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Autor Thema: 27.09.16: Kaisergebirge: Via Kopftörlgrat auf die Ellmauer Halt (1)  (Gelesen 1426 mal)

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Offline geroldh

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Jetzt, da die Tage sukzessive kürzer werden und irgendwann eine „Winterruhe“ implizieren, wollte „Opa“ noch seine alljährliche Kraxeltour über den Kopftörlgrat (Wandbild (Nord-Ansicht)) machen – aber nicht am Wochenende, weil da mitunter die Gefahr von „fallenden Steinen“ größer ist... ??? ;)  Ich hatte diesen Kaiser-Klassiker bereits vor vielen Jahren (2001) mit einem Bergspezl erkundet (Wieviel Internet-Info gab es damals? Wir hatten unser alpines „Glück“ nur mit einem entliehenen AV-Kaiserführer gesucht und gefunden!) und dabei unser eigenes „Kopftörl-Abenteuer“ erlebt, etwa vergleichbar diesem Bericht von vor wenigen Wochen. Etwas später dann hatte ich schon mal die Gelegenheit gehabt, hier mit „Opa“ unterwegs sein zu dürfen – und somit werde ich auch bei dieser Tour erneut zum „Wiederholungstäter“.

Bei der telefonischen Verabredung hatte ich die Idee geäußert, damit auch den vor wenigen Jahren neu angelegten Klettersteig unterhalb der Gruttenhütte zu erkunden, stieß damit aber auf ebenso wenig Begeisterung: „Da machen wir besser was g’scheits. Oben gibt‘s noch genug zum Klettern.“ (vgl. Topo) Dennoch hatte ich mir am Vorabend informativ die Routenskizze (Topo) des Klamml-Klettersteigs angesehen, sowie ein neueres Video – und ich war überzeugt: Nein, hier möchte ich nicht wirklich durch, denn welches „Ziel“ sollte ich auf diesem „Weg“ finden? Die Erkenntnis vielleicht, die Wampe per Armkraft am Stahlseil hinauf ziehen zu können und zwischendurch zum Umhängen auf Eisen zu steigen? Dennoch bei unserem Aufstieg zur Grutten wollte ich mir wenigstens „von außen“ einen Eindruck verschaffen und den sog. Klammlweg benutzen, an dem ich tatsächlich in all den Jahren „vorbei“ gelaufen bin.

So starteten wir an der Wochenbrunner und stiegen anfangs den üblichen Weg empor. Am zweiten Wegweiser zeigte mir meine ältere AV-Karte einen gepunktelten Pfad an, von dem es auch schwarz-gepunktelt zum Klammlweg (ab Gaudeamushütte) abzweigen sollte. Etwa an dieser Abzweigstelle gab es dann ein größeres Trockenbachbett, das dennoch gut als abkürzende Aufstiegsmöglichkeit herhalten konnte. Durch die „Wohn-Küche“ eines größeren Gemsenrudels (eine Gams hatte offenbar am linken Hinterlauf einen weißen Verband?) erreichten wir bald den alten Steig und damit auch den Einstieg zum Klettersteig. Also irgendwie hatte ich mir dessen Ausdehnung größer vorgestellt... – und als ich zwei „Begeher“ über die „spektakuläre“ Drahtseilbrücke „steigen“ sah, kam mir unweigerlich der Begriff „Spielplatz“ in den Sinn...  ::)

(Fortsetzung folgt)

Bild 1: Die Felsen des Klamml-Klettersteigs; der Klammlweg führt durch die kleine Schlucht zwischen den Felsen hindurch (eingekreist zwei Klettersteigler...)
Bild 2: Die Gruttenhütte (1620m) vor Treffauer und Kaiserkopf, als höchst gelegene (bew.) Berghütte im Kaisergebirge
Bild 3: Verlaufen zwecklos! Der Kopftörlgrat spitzt ein wenig hinter’m Gras hervor
Bild 4: Durchschlupf kurz vor dem Kopftörl – nix für El(i)efanten... #hihi#
... Der eli hat ganz schön an Umfang zugelegt.  :o   Der Elifant wird ab sofort auf Diät gesetzt.  ;D
(Und hier das Original:laugh:
Bild 5: Blick zurück auf den an dieser Stelle eher „harmlosen“ Kopftörlgrat

Offline geroldh

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*Erstbegeher: Georg Leuchs am 25.06.1900, allein   #respekt#

An der Grutten vorbei, stiegen wir zwischendurch etwas mühsam zum Kopftörl auf, das auch als Übergang ins hintere Kaisertal dient. Nach einer kleinen Pause mit anziehen der Sitzgurte stiegen wir auf einem „Gamsköttelsteig“ unterhalb des ersten Turms vorbei, wie es üblicherweise aus Energie- und Zeitgründen gemacht wird. War es am Morgen noch wenig bewölkt, so kondensierte nun die aufsteigende Luft unterhalb des Grates aus und verlieh der Unternehmung noch etwas dramatisches. Als wir mit dem zweiten Turm den Grat erreichten, hörten und sahen wir am übernächsten Turm eine andere Zweier-Seilschaft vor uns – wie sich später am Gipfel herausstellte in ähnlicher Altersverteilung wie bei uns.

Bis zum Erreichen der Metallkiste für die Bergwacht auf dem vierten Turm (=Leuchsturm) – an dieser Stelle gibt es auch einen markierten Notabstieg (mit abseilen!) – ist die Route nur mäßig mit alten Schlaghaken/-ringen und neueren Klebehaken bestückt und wir hatten uns auch nur an den kritischsten Stellen kurz gesichert. Doch gleich danach kommt eine kleine, leicht absteigende Traverse als „psychologische Schlüsselstelle“ (sehr ausgesetzte Plattenquerung) und hier unterstützte das Seil mental doch erheblich. Wir sicherten mit unserem „Kurzseil“ (30m) noch den sechsten und letzten Turm hinauf und wählten dann die bequeme Südumgehung des Gipfelaufbaus, da eine oft feuchte Verschneidung (III+/IV-) kurz vor dem nordostseitigen Ausstieg als technische Schlüsselstelle gesehen werden kann.

Nach entspannten vier Stunden Kletterzeit (Angabe: 3-5 Stunden) erreichten wir den höchsten Kaisergipfel, die Ellmauer Halt (2344m). Wir trafen noch kurz auf die Vorgängerseilschaft und hatten dann am Spätnachmittag den Gipfel für eine kleine Pause alleine. Über den Gamsängersteig, der zwar in den letzten Jahren drahtseilmäßig saniert wurde, aber dennoch Aufmerksamkeit und Konzentration abverlangte, stiegen wir ins Hochgrubachkar und weiter zur Gruttenhütte ab. Aha, je angeregter wir uns unterhielten, desto weniger scheu scheinen die Gemsen zu sein, an denen wir in nur wenigen Metern Abstand vorbei gingen. Über den Hütten-Normalweg erreichten wir schließlich wieder unseren Ausgangspunkt.

Bild 6: Blick voraus auf den dritten Turm; es geht unter den Klemmblock im Riss hindurch (eingekreist die andere Seilschaft am vierten Turm)
Bild 7: Querung auf dem vierten Turm (eingekreist die andere Seilschaft am sechsten Turm)
Bild 8: Blick von der Ellmauer Halt auf den östlichen Wilden Kaiser mit der dominierenden Ackerlspitze (2329m) ...
Bild 9: ... und hinab auf‘s Dorf Ellmau (804m) mit dem Hartkaiser
Bild 10: Auf dem Gamsängersteig hinab zur Gruttenhütte