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Autor Thema: Erweiterung Steinbruch Nußdorf geplant (Inntaler Heuberg)  (Gelesen 22866 mal)

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Offline geroldh

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20.03.2016:  Anpassung Betreff/Überschrift wg. Default-Übernahme in Beitrags-Antwort
von "Erweiterung Steinbruch Nußdorf gepl. / „Weigend-Wall“ könnte „gesprengt“ werden"
auf "Erweiterung Steinbruch Nußdorf geplant (Inntaler Heuberg)"
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Hallo zusammen,
habe mich extra angemeldet, um euch auf ein Thema aufmerksam zu machen (hoffe, ich habe es richtig verstanden) – zumal ich mittels Suchfunktion keinen Eintrag diesbzgl. hier gefunden habe. Vielleicht findet das Thema wenig(er) Aufmerksamkeit, weil es nun im Forum „nur“ unter <Sonstiges> „ganz unten“ steht (Admins bitte ggfs. verschieben) – oder weil es viele Bergler, die hier mal vorbeischauen, nicht direkt „betrifft“ (Heimat=?). Sollte es ggfs. bei einem anderen euch bekannten Forum (z.B. Sportklettern) besser aufgehoben sein, dann darf dieser Beitrag unter Angabe der Quelle gerne 1:1 dorthin kopiert werden. Hiermit ist jedenfalls ein erster Anfang getan:

Es geht, nach der Hochries, quasi um den zweiten Rosenheimer Hausberg, den berglerisch um einiges interessanteren Heuberg und um ein interessantes Klettergebiet, beides u.a. von Rosenheim via Inndamm relativ einfach mit dem Rad zu erreichen.
Bin verg. Woche zufällig und etwas verzögert über einen größeren Artikel im Rosenheimer Lokalteil des OVB gestolpert, der Freitag, 29. Mai 2015 veröffentlicht, auch im Internet zu finden ist [1]. Eine Recherche ergab eine weitere themenbez. Veröffentlichung am 09.05.15 [2] sowie entsprechende Berichte bei der Gemeinde Nußdorf [3], [4].
Demnach soll bei der bereits genehmigten Variante 1 im südöstlichen Steinbruchbereich weiter bis zur „Garwand“ abgebaut werden – oder ersatzweise(?) als neue, noch zu genehmigende „einfachere“ Variante 2 der Abbau der (restlichen?) nordöstlichen Sichtschutzwand (=„Weigend-Wall“) stattfinden.

Vom „Forststrassenbauwahn“ in den 70/80ern verschont, war für mich der westseitige Heubergaufstieg von Nußdorf über die Bichleralm („Bichleralm-Steig“ - DAV 224) lange Zeit eine wunderbare Tour, bis etwa Mitte/Ende der 90er die heutige Steinbruch-Werkstrasse zum Abraum-Transport mit LKWs in den Wald gefrässt wurde und auch einen Teil des (neueren) Steiges „fraß“ (die Bank kurz vor dem Steinbruch erinnert heute noch daran). Zusätzlich gewann Jahr für Jahr der wenig attraktive Blick von oben in den sich immer weiter ausbreitenden Steinbruch an Bedeutung.

Schaut man sich die historische Topographische Karte (M 1:25 000) vom Heuberg um 1900 an [6] (Quelle: Abseits-Aufwärts [7] – Danke!), dann ist zu erkennen, dass sich die heutige „Sichtschutzwand“ ursprünglich über ca. 150 Höhenmeter in Richtung südwesten erstreckte und sich der heutige Steinbruch mit der Zeit „mitten durch die Wand“ gefressen und diese zweigeteilt hat [8]. Während ein Großteil des Felses am Heuberg-Massiv spröde und brüchig ist (z.B. Kindlwand), besteht die „Sichtschutzwand“ aus festem Kalkgestein, an deren oberen Nordwestseite sich ab der Jahrtausendwende (ca. 1998) ein schöner Sportklettergarten entwickelt hat [9] (Bei gemähten Wiesen ist der Zustieg am besten vom Parkplatz am Sportplatz/Schwimmbad aus).

Auf der historischen Karte ist auch der Verlauf des „alten Bichleralm-Steigs“ ersichtlich, der jahrelang durch eine Steinbrucheinzäunung abgeschnitten war (Sperrbereich durch Sprengungen) und heute noch gut, auf jeden Fall aber trockener (d.h. weniger batzig) als der neuere Steig, begehbar ist (vgl. [8]). Nachteil: Heute muß man dort vier mal die Werkstrasse kreuzen und darf an oben genannter Stelle einen „tiefen Einblick“ in den Steinbruch geniessen... Sollte die „Sichtschutzwand“ aber „fallen“, dann ist mit einer schönen natürlichen Wand auch dieser über hundert Jahre alte Steig endgültig verloren.

Dem OVB-Artikel [1] nach ist „eine öffentliche Informationsveranstaltung mit Vertretern von Landratsamt, Zementwerk und der Gemeinde geplant“. Nicht erwähnt wird jedoch, ob diese Veranstaltung vor oder nach der Genehmigungsänderung für die Variante 2 stattfinden soll... [5]
Da jede weitere Ausdehnung des Steinbruchs irreversibel (nicht umkehrbar!) und obendrein weithin sichtbar ist, sollte meiner Meinung nach versucht werden das bereits genehmigte (Rest?)Abbauvolumen alternativ „in der Tiefe“ zu gewinnen und unsere wertvolle touristische und l(i)ebenswerte Landschaft zu schonen. Ich denke, dass eine „Begrünungs-Maßnahme“ (Gras, Büsche, Fichtenmonokultur?) bei weitem nicht einen intakten Hochwald, vorwiegend aus Buchen bestehend, wettmachen kann, weder optisch noch ökologisch – und der im Artikel genannte „Bergrücken(, der) den Blick in das Abbaugebiet einschränkt“(!?) auch nur solange im Ansatz funktioniert, wie er nicht (später) abgeholzt wird.

Vom Eingang des Mühltals aus ist der Steinbruch am Heuberg mit Sicherheit keine (optische) Einschränkung, aber darüber hinaus ist dieser zunehmend markant zu sehen: Von Flintsbach/Petersberg über Brannenburg/Wendelstein bis zum Neubeurer See. Habe mich am WE dort umgesehen – für alle nachfolgend eine Sammlung von Links auf Bilder im Internet, damit sich jeder selbst einen Eindruck von den verschiedenen „Blickachsen“ auf den Steinbruch von Nußdorf machen kann [10]-[18].

Denkt ihr, es läßt sich gemeinsam an der weiteren (sinnvollen) Ausdehnung des Streinbruchs etwas bewirken?


[1] Ortsbesichtigung im Nußdorfer Steinbruch des Rohrdorfer Zementwerks - Debatten um Steinbruch (29.05.15)
http://www.ovb-online.de/rosenheim/rosenheim-land/debatten-steinbruch-5055412.html
[2] Zementwerk Rohrdorf legt Gemeinderat zwei Varianten für Abbau im Steinbruch bei Überfilzen vor - Aufforsten schon früher möglich (09.05.15 / ggfs. zur Gemeinderatssitzung vom Dienstag, 21.04.2015)
https://www.ovb-online.de/rosenheim/rosenheim-land/aufforsten-schon-frueher-moeglich-4986978.html
[3] Ortsbesichtigung am Nußdorfer Steinbruch durch Gemeinderat (entspr. OVB-Artikel vom 29.05.15)
http://www.nussdorf.de/index.php?id=4748,24&suche=Steinbruch
[4] Aktuelles aus den Sitzungen (Gemeinderatssitzung vom Dienstag, 24.03.2015 / entspr. OVB-Artikel vom 09.05.15)
http://www.nussdorf.de/index.php?id=4740,132&suche=Steinbruch
[5] Mitglieder des Nußdorfer Gemeinderats
http://www.nussdorf.de/index.php?id=0,25

[6] Heuberg – Hochries – SACHRANG (Referenzpunkt: Höhenangabe „525 m“ (=Abzweig „Bichleralm-Steig“ [DAV 224] von der „Heubergstraße“ [DAV 223]) am linken Bildrand)
http://greif.uni-greifswald.de/geogreif/geogreif-content/upload/bay/816SachrangKopie.jpg
[6a] BRANNENBURG – Inn – Nußdorf
http://greif.uni-greifswald.de/geogreif/geogreif-content/upload/bay/815BrannenburgKopie.jpg
[7] Abseits-Aufwärts-Blog
http://abseits-aufwaerts.blogspot.de/2014/01/sammlung-alter-topograhischen-karten.html
[8] Steinbruch Nußdorf in OpenStreetMap (OSM)
http://www.openstreetmap.org/#map=17/47.72888/12.16712&layers=N
[9] Klettern „Out of Rosenheim“ - Weigend Wall
http://www.stadler-markus.de/sportklettern/bayern/klettergebiete/news/weigend-wall-sportklettergebiet-am-heuberg-bei-nussdorf.html

[10] http://static0.akpool.de/images/cards/7/73277.jpg
[11] http://www.lehl.de/villa-anita/assets/images/nussdorf600.jpg
[12] http://www.mineralienfreunde.de/Oberbayern/Nussdorf.jpg
[13] 360°-Panorama der Gemeinde Nußdorf am Inn
http://www.nussdorf.de/index.php?id=3755,45&suche=
[14] https://nawicom.files.wordpress.com/2010/03/blick-von-flintsbach-auf-den-heuberg-in-nussdorf-am-inn-24-marz-2010-e1271256251170.jpg
[15] http://www.heubergblick.de/s/cc_images/cache_32866441.jpg
[16] http://www.heubergblick.de/s/cc_images/cache_32866457.jpg
[17] http://www.kimapa.de/wp-content/uploads/2014/05/Nußdorf_Mühlweg_Presse2-640x480.jpg
[18] http://www.panoramio.com/photo/2850243

roBerge.de

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« am: 09.06.2015, 12:42 »

Offline geroldh

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Aktualisierung:
In Nußdorf am Inn (bzw. unter’m Heuberg) steht die nächste (monatliche) Gemeinderatssitzung an.
Den Gemeinderatsmitgliedern muss die Tagesordnung der Sitzung rechtzeitig vorher zugehen, i.d.R. eine Woche vorher – und da es eine öffentliche Sitzung ist, wird diese auch veröffentlicht. Nachfolgend ein Auszug:

Bekanntmachung Gemeinderatssitzung
Am Dienstag, den 16.06.2015 um 19.00 Uhr findet im Sitzungssaal des Rathauses eine Sitzung des Gemeinderates statt.
Tagesordnung (Öffentliche Sitzung):
X. ...
3. Steinbruch Überfilzen, Rohrdorfer Zementwerk, Änderung der Abbaugenehmigung
Y. ...
Im Anschluss findet eine nichtöffentliche Sitzung statt.
Nußdorf a. Inn, den 09.06.2015
Sepp Oberauer
Erster Bürgermeister
Quelle (10.06.2015): http://www.nussdorf.de/index.php?id=4759,1&suche=

Das bedeutet: Die „Änderung der Abbaugenehmigung“ steht wohl nicht (mehr*) zur Information, sondern zur BESCHLUSSFASSUNG auf der Tagesordnung.
Ggfs. werden noch letzte Fragen geklärt, etwas diskutiert..., aber bei Beschlussfähigkeit des Gemeinderates (=Mind.Anzahl der Mitglieder müssen anwesend sein) wird über den Antrag des Rohrdorfer Zementwerks für den Steinbruch Nußdorf/Überfilzen abgestimmt (eine Verschiebung der Beschlussfassung wäre überraschend) – und in Abhängigkeit des Abstimmergebnisses ist der Antrag dann genehmigt/zugestimmt oder nicht genehmigt/abgelehnt. In der Folge: s.u. bzw. in den verlinkten Veröffentlichungen...
*Informationen (und Diskussionen) hierzu gab es bereits in den Sitzungen der verg. Monate des Jahres 2015, s. hier: http://www.parteifreie-nussdorfer.de/downloadbereich.html

Das Rathaus sollte in der Brannenburger Str.10 zu finden sein (nähe ARAL-Tanke; http://www.nussdorf.de/index.php?id=1991,7)

Ich verstehe es dann aber auch folgendermaßen: Sofern bisher (seit Veröffentlichung des OVB-Artikels am 29.05.2015) die unten unter [1], [3] erwähnte „Bevölkerungseinbeziehung“ bzw. öffentliche Informationsveranstaltung noch nicht stattgefunden hat (Google kennt hier nix), dann werden die Bürger von Nußdorf wohl erst NACH der Entscheidung „rechtzeitig einbezogen“ bzw. ihnen das jeweilige Beschluss-Ergebnis „schmackhaft gemacht“.  :-[

Ich hoffe, die beteiligten Gemeinderatsmitglieder sind alle umfassend(!) informiert, um diese ihre direkte Umgebung für lange Zeit (=IMMER!) prägende Gestaltungsmaßnahme entsprechend zu entscheiden!!  ???

Zusammensetzung des Gemeinderats:
- Parteifreie Nußdorfer: http://www.parteifreie-nussdorfer.de/ueberuns_vorstellung.html
- CSU Nußdorf und Freie Wählergemeinschaft Nußdorf: http://www.csu-nussdorf-fwg.de/
bzw. Übersicht: http://www.nussdorf.de/index.php?id=0,24
bzw. Ausschüsse/Referate: http://www.nussdorf.de/index.php?id=0,26#A4
oder Mitglieder: http://www.nussdorf.de/index.php?id=2024,25

Offline indian_summer

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Und,  gibts nun einen Beschluss?

Grundsätzlich bin ich schon gegen Steinbrüche etc... Aber irgendwoher müssen die Rohstoffe ja auch kommen. Es wird eh schon so viel Steinzeug aus dem Ausland hergekarrt, und da wird mit Sicherheit noch Rücksichtsloser gewirtschaftet.

Leider machen sich zu wenige Gedanken, wenn sowas nicht direkt vor der Haustür passiert.

Was mich z.B. stört sind diese seit einigen Jahren überall neu entstehenden Sicht- und  Lärmschutzwände (Gabionen) mit den Steinen drin. Oder die ganzen Natursteinplatten für Küchen, Terrassen oder andere Bodenbeläge. Irgendwoher kommen Unmengen davon, und Stein wächst ja bekanntlich nicht so schnell nach...

Gruß
Elisabeth

Offline geroldh

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Aktualisierung:
Das Gute gleich vorweg: Es fand auf der gestrigen Gemeinderatssitzung KEIN Beschluss statt (obwohl dieser theoretisch möglich gewesen wäre),
sondern der TO-Pkt. zum Steinbruch Nußdorf kann im nachhinein umformuliert werden:
3. ..., weitere Information und kontroverse Diskussion zur Änderung der Abbaugenehmigung und zum bestehenden genehmigten Abbauplan

Dieser Sitzungspunkt nahm jedoch den größten zeitlichen Rahmen ein und ließ die Temperatur im voll besetzten Sitzungsraum zügig ansteigen.
Als derzeitiger Zwischenstand kann festgestellt werden: Es ist weiterhin alles offen...

Ich möchte in den nächsten Tagen weitere Infos hier einstellen, aber nicht in Konkurenz treten zu Veröffentlichungen der Gemeinde oder in der Presse,
sondern diese ggfs. ergänzen und meine Interpretation dazu darstellen.

Doch an dieser Stelle vorab:
Als Termin/Ort für eine Bürger-/Infoveranstaltung (wie unten 09. Jun 2015, 12:42 unter [1],[3] angekündigt) wurde
der Dienstag, 07. Juli 2015 um 19:30 Uhr im Saal des Schneiderwirt festgelegt.
http://www.schneiderwirt.de/gasthof.htm

Offline geroldh

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„Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich den Rest meines Lebens zu verbringen.“ (Albert Einstein)  #fruehling2#

Liebe Naturfreunde, heute ist es soweit:
In der WE-Ausgabe des OVB (Rosenheim Land; S. 19) wird aus der Gemeinderatssitzung berichtet – vgl. [1].

Als ergänzender Nachtrag zum Stichpunkt „Visualisierung“ (der Abbaugrenzen/Varianten) zu den verlinkten Berichten aus dem Eröffnungs-Post unten, gibt es anzumerken, dass für die GR-Begehung eine Kennzeichnung der momentan gültigen Abbaugrenzen (Var.1) und der disk. mögl. Variante 2 in Form von pinkfarbenen Markierungen an eingeschlagenen Pfosten und Bäumen/Steine in der Natur vorgenommen wurde.
Darüberhinaus wurde auf der GR-Sitzung eine Überlagerung dieser mögl. Abbaugrenzen auf ein Luftbild des Steinbruchs präsentiert.
Aus diesen beiden Quellen ist für euch eine skizzierte „Visualisierung“ in OSM vorgenommen worden [2].

Auf der GR-Präsentation waren auch Ausschnitte des mittlerweile vergilbten alten Abbauplanes zu sehen, der vermutlich die Grundlage für den Genehmigungsbescheid aus dem Jahr 1961 bildete. Eine Aussage auf der GR-Sitzung gleich zu Beginn war, dass das heutige Aussehen des Steinbruchs inzwischen keine Verwandschaft mehr mit  dem ursprünglich geplanten Steinbruch (Anfang der 60er Jahre in Betrieb genommen) hätte. Es wurde ausgeführt, und dies war auch bei einem Längsschnitt auf einem Planausschnitt zu erkennen, dass ursprünglich nur ein „schmaler Schlitz in der Wand“ (d.h. durch die alte vollst. „Sichtschutzwand“, vgl. Eröffnungs-Post) vorgesehen war, der am Wandfuß (Zufahrt) eine Breite von ca. 8m haben sollte und sich nach oben V-förmig mit kleinen Absätzen (Bermen) öffnet. Hinter dieser ursprünglich intakteren bzw. längeren Sichtschutzwand sollte dann der eigentliche Abbau in den Berg vorgenommen werden, mögl.weise nach den genehmigten „Grenzen“ der Variante 1.

Im Lauf der Jahrzehnte sei von der (unteren) Sichtschutzwand mehr weggenommen worden (heruntergefallen?) und durch eine Rissbildung an der (oberen) Sichtschutzwand hätte im Rahmen der Arbeitssicherheit durch Auftrag der Berufsgenossenschaft zu Anfang der 90er Jahre die „Nase“ über viele Meter entfernt werden müssen. In Folge dessen haben wir den heute vorhandenen breiten Einblick in den Steinbruch aus der Perspektive von W-NW-N – und seit 50 Jahren die Diskussion. Es wurde erwähnt, dass 1992 bereits vom Zementwerk Rohrdorf als freiwilliger Verzicht angekündigt wurde, als Ausgleich für die abgesprengte Nase der Sichtschutzwand die hintere/obere Abbaugrenze (Var.1) nicht auszuschöpfen.

Ein weiterer intensiver Diskussionspunkt war auf die Draufsicht auf den geplanten Bruch im alten Abbauplan gerichtet (Var.1): Ost-seitig gelegen und auf jeden Fall außerhalb des halbrund geplanten Abbaubereichs soll die 800m-Höhenlinie verzeichnet sein, die nach Zeichnung nicht erreicht wird. Auch aus anderer Stelle im Abbauplan soll hervorgehen, dass die max. Abbauhöhe („Oberkante Bruch“) im Gelände nur bei rund 758m liegen soll.
Wird jedoch dieser halbrund „genehmigte“ Abbaubereich in seiner Form auf ein Geländemodell (Luftbild mit eingeblendeten Höhenlinien) gelegt, dann war zu erkennen, dass diese 800m-Höhenlinie im Bereich der Garwand satt durchschnitten wird und mit der Berührung der 840hm-Linie (belegt durch ein Foto des „840m-Visualisierungspfostens“ über der Garwand) ca. 100hm über der auf dem Abbauplan vermerkten max. Abbauhöhe (758m) liegen könnte.
Ein weiteres Foto von einem GR-Mitglied zeigte den „773m-Visualisierungspfosten“ (seitl. Abbaugrenze?) unter der Garwand am Waldweg.
Es scheint somit, dass es auf dem alten „genehmigten“ Abbauplan sich widersprechende Angaben gibt, die auch dadurch nicht ausgeräumt werden, weil der Genehmigungsbescheid der Aufsichtsbehörde Landratsamt wohl keine Höhen- und Tiefenangaben enthalten soll.

Damit wird auch für mich verständlich, dass laut einem GR-Mitglied das Vertrauen der Nußdorfer und v.a. Überfilzener Bevölkerung gegenüber dem Rohrdorfer Zementwerk gestört sei und sich in Mißtrauen gewandelt haben soll, schließlich läse sich die Entwicklung des Steinbruchs ab 1960 wie „Pleiten, Pech und Pannen“. Als Konsequenz sollte beabsichtigt werden, am Steinbruch überhaupt nix mehr zu tun und den heutigen (Abbau)Zustand zu halten.

[1] Steinbruch Nußdorf - Abbau: Genehmigung eingehalten? (20.06.15)
http://www.ovb-online.de/rosenheim/rosenheim-land/abbau-genehmigung-eingehalten-5138978.html
[2] Steinbruch Nußdorf in OpenStreetMap (OSM)
http://www.openstreetmap.org/#map=17/47.72888/12.16712&layers=N

Nachtrag:
Bekanntmachung/Protokoll(Auszug?) der Gemeinderatsitzung vom 16.06.2015:
http://www.nussdorf.de/index.php?id=4780,3&suche=

Offline AbseitsAufwärts

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[2] Steinbruch Nußdorf in OpenStreetMap (OSM)
http://www.openstreetmap.org/#map=17/47.72888/12.16712&layers=N


Da kann man sich wirklich gut ein Bild machen. Ich weiss jetzt nicht wirklich was mir lieber wäre, die nördliche oder südliche Variante des Ausbaus.   :-\

Offline Martl

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Servus!

Hab auf jeden Fall vor, zu dieser Info-Veranstaltung in Nußdorf zu gehen
Zitat
Aufgrund des großen Bürgerinteresses wird am Dienstag, 7. Juli, um 19.30 Uhr im Saal des Gasthauses Schneiderwirt eine öffentliche Informationsveranstaltung stattfinden.

Ich finde, daß jeder verantwortungsbewußte und unsere heimische Bergwelt liebende Mensch hier nicht wegschauen sollte.

Von Brannenburg (nord-west) kann man nur einen Teil des Steinbruches einsehen. Trotzdem fällt deutlich auf, dass der Bruch die letzten Jahre in die Höhe (und auch Breite) gewachsen ist.


Gruß
Martl

Offline geroldh

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„Bisher mußten wir uns gegen die Natur behaupten.
Von nun an müssen wir uns gegen unsere eigene Natur behaupten.“

(Dennis Gabor (1900-79), ungar.-brit. Physiker/Ingenieur)                    #fruehling4+

Liebe Naturfreunde, ein paar Gedanken zwischendurch:
In einer Woche am Dienstag, 7. Juli, um 19.30 Uhr soll im Saal des Gasthauses Schneiderwirt (Nußdorf) die öffentliche Informationsveranstaltung zum Steinbruch stattfinden.

Ich nehme an, dass - wie in der letzten Gemeinderatssitzung angekündigt - zwischenzeitlich Kontakt zur Genehmigungsbehörde, dem Landratsamt, und einem gesteinsbewertenden Geologen aufgenommen wurde, so dass es dort noch detailiertere und vor allem fundiertere Informationen rund um den aktuellen Abbau(Plan) geben wird. Darüberhinaus werden wohl auch die beiden angedachten/geplanten Erweiterungsvarianten intensiv im Focus stehen.

In der letzten Zeit aufmerksamer im südlichen Landkreis von RO unterwegs gewesen, ist mir aufgefallen, dass der Steinbruch am bzw. im Heuberg bereits ab RO-Pang/Westerndorf erkennbar ist. Auf der Radltour nach Brannenburg hatte sich in der Nachmittagssonne die Garwand durch den inzw. lichten Hochwald abgezeichnet: Während die aktuelle Abbauoberkante (=Rodungsfläche) optisch etwas über 1/4 der Höhe Inntal-Heuberggipfel liegt (ca. 250m/840m), konnte ich erkennen, dass mit dem geplanten (bereits genehmigten?) Abbau der Garwand (=Variante 1) der Steinbruch dann eine relative Höhe von über 1/3 des Berges erhält (ca. 330m/840m) und die Oberkante der neuen, weithin sichtbaren Abbaufläche dann ungefähr auf der Höhe der Westabbrüche der Kindlwand zu liegen kommt. Mit der angedachten Alternativ-Variante 2 dürfte die derzeitige Rodungsfläche zwar „grün kaschiert“ werden, aber der Einblick in den Steinbruch, der wohl auch weiter ausgeschürft werden dürfte, gleicht dann einem „Scheunentor“!!

Es mag in den Genehmigungsjahren des „letzten Jahrtausends“ (1961 und ggfs. noch 1980) annehmbare Gründe (Versprechungen?) für den damaligen Gemeinderat bzw. das Landratsamt gegeben haben, aber heute im Jahr 2015 sollten sich die Ansichten und Bedürfnisse der Bevölkerung stark geändert haben. Aus meiner Sicht, und vielleicht entspricht diese der Bevölkerungsmehrheit, sollte die derzeitige Abbau(ober)grenze fixiert werden, ggfs. das technisch mögliche Gestein noch aus dem bestehenden Steinbruch entnommen werden und dann das Ganze bestmöglich renaturiert werden. Gerade weil die „genehmigte“ Abbauobergrenze unklar ist und bereits viele Jahrzehnte zurückliegt, sollte vom Rohrdorfer Zementwerk und vor allem vom Landratsamt die Bereitschaft zu entwickeln sein, den Steinbruch Nußdorf/Überfilzen in absehbarer Zeit zu schließen.

Inzwischen dürfte dieses Thema bereits verstärkt zur Kenntnis genommen worden sein, dennoch könnten Maßnahmen überlegt werden, noch mehr Leute zu mobilisieren, um z.B. auf oder nach der Info-Veranstaltung darauf hinzuwirken, dass der Steinbruch bald geschlossen wird. Mir fallen hier folgende Punkte ein:
* Viele Leser von roBerge.de kennen sicher Bewohner des „Oberen Inntals“ und können diese z.B. per Mail auf diesen „Thread“ hinweisen. Diese können dann wiederum ihre Nachbarn, etc. informieren...
* Gemeinderatsmitglieder von Nußdorf organisieren eine größer angelegte Unterschriftensammlung in ihrer und den Nachbargemeinden – eine (nichtoffizielle) Online-Petition* kann weitere überregionale Interessenten ansprechen... (*vgl. Wikipedia)
* Sollte es zu einem weiteren Abbau (der Variante 1) kommen, könnte es vielleicht einen „Wander-Flashmob“ geben, schließlich kreuzt der Wanderweg (DAV 224) die Steinbruch-Werkstrasse mit den LKW-Transporten, bzw. führt offiziell ein Stück auf dieser entlang... (vgl. BayernAtlas: http://geoportal.bayern.de/bayernatlas/?X=5288082.36&Y=4513006.03&zoom=11)
* ...

Offline geroldh

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„... Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen.“
(Albert Schweitzer (1875-1965), elsäss. ev. Theologe, Musiker, Arzt u. Philosoph, 1952 Friedensnobelpr.)

Steinbruch im Heuberg – nächste (öffentliche) Runde:
In der WE-Ausgabe des OVB (Rosenheimer Land; S. 18) wird von der Informationsveranstaltung berichtet – vgl. [1].

Insbesondere für die jüngere Generation, aber auch für die Bürger/innen aus den Nachbargemeinden war die Einführung vom Bürgermeister Sepp Oberauer in die Historie des Steinbruchs ab dem Jahr 1961 sehr wertvoll.
Es wurde anhand von Bildausschnitten der ursprünglich vorgesehene Verlauf aus der ersten Abbaugenehmigung vom damaligen ortsanssässigen Eigentümer Georg Wiesböck vorgestellt: Ein schmaler V-förmiger Schlitz in der natürlichen und bewaldeten Kalksteinwand, unten ca. 8m breit als Zufahrt und oben ca. 30m breit, von einer unteren Sohlenhöhe etwa 570m NN ausgehend. Dahinter waren beiderseits U-förmige Aushöhlungen des Kalkgesteins hinter den verbleibenden Sichtschutzwänden geplant. Aus meiner Sicht ein durchwegs vernünftiger Ansatz für einen lokal ansässigen (Klein)Betrieb: Der Steinbruch wäre vom Inntal wenig sichtbar gewesen und hätte sich vermutlich heute „gut“ in das Landschaftsbild eingefügt.

Mit der zweiten erweiterten Abbaugenehmigung (1980, sowie der Ergänzungsgenehmigung 1993: Abbruch der „80m-Nase“ von der oberen Sichtschutzwand) wurde die heute „gültige“ geplante Ausdehnung (=„genehmigte“ Var.1, vgl. [2]) festgelegt – mit dem „kleinen“ Haken, dass es im östlichen Bergbereich nun Differenzen in Bezug auf die maximale Abbauhöhe gibt. Von Steinbruchbetreiberseite* wurde ausgeführt, dass es sich bei der im aktuellen Abbauplan verzeichneten 800er-Höhenlinie, die sich östlich außerhalb an der geplanten runden Abbauoberkante vorbeischlängelt, lediglich um eine Hilfslinie (!?  ???) handelt und im Steinbruchwesen nur die horizontale Abbauausdehnung/Projektion, d.h. die x-y-Geländekoordinaten in Relation zu den Flurgrenzen/Grenzsteinen, gelten würde und sich der z-Höhenverlauf dann je nach vorgegebenem Gelände als (Abbau)Resultat ergeben würde. Grundsätzlich unterstützt wurde diese Ansicht vom anwesenden Vertreter des Landratsamtes als „Genehmigungspartner“ für das Zementwerk Rohrdorf  :o (Höhenangaben wären unbedeutend, LRA prüft die Abstände zu den Grenzsteinen). Dennoch wurde in dem wohl „unsauber“ erstellten Abbauplan an anderer Stelle noch eine „geplante“ (absolute) Angabe von 789m als Höhe der Abbauoberkante vermerkt. Hier stellt sich tatsächlich die Frage, warum man damals den Geländeaufschwung der Garwand nicht erkennen konnte oder vielleicht auch wollte, die hier vorgesehene rechtliche Überprüfung von Seiten der Gemeinde erscheint mir äußerst sinnvoll.

(*Hr. Anton Bartinger, Mitte 2012 Wechsel vom Zementwerk Hatschek in Gmunden/Oberösterreich zu Zementwerk Rohrdorf, seit Anfang 2014 Techn. Leiter und Vertreter der Spartenleitung Zement, vgl. [3])

Möglicherweise durch diese abzusehende Höhendiskussion, aber auch aufgrund des mittlerweile erkennbar größeren Schuttabtrags (vgl. Rodungsfläche), wurde wohl die günstigere Abbaualternative „(weitere) Kürzung der (derzeit stabilen) oberen Sichtschutzwand um (nur) 80m“ als Var.2 geboren. In diesem Zug, soll auch die verbleibende Wanddicke von heute größergleich 30m auf die in der „gültigen“ Genehmigung vorgesehenen 20m reduziert werden. Es wird ein „sorgfältiger und sicherer Abbau von oben“ versprochen, aber was ist, wenn es zu „unvorhersehbaren Zwischenfällen“ kommt und die Sichtschutzwand dann doch instabil wird und wiederum auf „behördliche Anweisung“ weiter abgetragen werden muß? Der Vorteil für dieses „Risiko“ liegt eindeutig beim Zementwerk! Ich pers. bezweifle, dass die heute präsentierte Abbaulinie der Alt.Var.2 über die Jahre gehalten wird und letztendlich die obere Sichtschutzwand zum Großteil verschwindet. Wenn die obere Sichtschutzwand ihre „Nase 1993“ noch hätte, dann wäre es für die Gemeinde Nußdorf und die Inntaler Bevölkerung auf jeden Fall heute schöner anzusehen, aber weg (und zu Zement verarbeitet) ist einfach für immer und ewig weg! Und so wird es auch mit der weiteren „geplanten“ Abtragung der oberen Sichtschutzwand sein...

Wohl eine Attraktivitätserhöhung soll diese Alternativ-Variante erfahren mit dem Ausblick auf einen sofortigen Beginn von Begrünungs-/Renaturierungsarbeiten im oberen Bereich des Steinbruchs. Ergänzend zu den Ausführungen wurden Fotosimulationen von der Blickrichtung Kirche St. Leonhard Nussdorf und Ortsmitte Überfilzen mit einem intakten Hochwald gezeigt (=„visuelles copy-&-paste“ der Umgebung). Auf die Frage aus dem Publikum wie die Begrünung des oberen Abbaubereichs bzw. des Schotters der inzw. erfolgten Rodungsfläche erfolgen soll, führte der Werksgeologe Dr. Roppelt aus, dass es nach heutigen Umweltgesichtspunkten nicht mehr üblich sei Erde/Humus anzufahren und darauf Büsche zu pflanzen, sondern das Gelände weitestgehend sich selbst zu überlassen, bis sich das Gestein mit der Zeit selbst zersetzt, Erde bildet und sich durch Samenflug ein natürlicher/ortsüblicher Busch-/Baumbestand entwickelt. Dies würde meines Erachtens im Widerspruch zu den Fotomontagen und den Ausführungen im OVB-Artikel „Aufforsten schon früher möglich“ vom 09.05.15 stehen und eine neue Form von „Augenwischerei in der aktuellen Abbaudiskussion“ darstellen – auf jeden Fall für die heute lebende Bevölkerungsgeneration.
Soweit ich es bisher verstanden habe, sollte eben diese Renaturierungsmaßnahme als Versprechen (in Verbindung mit einem partiellen Abbauverzicht) bereits damals vom Zementwerk Rohrdorf als Ausgleich für die abzutragende „Nase 1993“ abgegeben worden sein.
Für den weiteren Abbau der oberen Sichtschutzwand nach der Alt.Var.2 kann in gewisser Weise von einer „Nase 2016“ gesprochen werden – und die geplanten neuen 80 Abbaumeter lassen sich gut im vergrößerten Bild aus dem aktuellen OVB-Artikel erkennen – mit Blick auf Nussdorf und Neubeuern im Hintergrund. Hier kann noch ergänzt werden, dass damit auch der einblickschützende Baumbestand (inkl. der Aufforstung 1993(?) / dem Wildschutzzaun, vgl. [2]) auf der Krone der Sichtschutzwand verloren gehen wird.

Das Zementwerk Rohrdorf möchte aufgrund der derzeitigen guten (Bau)Konjunktur möglichst schnell und v.a. ausreichend viel Kalkgestein aus dem Nußdorfer Steinbruch herausholen. Je nachdem, wie aktuelle und v.a. weitere Genehmigungen ausgestaltet sind bzw. werden, und wie die „Verschandelung“ des Heuberges fortgeschritten ist, wird in einigen Jahren sicher versucht werden nochmal weiteres Gestein wirtschaftlich zu gewinnen – wetten dass...

[1] Steinbruch Nußdorf/Überfilzen – Höhenangaben in Frage gestellt (11.07.15)
http://www.ovb-online.de/rosenheim/rosenheim-land/hoehenangaben-frage-gestellt-5225651.html
[2] Steinbruch Nußdorf in OpenStreetMap (OSM)
http://www.openstreetmap.org/#map=17/47.72888/12.16712&layers=N
[3] Führungswechsel im Zementwerk Rohrdorf (08.05.14)
http://www.ovb-online.de/rosenheim/rosenheim-land/fuehrungswechsel-zementwerk-rohrdorf-3538003.html

Offline geroldh

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„Alles, was gegen die Natur ist, hat auf die Dauer keinen Bestand.“
(Charles Robert Darwin (1809-1882), Britischer Naturforscher)

Aktualisierung:
In Nußdorf am Inn steht die nächste (reguläre) Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause an – nachfolgend ein Auszug der Tagesordnung:

Bekanntmachung Gemeinderatssitzung
Am Dienstag, den 21.07.2015 um 19.00 Uhr findet im Sitzungssaal des Rathauses eine Sitzung des Gemeinderates statt.
Tagesordnung (Öffentliche Sitzung):
X. ...
2. Steinbruch Überfilzen, Rohrdorfer Zementwerk, Änderung der Abbaugenehmigung, Verfahrensstand
Y. ...
Im Anschluss findet eine nichtöffentliche Sitzung statt.
Nußdorf a. Inn, den 15.07.2015
Sepp Oberauer
Erster Bürgermeister
Quelle (16.07.2015): http://www.nussdorf.de/index.php?id=4781,2&suche=

Nach der doch recht intensiven Info-Veranstaltung in der verg. Woche, auf der sich die Bürger sowohl gegen eine weitere Ausdehnung der „genehmigten“ Variante 1 in die Höhe (Garwand) als auch gegen eine weitere Verkürzung der oberen Sichtschutzwand (Alternativ Var. 2) aussprachen, deutet auch der Zusatz „Verfahrensstand“ eher darauf hin, dass weniger eine Abstimmung hinsichtlich einer der beiden Varianten im Vordergrund steht, als dass es wohl eine Rückmeldung bezüglich der rechtlichen Überprüfung des aktuellen Abbauplanes gibt und ggfs. neue Ideen vorgestellt werden.

Nachtrag:
Auf der Info-Veranstaltung wurde auch ein Ausschnitt von einer geologischen Karte mit dem Hinweis präsentiert, dass dieser für alle kostenfrei beim Bayerisches Landesamt für Umwelt im Internet zur Verfügung stehe. Im wesentlichen dürfte dabei die Geologische Karte 1:25.000 gemeint sein:
http://www.lfu.bayern.de/geologie/geo_daten/gk25/index.htm

* Der Online-Kartendienst der Geologie (z.B. Heuberg / Nußdorf a. Inn) ist unter dem Tab „Karten im GeoFachdatenAtlas“ zu finden, indem man auf einen grün dargestellten Kartenausschnitt klickt und dann entsprechend in die sich öffnende Anwendung hinein-zoomt (Maßstab/“+“-Symbol) und die Karte verschiebt (Randpfeile/“Hand“-Symbol). Zur Orientierung ist als Hintergrund die aktuelle topographische s/w-Karte des Bayern-Viewers hinterlegt (links-oben umschaltbar).

* Der Karten-Downloadservice der Geologie (z.B. Heuberg / Nußdorf a. Inn = GK25_8239_Aschau) ist unter dem Tab „Karten Downloadservice“ zu finden, indem man auf einen grün dargestellten Kartenausschnitt klickt und sich die angebotene ZIP-Datei (ca. 32 MB) öffnet/abspeichert. Im 2. Unterordner „gk25_pdf_1980“ befindet sich die PDF-Rasterkarte mit der alten topographischen Karte des Jahres 1980 hinterlegt (z.B. Abbaustand Steinbruch von 1980!).

Auf ein Einbinden von entsprechenden JPG-Ausschnitten/Bildern hier in diesen Beitrag wird verzichtet, da offenbar nur die WMS-Dienste des LfU‘s unter einer Creative Commons Namensnennung 3.0 Deutschland Lizenz (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/) stehen (Quelle: http://www.lfu.bayern.de/umweltdaten/geodatendienste/index_detail.htm?id=5b5386d0-4591-11e0-8187-0000779eba3a&profil=WMS#bezug).

Offline geroldh

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„Heimat erhalten und die Zukunft gestalten.“ (als Leitsatz für die Gemeinde Nußdorf)
(Sepp Oberauer, Erster Bürgermeister; Quelle: Broschüre zur Bürgerversammlung am 6.März 2015, Schlussgedanke)

Das Thema Steinbruch-Erweiterung war ein Tagesordnungspunkt auf der letzten Gemeinderatssitzung, nahm aber nicht den Schwerpunkt der letzten Wochen ein. Da im OVB bisher (noch?) nicht aus dieser Sitzung berichtet wurde, soll nach einer Woche schließlich hier für die an diesem Thema interessierten Leser daraus berichtet werden – ggfs. erfolgt an dieser Stelle ein Nachtrag zur Presseveröffentlichung.
Nachtrag: (Es hat nun ein paar Tage länger gedauert, als bisher üblich...)
OVB - Rosenheim Land (30.07.15): Von Höhenlinien und Abbaugrenzen - [Kommentar(e) zu diesem Artikel vorhanden]
http://www.ovb-online.de/rosenheim/rosenheim-land/hoehenlinien-abbaugrenzen-5302956.html
Nachtrag2: (Info der Gemeinde Nußdorf zur Sitzung am 21.07.2015...)
http://www.nussdorf.de/index.php?id=4837,2&suche=

Am Tag vor der Gemeinderatssitzung hat die Gemeinde Nußdorf eine schriftliche Stellungnahme von Hrn. Reinhard Patzner aus dem Landratsamt erhalten, in der die auf der Informationsveranstaltung getroffenen mündl. Aussagen des „Genehmigungspartners für das Zementwerk Rohrdorf“ schriftlich bestätigt wurden: Das LRA hätte keine Erkenntnis, dass bisher Grenzen des genehmigten Abbaubereiches überschritten worden wären. Die entstehenden Abbauhöhen wären für das LRA nicht entscheidend, da die (Abbau)Grenzen in den horizontalen Abmessungen definiert seien – es sei denn, dass in der Genehmigung ausdrücklich eine (Abbau)Höhe genannt sei. Demzufolge wäre es für die Gültigkeit der derzeitigen Abbaugenehmigung ohne Belang, dass die 800hm-Linie nach den neueren Erkenntnissen in den definierten Abbaubereich hineinreicht.
Wie von einem GR-Mitglied zurecht kritisiert, wird jedoch von Hrn. Patzner keine Begründung für diese Sichtweise abgegeben. Eine solche Begründung könnte v.a. eine Bezugnahme auf best. Paragraphen in entspr. Gesetzen, eine anerkannte Kommentierung von entspr. Paragraphen oder auch bereits erfolgte Gerichtsurteile zu ähnlichen Problemstellungen sein.
Es ist also offensichtlich: Das LRA hat eine andere Auffassung der Sachlage als die Gemeinde, jedoch hat der Gemeinderat eine Verantwortung für die Bürger bzw. die Öffentlichkeit – und darüber hinaus auch noch die Beweislast. Deshalb wurde eine RAin von der Gemeinde beauftragt, die Regierung von Oberbayern als Aufsichtsbehörde des LRAs zu kontaktieren, damit nun eine rechtliche Überprüfung der aktuellen Abbaugenehmigung erfolgt.

Aus der Position des Beobachters ist es nicht einfach, die z.T. historische Sachlage richtig zu erfassen, zumal immer wieder aus verschiedenen Schriftstücken zitiert wird. Offenbar wäre die Sichtschutzwand in den Unterlagen von 1980 um rund 30m näher am Heuberg verzeichnet gewesen und eine Korrektur in der amtlichen Berichtigung von 1994 vorgenommen worden. Es soll dort auch in Textform stehen: „Die (restliche) Sichtschutzwand muß erhalten werden“. Dass im damaligen Schreiben die (Abbau)Höhe von 758m nicht explizit in Textform drin stehe, solle keine nichtige Rechtsgrundlage des Bescheids darstellen, da diese Höhe im (Abbau)Plan verzeichnet wäre, der schließlich Bestandteil der (Abbau)Genehmigung wäre. Der Plan von 1960 beinhaltet Geländeschnitte mit Höhenangaben und dieser gälte auch für den Folgeplan von 1980 weiter...

Da das Ergebnis der rechtl. Prüfung nun entscheidend für die weitere Diskussion und auch die Entscheidung bzgl. den beiden Erweiterungs-Varianten sein wird - und das bürgerliche Interesse groß ist - könnte die Gemeinde bereits vor der nächsten (regulären) Gemeinderatssitzung (Dienstag, 22.09.2015) dieses auf ihrer Internetseite (z.B. http://www.nussdorf.de/index.php?id=0,132) veröffentlichen.

Offline Markus Stadler

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Danke Gerold für deine Informationen.

Für die Kletterer wäre es natürlich sehr bitter, wenn diese Sichtschutzwand gesprengt werden sollte, da sie die beste Sportkletterwand im Nahbereich von Rosenheim darstellt. Da hiervon aber nur ein relativ kleiner Personenkreis wirklich betroffen ist (und es aus Haftungsgründen eigentlich auch garnicht erlaubt ist dort zu klettern) haben wir als Kletterer wenig Handhabe.

Die sogenannte Infoveranstaltung war dafür ein Lehrstück, wie Politik (Bürgermeister) Verwaltung (Landratsamt) und Wirtschaft (Steinbruchbetreiber) sich zusammenschließen, um ihre Interessen dem ahnungslosen Bürger schmackhaft zu machen. Es wurde so dargestellt, als ob der Steinbruch "systemrelevant" sei und nur die Wahl zwischen zwei Abbauvarianten bestehen würde, von denen die wirtschaftlich deutlich attraktivere dann so positiv präsentiert wurde, dass 80 % der Anwesenden im Saal den Anschein hatten, das sei eine gute Sache. Dass Nussdorf aber unwiederbringlich häßlich werden wird und der Riesenkrater im Heuberg auch mit aufwändigen Wiederbegrünungsmaßnahmen über Jahrzehnte die Landschaft verschandeln wird, hat nur ein sehr kleiner, kritischer Personenkreis wirklich kapiert.

Markus

Offline geroldh

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Sommerloch-Info: Sanierung der Steinbruch-Werkstrasse abgeschlossen  ;D

Nach nunmehr knapp 20 Jahren war die Steinbruch-Werkstrasse „in die Jahre gekommen“. Im Herbst letzten Jahres hatten fünfachsige Sattelschlepper bereits Abraum aus dem oberen Steinbruchbereich hinunter transportiert und je nach Witterung hatte es ziemlich gestaubt oder die Werkstrasse war ein wenig matschig – ohne LKW-Verkehr jedenfalls vom Regen abgewaschen wie jede andere Forststrasse auch.
Wer nun am vergangenen Samstag, den 22.8. auf dem Bichleralmsteig von Nußdorf auf den Heuberg gewandert ist, konnte die Abschlussarbeiten zur „Sanierung“ der Steinbruch-Werkstrasse bewundern: Nachdem ein Bagger in den Tagen zuvor stellenweise die Böschung weiter abgetragen hatte um u.a. die Ausweichstellen zu verbreitern, brachten nun freundlich grüßende Fahrer (als Angestellte erfüllen sie lediglich die ihnen gegebene Arbeitsanweisung...) in einem roten und grünen LKW Ladung um Ladung Material (feiner Schotter mit Zementbindemittel) für eine „hydraulisch gebundene Tragdeckschicht (HGTD)“* nach oben, welches von einem Traktor mit Planiereinrichtung auf der Trasse verteilt und anschließend von einem weiteren Traktor mit einer Rütteleinrichtung ähnlich einer Pistenraupe mit einigem Radau verdichtet wurde. Damit ist die Steinbruch-Werkstrasse nun bis zur großen Wendeplatte auf bis zu 3m Breite „rollstuhlgerecht“ ausgebaut, durch das sanfte Gefälle für „Bobby-Car-Rennen“ bestens geeignet und nun auch von Familien mit Kinderwagen ideal zum Bergwandern zu einem großen „Sandkasten“ verwendbar... (*Zitat aus einem Zement-Merkblatt für naturnahe Wegebefestigungen: „Hydraulisch gebundene Tragdeckschichten sind gut befahrbar. Sie eignen sich besonders für ländliche Wege, die sowohl hohen Verkehrslasten ausgesetzt sind als auch verstärkter natürlicher Erosion unterliegen wie in Gefällestrecken. Solche Wege in „verbesserter Schotterbauweise“ werden aufgrund ihrer festen und ebenen Oberfläche gerne auch von Spaziergängern, Wanderern und Radfahrern angenommen. Bei entsprechender Kornzusammensetzung sind sie auch für den Viehtrieb geeignet.“ )
Spass beiseite: Mit dieser Investition in das Herrichten der Werkstrasse ist in den nächsten Wochen wohl mit einigem an „die Wanderwege kreuzenden“ LKW-Verkehr zu rechnen, die den weiteren Abraum im Sinne der (genehmigten?) Abbauvariante 1 (...800er-Höhenlinien-Diskussion im Bereich der Garwand ist weiterhin offen!?) herunter befördern werden. Dieser Abraum wird meines Wissens durch die ortsansässige Firma Holzner Schotterwerk in ihrem Steinbruch am Fuss des Heubergs weiterverarbeitet und verkauft. Wenn dann das feste Kalkgestein freigelegt wird, beginnt der eigentliche Abbau durch das Zementwerk Rohrdorf und die Weiterverarbeitung „eines Teils des Heubergs“ zu Beton...  :'(

Dazu passend: Historische Entwicklung bzw. topographische Karten (M 1:25 000) vom Heuberg  :D

Im Eröffnungsbeitrag ganz unten war bereits auf die historische Karte „um 1900“ hingewiesen („Aufnahme 1887, Nachträge 1912“) [1]. Dort ist neben der intakten „Sichtschutzwand“ auch der Verlauf des alten Bichleralmsteigs zu erkennen.
Seit einigen Wochen stehen etwas versteckt im BayernAtlas [2] der Bayerischen Vermessungsverwaltung (früher: Bayerisches Landesvermessungsamt München) auch weitere historische topographische Karten im M 1:25 000 zur Verfügung: Um die Entwicklung des Steinbruchs und des Geländes am Heuberg für interessierte roBergler aufzuzeigen, sind nachfolgend die direkten Verknüpfungen auf die Karten mit dem Ausgabejahr 1959 [3] und exemplarisch dem Ausgabejahr 1985 [4] eingefügt. In letzterer sind im wesentlichen die noch „überschaubare“ Steinbruchausdehnung ähnlich den Kartenausgaben 1974 und 1995 abgebildet, da sich damals über viele Jahre kaum etwas verändert hatte. Die Kartenausgabe von 2007 würde die heute vorhandene Werkstrasse und in etwa die noch heute im aktuellen BayernAtlas dargestellte Ausdehnung des Steinbruchs zeigen [5]. Eine derzeit im Internet verfügbare Kompass-Karte [6] ist bei genauerer Betrachtung in der Darstellung veraltet und entspricht in etwa dem Stand der topographischen Bayernkarte von 1995. Eine realitätsnahe Abbildung der aktuellen Situation ist in der freien „Wiki-Karte“ OpenStreetMap (OSM) dargestellt [7].

[1] Heuberg – Hochries – SACHRANG (um 1900, M 1:25 000, JPG - 2,3 MB)
(Referenzpunkt: Höhenangabe „525 m“ (=Abzweig „Bichleralm-Steig“ [DAV 224] von der „Heubergstraße“ [DAV 223]) am linken Bildrand)
http://greif.uni-greifswald.de/geogreif/geogreif-content/upload/bay/816SachrangKopie.jpg
[1a] BRANNENBURG – Inn – Nußdorf (um 1900, M 1:25 000, JPG - 2,9 MB)
http://greif.uni-greifswald.de/geogreif/geogreif-content/upload/bay/815BrannenburgKopie.jpg

[2] BayernAtlas (Thema wechseln > Geobasisdaten > Historische Karten > Historische Topographische Karten 1:25 000)
http://geoportal.bayern.de/bayernatlas
Quelle: roBerge-Forum: Bayernatlas stellt alte Wanderkarten zum Download bereit: http://www.roberge.de/yabb/index.php?topic=6569.0  #danke1#

[3] Historische Topographische Karte - Nr. 8239 Nußdorf/AschauChiemgau
Ausg.Jahr 1959 - Normalausgabe 1:25 000 (PDF - 10,6 MB)
http://www.geodaten.bayern.de/histTopoKarten/02_TK25/02_8239_N_1959.pdf
[3a] Historische Topographische Karte - Nr. 8238 Brannenburg/Neubeuern
Ausg.Jahr 1959 - Normalausgabe 1:25 000 (PDF - 9,5 MB)
http://www.geodaten.bayern.de/histTopoKarten/02_TK25/02_8238_N_1959.pdf
Quelle: Bayerische Vermessungsverwaltung via Online-Dienst „BayernAtlas“ (vgl. [2])

[4] Historische Topographische Karte - Nr. 8239 Nußdorf/AschauChiemgau
Ausg.Jahr 1985 - Schummerungsausgabe 1:25 000 (PDF - 8,4 MB)
http://www.geodaten.bayern.de/histTopoKarten/02_TK25/02_8239_S_1985.pdf
[4a] Historische Topographische Karte - Nr. 8238 Brannenburg/Neubeuern
Ausg.Jahr 1979 - Schummerungsausgabe 1:25 000 (PDF - 8,2 MB)
http://www.geodaten.bayern.de/histTopoKarten/02_TK25/02_8238_S_1979.pdf
Quelle: Bayerische Vermessungsverwaltung via Online-Dienst „BayernAtlas“ (vgl. [2])

[5] Steinbruch Nußdorf im BayernAtlas (amtl. Karte)
http://geoportal.bayern.de/bayernatlas/?X=5287924.36&Y=4512788.03&zoom=10&lang=de&topic=ba&bgLayer=tk&catalogNodes=122
[6] Steinbruch Nußdorf in (veralteter) Kompass-Karte (Touristik)
http://maps.kompass.at/?expanded=false#lat=47.73200243354328&lon=12.169655648651076&z=15
[7] Steinbruch Nußdorf in (aktueller) OpenStreetMap (OSM)
http://www.openstreetmap.org/#map=15/47.7289/12.1671&layers=N

Offline geroldh

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„Eine sehr, sehr große. ... Die Natur und unsere Bergwelt, das ist unser größtes Kapital.“  #butterfly#
antwortet Fritz Rasp, Kurdirektor von Ramsau bei Berchtesgaden, dem ersten Bergsteigerdorf in Bayern, auf die Moderatoren-Frage: „Welche Rolle spielt die Natur aus dem Blickwinkel des Touristen?“  #foto2#

Quelle: BR-Sendung UNKRAUT - Titel: „Freizeit, Sport und Umweltschutz: Wem gehört die Natur?“
12.10.2015, 19:00 Uhr, Bayerisches Fernsehen (bei ca. 6:00 min)


Wie bereits im letzten Beitrag von Ende Aug. vermutet, findet seit der zweiten September-Woche wieder intensiver LKW-Verkehr westlich unterhalb des Heubergs statt, der weiteren Abraum aus dem oberen Steinbruchgelände hinunterkarrt.

Auf der Nußdorfer GR-Sitzung vom 22.09.2015 hatte die Steinbrucherweiterung keinen eigenen TO-Punkt, sondern wurde unter „Anfragen/Verschiedenes“ angesprochen:
Damals wurde ein Antwortschreiben vom LRA verlesen, das der GR Anfang August auf eine (weitere) Anfrage seinerseits von Ende Juli erhalten hatte. In diesem Schreiben von Hrn. Patzner stand im wesentlichen „gleiches drin, wie beim letzten Mal“, so der Bürgermeister Hr. Oberauer. Während das LRA weiterhin keinen Grund für ein Einschreiten gegenüber den Betreiber sieht, da die genehmigten Abbaugrenzen von 1980 (noch?) nicht verletzt seien, besteht im GR die Ansicht, dass die Genehmigungs-Vorgabe, „den Eingriff in das Landschaftsbild so gering wie möglich zu halten“, sei 1980 nicht „nur“ als Willenserklärung gegeben worden, sondern als Bestandteil der Abbaugenehmigung. Es wurde berichtet, dass der GR beim LRA über ihre RAin Akteneinsicht erwirken möchte, dies jedoch nicht ganz so bereitwillig erfolgen würde. Erst danach würde man den GR-Beschluss umsetzen, die Regierung von Obb. als Aufsichtsbehörde des LRAs anzufragen (bzgl. der Klärung zu den gültigen Höhenlinien als Abbauobergrenze).

In der GR-Sitzung vom 20.10.2015 gab es die Information, dass die beantragte Akteneinsicht im LRA durch die RAin der Gem. Nußdorf erfolgt sei und die Prüfung bzgl. der gültigen Höhenlinie als Abbauobergrenze nun an die Regierung von Obb. gegeben wurde, wo lt. Angabe des Bürgermeisters versprochen wurde, diese trotz der Auslastung durch die Flüchtlingsthematik zeitnah zu bearbeiten.

Auf der letzten GR-Sitzung am verg. DI 17.11.2015 gab es wieder einen eigenen Tagesordnungspunkt:
„5. Steinbruch Überfilzen, Zementwerk, Information“
Es wurde berichtet, dass mehrere GR-Mitglieder in der Vorwoche bei der Reg. v. Obb. waren, um den Sachverhalt des Widerspruchs zwischen Genehmigungsunterlagen und der Naturvorgabe zu erläutern und anzudiskutieren. Dort wurde wohl vorab angedeutet, dass der genehmigte Abbauplan von 1980 die heute relevante Unterlage darstelle (Var. 1). In dieser ist explizit die Höhe von 758m als Abbauoberkante vermerkt, wohingegen die Projektion der Abbaugrenze in der gezeichneten Übersicht auf die Naturgegebenheiten eine tatsächliche Höhe von ca. 840m hinter der Garwand ergeben würde.
Meine pers. Sichtweise darauf wäre, dass die niedrigere Höhe im Sinne für den Schutz unserer Natur gelten sollte, da im Jahr 1980 auf das Schreiben von Ziffern und Buchstaben sicherlich eine höhere mentale Aufmerksamkeit verwendet wurde, als auf einen gezeichneten Strich mit dem Zirkel.

Unbestritten sei, dass ein Widerspruch im Plan enthalten ist bzw. die Naturgegebenheiten nicht korrekt berücksichtigt wurden. Damit dürfte dem Prüfergebnis der Reg. v. Obb. eine finale Bedeutung zukommen und die Gemeinde Nußdorf vermutet, dass bei einer ungünstigen Entscheidung eine Klage wenig Aussicht auf Erfolg hätte, was dann sicher auch für den Steinbruchbetreiber gelten dürfte.

Ein GR-Mitglied bringt vor, dass die vom Rohrdorfer Zementwerk ins Spiel gebrachte Alternativ-Var. 2 (Teilabbau Sichtschutzwand) nochmals im GR diskutiert werden solle, damit diese – vermutlich mit einem Beschluss – sauber abgeschlossen werde. Es wird in diesem Zusammenhang festgestellt, dass inzw. fast 100% der Unterschriften der Bewohner von Überfilzen vorliegen würden, die sich gegen diese Alternative aussprechen. Angemerkt wird auch, dass in der ursprünglichen ersten Genehmigung von 1960 festgeschrieben sei, dass sich der komplette Abbau des Steinbruchs hinter der – damals noch längeren, unversehrten – Sichtschutzwand abzuspielen hätte.

Es wird zu diesem TOP kein Beschluss gefasst, sondern der GR ist sich soweit einig, dass das Antwortschreiben der Reg. v. Obb. abgewartet werden soll und dann erst eine weitere Diskussion stattfinden solle.

In der zu beobachtenden Realität wird derzeit also vorbehaltlich der ausstehenden Höhenprüfung weiterhin gemäß der genehmigten Var. 1 im oberen Steinbruchbereich der Abraum entfernt, um an das darunter liegende feste Kalkgestein zu gelangen. Durch die trockene Witterung der letzten Wochen bildete sich entlang der zum Abtransport verwendeten Werkstrasse – ursprünglich wohl „nur“ als Forststrasse genehmigt – eine merkbare Staubschicht aus und die Bergschuhe hatten einen Überzug, wie ihn der Wanderer sonst beim Abfahren von Geröllfeldern kennt. Kürzlich wurden die für die Ortsbesichtigung durch den GR bereits angebrachten Markierungen der Abbaulinie nachvermessen und ergänzt. Neue Markierungen an Bäumen lassen den Schluss zu, dass nun zeitnah mit dem Fällen des nächsten Streifens vom Buchen-Hochwald im Bereich der 800er-Höhenmeterlinie begonnen wird...  :(

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Re: Erweiterung Steinbruch Nußdorf
« Antwort #14 am: 19.11.2015, 23:01 »
Auch wenn mich die Sache nicht direkt betrifft und ich die Gegebenheiten vor Ort nicht gut kenne, möchte ich dem Gerold meine Bewunderung und meinen Dank aussprechen für seine unermüdlichen, ausführlichen und vor allem sehr gut fundierten und recherchierten Berichten.
Das ist im "schnell-schnell" Internetzeitalter leider selten geworden.

Guad' Nocht,
Brixentaler

Offline geroldh

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„Jeder dumme Junge kann einen Käfer zertreten. Aber alle Professoren der Welt können keinen herstellen.“ :(
(Arthur Schopenhauer (1788-1860), dt. Philosoph)
Zitat von: www.zitate-online.de
Arthur Schopenhauer war ein deutscher Philosoph, Autor und Hochschullehrer. Er vertrat als einer der ersten Philosophen des 19. Jahrhunderts die Überzeugung, dass der Welt ein irrationales Prinzip zugrunde liegt.


Nun war es ein paar Monate lang ruhig – im Steinbruch im Heuberg selbst, aber auch um diesen „drumherum“...

Diese Angelegenheit wurde erst in der öffentl. Nußdorfer GR-Sitzung vom 23.02.16 wieder aufgegriffen – und zwar, dass dort unter dem TOP „18. Anfragen“ das Antwortschreiben der Reg. v. Obb. verlesen wurde (vgl. roBerge-Beitrag v. Mi, 18. Nov 2015 unten), das die Gemeinde erst wenige Tage vor dieser Sitzung erhalten hatte (deshalb kein eigener Tagesordnungspunkt).
Dies führte zu einem Artikel im OVB - Rosenheim Land:
AUS DEM GEMEINDERAT NUSSDORF - Abbau im Steinbruch darf weitergehen (26.02.16) :-[

Zwischenzeitlich blickte Bürgermeister Sepp Oberauer in der Nußdorfer Bürgerversammlung am 03.03.16 auf das vergangene gemeindliche Berichtsjahr zurück – u.a. auch auf das Steinbruch-Thema:
Zitat von: www.ovb-online.de
Zur Abbaugenehmigung am Nußdorfer Steinbruch liegt mittlerweile eine Stellungnahme der Regierung von Oberbayern vor. „Darin ist beschrieben, was wir nicht so gerne gelesen haben“, erklärte Oberauer. Der Abbau dürfe wie geplant und bereits begonnen weitergehen. Eine gerichtliche Klage wäre laut dem Rechtsvertreter der Gemeinde nicht aussichtsreich, da die Betroffenheit der Gemeinde nicht gegeben sei. Man müsse sich wohl an die Abbaupläne der Rohrdorfer Zementwerke in den höheren Bereichen gewöhnen.
Quelle: OVB - Rosenheim Land (15.03.16)


Auf der letzten GR-Sitzung am verg. DI 15.03.2016 gab es wieder einen eigenen Tagesordnungspunkt:
„2. Steinbruch Überfilzen, weitere Vorgehensweise“.

Zuerst etwas positives: In dieser Sitzung wurde vom Oberbürgermeister Hrn. Oberauer erwähnt, dass die Abbau-Var. 2 (=„Sprengung der Sichtschutzwand“) vom Tisch sei: Der Betreiber des Steinbruchs, das Rohrdorfer Zementwerk, hätte erkannt, dass es mit dieser ins Spiel gebrachten Alternative nur Schwierigkeiten gäbe – sowohl in der Bevölkerung, als auch in der Gemeinde. :)
Damit dürfte die im Jahr 1993 um ca. 80m verkürzte „obere Sichtschutzwand“ (vgl. Beitrag #9 am: Mo, 13. Jul 2015 unten) wohl in der heutigen Form erhalten bleiben – jedenfalls wenn diese durch den weiteren Abbau keinen (weiteren) Schaden nimmt...

Im Gegenzug soll nun die rechtskräftige Genehmigung des ursprünglichen Abbaus (Var. 1) schnellstmöglich umgesetzt werden. Derzeit ist die (Bau-)Konjunktur gut und für die Schaffung von „Betongold“ lässt sich mit Zement ein gutes Geschäft machen.
Wie im letzten Beitrag ausgeführt, besteht hier ein Widerspruch bzgl. der max. Abbauhöhe im Lageplan – und die Reg. v. Obb. als Aufsichtsbehörde des LRAs wurde zur weiteren Klärung angerufen. Soweit ich es verstanden habe, kommt diese im Antwortschreiben zu der Einschätzung, dass die im genehmigten Lageplan von 1994 verzeichnete horizontale Abbaulinie (=„Halbkreis“ bzw. Rundung) maßgebend, also rechtens sei und die max. Abbauhöhe sich (halt) dann durch das vorhandene Gelände ergäbe. Sie kommt zu dem Schluss, dass es keine Veranlassung gäbe, weitere Schritte zur Prüfung einzuleiten – und unterstützt damit das LRA Rosenheim.
Zusätzlich gäbe es aus einem Gespräch mit Hrn. Patzner vom LRA die Rückmeldung, dass dieses nicht gegen den eigenen Bescheid vorgehen werde.

Es wurde die Stellungnahme der RAin verlesen, die die Rechtslage mitteilt und zu dem Ergebnis kommt, dass die Gemeinde auf dem Verwaltungsrechtsweg hier keine Möglichkeit hat, das LRA zu einem Einschreiten zu verpflichten. In dieser Stellungnahme wird auch auf mehrere Entscheidungen des Bundesverwaltungsgerichts Bezug genommen. In Erinnerung geblieben sind mir dabei zwei Ausführungen: Es werden durch den Steinbruch keine Eigentumsrechte der Gemeinde verletzt und es obliegt nicht der Gemeinde, die Landsschaft vor (unschönen) Eingriffen zu schützen.

Hierzu auch ein kurzer Artikel im OVB - Rosenheim Land vom WE:
AUS DEM GEMEINDERAT NUSSDORF - Rechtsweg nicht möglich (19.03.16)


Was bedeutet dies nun? Sofern keine neuen Fakten aufkommen, wird das Loch im Heuberg nicht nur größer und tiefer werden, sondern die obere Abbaukante auch optisch über die Höhe der Sichtschutzwand hinauswachsen. Dies wird insbesondere im Bereich der Garwand der Fall sein, einer felsigen Geländenase, die bisher noch lockeren Baumbewuchs zulässt und dadurch bisher auch kaum bemerkt wurde. Wird die Rundung der Abbaulinie „wie geplant“ in die Natur umgesetzt, dann wird diese Geländenase etwa bis zur Hälfte abgebaut und es entsteht auf der Westseite eine glatte weiße Felswand, die weit ins Land hinaus „leuchtet“.
Bereits heute ist der Steinbruch ab dem Irschenberg zu sehen und bereits heute werden auf Landschafts- bzw. Ortsfotos in Broschüren der Gemeinde Nußdorf (z.B. Tourismusbroschüre „Nußdorf am Inn – Sonnenseite im bayerischen Inntal“ vom Verkehrsamt oder „300 Jahre Trinkwasserversorgung Nußdorf a. Inn“ von der Gemeinde) der Bereich des Steinbruchs mit einem „Vordergrund“ oder überlappenden kleineren Bildern kaschiert/versteckt.

Aus Sicht der heimischen Bevölkerung und des Tourismus bleibt noch die kleine Hoffnung, dass ggfs. durch stattfindende Gespräche die Bereitschaft bei den Verantwortlichen des Rohrdorfer Zementwerks geweckt wird, diesen Abbaubereich, insbesondere im oberen Teil, nicht komplett auszuschöpfen.  Vielleicht kann die obere Abbaulinie die Westflanke der Garwand verschonen und dadurch der heutige Eindruck vom Steinbruch einigermaßen erhalten bleiben – denn eine glatte, senkrechte Felswand lässt sich nun mal nicht nachträglich begrünen ...

Offline geroldh

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„Die Zeiten haben’s gemacht – und die Leut‘ haben’s verschandelt“ :-[
(Dr. Helmuth Zebhauser (1927-2014), „gelernter“ Chiemgauer; Studium Mathematik, Philosophie und Zeitungswissenschaft; Bayr. Umweltmedaille (1997) als Kulturbeauftragter des DAVs)
Zitat von: H. Zebhauser aus Chiemgauer Alpen; Rosenheimer Verlagshaus; 1992; S. 8
...
Eine Aussichtskanzel für jedermann ist der Irschenberg. Wenn Du auf der Autobahn von München herkommst und oben über die Kuppe fährst, schrickst Du auf vor so viel Schönheit im Dunst des Inntals. Über den Moorwäldern weit tut sich auf und verbirgt sich zugleich die Wildgestalt des Heubergs. ...


Es tut sich was im Steinbruch – und auch drumherum:
Entlang der nördl. abgesteckten Vermessungslinie für die ursprünglich genehmigte Abbaulinie (Var. 1) wurde eine weitere kleine Waldfläche abgeholzt und der Abraum wird nun LKW für LKW über die Werkstrasse rund 250 hm hinuntergekarrt.
Bei unten angehängten Fotos vom DI, 19.07.16 (ca. 18:45 Uhr) wäre man vor etwa 20 Jahren tatsächlich „im (Berg)Wald gestanden“ bzw. hätte diesen „vor lauter Bäumen nicht gesehen“...
Bild 1 zeigt die neue Abholzungsfläche: Unmittelbar links am größeren Felsen (im linken Bildteil) führt der noch heute begangene historische Bichleralmsteig* [DAV 224] vorbei, der ganz früher seine Fortsetzung nach unten etwa über den Standplatz des Baggers und der LKWs zum Aufnahmepunkt (ca. 740m) des Fotos hatte.
Bild 2 zeigt den nach Süden anschließenden größeren Waldteil, der als nächstes fallen wird: In Bildmitte schimmert zwischen den Bäumen der Felsvorsprung durch, die sog. Garwand, die durch den Verlauf der genehmigten halbrunden Abbaulinie (Projektion in der Aufsicht) ein gutes Stück nach oben hin (ca. 850m) angeknabbert wird – oder werden könnte...

Nach mehreren Monaten stand für Dienstag, 19.07.2016 auf der Tagesordnung für die öffentliche Gemeinderatssitzung von Nußdorf a. Inn: „7. Steinbruch Überfilzen Abbauumfang, Information“

Da es seit 1961 wohl die Auflage gibt, dass die Sichtschutzwand erhalten werden muss, der Abbau „unsichtbar“ dahinter vonstatten gehen soll(te), könnte man sich als Bürger nach monatelanger Beobachtung der Thematik sicherlich fragen, ob mit der heute gültigen Genehmigung der Ausweitung zum „Industriesteinbruch“ alles mit „rechten Dingen“ zugegangen ist. Doch aus Bürgersicht möchte das LRA RO offenbar den Genehmigungsprozess und einen etwaigen (Interpretations-)Fehler nicht aufarbeiten und wird umgangssprachlich von seiner Aufsichtsbehörde, der Reg. von Obb., „gedeckt“.
Soweit ich es verstanden habe, gilt die aktuelle Genehmigung, egal wie „falsch“ der Prozess in der Vergangenheit auch gewesen sein könnte und die Höhenlinien (zur Abbauoberkante) seien nicht mehr diskutabel. Damit ist es im dreidimensionalen Raum so, dass in der genehmigten Form (Var. 1) eine projizierte halbrunde Abbaulinie an der tiefsten Stelle im Berg, bzw. einem Geländevorsprung, die am höchsten gelegene Abbaukante zur Folge hat.
Fakt heute scheint zu sein, dass die Rohrdorfer Zementwerke ohne Unterbrechung noch im Jahr 2016 rund 20,000 Tonnen Wettersteinkalk abbauen möchten und für die Zukunft keinen Verzicht auf das genehmigte (maximal mögliche) Abbauvolumen eingehen will. In diesem Fall ist es aber leider so, dass hier (zerstörte) Natur nicht mehr nachwächst und die unschöne Wunde im an sich touristisch interessanten und schönen Inntaler Heuberg noch deutlicher wird.

Doch es gibt etwas Hoffnung: Auf der Gemeinderatssitzung wurde informiert, dass sich am Vortag Vertreter vom Bayerischen Landesamt für Umwelt, der Regierung von Oberbayern und dem Landratsamt Rosenheim, der Rohrdorfer Zementwerke, vom BUND Naturschutz und der Inntal-Gemeinschaft sowie je zwei Vertreter der beiden Gemeinderatsfraktionen zu einem ersten Mediationsgespräch getroffen haben.
Es scheint nach einem für alle Beteiligten tragbaren Kompromiss gesucht zu werden, der die verschiedenen Ansichten und Interessen zu einer zukunftsfähigen Lösung zusammenbringt. Für den Anblick dürfte es noch am besten sein, wenn die obere Abbaukante etwa auf der Höhenlinie 760m unten um die Garwand herum geführt wird. Da damit aber vom projizierten Halbrund abgewichen wird, soll an anderer Stelle ein Ersatz für den dort nicht abgebauten Stein gefunden werden. Dies könnte als „Var. 3“ die (untere) südwestl. Sichtschutzwand – heute ein baumbestandener Felshügel, ca. 660m – sein.
In Anbetracht der Tatsache, dass sich der Steinbruch noch vergrößern wird, finde ich die aufgenommenen Mediationsgespräche (in zwei bis drei Wochen soll ein weiteres stattfinden) sehr gut – und hoffe auf die vernünftigste Lösung von dort.

Aus meiner Sicht wäre diese angedeutete Variante noch eine vertretbarere Alternative: Aus Begehungen (am WE) in früheren Jahren ist mir bekannt, dass es zwischen dem verbliebenen „Sichtschutzhügel“ und der sich südl. anschließenden Bergflanke (=Westgrat des Heubergs) einen kleinen Geländeeinschnitt gibt, in dem eine alte, steile Werkstrasse verläuft. Würde dieser Felskopf (anstelle der Garwand) abgebaut, so kann ich mir vorstellen, dass von einer Sicht-Position in Nußdorf - und weiter nach Westen zum Inn hin - der Anblick weniger stark eingeschränkt wird, da dahinter zuerst eine dunkle, bewachsene Felswand sichtbarer wird und erst im unteren Teil das helle Kalkgestein. Von einer Sichtachse Brannenburg und weiter südlich öffnet sich zwar der Blick in den (unteren) Steinbruch stärker, dürfte aber dennoch erträglicher sein als eine weithin leuchtend-weiße Felswand oben.
Vermutlich werden hierfür auch Fotomontagen angefertigt (ein direkter Vergleich zw. Var. 1 und 3 wäre interessant) und veröffentlicht. Eine Abschätzung in der Aufsicht läßt sich zwischenzeitlich mit der Amtl. Karte vom BayernAtlas oder dem Luftbild aus dem Juli‘15 machen. Diese Tage wurde hier im roBerge-Forum ein Foto veröffentlicht, das mit diesem Anblick nun definitiv „Geschichte“ ist: Linde vor Heuberg (Frühjahr‘15)
Die Zeit läßt sich leider nicht mehr zurückdrehen, aber für die Zukunft kann noch der akzeptabelste Kompromiss erreicht werden!! - Bekommt ihr das hin?

Nachtrag: Ein paar Tage später gab es noch einen Artikel im OVB - Rosenheim Land:
STEINBRUCH ÜBERFILZEN - Zementwerk Rohrdorf sorgt für Fakten (26.07.16)



*Aus einem letztjährigen Gespräch mit einem Mitglied der Pächterfamilie auf der (nicht bewirtschafteten) Bichleralm (vgl. Bild 3) hatte ich erfahren, dass diese früher mit ihren steilen Grashängen eine Ziegenweide war, was an anderer Stelle in der Gemeinderatssitzung mit alten Fotos bestätigt wurde. Heute fühlen sich dort die Gämsen wohl und es ist ein angenehmer Punkt zum Verschnaufen bei einem Aufstieg zum Heuberg (vgl. roBerge-Tourenvorschlag).

Offline geroldh

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Re: Erweiterung Steinbruch Nußdorf - so schaut's aus...
« Antwort #17 am: 17.08.2016, 15:01 »
:-[  So schaut der Steinbruch Nußdorf-Überfilzen von Flintsbach am Inn gesehen derzeit (Mitte Aug. 2016: Mariä Himmelfahrt) aus:

Bild 1: Das Inntal bei Flintsbach am Inn – mit Heuberg (links) und Kranzhorn (rechts), dazwischen Spitzstein und Pasterkopf, rechts im Vordergrund die Ruine Falkenstein (Wahrzeichen von Flintsbach)

Bild 2/3: Anfang des Jahres 2016 war im Steinbruch das Dreieck links-oben noch bewaldet (vor ein paar Jahren auch noch der rechte Teil). Die Felsen der sog. Garwand werden derzeit noch vom Bergwald verhüllt...

Bild 4/5: Der Anblick des Steinbruchs bleibt stets präsent. Auf halbem Weg (DAV 224) vom Steinbruch zum Heuberg-Gipfel ist die (unbewirtschaftete) Bichleralm als kleiner weißer Punkt zu erkennen

Offline Reinhard

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Re: Erweiterung Steinbruch Nußdorf geplant (Inntaler Heuberg)
« Antwort #18 am: 23.08.2016, 19:21 »
von allen Seiten "schön" anzuschauen   :(

Offline geroldh

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Zitat von: Gemeinde Nußdorf > Tourismus und Freizeit
Mitten im Erholungsgebiet Bayerisches Inntal, zwischen Heuberg und Wendelstein, bietet unser idyllischer Ferienort Urlaub und Erholung für die ganze Familie. Denn hier finden Sie alles, was Ihr Urlauberherz sich wünscht.

Die Ruhe und Beschaulichkeit eines gemütlichen Urlaubsortes mit seiner reinen Luft und der unverfälschten Natur.

Nußdorf mit seinem malerischen Ortskern aus barocken Kirchen und ursprünglichen Bauernhäusern bietet Ferien in Oberbayern, wie sie es sich vorstellen - mit Ruhe und Erholung, aber auch...
Quelle

Nach der Sommerpause versprach die Tagesordnung für die öffentliche Gemeinderatssitzung am Dienstag, den 20.09.2016 eine gewisse inhaltliche Priorität dieses Themas:
1. Genehmigung der Niederschrift über die öffentliche Gemeinderatssitzung vom 19.07.2016
2. Steinbruch Überfilzen Zementwerk, Mediation, Abbauvorschläge / Alternativen
3. ...

Und so war es dann auch:
Der Bürgermeister, Herr Sepp Oberauer, leitete diesen TOP ein, indem er auf den Mediations-Termin vom 18.07.2016 Bezug nahm, bei dem von der INNTAL Gemeinschaft e.V. (Brannenburg) die Abbau-Variante 3 „Süderweiterung“ als Kompromiss-Alternative eingebracht wurde.
Soweit ich es verstanden habe, wurden daraufhin vom Landratsamt Rosenheim noch drei Ansichts-Skizzen angefertigt und über das Bayerische Umweltministerium an das Zementwerk Rohrdorf weitergegeben.
In der Folge haben die Rohrdorfer Zementwerke eine Stellungnahme verfasst und an das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz zurückgeführt.

Diese längere Stellungnahme wurde nun auf der Gemeinderatssitzung vorgelesen (inhaltlicher Auszug): Neu für mich war hierbei, dass damals (ca. 1960) bei der Einrichtung des Steinbruchs auch die Beschaffenheit des südlichen Geländeteils untersucht worden sei und dabei offenbar festgestellt wurde, dass dieser Bereich für einen „sicheren“ Gesteinsabbau zu instabil wäre. Daraufhin hätte es auch keinen Zugang zum Steinbruch von Süden her gegeben (aber damit wäre die komplette Sichtschutzwand intakt geblieben...) und es wurde als Zugang eine „schmale V-förmige Schlitzlösung“ durch die kompakte Felswand von Westen her genehmigt. Auch aufgrund dieses südl. Problembereiches wäre für das Zementwerk Rohrdorf die alternative Planungsvariante heute nicht realisierbar.
Es wird ferner aufgeführt, dass dort die Abbaufläche zu etwa 1/3 auf Fremdgrund liegen würde, dessen Ankauf unsicher wäre. Wirklich? (Luftbild+Parzellarkarte)
Zu verstehen war auch, dass eine Abbauführung, die unterhalb der Garwand endet, technisch nicht möglich sei.
Zusammenfassend sähen die Rohrdorfer Zementwerke keine Alternative von der genehmigten Abbau-Variante 1 auf eigenem Grund abzuweichen. Unterzeichnet wurde diese Stellungnahme von Anton Bartinger, technischer Leiter der Sparte Zement (mit Prokura), und dem Geschäftsführer Mike Edelmann.
Doch wie es so oft ist, sind die Verantwortlichen eines Themas meist nicht von ihrem eigenen Wirken betroffen: Soweit ersichtlich ist, ist Anton Bartinger in gewisser Weise ein „Zuagroaster“ im Inntal: Nach Leoben (Steiermark) kam er im Mai 2014 von einem oberösterreichischen Betrieb (Gmunden) an den Geschäftsstandort Rohrdorf und wohnt heute in der Nähe von Kirchbichl (Tirol). Mike Edelmann wohnt in Bernau am Chiemsee und kommt vermutlich auf dem Weg zum Gardasee nicht mal an „seinem Steinbruch“ vorbei...

Nach der Verlesung der Stellungnahme wurde vom Bürgermeister geschlussfolgert, dass es voraussichtlich keine Einigung für eine Variante „Süderweiterung“ im Rahmen der Mediation gäbe, wobei es aber offenbar so ist, dass neben dem genannten Juli-Termin kein weiteres Zusammentreffen mehr stattgefunden hat. Anscheinend wurde die Stellungnahme auch nur der Gemeinde Nußdorf zugestellt und nicht der einbringenden Inntal-Gemeinschaft, in dessen Vorstandschaft sich ein Geologe befinden soll.

In der sich anschließend entwickelnden Diskussion appelliert ein Gemeinderatsmitglied an das Gremium, dass nun auch die Abbau-Variante 2 („Sichtschutzwand“) wieder betrachtet werden soll.
Hier geht es zusammengefasst darum, die durch „Instabilität“ bereits verkürzte nördliche Sichtschutzwand nochmals weiter zu verkürzen, dadurch einfach an qualitativ gutes Kalkgestein heran zu kommen und im Gegenzug nicht weiter in die Höhe abzubauen (=Umgehung des Widerspruchs zw. Bild und Text im genehmigten Abbauplan).
Allerdings müßte diese Alternative noch das Genehmigungsverfahren beim LRA RO durchlaufen und die Bewohner des Ortsteiles Überfilzen hätten sich bisher fast vollständig gegen diesen Abbau ausgesprochen.

Ein anderes Gemeinderatsmitglied könnte sich durchaus vorstellen, dass wenn die Mehrheit der Bevölkerung hinter dieser wieder aufgegriffenen Abbau-Variante 2 stehen würde, sich der Nußdorfer Gemeinderat dieser Zustimmung anschließen würde und dann auch mit dem Zementwerk diese Alternative wieder diskutiert werden könnte.

Im Gemeinderat ist man sich einig, dass die aktuelle Einschätzung der Bevölkerung vor der Gemeinderats-Entscheidung in der nächsten regulären Sitzung (DI, 18.10.2016) eingeholt werden soll.
Aus diesem Grund soll es auch zwischenzeitlich eine weitere große Informations-Versammlung im Saal des lokalen Schneiderwirts geben.
Wenn sich dort die Mehrheit der Bevölkerung für die Abbau-Variante 2 („Sichtschutzwand“) ausspricht, dann würde auch der Gemeinderat Nußdorf dahinter stehen.


:(  Aber warum möchte man sich mit der Stellungnahme zufrieden geben und keine wirkliche Kompromisslösung „Süderweiterung“ anstreben - zugunsten des Landschaftsbildes und der Belastung der betroffenen Bewohner?!

:-[  Aus meiner Sicht stellt sich mir dieses Thema weiterhin so dar, dass aufgrund der gefassten „unklaren“ Erweiterungsgenehmigung durch das LRA RO zu einem „Industriesteinbruch“ die Bevölkerung in Bezug auf die Landschaftszerstörung ihrer Heimat nach wie vor nur „zwischen Pest und Cholera wählen“ kann - und für eine weniger nachhaltige „Infektion“ als möglichen Kompromiss stellt sich das „Bakterium“ Rohrdorfer Zementwerk quer!
Auch wenn in der letztjährigen Informationsveranstaltung betont wurde, man würde einen letzten Teil der alten Sichtschutzwand erhalten wollen, so fürchte ich, dass auch dieser Rest noch „aus Sicherheitsgründen“ abgetragen werden muß - zumal diese „Nase“ dann ohnehin keine (Sicht-)Schutzfunktion mehr hätte.


Zitat von: Gemeinde Nußdorf > Tourismus und Freizeit
... Besuchen Sie Nußdorf für einen Urlaub voller Freude und Erholung.
Quelle

Es ist schade, dass auch dieses Fleckchen Erde zugunsten einer Geschäftsbilanz einen weiteren Teil seiner Attraktivität als Ausflugs- und Urlaubsziel verlieren wird.
Doch noch kann mit dem „Nußdorf – Film“ geworben werden: Nussdorf am Inn - das bayerische Dorf mit Herz
Quelle: Gemeinde Nußdorf > Tourismus und Freizeit

Oder man betrachtet Nußdorf aus der Vogelperspektive: 360°-Panorama der Gemeinde Nußdorf am Inn



Nachtrag (28.09.16): Nun auch der Artikel zur GR-Sitzung im OVB - Rosenheim Land:
VERSCHIEDENE ABBRUCHSCHNEISEN AM NUSSDORFER STEINBRUCH ERNEUT IM GEMEINDERAT - Erneute Diskussionen (28.09.16)


Zitat
...zeigten sich die Rohrdorfer Zementwerke in ihrer schriftlichen Stellungnahme für weitere Alternativen offen, die jedoch wirtschaftlich, geologisch und rechtlich umsetzbar sein müssten. Nußdorfs Zweite Bürgermeisterin Susanne Grandauer empfahl dem Gremium, sich noch einmal mit der Variante 2 zu beschäftigen. Diese sieht den Abbau der östlichen Sichtschutzwand vor. Ihrer Meinung nach befassten sich die jüngsten Diskussionen im Gemeinderat fast ausschließlich damit, feststellen zu wollen, dass die Abbauhöhen im Steinbruch nicht stimmen und der Betreiber keine gültige Abbaugenehmigung besitzen würde. Da dies nun geklärt sei, müsse über umsetzbare Alternativen gesprochen werden, forderte Grandauer. ...
Für Bürgermeister Oberauer stand fest, dass vor einer erneuten Diskussion mit dem Steinbruchbetreiber eine mehrheitliche Meinung in der Bevölkerung und im Gemeinderat vorliegen müsste. Daher will der Gemeinderat noch vor der nächsten Gemeinderatssitzung einen Beratungstermin mit der Bevölkerung einberufen.




:-\  Ist der unschöne Anblick des Steinbruchs Nußdorf-Überfilzen für so manchen Inntaler Bürger bereits „gelebter Alltag“, so haben die Nußdorfer Bürger derzeit noch vergleichsweise „Glück“, jedenfalls visuell (Fotos von Mitte Aug. 2016):

Bilder 6/7: Die Kirche St. Leonhard am Ortsrand stellt ein weithin sichtbares Wahrzeichen von Nußdorf am Inn dar. Den Steinbruch im Heuberg könnte man heute fast noch übersehen...

Bilder 8/9/10: Der aktuelle Steinbruch aus Nußdorfer Sicht – mit Folge-Abschätzung durch die Abbau-Varianten 1 („Garwand“) und 2 („Sichtschutzwand“).