Hochalm

Autor Thema: Schneeschuhtour auf den Morgenkogel (2607m/Tuxer Voralpen) am 07.04.18

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Offline MANAL

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Schneeschuhtour auf den Morgenkogel (2607m/Tuxer Voralpen) am 07.04.18
« Antwort #0 am: Mo, 09. Apr 2018, 21:11 »
Ein weiterer hervorragender Frühlingstag will für eine größere Schneeschuhtour genutzt werden. Da ich keine große Lust habe mich mit Lawinen auseinanderzusetzen stand erstmal die Suche nach einer interessanten, aussichtsreichen und lawinensicheren Tour an. Nach Recherchen im Netz und konsultieren von Kompasskarte und Austrianmap samt Geländeneigungslayer in meiner Alpinequest-App stand das Ziel fest, der Morgenkogel in den Tuxer Voralpen. Davor habe ich von diesem Berg noch nie was gehört und es findet sich auch nur sehr wenig im Netz. Die beste Beschreibung und auch der Ideengeber für die Tour gibt es bei hikr.org: http://www.hikr.org/tour/post32565.html

Der Morgenkogel ist einer der Buckel der vielen unscheinbaren langgezogenen Geländerücken vom Wipptal ostwärts. Der Rücken von Morgenkogel zieht weiter bis zur Kreuzspitze. Dort verbindet er sich mit dem Rücken in der ersten Reihe mit Patscherkofel und Glungezer. Dazwischen liegt das Viggartal.

Der Gipfel selber ist sehr unauffällig und der gesamte Rücken recht flach. Dennoch erreicht der Morgenkogel eine stattliche Höhe von 2607m. Die Aussicht Richtung Westen ist hervorragend, Richtung Osten verhindern die höheren Gipfel der Tuxer Voralpen eine Fernsicht.

Startpunkt ist der gut ausgebaute kostenpflichtige Parkplatz Hinterlarcher (3 EUR/Tag) auf nicht ganz 1400m. Die Anfahrt erfolgt über schmale Straßen von Patsch über Oberellbögen.


Die einfache längere Variante (eignet sich vor allem für den Abstieg):
Der Normalaufstieg zum Morgenkogel startet ca. einen halben Kilometer vor dem Parkplatz an der Zufahrtsstraße auf ca. 1340m. Man muss also zuerst zurückgehen, weiter vorn gibt es keine Parkmöglichkeiten. Dort zweigt bei ein paar Höfen eine Forststraße zur Profeglalm ab. Die Straße führt ansteigend anfangs mit zwei Serpentinen um den Rücken herum auf die Nordwestseite ins Viggartal rein. Hin und wieder gibt es abzweigende Forstwege, dabei nimmt man immer den geraden Weg aufwärts. Nach ca. 5 Kilometer kommt man auf ca. 1680m an ein scharfe Kehre mit Abzweigung. Hier wendet man sich nach rechts Richtung Süden und steigt weiter aufwärts. Einen halben Kilometer weiter, auf 1730m lässt man die beschilderte Abzweigung zur Profeglalm links liegen und geht geradeaus weiter. Ca. 6,5 km nach dem Start am Parkplatz befindet man sich auf ca. 1800m wieder genau auf der Westseite fast oberhalb des Parkplatzes. Hier endet der Forstweghatscher und man gelangt an einer beschilderten Abzweigung zum Morgenkogel. Ab hier geht es nun immer den roten Markierungen nach durch den Wald nach oben. Bis hierher könnte man bei geeigneten Bedingungen sicher mit dem MTB hochfahren. Ob es erlaubt ist weiß ich nicht. Am Samstag war der Großteil des Forstwegs noch unter einen dicken Schneeschicht begraben. Zum Glück wurde der Weg zur Wildfütterung mit vermutlich Pistenraupen befahren und haben  so den Schnee so weit komprimiert, dass man mit Schneeschuhen bequem auf den Fahrspuren gehen konnte. Neben der Spur wäre man tief im weichen Schnee eingesunken.


Die direkte wildere und weglose Variante für den Abenteurer (für den Aufstieg):
Wie im hikr-Bericht beschrieben kann man den Anstieg auch direkt über den bewaldeten Rücken angehen. Direkt beim Parkplatz geht es schräg links hoch in den Wald. Es gibt leider keinerlei erkennbaren Weg. Sämtliche Pfadspuren die man sieht dürften von Tieren stammen. Die Wegfindung an sich ist nicht so schwer, primär immer am Rücken nach oben wo man durchkommt. Wie schon im hikr-Bericht lässt sich hier nichts wirklich beschreiben. Optimal ist es wenn man ein GPS/Smartphone mit Karte dabei hat und damit im Wald ungefähr weiß wo man hinzielen muss.
Der Wald ist fast überall flach genug um begehbar zu sein. Man quert im Laufe des Aufstiegs drei Forstwege. Hat man den dritten erreicht könnte man auch weiter durch den Wald bis zum Rücken aufsteigen oder man wendet sich nach Links bis zum oben beschriebenen Abzweig auf diesem Forstweg. Immer wieder bieten sich durch die Lücken im Wald schöne Ausblicke vor allem zur Serles gegenüber.
Es empiehlt sich den recht dichten jüngeren Wald zu meiden. In den Orthofotos von Austrianbasemap kann man ganz gut erkennen wo der Wald noch jünger ist. Auch kann man diverse Lichtungen und Schneissen die durch die Forstwirtschaft entstanden sind mitnehmen. Ob es eine ideale Route gibt kann ich nicht sagen, wir haben sie nicht gefunden.
Die Bedingungen waren auf den ersten ca. 300 Höhenmeter noch gut und alles weitgehend schneefrei. Erst danach wurde es anstrengender. Teilweise war der Schnee schon völlig vereist und stellenweise wären Steigeisen oder Grödel angenehm gewesen, schließlich nahm die Schneemenge immer mehr zu, so dass es ohne Schneeschuhe nicht mehr gegangen wäre.


Ab der Abzweigung am dritten Forstweg ging es dann flacher durch den winterlichen Wald. Neben den Markierungen an Bäumen konnten wir einer alten Skispur folgen. Schneeschuhspuren endeten leider an dem auf Karten verzeichneten Materl in einer Lichtung auf ca. 1950m. Ab dort hieß es für uns durch den tiefen Schnee selber spuren.

Auf ca. 2050m kommt man aus dem dichten Wald heraus und man gelangt auf offene Flächen. Auf Karten ist diese Gegend mit "Hühnerbichl" bezeichnet. Die Aussicht runter ins Wipptal und auf die gegenüberliegenden Stubaier Alpen ist beeindruckend.
Im auf und ab geht es nun durch eine schöne wellige Landschaft aufwärts durch die den besten Weg suchen muss. Recht bald kommt nun das 2216m hohe Morgenköpfl mit Gipfelkreuz zum Vorschein, ein schroffer felsiger Buckel am ansonsten sanften Rücken.
Das Morgenköpfl umgeht man nordseitig durch flacheres Gelände. Aufstiegsspuren von Tourengeher finden sich über den Ostgrat. Ab hier beginnt dann das Genussgelände für den Schneeschuhgeher, ein sanfter und sehr aussichtsreicher Rücken wo es im auf und ab über leicht Buckel nach oben geht. Aufpassen sollte man nur, dass man immer nördlich des Weidezauns bleibt, südseitig fällt der Rücken teilweise recht steil ab. Zudem ist die kante stark überwächtet! Auch muss man permanent vorsichtig sein nicht in irgendwelche zugewehten Mulden, Rinnen und Löcher zu rutschen von denen es hier einige hat! Durch Schneeverwehungen kann die Schneetiefe immens sein.

Recht bald flacht der Rücken mehr ab und der Gipfelaufbau des Morgenkogels kommt zum Vorschein, ein eher unspektakulärer Buckel. Kurzzeitig wird der Rücken beim "Überfallgründl" (2302m) etwas schmaler, aber bleibt trotzdem unschwierig. Von hier ist es nicht mehr weit bis zum Schlußanstieg zum Morgenkogel. Markierungsstangen zeigen den besten Weg. Man kommt hier fast überall rauf und erreicht schließlich den geräumigen Gipfel mit Kreuz.

Abstieg wie Aufstieg.

Die Weglängen unterscheiden sich je nach Routenwahl deutlich. Kommt man auf der direkten Variante auf gerade mal 5,5 km, sind es mit dem Umweg über die Forststraße 10,5km! Man muss selber entscheiden welche Variante man nimmt. Wir sind im Aufstieg die direkte weglose Route gegangen, im Abstieg dann über die Forststraße.


Die Bedingungen bei unserem Aufstieg vorgestern waren sehr unterschiedlich. Auf ca. 2000m war der Schnee durch die Temperaturen mittags teilweise schon ziemlich weich und durchgenässt. Die Tragfähigkeit zwischenzeitlich richtig schlecht. Entweder ist man sogar mit Schneeschuh gleich 30-50cm versunken oder, noch fieser, der Harschdeckel gibt erst bei Belastung nach. Dadurch dass wir selber spuren mussten war es so auch recht anstrengend. Aber zu zweit konnte man sich gut abwechseln. Und jetzt gibt es ja Schneeschuhspuren... Ansonsten hilft es auf eine kalte Nacht zu hoffen und frühzeitig unterwegs zu sein.

Der Rücken war ab dem Morgenköpfel dafür dann wieder gut zu gehen, da der Schnee durch den Wind recht hart gepresst ist. Teilweise ist der Rücken oben abgeblasen. Bei geeigneter Wegwahl kommt man im Moment noch fast überall mit Schneekontakt durch, aber das wird sich sicher bald ändern.

Wir hatten Glück mit dem Wetter, die von der ZAMG befürchteten Föhnsturmböen in den Tuxer Alpen und die auch sonst üblichen starken Winde am Wipptal haben sich nicht bewahrheitet. Die Fernsicht war sehr gut und man hat vom Olperer über die Brennerberge, die Stubaier Alpen bis zu Wetterstein und Karwendel sehen können. Wer genau hinschaut kann sogar knapp über die Tuxer Gipfel den Watzmann erkennen. ;-)

Die Lawinengefahr auf dieser Tour ist sehr gering, die Hangneigungen fast überall unkritisch. Die größte Gefahr sind zugewehte Senken oben am Rücken und die große Wächte nach Süden.

Fazit:
"Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen" ist wohl der passendste Begriff für diese Schneeschuhtour. Bis man den Rücken erreicht muss man entweder etliche Kilometer auf einer eher langweiligen Forststraße zurücklegen, oder man arbeitet sich weglos durch den Wald nach oben. Hat man das geschafft wird man mit schönsten Schneeschuhgelände in großer Einsamkeit hoch über dem Wipptal mit grandioser Aussicht auf die Stubaier Alpen belohnt. Die Einsamkeit hat natürlich den Nachteil, dass es keine ausgetretenen Spuren gibt.

Fotos:
- Blick vom Rücken oberhalb des Morgenköpfls nach Westen in die Stubaier Alpen
- Der Rücken bis zum Gipfel des Morgenkogel.
- Blick vom Gipfel nach Südwesten
- Ein Schneeschuhtraum dieser Rücken. Links die großen Wächten denen man fern bleiben sollte.
- Ohne Worte :-)

Offline Kalapatar

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Servus Manal

Also ehrlich gesagt vom Morgenkogel habe ich noch nie etwas gehört. Inzwischen aber gegoogelt: Das schaut ja super aus!
Vielen Dank für diesen Hinweis auf m.E. eine nicht so bekannte Tour (sicher im Ziller/Tuxer Tal bekannter).

Muss ich auch mal hin,

Viele Grüße, KaPa

Offline MANAL

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Der Morgenkogel ist wohl wirklich ein unbekanntes Juwel. Er fällt halt optisch von nirgends auf weil er nur ein Buckel ist. Und die Tuxer Voralpen sind allgemein relativ unbekannt da die Anstiege teilweise ziemlich groß sind.

Letztes Jahr war ich zwei Rücken südlich auf dem Bentlstein und war begeistert. Nächstes Jahr ist vielleicht das Pfoner Kreuzjöchl an der Reihe, das steht genau dazwischen. Für lawinenarme Schneeschuhtouren genau die richtigen Berge.

Aber nicht nur für Schneeschuhgeher sind das die richtigen Berge, auch jemand der gerne in die Berge wandert aber ausgesetztes oder abschüssiges Gelände nicht so mag kommt hier voll auf seine Kosten.

Offline mh

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Lieber MANAL,

danke für den tollen Bericht und die schönen Fotos  #dankeschoen# #schoenetour#. Jetzt weiß ich endlich, wie die Aussicht vom Morgenkogel gewesen wäre...  ;). Ich habe damals im Nebel den Gipfel nur zufällig gefunden, bin halt irgendwann mit der Nase an ein Kreuz geprallt...
So komplett menschenleer war es dort oben aber sicher nur, weil das Meissnerhaus schon geschlossen hat. Normalerweise kommen von dort schon etliche Skitourengeher.

Die Seitentäler des Wipptals liebe ich sehr, im Winter wegen der lawinenungefährlichen Touren, im Sommer wegen der Einsamkeit.  Es fasziniert mich immer wieder, wie schnell es ruhig und schön wird, wenn man vom Wipptal nur ein paar Minuten in ein Seitental hineinfährt. Bin im Sommer mal in zwei Touren den gesamten Zug (Glungezer-Gamslahner-Kreuzspitze / Rosenjoch-Grünberger-Grafmart-Naviser Sonnenspitze) abgelaufen und habe so gut wie niemanden getroffen. Aber vielleicht ist das inzwischen auch nicht mehr so einsam, seit nach dem Erfolg des Stubaier Höhenwegs auch eine Tuxer Hüttenrunde offensiv vermarktet und beworben wird (u.a. mit einer Etappe Glungezer Hütte -> Lizumer Hütte)...

Ciao derweil,
Margit