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Autor Thema: Ödkarspitzen und Birkkarspitze über Brendelsteig am 15.08.09  (Gelesen 5584 mal)

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Offline MANAL

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Zusammen mit Ines und Tom ging's gestern von Scharnitz aus über den Brendelsteig auf die Ödkarspitzen und der Birkkarspitze.

Bei diesen sicheren Wetterverhältnissen war diese lange Tour nicht nur risikolos machbar sondern auch ein Genuss. Am Ende waren wir nach 10,5 Stunden wieder am Parkplatz, trotz Nutzung des MTB (das ganze als Tagestour zu Fuß zu machen ist eher für Masochisten).

Morgens um 7 Uhr haben wir uns am Parkplatz in Scharnitz getroffen (Gebühr: 3 EUR pro Tag, 970m). Die ersten 19 Kilometer sind wir mit dem MTB zum Karwendelhaus geradelt. Der erste Kilometer hat gleich eine anstrengende Steigung, danach geht es lange Zeit mit sehr moderater Steigung das Tal auf einem guten Schotterweg entlang. Erst die letzten paar Kilometer wird's dann richtig anstrengend und man fährt steil in Serpentinen hoch zum Karwendelhaus. Nach ca. 2 Stunden waren wir am Karwendelhaus (1771m).

Nach kurzer Pause ging's dann zu Fuß in das Schlauchkar rauf. Die ersten Meter an den Lawinenschutz vorbei ist es steil und mit Drahtseil gesichert. Sobald man "um die Ecke" ins Schlauchkar einbiegt geht es nur noch leicht ansteigend weiter. Recht bald zweigt der Weg zum Brendelsteig nach rechts durch's Kar ab und führt einem im großen Bogen unter die Felswände zum schwächsten Teil der Wand. Über viele Serpentinen und an schwierigen Stellen durch Drahtseil gesichert geht es steil zum Grat hoch. Anschließend geht es den Grat weiter über Schrofen und viel Karwendelschotter. Schwierige Stellen sind auch hier durch Drahtseil entschärft. Es ist nirgends allzu ausgesetzt, jedoch muss man bei dem losen Schotter immer aufpassen wo man hinsteigt und welchen Griff man trauen kann. Eine auf dem ersten Blick steile Felswand quert man unschwierig über Bänder und biegt ein ins Marxenkar. Trotz der Schottermassen ist der Weg sehr gut und man steigt sehr meditativ mit einzelnen Felsstufen durchsetzt durch diese Mondlandschaft auf den Schotterrücken der westlichen Ödkarspitze (2712m). Der Gipfel ist durch ein Stoamandl markiert. Wir waren ein bißchen unter 3 Stunden ab dem Karwendelhaus auf der westlichen Ödkarspitze. Ok... Tom und Ines waren ein bißchen schneller unterwegs...  ;)

Von hier lässt sich der Weiterweg gut überblicken. Die mittlere und höchste der Ödkarspitzen ragt vorne raus über deren Gipfel der Weg dann weiterführt. Sehr einfach steigt man von der westlichen zur mittleren über den Schotterrücken in kurzer Zeit hinüber. Die mittlere ist sogar mit einem kleinen Holzkreuz markiert (2745m) und zugleich der zweithöchste Karwendelgipfel. Von hier zeigt sich dann auch noch die bisher verdeckte östliche Ödkarspitze an der die Schlüsselstellen des gesamten Brendelsteigs sind. Zuerst geht es auf Schotterbänder rüber zum Fuß der Östl. Ödkarspitze. Dort mit Hilfe von einigen Drahtseilen über Felsstufen auf den steilen Schrofenrücken zum Gipfel (2738m). Im Abstieg zum Schlachkarsattel geht es etwas luftig aber nie zu ausgesetzt den Gratrücken über einige Kraxelstellen runter. Mehrere schwierige Stellen sind dabei durch Drahtseile gut gesichert. An einer Stelle kurz bevor der Schlauchkarsattel erreicht wird muss man aufpassen nicht nach unten sich zu versteigen, da hier mit Markierungspunkte gespart wurde. Immer nah am Grat bleiben ist der richtige Weg, auch wenn ein leicht nach rechts unten führende Spur anfangs sehr verlockend aussieht ...

Vom Schlachkarsattel (2639m) dann der letzte Gipfelsturm auf die Birkkarspitze. Ab hier ist die Bergeinsamkeit vorrüber. Zuerst glaubt man gar nicht dass man den steilen Hang erklimmen kann. Stufen und mit Drahtseil gesicherte Stellen wechseln sich hier ab. Teilweise ist ein gut erkennbarer Weg vorhanden, teilweise verliert sich die Spur und man muss etwas improvisieren. Wer den Weg verliert kommt aber auch abseits davon über die Schrofen relativ problemlos weiter... wenn nur nicht dieser lockere Schotter überall wäre...
Von der westlichen Ödkarspitze bis zur Birkkarspitze kommt man in 1-1,25 Stunden (der schnellere Wert gilt für Tom  8) ).

Die Aussicht vom Gipfel der Birkkarspitze (2749m) dem höchsten Punkt im Karwendel ist wie schon auf der gesamte Gipfelwanderung beeindruckend. Tief unten das Schlauchkar und das Karwendeltal. Blick über das ganze Karwendel. Nach Norden alles grüne und nach süden steile Felswände und große Schotterkare. Etwas weiter entfernt das Wettersteingebirge, nach Süden Blick bis zum Alpenhauptkamm.
Erstaunlicher Weise war der übersichtliche Gipfel gar nicht überlaufen trotz herrlichem Wetter und Ferien und Feiertag. Neben den vier anderen die den gleichen Weg wie wir gegangen sind und die wir regelmäßig getroffen haben waren auch ein paar "Bergsteiger" mit interessanten Ausrüstungsvarianten wie man sie typischerweise nur an prominenteren Gipfeln antrifft...  :o

Nach ausreichend Pause hieß es dann den langen Rückweg anzutreten. Mit dem Wissen im Hinterkopf ein Fahrrad am Karwendelhaus stehen zu haben lässt es sich dabei sehr gut absteigen  ;D

Zuerst runter zum Sattel und dann ab ins Schlauchkar. Dank dem berüchtigten lockeren Schottermassen kommt man stellenweise durch Abfahren in Schotter von recht bescheidener Qualität und einem einzelnen Schneefeld recht flott nach unten. Da zu dieser Zeit die Sonne von fast genau über der Scharte in das Schlauchkar brennt wundern wir uns über diejenigen die sich den Aufstieg um diese Uhrzeit antun und das heiße Schotterkar sich hochquälen... Der Brendelsteig und die Überschreitung der Ödkarspitzen mag anstrengender und anspruchsvoller sein, aber nirgends hatten wir ein dermaßen lockeren Boden wie hier im Schlauchkar... kann deswegen nur jeden geübten Bergsteiger den auch noch schöneren Umweg empfehlen.
Nach gerade mal 1,25 Stunden waren wir dann schon wieder am Karwendelhaus wo wir noch eine kurze Pause einlegten. Es ist erstaunlich welche Mengen an MTBs dort parken und welche Menschenmassen sich zu Fuß in das überfüllte Karwendelhaus hochquälten.

Die Abfahrt nach Scharnitz war dann der reinste Genuss. Bis auf die steilen Serpentinen gleich beim Karwendelhaus und einen leichten Gegenanstieg kurz vor Scharnitz kann man sehr gemütlich zurückfahren. Unvorstellbar diese 19km zu Fuß zurückzulegen. Nach knapp einer Stunde waren wir dann wieder zurück bei den Autos.

Eine sehr lange und anstrengende Tour die durch beeindruckende Einblicke in die Wildnis des Karwendels und interessanter Wegführung belohnt wird. Insgesamt dürfte man mit allen Gegenanstiegen ca. 2000-2200 Höhenmeter zurücklegen. Für die 38 Kilometer und 800 Höhenmeter zwischen Scharnitz und dem Karwendelhaus ist ein MTB eigentlich ein Muss. Selbst für untrainierte MTBler wie mich ist die Strecke zwar am Ende anstrengend, aber unschwierig. Die Abfahrt entschädigt dann aber sämtlichen Schweiß von der Auffahrt.

An der Stelle nocheinmal ein Dankeschön an Ines und Tom für's spontane mitkommen. Auch wenn ich euer Tempo nicht ganz halten konnte und euch wohl etwas ausgebremst habe hoffe ich ihr habt die Tour genossen. Es hat viel Spaß gemacht mit euch die Tour gemeinsam anzugehen.

Anbei noch ein paar Fotos:
1. Durch diese Wand führt der Brendelsteig. Im rechten Teil der Wand geht der Weg im Zickzack über die grasigen Schrofenhänge nach oben.
2. Beeindruckende Einblicke in fast unberührte Ecken vom Karwendel oberhalb des Marxenkars.
3. Die Schlüsselstelle der Tour im Abstieg von der östl. Ödkarspitze zum Schlauchkarsattel.

Das Gipfelfoto gibt's von Tom  ;)

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« am: 16.08.2009, 19:02 »

Offline MANAL

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Ein kurzer Blick durch meine Fotos:

http://picasaweb.google.com/bergfotos/OdkarspitzenUndBirkkarspitze?authkey=Gv1sRgCNOppMn1h9Lu8QE#

Für weitere müsst Ihr den Tom bitten, der hat glaub ich mehr als ich gemacht  :)

Offline Tom

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Hier noch ein kurzes Fazit von mir:

Super Tour bei bestem Wetter ... jetzt ist endlich Sommer  8).

Nachdem ich die Tour zusammen mit Ines vor zwei Jahren schon einmal vom Johannistal aus zu Fuß gemacht habe und wir damals leider Pech mit dem Wetter hatten, mussten wir nicht lange überredet werden. Wegen der Auffahrt mit dem MTB hatte ich anfangs jedoch ziemliche Bedenken. Ich kann jedoch mit Stolz behaupten, dass ich ohne zu schieben bis zum Karwendelhaus gekommen bin. Wir waren zwar nicht die schnellsten, aber 2 Stunden mit Bergstiefeln und schwerem Rucksack ist nicht schlecht. Was mich jedoch richtig fertig gemacht hat, war, dass uns ein "Bergläufer" bei ca. 3/4 der Strecke überholt hat ... sprich, der war zu Fuß schneller von Scharnitz aus am Karwendelhaus als wir mit dem MTB  :o ... es gibt echt krasse Typen.

Was die ganze Sache noch übertrifft:

Als ich kurz vor den anderen Zwei am Gipfel der Birkkarspitze ankam, verabschiedete sich gerade eine ältere Dame (jenseits der 60) mit den Worten: "Ich würde bei dem schönen Wetter gerne noch eine Stunde hier sitzen bleiben, aber ich muss ja noch zurück bis auf Holzkirchen fahren." Im ersten Moment habe ich mir noch nichts dabei gedacht, bis ich sah, dass sie ihre »Shimano-Klickis« trug (an den Füßen natürlich) :o. Eine andere Frau am Gipfel erzählte mir dann, das die "Alte" in der früh um 4 Uhr von Holzkirchen mit dem Fahrrad losgefahren sei und über das Johannistal hoch gekommen ist und jetzt natürlich den gleichen Weg wieder zurück muss. Ich war sprachlos.


An der Stelle nocheinmal ein Dankeschön an Ines und Tom für's spontane mitkommen.

... kein Thema ... für so eine Tour sind wir immer zu haben  8).

Auch wenn ich euer Tempo nicht ganz halten konnte und euch wohl etwas ausgebremst habe hoffe ich ihr habt die Tour genossen. Es hat viel Spaß gemacht mit euch die Tour gemeinsam anzugehen.

... uns hat es auch viel Spaß gemacht ... und vom Tempo her hat es doch gepasst, wir konnten dafür etwas mehr Pausen machen und das Wetter und die Aussicht genießen.


Meine Statistikdaten:

[Bike] >> einfache Strecke << ... 17,8 km ... 869 Hm Auffahrt ... 69 Hm Abfahrt
[Hike] >> gesamte Gipfelrunde << ... knapp 9 km und 1250 Hm

... gesamte Tour also knapp 45 km und 2200 Hm



Gruß. Tom.



Foto 01 : Aussicht von der Westl. Ödkarspitze ... was für ein Wetter  :o

Foto 02 (links): Sicher ist sicher ... roter Pfeil: Selbstsicherung an der Gipfelkreuzverankerung  ;D

Foto 02 (rechts): Unser Gipfelfoto, das der mit dem gelben Pfeil gemacht hat ... "Bitte mit Gipfelkreuz!" ... nächstes mal lieber wieder mit Selbstauslöser  ;)

Foto 03 : Rückfahrt ... lass einfach rollen