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Autor Thema: Bergfrüchte  (Gelesen 8452 mal)

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Offline thomas_kufstein

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Bergfrüchte
« am: 07.10.2004, 16:56 »
Der Sommer ist vorbei, die meisten Blümchen sind verblüht und tragen Früchte. Deshalb stell ich jetzt ab und an mal ein paar Bilder von Früchten ins Forum. Vielleicht habt ihr ja auch welche und wisst sogar ein paar geschichtchen oder rezepte oder ... dazu.

Anfangen möchte ich mit einem typischen Weideunkraut, der Berberitze, die von den Kühen auf Grund ihrer Stacheln gemieden wird. Im Frühsommer blüht sie wunderschön gelb. Ihre Früchte kann man zur Marmeladeherstellung nutzen, schmeckt allerdings recht bitter für meinen Geschmack.
Vielleicht noch ganz interessant: Das Holz der Zweige ist knallgelb, weil die Pflanze das Alkaloid Berberin als Fraßschutz in die Zweige einlagert.

Soweit so gut. Vielleicht findet ja der eine oder andere von euch was aus dem Supermarkt Natur und stellt's ins Forum.

Servus,
Thomas

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« am: 07.10.2004, 16:56 »

Offline Traudl

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Re: Bergfrüchte
« Antwort #1 am: 07.10.2004, 18:20 »
Auf dem Weg zum Schwarzkogel hab ich leckere Preiselbeeren "Vaccinium vitis-idea" gefunden.
Manche sagen auch "Kronsbeere" dazu.
Auch diese Beeren machen sich als Marmelade gut, aber auch zu Kaiserschmarrn oder Wild köstlich ... :P

Die kleinen roten Früchte sind nicht nur reich an Vitamin C und voller Mineralien, sie können auch bei Erkrankungen von Darm und Blase helfen - sagt man. Auch die Indianer setzten die amerikanischen Verwandten der Preiselbeere, die Cranberrys, als Heilmittel ein: Sie wuschen Wunden mit diesem Saft und legten Cranberry-Umschläge auf, um das Gift aus den Pfeilwunden zu ziehen.

Es ist wissenschaftlich belegt, daß Preiselbeeren eine quasi-antibiotische Wirkung haben. Es handelt sich um kondensierte Tanine, die auch als Proanthocyanidine bezeichnet werden. Für Laien bedeutet das: Die Wirkstoffe in Preiselbeeren halten unangenehme Kolibakterien, die Auslöser für z.B. Blasenentzündung, in Schach.

Viele beerige Grüße
Traudl

Offline thomas_kufstein

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Re: Bergfrüchte
« Antwort #2 am: 08.10.2004, 12:49 »
Noch was zu den Preiselbeeren:

Weil die eine so gute medizinische Wirkung haben, haben die mittelalterlichen Kräuterfrauen und -männer gleich noch die Merkmale mit einer mythischen Bedeutung kombiniert.

Auf den Früchten findet man eigentlich immer noch die vier Kelchblätter, die genau kreuzförmig angeordnet sind. Dies wird/wurde als Symbol Gottes gedeutet, der die Preislebeeren, nach mittelalterlichem Glauben, mit solch wichtigen Inhaltsstoffen gesegnet hat.

Servus,
thomas

Offline thomas_kufstein

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Re: Bergfrüchte
« Antwort #3 am: 08.10.2004, 12:52 »
Eine nahe Verwandte der Preiselbeere ist übrigens die sog Rauschbeere (Vaccinium uliginosum), die man recht häufig in subalpinen Zwergstrauchheiden finden kann.

Woher der Name kommt, dürfte wohl klar sein  ;D  ;D  ;D

Zuviel kann aber zu Durchfall und schlimmeren führen.

Servus,
Thomas

Offline thomas_kufstein

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Re: Bergfrüchte
« Antwort #4 am: 08.10.2004, 12:53 »
Ich hab das Bild der Rauschbeeren vergessen!

Offline Traudl

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Re: Bergfrüchte
« Antwort #5 am: 08.10.2004, 21:17 »
Hallo Thomas,

kann es sein, daß die Rauschbeeren wie die Blaubeeren/Moorbeeren aussehen, oder evtl. sogar die selben sind   ???
Die haben (für mich wenigstens ) größe Ähnlichkeit.

Gruß Traudl


Offline Hannes

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Re: Bergfrüchte
« Antwort #6 am: 08.10.2004, 22:50 »
......die vier Kelchblätter, die genau kreuzförmig angeordnet sind.....

diese kreuzförmig angeordneten Blätter kann man auf diesem Bild gut erkennen

Grüße
Hannes

Offline thomas_kufstein

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Re: Bergfrüchte
« Antwort #7 am: 09.10.2004, 10:51 »
zum Hannes: die Kelchblätter sieht man auf deinem Bild tatsächlich sehr gut. Das leberblümchen in deinem Board ist auch Spitze.

Zur Traudl:
Die Rauschbeere ist nicht identisch mit den zugegebenermaßen ähnlichen Heidel- =Blau- = Schwarzbeeren (Vaccinium myrtillus). Die normalen Blaubeeren kommen sehr häufig auch in tieferen Lagen vor (z.B. in meiner alten oberfränkischen Heimat Oberfranken) und eignen sich natürlich bestens zum Verzehr (Kompott, Kuchen, Joghurt, ...). Um die beiden ähnlichen Arten nicht zu verwechseln (Rauschbeer-Kuchen ist wohl nicht so wirklich gesundheitsförderlich!!!) gilt folgendes Unterscheidungskriterium:
Blaubeeren: rundliche Blätter mit fein gesägtem Rand, Beeren mit rotem Saft
Rauschbeere: verkehrt eiförmige Blätter mit glattem Rand, Beeren mit farblosem Saft

Befindet man sich nicht gerade in der subalpinen Stufe wird man es aller Wahrscheinlichkeit nach auf Grund der Häufigkeit aber wohl fast immer mit der Blaubeere zu tun haben.

Übrigens noch ein alter Botanikerspruch zum Nachdenken über die Blaubeeren:

"Die Blaubeeren heißen Scharzbeeren, weil sie rot sind, wenn sie grün sind!"

Leider hab ich kein Blaubeerbild. Vielleicht kann da einer von euch aushelfen?

Servus,
Thomas

Offline thomas_kufstein

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Re: Bergfrüchte
« Antwort #8 am: 09.10.2004, 10:53 »
Mir ist noch was zur Traudl eingefallen! (ich hab nachgeschaut)

Moorbeeren ist ein anderes deutsches Wort für Rauschbeeren, unterscheidet sich aber von den Blaubeeren.

Zur allegemeinen Verwirrung gibts auch noch die Moosbeeren, die wieder eine andere Vaccinium-Art darstellen (Vaccinium oxycoccus).

Schönes Wochenende,
Thomas

Klaus D.

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Re: Bergfrüchte
« Antwort #9 am: 09.10.2004, 22:33 »
Hier mal ein Pilz: der "Schopf Tintling", auch Spargelpilz genannt (Coprinus comatus). Sieht man zur Zeit häufig in den Wiesen. Soll im jungen Zustand ein guter Speisepilz sein. Wenn er älter wird, zerläuft er zu einer tintenartigen Flüssigkeit - ist die Art des Pilzes, die Sporen zu verteilen. Man sollte den Pilz besser nicht mit dem ähnlichen "Grauen Falten-Tintling" verwechseln, da dieser in Verbindung mit Alkohol, auch Stunden und Tage später genossen, zu erheblichen Vergiftungserscheinungen führt ...


Offline Traudl

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Re: Bergfrüchte
« Antwort #10 am: 10.10.2004, 11:56 »
.....Sieht man zur Zeit häufig in den Wiesen.......
...und bei uns im Garten, direkt an der Terrasse  ;D
schmeckt übrigens vorzüglich (z.B. in Butter gebraten und auf einem Brot serviert) hat ein feines Aroma und ist sehr mild im Geschmack.

Viele Grüße
Traudl

Offline Hannes

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Re: Bergfrüchte
« Antwort #11 am: 10.10.2004, 19:43 »
Hallo Thomas,

da ich mich mit der Botanik nicht so gut auskenne wie Du und glaube, heute zu Deinem Thema etwas passendes gesehen habe:
Gehört diese Frucht zur Alpenrose (Rosa pendulina L.) oder ist es vielleicht nur eine Variante der Hagebutte ?

Grüße
Hannes

Offline thomas_kufstein

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Re: Bergfrüchte
« Antwort #12 am: 11.10.2004, 14:57 »
Hallo Hannes,

DIe Hagebutten sind die Früchte der Gattung Rosa. Die "normale" Hagebutte gehört zur häufigen Hundsrose (Rosa canina), die man an Böschungen in tieferen Lagen sehr häufig findet. Du hast aber richtigerweise erkannt, dass es sich bei deiner Hagebutte um die Frucht der Alpen-Rose (Rosa pendulina) handelt.

Achtung nicht verwechseln mit Alpenrose (Rhododendron hirsutum oder ferrugineuum). Sehr verwirrend, aber ist halt so. Die ALpen-Rose (Rosa pendulina) ist übrigens eine der wenigen Rosen ohne Stacheln. Deshalb kann man sie, im Gegensatz zu den anderen Rosen, relativ leicht erkennen.

Übrigens sind Hagebutten (in Oberfranken sagt man auch Hieven) äußerts Vitamin C reiche Früchte, die in früheren Zeiten nicht nur für Tees sondern auch als Grundlage für Marmelade dienten. Leider schmecken sie etwas bitter. Die Verwendung als Juckpulver dürfet uns allen wohl noch aus unserer Jugend bekannt sein.  :D

Servus,
Thomas


Offline Traudl

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Re: Bergfrüchte
« Antwort #13 am: 17.10.2004, 12:00 »
Hallo Thomas,

hast Du (oder jemand anders) eine Ahnung, was für Beeren das sein könnten ?
Der Strauch wurde Ende Juli am Pendling fotografiert.

Grüße Traudl






Offline Hanns

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Re: Bergfrüchte
« Antwort #14 am: 17.10.2004, 12:57 »
Hallo,

Das sind die Beeren von Daphne Mezereum, also dem Seidelbast.

MfG

Hanns

Offline Traudl

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Re: Bergfrüchte
« Antwort #15 am: 17.10.2004, 18:01 »
Hallo,

Das sind die Beeren von Daphne Mezereum, also dem Seidelbast.

MfG

Hanns
.... da wär ich ja nie drauf gekommen.....vielen Dank, Hanns !
Dann haben wir ja hier schon wieder eine sehr giftige Pflanze. :o

Grüße Traudl


Offline thomas_kufstein

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Re: Bergfrüchte
« Antwort #16 am: 18.10.2004, 15:13 »
Ja der Seidelbast ist tatsächlich sehr giftig. Das Gift steckt vor allem in der Rinde und den Beeren und wird sogar durch die Haut aufgenommen. Also Vorsicht!!!
Jetzt für die Fans der Chemie: Die Rinde enthält Daphnetoxin, das ein extremes Reizgift darstellt und z.B. verätzungen der Haut darstellt und bei einer Einnahme (sprich schlucken), Nieren, Kreislauforgane und das Zentralnervensystem schädigt.
Aber nix schlechtes, was nicht auch ein gutes hätte. Früher wurde die Rinde in der Volksmedizin als schmerzlinderndes Mittel bei Gicht und Rheuma eingesetzt. heut gibt's da besseres.

Vielleicht noch ganz kurios: In früheren Zeiten haben sich Bettler die Haut mit dem Seidelbast-Gift verätzt, um Mitleid zu erregen.

Der Name stammt übrigens von der griechischen Göttin Daphne, die bekanntlich sehr hünbsch war. Um sich vor den Nachstellungen eines gewissen Apollon zu schützen, verwandelte sie ihr Vater (ich glaub Perseus) in einen Lorbeerbaum. Da dieser ähnliche Blätter wie der Seidelbast hat, benannten ihnen die alten Botaniker nach dieser Göttin Daphne.

Übrigens wird z.B. in Nepal aus der Rinde des Seidelbastes (eine andere Daphne-Art) Papier geschöpft als beliebtes Mitbringsel aus dem Himalaya.

Servus,
Thomas