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Autor Thema: Über stille Steige auf belebte Gipfel, vom 27.09. bis zum 30.09.2016  (Gelesen 2008 mal)

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Offline BFklaus

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Eine Bergtour mit meiner Tochter muss immer Gastronomie in Gipfelnähe bieten, die Kaffeepausen zwischen 14 und 16 Uhr ermöglicht. Natürlich sollte die Tour für sie neu sein, spektakulär, nicht zu touristisch, fordernd - aber nicht zu gefährlich.
Bei schönstem Bergwetter haben wir diese Woche vier Bergfahrten zusammen unternommen, die den genannten Kriterien (fast) immer entsprachen …

Dienstag, 27. September 2016
Kampenwand über Landerhausener Alm


Die Kampenwand ist Pflichtprogramm! Langsam gehen mir aber Ideen für „neue“ Anstiege aus.  Auf OSM und auch in der AV-Karte sieht der südseitige Aufstieg über die ehemalige Landerhausener Alm machbar aus, vielleicht sogar unter Mitnahme eines Gipfelchens, dem Ramseneck (1117m).

Vom Dalsenparkplatz wanderten wir auf breitem Forstweg zunächst Richtung Steinbergalm. Den Beginn des Jägersteigs zum Ramseneck fanden wir nach einigem Suchen und stiegen munter bergan. Leider verlor sich der Pfad in einem älteren Windbruchgebiet und wir die Lust weiterzugehen. Also zurück zum Forstweg und weiter zur Steinbergalm, von wo man den Ostgipfel der Kampenwand schon in greifbarer Nähe wähnt (Foto 01).

Zur verfallenen Landerhauser Alm führt ein zertrampelter Viehsteig ohne großen Höhengewinn. Dort angekommen gilt es, den „besten“ Weg über die steile, zugewachsene Almwiese zum Europäischen Fernwanderweg E4 unterhalb des Hochalpenkopfs zu finden, was sich als nicht so einfach erwies. Ganz ohne Kratzer und völlig eingesaute Schuhe ging es jedenfalls nicht. Immerhin waren wir unserem Ziel etwas näher gekommen (Foto 02). Der Restanstieg zum Gipfel (Foto 03) war bekannt. Natürlich waren wir nicht die einzigen Gipfelbesucher. Im Abstieg zur Steinlingalm (Foto 04 mit Sulten) und auf dem Weg zur Sonnenalm ging es schön wuselig zu.

Kaffee und Kuchen gab es im vorgegebenen Zeitfenster auf der sehr gut besuchten Sonnenalm. Wir genossen die Nachmittagssonne bis wir uns auf den einsamen Rückweg über die Steinbergalm begaben. Foto 05 zeigt die Kampenwand im Spätnachmittagslicht vom Almgelände aus.

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« am: 01.10.2016, 18:10 »

Offline BFklaus

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Mittwoch, 28.09.2016
Predigtstuhl und Törlkopf über Weißbachsteig


Der Tag fing nicht gut an! Erst vertrödelten wir die Abfahrt, fuhren gleich in einen Stau auf der Autobahn und standen später eine halbe Stunde in einem weiteren Stau bei Hallthurm. Zu allem Überfluss merkte ich am Parkplatz Klaushäusel, dass ich meine  Bergschuhe zu Hause vergessen hatte. Nur gut, dass diese Tour auch in Wandersandalen zu bewältigen ist.

Über den Weißbachgraben stiegen wir ohne jeden Kontakt mit anderen Wanderern zur Steinernen Agnes hoch (Foto 06).  Im Bildhintergrund sind unsere späteren Gipfelziele Törlkopf und Karkopf gut zu erkennen.

Vorher war aber der Predigtstuhl an der Reihe, den wir über Hochschlegel und Schlegelmulde mit zunehmender Begleitung ansteuerten. Den Blick von der Kaffeehausterrasse auf Saalach- und Thumsee (Foto 07) gönnten wir uns noch. Weil sich meine Tochter aber weigerte, ihren Kaffee „hinter einer Glasfassade“ zu trinken, wanderten wir wieder Richtung Freiluftterrasse der Schlegelmulde. Die Panoramatafel (Foto 08) am Predigtstuhlgipfel (Foto 08) klärte offene Fragen zu diesem und jenem Gipfelnamen.

Nach einer längeren Pause stiegen wir via vernarbtem Hochschlegel (die Bauarbeiten sind beinahe abgeschlossen) auf den jetzt menschenleeren Karkopf (Foto 09). Neben der großartigen Aussicht auf Watzmann und Hochkalter ist der Nachbargipfel Törlkopf zu bewundern. Ein gut begehbarer unmarkierter Steig am Grat entlang trifft in der Einsattelung zwischen Kar- und Törlkopf auf den Wanderweg Nr. 479 Richtung Mordaualm, dem wir bis zum Abzweig auf den Törlkopf folgten. Der Törlkopf (Foto 10) ist dann in 15 Minuten über eine steile Latschengasse erreicht. Das „Kasterl“ am Gipfelkreuz enthält einige Spezialitäten, die das Herz jedes bayerischen Mannsbilds höher schlagen lassen: Schmalzler und Enzian. Angesichts meiner Vorbildfunktion der Tochter gegenüber konnte ich der Versuchung zuzugreifen gerade noch widerstehen.

Es war schon nach sechs, als wir zur Törlscharte abstiegen und über die Mitterkaseralm zum breiten Forstweg. Hier folgte ich meinem „untrüglichen Instinkt“ und überzeugte meine Tochter trotz eindeutiger Wegweiser mit mir in die falsche Richtung zu laufen. Wir fanden uns schließlich in völliger Dunkelheit auf einem zugewachsenen Jägersteig wieder, der an der steilen Südflanke des Blaikenbergs entlang führt und uns an den Wildzaun des Pleicklehens brachte. Zum Glück hatte ich meine Stirnlampe nicht vergessen. Über einen schlammigen „Pfad“ kamen wir nach einer gefühlten Ewigkeit auf der Forststraße zum Parkplatz an. Holprig begonnen – holprig beendet: dazwischen lag ein wunderbarer Bergtag!

Offline BFklaus

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Donnerstag, 29. September 2016
Schneibstein über Rothspielscheibe


Vom Parkplatz Hinterbrand bis zum Abzweig zur Priesbergalm waren wir nicht alleine. Sogar eine ganze Schulklasse war unterwegs. Erst als wir zur Königstalalm abbogen, trat Ruhe ein (Foto 11). Die Alm lief schon auf Wintermodus, das Vieh war bereits unten.

Gemütlich ging es zur Farrenleite hoch und dann – deutlich steiler und anstrengender – auf die Rothspielscheibe. Unterwegs hat man immer wieder fantastische Einblicke in die Watzmann-Ostwand mit der Priesbergalm im Vordergrund (Foto 12).

Das Gipfelkreuz der Rothspielscheibe (Foto 13) ist für mich das schönste in den Berchtesgadener Alpen: schlicht und trotzdem unglaublich berührend. Wir machten eine ganze Weile Pause auf den weichen Grasmatten im Gipfelbereich, ehe wir den schwierigsten Teil der Tour angingen, die Durchquerung des Karrenfeldlabyrinths zwischen Rothspielscheibe und Windschartenkopf. Anders als in meiner Erinnerung war die Markierung aber erstaunlich gut. Neuere rote Farbkleckse und eine Vielzahl von Steindauben führten uns problemlos zur „Kleinen Reibn“. Von dort sieht die Rothspielscheibe erheblich zugänglicher aus (Foto 14) als von ihrer wilden Nordseite.

Der Weiterweg zum Schneibstein zog sich in die Länge, die vielen kleinen Gegenanstiege hatten uns etwas zermürbt, als wir nach vier den Gipfel erreichten. Wir waren alleine da, was vermutlich den Betriebszeiten der Jennerbahn geschuldet ist. Auf dem „leichtesten Zweitausender“ der Berchtesgadener ist man sonst nämlich selten für sich. Trotz einiger Schleierwolken war die Fernsicht sehr gut. Die Übergossene Alm war beispielsweise klar zu sehen (Foto 15).

Der Abstieg zum Stahlhaus kostete uns noch eine knappe Stunde. Dann war Kaffee und Kuchen angesagt, leider deutlich außerhalb der biorhythmisch definierten Koffeinaufnahmezeit meiner Tochter.

Offline BFklaus

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Freitag, 30. September 2016
Mooslahnerkopf


Die Touren der vergangenen Tage hatten bei Vater und Tochter leichten Muskelkater und Ziehen in den Wadeln zurück gelassen. Wir beschlossen daher die Wanderwoche gemütlich ausklingen zu lassen
Am Parkplatz Hammerstiel erwischten wir den letzten kostenlosen Parkplatz. Bis zur „Benzinkurve“ bewegten wir uns mit vielen Wanderern und E-Bikern auf der Forststraße. Zwecks Einsamkeit machten wir einen Schlenker Richtung Watzmannkar und bogen unterhalb des Kleinen Watzmann nach Kühroint ab.

Der Steig zum Mooslahnerkopf hoch ist zwar nicht markiert, aber sehr gut zu finden. Im Aufstieg kam uns eine Handvoll Bergsteiger entgegen, einige auf dem Rückweg vom Kleinen Watzmann. Am Gipfel war heute nicht besonders viel los. Wir konnten die großartige Aussicht auf Königssee und Hagengebirge (Foto 16) und auf das direkt unter uns liegende Sankt Bartholomä (Foto 17) in vollen Zügen genießen. Sehr gut hat mir auch der Blick zum kürzlich besuchten Watzmannlabl gefallen (Foto 18, Bildmitte). Rechts oben im Foto ist der Lablkopf zu erkennen.

Wir schafften es ganz locker, um halb vier an der Kührointhütte bei Kaffee und Kuchen zu sitzen und dort das Kommen und Gehen in der wärmenden Sonne zu beobachten. Der Kuchen hier war übrigens mit Abstand der beste der vier Touren.

Zum Parkplatz zurück ging es über den einsamen Schapbachriedel, der ein kleines Gipfelkreuz spendiert bekommen hat (Foto 19). Von kaum einer anderen Stelle hat man eine dermaßen gute Sicht auf die komplette Watzmannfamilie mit allen Kindern (Foto 20). Vermutlich dürfte man früh morgens technisch anspruchsvollere Fotos bekommen, wenn nämlich die Sonne die Szenerie besser ausleuchtet.