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Autor Thema: Hörndlwand am 29.09.2016  (Gelesen 2503 mal)

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Offline RossiS

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Hörndlwand am 29.09.2016
« am: 27.10.2016, 20:57 »
Die Hörndlwand – oder kurz das Hörndl – ist neben der Kampenwand der zweite traditionsreiche Kletterberg in den Chiemgauer Alpen. Erreicht man die Hörndlalm reißt es einem unwillkürlich den Kopf in den Nacken – so steil und elegant ragen die Felswände aus dieser Perspektive in den Himmel. Völlig unvermutet inmitten der lieblichen Voralpenlandschaft steht schmal und spitz das Hörndl, und man versteht woher es seinen Namen hat.
Viele Male stand ich schon auf dem einen oder anderen seiner Gipfel und habe die Aussicht bewundert. Im Sommer wie im Winter, mit Schi oder zu Fuss, gewandert oder über die SchmidKunz hinaufgekraxelt – aber noch nie war ich zum Klettern dort.
Diesen untragbaren Zustand wollten wir heute ändern.  ;)

Wir hatten uns für diesen schönen und relativ warmen Herbsttag eine klassische Routenkombi im mittleren Schwierigkeitsgrad herausgesucht. Nordwest-Sockel, Merklriss und Mittlere Nordwand. Im neuen Kletterführer „Bayerische Alpen Band 1“ von Markus Stadler etwas martialisch als „Die gnadenlosen Drei“ betitelt. Wobei das einzig Gnadenlose vielleicht die strenge Bewertung der Schwierigkeiten ist. Im alten AV Führer durchwegs im IVer -Bereich eingeordnet tendiert speziell der Merklriss doch sehr stark gegen V nach heutigen Maßstäben und das zudem recht anhaltend.

Wir starten um 8 Uhr am Parkplatz Seehaus auf dem Wanderweg, vorbei an der Brandneralm und hinauf zur Hörndlalm. Kurz nach der Alm auf einer kleinen Wiese verlassen wir diesen nach links auf einen kleinen Steig der uns in ca 10-15 min bis an den Wandfuß bringt. Hier machen wir uns kletterfertig und deponieren Stöcke und einen Rucksack da wir später hier wieder vorbei kommen werden. Die ersten 3 SL durch den Sockel beginnen. Es empfielt sich erst oberhalb dem ersten Aufschwung bei Bohrhaken und Beginn der Schwierigkeiten den ersten Stand einzurichten. Ohne große Aufwärmphase geht es gleich ausgesetzt und etwas unangenehm los. Aber die Stelle ist kurz und schnell überwunden. Weiter in schöner Kletterei in festem Fels der logischen Linie folgend über Verschneidungen, Bänder und kleine Wandl hinauf bis unter den sog Vorbau.
Der mittlere Riss ist der Merklriss. Nur eine SL aber knackig. Dafür gespickt mit Haken aller Art und Alter. Auch ein paar Bohrhaken sind dabei was durchaus beruhigt. Schlüsselstelle gleich zu Beginn aber auch später für mich fordernd. Nach gefühlt einer halben Stunde harter Arbeit komme ich oben an und mache Stand an Ringhaken. Wirklich eine tolle SL! Das macht Spaß! Nachdem wir beide oben sind und sich der Magen meldet  beschließen wir kurzerhand unsere Mittagspause auf dem Gipfel in der Sonne zu genießen und queren in die Schmidkunz und über diese Route in wenigen min hinauf.
Sonne tanken, aufwärmen, Brotzeiten und in die Runde schauen. Schee! Fast sind wir versucht das Klettern für heut bleiben zu lassen und einfach hier zu verweilen. Aber dann gewinnt doch noch der Ehrgeiz und wir kraxeln die paar Meter wieder runter zum Einstieg (Ringhaken) der Mittleren Nordwand. Sie beginnt mit einer netten Querung auf Reibung und schönen Untergriffen bis auf ein Band. Von diesem gleich weiter hinauf und immer leicht linkshaltend bis zu Stand. Insgesamt etwas leichter als der Merklriss. Sehr Ausgesetzt und schön zu klettern. Die 2. SL bietet nur noch im ersten Drittel Kletterei, geht dann über steiles Gras-/Latschengelände bis zum Gipfel. Hello again… ;D

Der Abstieg folgt erst dem Grat Richtung Westen und dann vor dem Aufschwung (mittleres Gipfelkreuz) nach rechts auf Steigspuren in die Nordflanke und hinunter zum Ausgangspunkt. (spärlich mit blauen Punkten markiert aber ganz gut zu finden; ca ½ h)
Wir sammeln unsere Sachen ein und fetzen hinunter zur Brandneralm wo wir noch was trinken und sitzen bis die Sonne hinterm Hörndl verschwindet.
Wir kommen sicher wieder…

Topo/Beschreibung: Im alten AV Führer Chiemgauer Alpen oder Panico Kletterführer Bayerische Alpen 1
Absicherung: Im Merklriss steckt mehr als man klippen kann, sonst können vereinzelt Keile oder Cams hilfreich sein.
Fazit: Super schöne Kombination! Durch die Unterteilung in 3 kurze Abschnitte verliert die Tour etwas an Ernst und erinnert fast etwas an Klettern im Klettergarten.

(leider keine guten Fotos diesmal)

Offline Ameranger

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Re: Hörndlwand am 29.09.2016
« Antwort #1 am: 28.10.2016, 10:35 »
Servus Rossi,

Was heißt denn hier keine guten Fotos diesmal ??? - Ich finde sie super  #danke1#.
Mir schwirt das Hörndl auch schon eine Weile im Kopf herum, hatte es aber immer weiter in den Herbst geschoben  #nasowas#
Vielleicht gelingt es heuer noch einmal da etwas herum zu toben ?!. Besonders der neue SKW würde mich reizen....

Derweil vielen Dank für den schönen Bericht  #gutgemacht#

VG Ameranger