nach rechts/östl. hinten (Schilder), um auf einem schattigen Weg ein paar Bäche zu queren und nach einem kleinen Gegenanstieg unmittelbar oberhalb des Weilers Schweibern (ca. 740 m) die Fahrstrasse zu erreichen. Hier ist unweit der Abzw. zum Parkplatz Schweibern eine Haltestelle des Wanderbusses vorgesehen (Fahrplan und „RVO-Karte“), aber das Aufstellen des Schildes wurde wohl vergessen... – nicht die einzige Unzulänglichkeit an dieser neuen Fahrroute. Je nach verfügbarer Zeit kann man dort in der Wiese liegend auf den Bus warten, dabei den Blick auf den Heuberg-Stock genießen, oder zur nahegelegenen Haltestelle Duft hinaufwandern.

Hinweis: Demnächst soll diese Wanderung als roBerge-Tour >hier< veröffentlicht werden.

roBerge.de

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« am: 17.06.2019, 22:11 »