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Autor Thema: Besucheransturm in den Bergen  (Gelesen 3981 mal)

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Offline steff

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Besucheransturm in den Bergen
« am: 01.12.2020, 17:49 »
Diese Pressemitteilung möchte ich Euch nicht vorenthalten:

In diesem Sommer kamen besonders viel Gäste in die bayerischen Alpen. Dabei kam es vielerorts zu Problemen durch Staus, widerrechtlich parkenden Autos und Müll. Erstmals schließen sich nun die Bürgermeister von Lindau bis Berchtesgaden zusammen, um gemeinsam an Lösungen zu arbeiten und voneinander zu lernen. Dazu fand nun virtuell der erste Workshop statt.
„Wir sind gerne Gastgeber und freuen uns über alle Besucher, die zu uns kommen. Aber wir müssen uns darum kümmern, dass dabei die Lebensqualität der Einheimischen und die Aufenthaltsqualität für unsere Gäste nicht leidet “ brachte Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp die Ausgangslage auf den Punkt. Zusammen mit Oberstaufens Bürgermeister Martin Beckel für Schwaben ist der Oberbayer Rasp im Bayerischen Gemeindetag, dem Verband der kreisangehörigen Städte, Märkte und Gemeinden im Freistaat,  aktiv geworden um einheitliche Lösungsansätze zu erarbeiten und voneinander zu lernen. Am virtuell ausgetragenen ersten Gedankenaustausch nahm aus jedem Landkreis am bayerischen Alpenrand jeweils ein Bürgermeister und die Geschäftsstelle des Bayerischen Gemeindetags teil. Ziel war es, Gemeinsamkeiten zu finden, Lösungen zu diskutieren und die nächsten Schritte nebst Arbeitsaufträgen  einzuleiten auf dem Weg zu einer gemeinsamen Strategie.
Schon zu Beginn war schnell klar, wie sehr sich die Herausforderungen gleichen: Verkehrsstaus, zugeparkte Rettungszufahrten, Müll von Wildcampern, unklare Rechtsvorgeben, uneinsichtige Besucher und genervte Einheimische um nur einige zu nennen. „Derzeit gibt es viele Initiativen, die parallel nebeneinander laufen. Wir Gemeinden brauchen aber für unsere tägliche Arbeit aufeinander abgestimmte Konzepte.“ So Oberstaufens Martin Beckel. So vielfältig wie die Probleme auch sein mögen, der Begriff „Overtourism“ stieß allen Teilnehmern sauer auf. Man sei am bayerischen Alpenrand von den Verhältnissen der letzten Jahre in Hallstatt oder Venedig weit entfernt, war man sich einig.
Schließlich ging es an die Diskussion der möglichen Lösungsansätze wie einer bedarfsgerechten Besucherlenkung überörtlich wie auch lokal. Einig war man sich, dass die Lenkung der Besucherströme durch frühzeitige Information der Gäste über verfügbare Kapazitäten der Verkehrswege, Parkplätze und Ausflugsziele eines der wichtigsten laufenden Projekte für den Tagestourismus in Südbayern sei. Das bayerische Wirtschaftsministerium arbeitet derzeit daran und der Kontakt ist bereits hergestellt und soll vertieft werden.
Bayrischzells Bürgermeister Georg Kittenrainer berichtete von den Bayrischzell Rangern, die an den Wanderparkplätzen freundliche Benimmhinweise für den Aufenthalt in den Bergen an die ankommenden Ausflügler verteilen. Dieses Beispiel könnte auch in anderen Gemeinden Schule machen und die oft durch Unwissenheit verursachten Konflikte mit der Natur oder den Almbauern entschärfen.
Die Bürgermeister glauben, dass es offensichtlich unterschiedliche Auffassungen zwischen Polizei und der kommunalen Seite gibt, wie genau eine Beschilderung an Parkplätzen vorzunehmen sei um dann auch überwacht werden zu können. „Ein Unding, denn die Rechtslage ist da eindeutig.“ So Cornelia Hesse, Juristin beim bayerischen Gemeindetag, „Da müssen wir beim Innenministerium nachhaken“. Ebenso problematisch werden die Hinterlassenschaften der „Wildcamper“ gesehen. Dazu soll auch eine für Bayern einheitliche Handreichung erstellt werden, die den Gemeinden als eine Art Gebrauchsanweisung für die Schaffung von Wohnmobilstellplätzen dienen kann. Durch ein entsprechendes Angebot könnte man dann auch die Verbote besser vermitteln, so die Teilnehmer.
Der Unmut bei den Bürgerinnen und Bürgern in den vom sehr hohen Besucherinteresse betroffenen Gemeinden ist vielerorts nicht mehr zu überhören. In diesem Zusammenhang soll die Kooperation mit der Fakultät für Tourismus-Management an der Technischen Hochschule Kempten gesucht werden, die auf dem Gebiet des Zusammenlebens von Einheimischen und Gästen forscht.
Auftrag an die Politik
Oberbayerns Bürgermeistersprecher Stefan Schelle aus Unterhaching stellte klar, dass er die Ideen der Bürgermeister, wenn diese gebündelt und konkretisiert sind, unmittelbar an die Staatsregierung weiterleiten möchte: „Wir werden  unsere Forderungen klar formulieren und erwarten dann auch eine Reaktion.“
Die Tourismusgemeinden wollen aus der Sicht der Praxis mithelfen, die derzeit laufenden Initiativen weiter zu entwickeln aber auch notwendige neue Projekte anstoßen. Es muss nicht in jeder Gemeinde das Rad neu erfunden werden. Es hilft oft schon, von den Kollegen zu lernen und einheitliche, praxisgerechte und realisierbare Vorgaben in allen Gemeinden zu haben.
Dazu wird der begonnene Erfahrungsaustausch fortgeführt und vertieft, um zur nächsten Sommersaison schon erste konkrete Maßnahmen präsentieren zu können.
Dennoch werden die aktuellen Vorgaben in Sachen Ausflugsverbot nach Österreich die Situation mit den Tagesausflüglern an Weihnachten eher verschärfen als entlasten, waren sich die Bürgermeister einig.

 
Verantwortlich für den Text: Bürgermeister Franz Rasp, Rathausplatz 1, 83471 Berchtesgaden

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« am: 01.12.2020, 17:49 »

Online MANAL

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Re: Bürgermeister arbeiten an Lösungen beim Besucheransturm
« Antwort #1 am: 01.12.2020, 20:33 »
Das einzige was hilft ist die vorhandenen Regeln hart durchzusetzen. Dazu braucht man halt auch deutlich mehr Polizisten die an den schönen Tagen alle Falschparker bestrafen und solche die Zufahrten oder Rettungswege zuparken ohne Verzögerung abschleppen. Wenn sich die harte Gangart nach ein paar Wochen rumspricht halten die Leute sich schon dran. Im Moment interessiert es doch keinen weil eh nichts passiert wenn man sich asozial verhält. Aber das erfordert halt mal auch mehr Personal bei der Polizei.

Offline Reinhard

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Re: Bürgermeister arbeiten an Lösungen beim Besucheransturm
« Antwort #2 am: 28.12.2020, 11:36 »
Anmerkungen und Anregungen für naturverträgliche Unternehmungen in den nächsten Tagen

Wir haben es nicht nur hier in unserem Forum, sondern auch in den Medien gelesen: Was in den letzten Wochen in den (bayerischen) Bergen ablief, war nicht mehr schön anzusehen: überfüllte und teils gesperrte Parkplätze, Völkerwanderungen in den Bergen, wobei man sich auf den Gipfeln oft nicht um die Abstandssregeln kümmerte. Das alles trotz (oder wegen) geschlossener Hütten! Es ist klar, dass wir derzeit nicht über die Grenze dürfen, wo sich die Wanderer großzügiger verteilen würden. Aber müssen es gerade die Hotspots auf den bekannten Gipfeln sein?

Als überzeugte naturverträgliche Bergsportseite appellieren wir deshalb an alle Bergfreunde, in den nächsten Tagen die bekannten Gipfel zu vermeiden. Gerade an den Wochenenden und Feiertagen treibt es viele Berufstätige z.B. aus dem Münchner Umland in die Berge. Wer unter der Woche frei hat, sollte die Werktage nutzen.

Wobei wir Euch natürlich nicht auffordern wollen, unwegsames Gelände aufzusuchen. Aber es muss nicht immer ein namhafter Gipfel sein, denn es gibt genügend schöne Berge, die leicht zu begehen sind und keine besonderen Gefahren aufweisen. Als angenehmer Nebeneffekt wird auch Stress vermieden!

Hier in der roBerge-Tourendatenbank und im roBerge-Forum roBerge.de stellen wir nicht nur die bekannten Standardtouren vor, sondern auch viele unbekannte Tipps im sicheren Gelände. Bitte nehmt das Angebot an und vermeidet die bekannten Brennpunkte! Alle unsere bayerischen Schneeschuh-, Ski- und Winterwanderungen sind naturverträglich, wofür wir deshalb vom Deutschen Alpenverein als erste Bergseite überhaupt dessen Gütesiegel erhalten haben.

Nicht nur in den Bergen, sondern auch im Alpenvorland gibt es viele Möglichkeiten, um sich in der frischen Luft und in der Natur zu bewegen. Unsere User haben in unseren Boards Talhatscher und Road Bike (Radfahren im Flachland) viele interessante Beispiele vorgestellt.

Bitte macht von diesen Angeboten und auch von den oft unbekannteren Beispielen in unseren Tourendatenbank Gebrauch - die Natur und auch Eure Gesundheit werden es danken!

Euer roBerge-Team

Offline efs

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Re: Bürgermeister arbeiten an Lösungen beim Besucheransturm
« Antwort #3 am: 28.12.2020, 12:52 »
Das einzige was hilft ist die vorhandenen Regeln hart durchzusetzen. Dazu braucht man halt auch deutlich mehr Polizisten die an den schönen Tagen alle Falschparker bestrafen und solche die Zufahrten oder Rettungswege zuparken ohne Verzögerung abschleppen. Wenn sich die harte Gangart nach ein paar Wochen rumspricht halten die Leute sich schon dran. Im Moment interessiert es doch keinen weil eh nichts passiert wenn man sich asozial verhält. Aber das erfordert halt mal auch mehr Personal bei der Polizei.

Da bin ich 1000prozentig Deiner Meinung, MANAL!. So lange das Verhalten keine unmittelbaren nennenswerten Konsequenzen für den Verursacher hat, wird sich da nix ändern. Und 30,00 für Befahren einer gesperrten Strasse (siehe Jenbach) sind keine nennenswerten Konsequenzen. Mit Einsicht funktioniert das nicht. Das sieht man bei dem DAV Projekt "Natürlich auf Tour". Und bitte nicht nur für falsch Parken die Strafen. Auch für Müll wegwerfen, Kühe erschrecken und auf TikTok posten, Mountainbiken auf verbotenen Steigen und Pfaden, freilaufende Hunde wo Leinenpflicht ist, Drohnen fliegen lassen wo andere Menschen und Tiere Ruhe und Erholung suchen.... Polizei bräuchte man dazu nicht. Das können m.W. nach auch Ordnungsamt o.ä. übernehmen. Und Abschleppunternehmen können das Geld auch gut gebrauchen. Von den Einnahmen der Strafen kann man die Mitarbeiter finanzieren und den Rest in Umweltschutzprojekte stecken.
Allerdings: ich war heute früh am Sudelfeld (Skitour mag ich das Hochlaufen im geschlossenen Sigebiet nicht nennen, eher Trainieren für bessere Zeiten....). In einer Pressemeldung hiess es, dass die Parkplätze geräumt werden und die Toiletten geöffnet sind. Dafür zahlt man Parkgebühr. Fairer Deal dachte ich. Dafür bin ich auch bereit etwas zu zahlen. ABER: Parkplatz geräumt? Mehr oder weniger. Parkgebühr? Ja klar. 5,00 €. Toiletten? NEIN- keine Information darüber welche Toiletten geöffnet sind. Mehrere Versuche an den bekannten Liften ergebnislos. Da muss von der anderer Seite aus auch nachgebssert werden.

So. Jetzt habe ich mir mal bissl Luft gemacht :-)
Dennoch einen ganz lieben Gruss efs

Liebe Grüsse efs

Offline rennschnecke

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Re: Besucheransturm in den Bergen
« Antwort #4 am: 28.12.2020, 17:48 »
Hallo Reinhard, efs und Manal,
so schön wie sich das teilweise anhört, aber das ist alles nur Problem kaschieren, ein bisschen hin und her schieben, aber gelöst wird damit gar nichts.
30,-- für das Befahren der gesperrten Jenbachstraße? Ein Witz mit Anlauf, das würde ich als Betroffener wohl auch eher unter Spaß-Steuer grinsend verbuchen.
Ohne Parkkralle und mindestens den 10-fachen Kosten wird das keinen sonderlich interessieren. Oder einfach ein paar Bäume quer legen und keinen mehr runter lassen.... (ich weiß darf man nicht, wäre aber auch sehr lehrreich, mit dem Taxi heimfahren zu müssen und dann ein paar Tage ohne Auto auskommen zu müssen).
Aber was ist das Ziel? Im Grunde geht es doch immer um eins: Die Zahl der Leute zu beschränken.
Und damit sind wir bei dem für mich eindeutigen Problem: Es sind mittlerweile zu viele Leute auf/in unseren Bergen. Das Verhältnis von Natur und Menschenmassen stimmt einfach nicht mehr. Und das kriegt man nur in den Griff, wenn man die Menschenmassen einschränkt, es müssen die bloßen Zahlen schon nach unten.
Ich habe selbst erlebt und gesehen: Horden von Menschen (d.h. Gruppen mit 10, 15 und 20 Leuten, die immer pärchenweise eine Kiste Bier rauftragen. Ausgangsbeschränkungen interessierten die auch nicht mehr. Familienverbände, die getrennt anreisen (ganz Corona-konform) und sich spätestens nach der ersten Wanderkurve laut gröhlend vereinen. Und bei der Rückkehr verteilen sich dann alle in ihre Autos. Ausschließlich Münchner-, Dachauer- Erdinger- und Fürstenfeldbrucker Kennzeichen. Die Parkplätze bei uns sind doch zu 80% voll mit Auswärtigen. Nicht Falsch verstehen, wir leben in einem freien Land und jeder hat das Recht dorthin zu gehen wo er will. Aber dieses Recht wird seit ein paar Jahren bei uns absolut zulasten der Natur umgesetzt.
Und wir werden weiterhin mit gut gemeinten Aufrufen uns anders zu verteilen, oder mehr zu kontrollieren, etc. uns selbst nur ein besseres Gewissen einreden. Wir müssen endlich an den Punkt kommen, tatsächlich über echte Zugangsbeschränkungen zu reden. Das heisst dann aber auch, dass wir nicht mehr nach Einbruch der Dunkelheit mit dem Mountainbike erst starten, weil Nachtfahrten so viel lustiger sind und die Wege dann nicht mehr so überfüllt sind (sarkastisch gemeint).
Dann werden wir alle auch nicht mehr so oft und so regelmäßig dorthin gehen können wo wir hinwollen.
Ich habe kein Konzept, wie man das gerecht umsetzen könnte. Aber die Zahl der Berge, wo Reinhard meint, dass wir nicht mehr hin sollen (weil sie schon von anderen überrannt werden), wird sich weiterhin stetig erhöhen und die Zahl der Leute, die sich die ruhigen Zonen einverleiben (sollen), wird damit auch stetig höher werden. Und diese Zonen werden zusammen mit der Natur, den Tieren etc. immer schneller verschwinden, weil immer mehr Leute dort sein werden. Ich sage nicht, dass Reinhard erst einmal nicht Recht hat. Aber es ist keine Lösung, nur eine kurzfristige Entspannung (vielleicht). Das Problem wird doch nur verschoben, in Regionen, wo sich heute Fuchs und Hase noch gute Nacht sagen können. Aber bei der Entwicklung absehbar nicht mehr lange. Und wach werden die allermeisten erst, wenn alles weg ist. Wenn Auerhahn, Gämsen etc. nicht mehr einheimisch sind. Vorher wäre es ja eine Einschränkung der persönlichen Freiheit..... .
Und wenn ich in der Stellungnahme der Bürgermeister lese, wir sind von Verhältnissen wie in Hallstatt oder Venedig noch weit weg. Sind wir das wirklich? Versucht doch mal bei uns an einem schönen Sonntagvormittag am Samerberg oder bei Bad Feilnbach oder oder oder.... einen regulären Parkplatz zu kriegen. Oder mit dem Auto nur bis zum Spitzingsee zu kommen. Sooo weit ist der Weg dorthin auch nicht mehr. Trotzdem haben wir  noch die Chance, diese Zustände zu verhindern. Nur anfangen etwas zu tun muss man halt und da sind wir genauso im Boot. 

Sorry für die sicherlich etwas launischen Worte, ich will mit meiner Meinung niemanden auf die Füße steigen. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, wir eiern hier immer nur um das Problem herum. Jeder kennt es im Grunde, aber keiner will es ansprechen, weil es letztendlich auch in einer Selbstbeschränkungen enden würde.

Damit habe auch ich mir mal etwas Luft gemacht.....
Viele Grüße und allen einen guten Rutsch ins neue Jahr und vor allem gesund bleiben.
rennschnecke   



Offline efs

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Re: Besucheransturm in den Bergen
« Antwort #5 am: 28.12.2020, 19:25 »
Das eine ist die Masse an Menschen. Da wird sich so schnell keine Lösung finden.

Das andere ist wie sie sich dort verhalten. Da könnte eine schnelle Lösung gefunden werden (wenn man denn wollte). Damit wäre schon viel geholfen.

Liebe Grüsse efs



Offline Reinhard

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Re: Besucheransturm in den Bergen
« Antwort #6 am: 29.12.2020, 15:53 »
Dazu passend, der heutige Bericht aus dem Landkreis Miesbach:

Der Miesbacher Landrat schreibt:
„Ich bin entsetzt, wenn ich die Bilder von den Autokolonnen und den überfüllten Parkplätzen vom Wochenende sehe. Ich verstehe ja, dass jeder bei schönem Wetter raus in die Natur will. Aber wir stecken mitten in einer weltweiten Pandemie! Dann muss man halt mal eine Zeit lang nur von der eigenen Haustüre aus spazieren gehen und kann nicht aufs Land fahren.“

Ausflugsansturm Region Miesbach

Offline schneerose

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Re: Besucheransturm in den Bergen
« Antwort #7 am: 29.12.2020, 16:36 »
Der Miesbacher Landrat schreibt:
„Ich bin entsetzt, wenn ich die Bilder von den Autokolonnen und den überfüllten Parkplätzen vom Wochenende sehe.

Jajaja, das Entsetzen hält genau solange an, wie die Gastronomie und Tourismuseinrichtungen geschlossen sind…
Wenn die Ausflügler dann wieder Geld da lassen können, ist wieder alles gut…

Online wim43

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Re: Besucheransturm in den Bergen
« Antwort #8 am: 30.12.2020, 10:31 »
So ungefähr 80-90 Bergwanderungen jährlich sind es wohl, die ich so die letzten Jahre genossen habe, überwiegend im roberge-Gebiet. Da ich südöstlich von Rosenheim wohne, zähle ich mich zu den Einheimischen, oder besser zu einem - welche Anmaßung - selbsternannten „Privilegierten“? Einer meiner Bergfreunde wohnt etwas weiter nördlich in Wasserburg, ist der noch „privilegiert“? Und mein Cousin, der gerne mit mir wandert, kommt aus München, also noch weiter weg, wie kann man das sehen? Er hat den Vorteil, dass er sein Auto mit dem vielfach gescholtenen Kennzeichen „M“ bei mir stehen lassen kann. Und da ist noch ein guter Freund aus Landshut, der gelegentlich bei mir zu Besuch ist und wir dann gemeinsam eine Wanderung auf einen der nahen Berge unternehmen. Außerdem wäre da noch der…und die….

Wir alle haben eines gemeinsam, nämlich sehr eng beieinanderliegende Wünsche und Sehnsüchte.

Es ist unbestreitbar, dass so außergewöhnliche Zeiten besondere Auswirkungen auf uns alle und unser Verhalten haben. Und es ist wohl unbestreitbar, dass solche Zeiten nur mit großer Solidarität und viel Vernunft jedes Einzelnen einigermaßen bewältigt werden können. Und es geht wohl auch nur mit Bestimmungen und Verordnungen, die in normalen Zeiten in dieser Form und Zahl nicht notwendig wären, dort, wo die Vorstellung von Vernunft und Solidarität viele Leute überfordert und damit Mitmenschen in missliche Lagen bringt.

Aber wo fängt man an, Wünsche und Sehnsüchte in Frage zu stellen? Bei dem, der nicht unmittelbar als Einheimischer zu sehen ist? Bei dem, der sich nicht überlegt, welche Auswirkungen seine Handlungsweise auf andere hat, oder noch schlimmer, sich einfach darüber hinwegsetzt?

Oder doch auch bei einem selber?

Ein gesundes neues Jahr wünscht

wim43

Offline elsie

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Re: Besucheransturm in den Bergen
« Antwort #9 am: 30.12.2020, 10:49 »
Liebe (mehr oder weniger privilegierte) RoBerglerInnen,
ich bin so jemand mit Kennzeichen M, und ja, ich war am 26. und gestern beim Wandern in den Bergen. Weil ich mich doch ganz gut auskenne, war mir klar, wo ich hinfahren und auch legal parken kann, und auf meinen Wanderungen hab ich vielleicht insgesamt 20 Leute getroffen.
Das geht auch. Und ist mir - sorry! - einfach lieber, als in der Ameisenstraße den Olympiaberg vor meiner Haustür raufzulaufen, wo ich die Aerosole des Vordermannes oder der Vorderfrau direkt in die Nase geblasen bekomme.
Meiner Meinung nach ist ein großer Haken die Reise- aber ja auch Wanderbeschränkung für Österreich, speziell Tirol. Damit war mir klar, dass es bei uns eng wird. Denn - nochmal sorry! - ich möchte mir nicht verbieten lassen, in die Alpen oder wenigstens das Voralpenland zu fahren. Das ist für mich Gesundheitsschutz (physisch und psychisch). Und mit ihrer Anmerkung hat schneerose komplett Recht, das war ja schon im Frühjahr evident, dass genau dann das Gejammere aufgehört hat, als wieder was zu verdienen war an den Ausflüglern aus M und anderswo.
Ich wünsch euch allen einen guten Jahreswechsel und ein gesundes Jahr 2021, in dem wir uns hoffentlich dann wieder bald mit anderen Themen beschäftigen können und nicht eine Kluft zwischen Stadt und Land aufbauen.
Liebe Grüße, elsie

Online MANAL

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Re: Besucheransturm in den Bergen
« Antwort #10 am: 30.12.2020, 19:57 »
Wie @elsie gehöre ich auch zu den verhassten "M-Kennzeichen" in den Bergen. Ich habe eines, weil ich wegen der Arbeit nach München gezogen bin. Aufgewachsen bin ich im Raum Aibling. Ich könnte natürlich auch irgendwo näher an die Berge ziehen, nur sehe ich es noch weniger sinnvoll wie viele andere jeden Arbeitstag mit der Karawane morgens in die Stadt zu stauen und abends wieder zurück.

Wenn man Münchner verbieten will an den Wochenenden in die Berge zu fahren müsste man im Gegenzug auch allen Nicht-Münchnern verbieten jeden Werktag in die Stadt zu stauen. Es kommt dann zwar immer das Argument dass man zur Arbeit MUSS, aber nicht in der Freizeit in die Berge SOLL. Da könnte man genauso sagen dass diejenigen halt dann in die Stadt näher an die Arbeit ziehen sollen. Diese Pendlermassen mit "Nicht-M-Kennzeichen" (und häufig vermutlich auch nicht einheimischen RO, MB oder GAP-Bewohner, also "Zuagroaste") verstopfen genauso die Stadt und nehmen hier den Einheimischen die Parkplätze weg. Klar ist es ärgerlich wenn ich in Garmisch oder Tegernsee lebe und am Wochenende mein Parkplatz an der Straße weg ist. Aber eine öffentliche Straße gehört allen. Wer auf einen Parkplatz wert legt muss halt einen privaten Stellplatz sich zulegen. Ist in der Stadt ja nicht anders. Auf dem Land ist das sogar deutlich einfacher, da viel mehr Platz vorhanden ist.

Wenn man sich das mal aus der anderen Richtung anschaut wird es dann vielleicht manchen bewusst, dass eine Abschottung ziemlich idiotisch ist. Ist ja nicht so, dass man sich so beliebig seinen Arbeitsplatz und Wohnort aussuchen kann. Wenn jemand von seinen Vorfahren Grund und Wohnung erbt und auch noch das Glück hat vor Ort einen Arbeitsplatz zu finden (also quasi ein echter "Eingeborener" ist er sowieso schon viel privilegierter und sollte nicht über andere urteilen denen sowas nicht in den Schoß fällt oder der einen anderen Lebensweg geht.

Und ganz lustig wird es halt wenn ein Teil der "Eingeborenen" von den Touristen lebt und alles tut damit möglichst viel in die Berge kommen und entsprechen die Freizeitinfrastruktur ausbauen. Dabei gilt je anstrengender die Touren sind und je länger Zustiege sind, desto weniger sind unterwegs. Wer aber die Landschaft mit Seilbahnen, Hütten, Erlebnisparks, Abfahrten, Verleih von Actionsportgeräten usw. ausstattet wird auch den Verkehr durch die "Eventies" ernten.

Jetzt im Winter kommt noch als Problem dazu, dass die Winter im Alpenvorland äußerst bescheiden sind. Schnee und zugefrorene Seen hat es hier durch den Klimawandel immer weniger bis gar nicht. Will man den vielen Kindern aus den niedrigeren Regionen den Spaß vorenthalten auch mal im Schnee zu toben oder Schlitten zu fahren?

Wo wir uns aber wohl alle einig sind ist, dass sich manche (Ausflügler wie Einheimische) sich komplett daneben benehmen und zu diesen Problem erst führen. Seinen Dreck zurücklassen, gnadenlos die Natur zuparken oder rücksichtslos in Rettungswegen stehen geht gar nicht. Aber hier sollte besser die Politik aktiv werden und mal die Strafen für Straßenvergehen auch abschreckend gestalten (in Ausflüglerregionen UND in der Stadt). Hier stehen genug auf Radwegen, in zweiter Reihe oder so rücksichtslos dass man an Kreuzungen kaum was sieht. Nur mit diesen lachhaften Strafen wird sich nicht ändern. Gnadenlos mit dem Abschleppen anfangen und die Strafen mal um den Faktore 10 erhöhen, am besten mit Tagessätzen damit es jeden weh tut. Wenn sich sowas rumspricht steht keiner mehr irgendwo illegal herum. Aber sobald man gegen den Autoverkehr was macht schreit die Lobby und der Automobilindustrieminister (bzw. Verkehrsminister) macht was sie will. Siehe den härteren Strafenkatalog der in diesem Jahr gescheitert ist. Der ÖPNV ist auch äußerst bescheiden, extrem zeit- und nervenraubend und für Autobesitzer überteuert. Im Moment kommt noch die erhöhte Infektionsgefahr in überfüllten Zügen und Bussen hinzu.

Und dass die Leute Dreck in der Gegend liegen lassen ist ein grundlegendes Erziehungsproblem. Ist ja nicht nur in den Bergen so. Schaut's euch die Isar im Sommer nach den Grillabende an. Oder überlegt ob ihr selber den ganzen Dreck an Silvester auch wirklich brav aufgeräumt habt? Was man hier ändern kann weiß ich nicht, mit Strafen und Überwachung kommt man vielleicht noch in der engen Stadt zurecht, auf Wanderwegen in den Bergen klappt das nicht. Da kann nur jeder selber aktiv werden und Freunde und Verwandte sensibilisieren dass Saubären irgendwann als asozial gelten. Der Weg den Singapore geht wäre natürlich auch möglich, aber Überwachung und Prügelstrafen will eigentlich niemand, auch wenn sie wohl bei manchen sehr heilsam wären...

Wir können nur hoffen, dass sich die Zahlen sowohl bei uns, als auch in Österreich möglichst bald wieder in unkritischeren Bereichen bewegen, damit die Grenzen wieder überquert werden können, das würden den deutschen Alpenraum enorm entlasten. Man hat es ja bereits bis Pfingsten erleben dürfen wie voll es sonst wird.

Offline schorsche

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Re: Besucheransturm in den Bergen
« Antwort #11 am: 30.12.2020, 21:30 »
Hallo MANAL,
dein Text ist super. Der sollte mal in der Presse gedruckt werden. Weil es genau so ist, wie Du es geschrieben hast.
Ich bin zwar nicht betroffen, sehe es aber genau so wie Du.
Dere
schorsche

Offline Ampfinga

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Re: Besucheransturm in den Bergen
« Antwort #12 am: 31.12.2020, 15:14 »
100% ACK!
Ich hab ja auch ein M-Kennzeichen am Auto (weil Dienstwagen) und wurde deshalb auch schon von "Einheimischen" angequatscht (obwohl richtig geparkt, aber halt an einer eher unbekannten Stelle - "Des gibt's ja net - jetz finden de Münchner do a schoo her...!!!"). Dabei leben die Landkreise der Roberge-Region doch auch ganz gut von den Ausflüglern, zumindest prinzipiell... Auch wenn ich jetzt grundsätzlich Berge mit Event-Ausstattung wie Seilbahnen, Ausflugsgaststätten etc. meide und meine Brotzeit grundsätzlich selber im Rucksack hochschleppe - eine Einkehr nach der Tour gab es vor Corona immer!
Prinzipiell könnte ich mir auch sowas wie Tagestickes, Pickerl, etc. zum Parken in der Alpenregion vorstellen. Warum nicht bspw. am Beispiel der Brennermaut eine Art Videomaut einführen, vorher über's Internet oder - ganz modern - per Handy-App zu lösen und z.B. an größeren Parkplätzen per fest installierter Kamera oder an kleinern per stichpunktartiger Kontrolle zu kontollieren. Die Unternehmen im Bereich der Parkraumüberwachung sind ja eigentlich recht kreativ... Je nach Tag könnte diese Maut/Parkgebühr auch unterschiedlich ausfallen. An Sonntagen in der Hauptsaison deutlich teurer als an Werktagen in der Nebensaison, das könnte die Belastung durchaus etwas entzerren. Und ganz ehrlich - wenn das Geld sinnvoll angelegt wäre, z.B. für ausreichende und gepflegte Parkplätze, mir würden 5-10€ für einen Tag in den Bergen nicht weh tun.

Servus,
     Ampfinga

Offline mh

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Re: Besucheransturm in den Bergen
« Antwort #13 am: 01.01.2021, 15:08 »
Volle Zustimmung für MANAL und Elsie - bravo!

Privilegierte "Einheimische":
Ich wohne im 5-Seen-Land, wo normalerweise viele Leute Urlaub machen. Darf ich die jetzt alle wegbeißen, weil die an MEINEM See liegen und ich doch ein STA-Kennzeichen habe? Und als gebürtige Münchnerin darf ich alle Touristen angifteln, weil das doch MEIN Oktoberfest ist? Und wenn in dem Auto mit dem RO-Kennzeichen ein "zuagroaster Preiss" sitzt, was darf der dann? Bitte: Was soll der Schmarrn und was bringt das? Jedem, der in diese Kerbe haut, sollte auch klar sein, dass er seinen Landkreis dann nie mehr verlassen darf und nirgends mehr Urlaub machen darf, weil dann nämlich er der "Eindringling" ist. Ich bin übrigens noch NIE wegen meines Kennzeichens blöd angequatscht worden...

Das Ganze ist doch eine Kombination aus mehreren Problemen. Durch Corona wird einfach noch einiges verschärft, weil viele Möglichkeiten wegfallen.

1) Seit Jahren rasanter Zuzug von überall her nach Bayern. Zu viele Menschen auf zu wenig Raum ergibt Hauen&Stechen. Das ist nicht nur im Gebirge so. Wer es nicht glaubt, kann sich gerne jeden Tag in den Stau auf den Münchner Einfallstraßen stellen oder sich im Sardinen-Modus von einem öffentlichen Verkehrssystem aus dem Jahr 1972 transportieren lassen. Gerade schaue ich mir vom Bürofenster an, wie ein superhässliches Neubaugebiet für 30.000 Menschen hochgezogen wird. Was die wohl mal am Wochenende machen werden?

2) Viel Geld für den Ausbau von Straßen, wenig Geld und Hirnschmalz für alternative Verkehrskonzepte. Beispiel: Um den ewigen Stau am Autobahnende vor Garmisch zu entschärfen, wird dort in einer Monsterbaustelle die B2 ausgebaut und um Tunnels erweitert. Wenn man eh schon das halbe Werdenfelser Land umgräbt (die Baustelle ist wirklich XXXL), dann hätte man doch auch gleich unterirdische Parkhäuser, dezentrale Großparkplätze und ein Shuttlebus-System in die Skigebiete o.ä einplanen können. Nix von all dem ist passiert, wie auch die letzten 30 Jahre keinerlei alternativen Verkehrskonzepte entwickelt wurden. Es geht immer nur darum, wie man immer noch mehr Autos immer noch schneller an die eh schon neuralgischen Punkte bringt. Dabei gibt es Tourismusorte, die wirklich gute Verkehrskonzepte haben und wo die Leute bereitwillig das eigene Auto stehen lassen.

3) Ein Zeitgeist (was auch immer das ist), wo sich jeder jederzeit selber "verwirklichen und optimieren" muss. Gemeinschaftsgeist ist leider gerade "out". Auch das ist nicht auf die Alpen begrenzt. Die Leute, die mit ihren Stadt-Panzern dem Bauern die Wiese umackern, sind vermutlich dieselben, die zum Einkaufen auch quer über zwei Behindertenparkplätze parken...

4) Kein Wissen über die Natur, gepaart mit völliger Gleichgültigkeit. Der Berg ist kein Stück Natur mit schützenswerter Flora und Fauna, wo man sich rücksichtsvoll aufzuführen hat, sondern ein Sportgerät, das gefälligst rund um die Uhr in optimalem Zustand zur Verfügung zu stehen hat. Das ist leider ein Erziehungsproblem, da fällt mir keine Patentlösung ein.

Mich ärgert es allerdings, wenn die berechtigte Diskussion um das Thema durch Heuchelei verwässert wird: Vor Weihnachten war ein großes Interview mit der Garmischer Bürgermeisterin in der SZ, Tenor in etwa "Die bösen Münchner parken uns Wald, Wiesen und Privateigentum kaputt, weil sie die paar Euro Parkgebühr sparen wollen". Zwei Tage (!!) nach Erscheinen des Interviews wurden die Parkgebühren vor Ort auf 15 Euro erhöht. Wie passt das denn bitte zusammen? Die Verkehrsbelastung für Orte wie GAP will ich bestimmt nicht leugnen; es ist sicher nicht lustig, wenn man als Anwohner bei schönem Wetter kaum mehr über die Straße kommt vor lauter Stau. Aber: Wenn voller Skibetrieb herrscht, ist der Verkehr dort sicher 3x stärker als jetzt, nur jammert dann komischerweise keiner. Und wer geht in Garmisch Skifahren und bringt die Kohle? Die Münchner und die aus dem Umland - also genau die, die man jetzt, wo nichts zu verdienen ist, nicht haben will.

Obwohl ich wirklich viel in den Bergen unterwegs bin (ich gestehe!), bin ich weder im Frühlings-Lockdown noch jetzt jemals in "Ameisenstraßen" auf überfüllten Bergen geraten. Wer sich ein bissl auskennt, mal früh aufsteht oder antizyklisch unterwegs ist und touristisch aufgebrezelte Orte meidet, findet durchaus ruhige Ecken  und reguläre Parkplätze. Und freundliche Einheimische :) !!! Der Andrang  betrifft doch im Wesentlichen die immer gleichen Gebiete: Spitzing, Walchensee, Tegernsee, .... Das ist für die Anwohner dort sicher schlimm (vor allem, wenn sich die "Eindringlinge" unmöglich verhalten), andererseits bleiben wenigstens andere Gegenden verschont. Durch die Grenzschließung und die fehlenden anderen Möglichkeiten (Reisen, Kultur, Hallensport etc) ist es natürlich insgesamt voller als sonst, aber das ist hoffentlich ein temporärer Effekt. Hoffen darf man ja noch...

Offline geroldh

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Re: Besucheransturm in den Bergen
« Antwort #14 am: 04.01.2021, 10:30 »
Diese Pressemitteilung möchte ich Euch nicht vorenthalten:
...

Zitat von: rosenheim24.de
Ob Rodeln, Skifahren oder Wandern: Trotz Corona-Warnung zieht es viele Münchner von der Stadt in die Berge. Manch Anwohner ist davon alles andere als begeistert. ...
https://www.rosenheim24.de/deutschland/coronavirus-berge-bayern-muenchen-deutschland-hass-miesbach-ski-rodeln-wandern-schild-zr-90157099.html


In diesen Artikel - mit einem Bild zum "M-Kennzeichen" und dem "S-Finger" - eingebunden ist eine (nichtrepräsentative) Umfrage unter den Lesern:
"Sind Sie seit Corona häufiger in den Bergen unterwegs?"

Es stehen drei Antwort-Optionen zur Verfügung:
- Ja. Ich habe diese Art der Freizeitgestaltung total neu für mich entdeckt.
- Nein. Die Alpen waren schon immer mein zweites Wohnzimmer.
- Berge? Am Viktualienmarkt ist's doch am schönsten.


Zum aktuellen Zeitpunkt (Mo, 04.Jan. - 10:30 Uhr) geben von den ca. 12.000 Teilnehmern etwa zweidrittel (65%) an, dass sie schon immer gerne in den Bergen unterwegs waren. "Nur" 14% seien es, die "Dank Corona" neu in diese Freizeitregion aufgebrochen sind. Die anderen derzeit 21% sind (noch?) mit dem "Olympiaberg" zufrieden.

Der "Sturm auf die Ausflugsgebiete" wäre wegen der aktuellen Ferien-/Urlaubszeit auch ohne dem fiesen C-Virus erheblich gewesen, nur hätte er sich etwas besser verteilen können.
Ob da die Forderung nach einem erlaubten „Bewegungsradius“ (Thüringen: ...den Bewegungsradius der Menschen auf 15 Kilometer im Umkreis ihres Wohnortes zu beschränken) wirklich hilfreich ist?
Im Sommer hatten sich die Massen an der Isar und im Englischen Garten getroffen - und dies war ja auch nicht recht...

Online MANAL

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Re: Besucheransturm in den Bergen
« Antwort #15 am: 04.01.2021, 22:04 »
Da müssen wir jetzt halt durch, hilft ja alles nichts. Da hilft nur Ruhe und Geduld, etwas wozu viele in der auf Leistung und Geschwindigkeit getrimmten Leute scheinbar nicht mehr in der Lage sind.

Wenn Corona rum ist werden die Leute Freitag und Samstagabend wieder saufen und feiern gehen und am nächten Tag nicht mehr in der Lage sein in die Berge zu fahren. Außerdem gibt's dann wieder viele andere Eventmöglichkeiten wie Konzerte, Museen und Freizeitparks. Viele sind dann auch wieder am Ballermann beim Saufen oder irgendwo auf Fernreise. Im Gegenzug kommen zwar auch Touristen aus dem Ausland zu uns, aber die gehen eher in der Minderheit zum Wandern in die Voralpen und es wird automatisch wieder leerer. Andere fahren dann weiter nach Österreich, Südtirol oder in die Schweiz zum Wandern, was ja im Moment auch nicht möglich ist.

Kurzfristig hilft es vielleicht wenn auch mal das Alpenvorland die nächste Zeit etwas Schnee abbekommt, dann entfallen schon mal die, die nur Schnee erleben wollen. Nach dem eh schon nicht existenten Winter 19/20 im Alpenvorland wollen die Leute irgendwann auch mal Schnee sehen.

Offline Martl

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Re: Besucheransturm in den Bergen
« Antwort #16 am: 05.01.2021, 16:46 »
Zuerst zur Tourismus- bzw. Verkehrssituation:
Laut https://www.verkehrsinformation.de/ waren sowohl die A8 als auch die A93 staufrei. Bei der Mautstelle zum Sudelfeld erhielt ich die Auskunft, dass "nichts los" sei. Bin also guten Gewissens weiter gefahren. Oben der große Wanderparkplatz bei der Serpentine nähe Arzmoos war total leer, sodass ich schon glaubte, er sei gesperrt. Fuhr dann um die Kurve ans hinterste Ende des Parkplatzes nahe der Steinbrücke, dort standen dann tatsächlich 7 PKW. Als ich später zurückkam, waren es ungefähr 15 Autos. Wahrscheinlich lag es am Werktag. Gestern (Sonntag) war bzw. übermorgen Mittwoch (Feiertag) wird sicher mehr los sein. Aber da werde ich zuhause bleiben.


Heute sah's (vermutlich auch wegen dem sonnigeren Wetter) zumindest am Spitzing schon wieder anders aus:

Zitat
Schliersee / St2077 / Stau
Neuhaus Richtung Spitzingsee
St2077, Neuhaus Richtung Spitzingsee, zwischen Neuhaus und Spitzingsee Stau, Verkehrsbehinderung, (Den Bereich aus touristischen Zwecken bitte nicht mehr anfahren. Spitzingseegebiet überlastet)

Quelle: verkehrslage.de (v. 5.1.21)

Offline Reinhard

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Re: Besucheransturm in den Bergen
« Antwort #17 am: 05.01.2021, 17:13 »
Heute sah's (vermutlich auch wegen dem sonnigeren Wetter) zumindest am Spitzing schon wieder anders aus:

Richtig, war heute, allerdings erst am frühen Nachmittag, ums Arzmoos unterwegs. Der Parkplatz war von der ersten (kleinen Einfahrt an) voll. Wir hatten Glück, weil die ersten schon wieder wegfuhren ...
Morgen Feiertag sieht mich das Sudelfeld sicher nicht ...

Manchmal Nebelfelder, ansonsten strahlender Sonnenschein, aber saukalt.

Foto: Schreckenkopf - da geht nichts mit Schneeschuh oder Ski ...

 
IMG_20210105_144607.jpg

Offline almrausch

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Re: Besucheransturm in den Bergen
« Antwort #18 am: 05.01.2021, 19:19 »
Wir waren um ca. 13 Uhr an der Grafenherberge zum Schlittenfahren . Hoch zur Walleralm.  Parkplätze gut gefüllt aber es war noch was frei.

Offline mh

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Re: Besucheransturm in den Bergen
« Antwort #19 am: 05.01.2021, 20:33 »
Ich glaube, das ist ein sehr regionales Problem. Vielen "Münchnern" (bzw. Menschen mit M-Kennzeichen) fällt halt nix anderes ein als Spitzing - warum auch immer. Ich selber finde es nicht mal besonders hübsch da, aber bitte... Und im Moment rumpeln halt alle dorthin, wo man wenigstens ein bissl auf (Kunst-)Schnee herumrutschen kann. Gleichzeitig sind noch Ferien, viele haben Urlaub oder sind in Kurzarbeit, dazu keine Reisemöglichkeiten, kein Kulturprogramm und kein Hallensport. Das ist halt eine arg unglückliche Situation.
Ich habe schon den Eindruck, dass derzeit sehr viele Leute in den Bergen unterwegs sind, die da sonst nicht herumhupfen. Und die gehen halt in die immer gleichen Gebiete, die jeder kennt, weil sie ja in normalen Zeiten entsprechend beworben werden (Spitzing, Tegernsee).

Trotzdem: Ich war gestern auf dem Heimgarten über Ohlstadt, das ist nun wahrlich auch kein Geheimtipp. Aber es ist halt kein Berg, wo man in einem Stünderl oben ist, Rodelbahnen oder Panoramawege gibt es auch nicht. Die "Überfüllung" sah so aus: um 9.00 am Parkplatz ein (!) Auto, auf dem gesamten Aufstieg über Wangalm, Buchrain und Rauheck eine (!) Person getroffen. Am Gipfel schon Kommen und Gehen, aber mehr als 5 Leute waren nie gleichzeitig da (s. Foto). Es war sogar deutlich ruhiger als sonst (!!!), weil die Skitouren-Fraktion komplett fehlte. Bin anderthalb Stunden in der Sonne gehockt, keiner hat mich gestört, alle waren freundlich, entspannt und rücksichtsvoll.

Irgendwie scheint es da zwei Welten zu geben, wobei mir Miesbach incl. Spitzing schon eine sehr eigene Welt zu sein scheint....