Dummy

Autor Thema: Zuckerhütl und Wilder Pfaff by unfair means am 24.04.2013  (Gelesen 2070 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Bernhard G.

  • *
  • roBergler
  • Beiträge: 544
  • Geschlecht: Männlich
 Hallo,

ich bin gestern den Stubaiern auf Dach gestiegen - allerdings by unfair means - sprich, mit Seilbahnunterstützung aus dem Stubaier Gletscherskigebiet. Ja, ich weiß, das ist peinlich und lieber wäre ich über den Sulzenauferner hoch und runter, aber den kenn ich vom Sommer und weiß was der für kriminelle Löcher hat (ruhigen Gewissens befährt man bekanntlich im Winter nur Gletscher, die man nicht vom Sommer her kennt). Also doch lieber Skiplus und die spaltenarme Route über den Pfaffenferner.

Los ging es bei Traumwetter in Mutterbergalm (Bild 01) gleich mit der ersten Bergfahrt um 8:00. Viel los war um die Zeit noch nicht, vielleicht 40 Leute. Doch die meisten hatten das selbe vor wie ich. Otto-Normal-Skiurlauber vergriff sich um die Uhrzeit wohl noch am Frühstücksbuffet. Zunächst hieß es aber erst mal kräftig löhnen: Tourengeher fahren für "preisgünstige" 18 Euro :o zum Eisjoch. Dafür bekommt man dann am Berg die unberührte Natur geboten (Bild 02).  

Seilbahnen sind was frustrierendes: nach einer guten halben Stunde spuckt einen das Ding in 3150m Höhe aus - da steht man nun auf einem 3000er, aber es fühlt sich an, wie wenn man mit dem Lift in den dritten Stock gefahren wäre. Ein gutes Gefühl kann man nicht für 18 Euro kaufen, das muß man sich mühvoll verdienen!

Bild 03 zeigt die Szenerie am Eisjoch bzw Geiskarferner. Das erste Tagesziel, das Zuckerhütl ist in der Bildmitte bereits zu erkennen, ebenso der Anstieg zum Pfaffensattel. Die Skitour beginnt mit einer Abfahrt über die Piste des Geiskarfernerschlepplifts und dann weiter bis in eine Mulde oberhalb der Hildesheimer Hütte. Hier ist der  Anfellplatz (Bild 04). Dort herrschte aus mir unerfindlichen Gründen große Hektik - den Grund sollte ich später noch erkennen. Ich hab mir Zeit gelassen, mich zwecks Entsorgung von 5 Tassen frühmorgens genossenen Kaffees etwas abseits gestellt und den anderen Gipfelaspiranten einen großzügigen Vorsprung gewährt.

roBerge.de

  •  
    •  
Werbung
« am: 25.04.2013, 19:33 »

Offline Bernhard G.

  • *
  • roBergler
  • Beiträge: 544
  • Geschlecht: Männlich
Teil 2
« Antwort #1 am: 25.04.2013, 19:43 »
Die Hektik legte sich dann beim Anstieg merklich und komischerweise wurde dann beim Weg zum Pfaffenjoch (Bild 05) rumgetrödelt und mir am Joch großzügig der Vortritt gelassen (Bild 06). Hier eröffnet sich das weitläufige Gletscherplateau zu Füßen des Zuckerhütl (Bild 07) und des Wilden Paffs (Bild 08). Das ist schon eine beeindruckende Szenerie und noch mal ein paar Nummeren großartiger, als die kaum niedrigeren Sellrain-Skiberge.

Das Zuckerhütl packt man von der dem Wilden Pfaff zugewandten Seite an, indem man zunächst bis zum Beginn des felsigen Teils mit Skiern aufsteigt (Bild 09).

Offline Bernhard G.

  • *
  • roBergler
  • Beiträge: 544
  • Geschlecht: Männlich
Teil 3
« Antwort #2 am: 25.04.2013, 19:45 »
Der Gipfelgrat war nicht besonders schwierig, aber Steigeisen und Pickel wirken ungemein entspannend (Bild 10).

Am Gipfel erwartet einem dann ein mondänes Metallkreuz (Bild 11) - mein Geschmack ist es nicht. Aber man muß es ja nicht anschauen, um den Ausblick zu genießen. Und der war wirklich grandios. Gegenüber sieht man den ca. 50m niederen Wilden Paff, den man problemlos mit Skiern ersteigen kann (Bild 12). Die ersten Tourengeher sind schon oben angekommen. Auf dem linken Bildrad sieht man, daß es auch hier oben nicht weit Abseits der übliche Route große Spalten halt. Die leichte Erreichbarkeit der beiden Gipfel ändert nichts daran, daß es sich hier um hochalpines Gelände mit den entsprechenden Gefahren handelt.

Beim Abstieg habe ich dann auch den Grund für die morgentliche Hektik am Anfellplatz erfahren. Dank ausgiebiger Photopausen hatte ich von meinem Vorsprung soviel eingebüßt, daß jetzt der Gegenverkehr das größte Problem war. Besonders Seilschaften, die sich im Schneckentempo hochkämpften waren eine harte Geduldsprobe. Hier konnte man eine interessante Sicherungtechnik beobachten: den berühmten Siemens Lufthaken. Welchen Sicherheitsgewinn sich die Leute versprechen, wenn man sich mit einem Strick zusammenbindet, ist mir schleierhaft. Wenn auch nur einer stolpert, fliegt die ganze Seilschaft den Berg runter.

Nach einer kurzen Abfahrt zum Pfaffensattel ging es dann zum Wilden Pfaff (Bild 13), dessen Gipfel man problemlos über einen schönen Nordhang mit Skiern erreicht. Vor der Abfahrt noch ein Blick zurück zum Gipfel des Zuckerhütls (Bild 14) - inzwischen hat sich die Hektik am Gipfelgrat gelegt. Es ist wahrscheinlich klüger, zuerst den Wilden Paff und dann das Zuckerhütl zu besteigen.

Offline Bernhard G.

  • *
  • roBergler
  • Beiträge: 544
  • Geschlecht: Männlich
Teil 4
« Antwort #3 am: 25.04.2013, 19:48 »
Die Abfahrt habe ich entlang des Aufstiegswegs durchgeführt - hier gab es oben traumhaften Pulver und weiter unten schönen Firn. Die Alternative Route über den Lange-Pfaffennieder und Fernauferner sah zu sehr nach Plattenpulverabfahrt aus. Nach einem Gegenanstieg über den Geiskarferner landet man dann wieder im Trubel des Stubaier Gletscherskigebiet inklusive Beschallung mit NDW (Bild 15).

Der Rest der Abfahrt war eher nix - erst Piste und dann grausamer Sumpf in der Wilden Grube. Aber so oder so: landschaftlich war es eine tolle Beinahe-Skitour bei Traumwetter. Allein, der Wunsch, daraus mit Anstieg und Abfahr über den   Sulzenauferner eine richtige Skitour zu machen, bleibt!