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Autor Thema: 04.09.2020: Kaisergebirge: „Kleine” Ostkaiser-Überschreitung  (Gelesen 577 mal)

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Offline geroldh

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Soweit ich es richtig verstanden habe, wird als die „klassische” Ostkaiser-Überschreitung der Gratverlauf von der Maukspitze zur Ackerlspitze hinauf und dann weiter über die beiden Hochgrubachspitzen und die Regalmspitze hinweg zur Regalpwand bezeichnet, um danach unter Auslassung der Törlwand den Gildensteig zu erreichen, der vom Kleinen Törl herab kommt.

Diese Richtung von Ost nach West ist dabei die empfehlenswertere, da hierbei die schwierigen Kletterstellen im Aufstieg überwunden werden. Hierbei ist der Schwierigkeits-Charakter der Tour allerdings der menschlichen Konstitution gegenläufig: Die Etappe Maukspitze – Ackerlspitze mit ca. UIAA I (T5) beginnt vergleichsweise einfach, erhöht sich mit der Etappe Ackerlspitze – Westl. Hochgrubachspitze (bzw. der Scharte „Schönwetterfensterl“) auf ca. UIAA II (T6) und steigert sich schließlich mit der Etappe Regalpscharte/-turm – Regalpwand insbesondere auf die Regalmspitze hinauf auf UIAA III. Im Gegenzug lässt mit der Tourenlänge die muskuläre (Kondition) und mentale Kraft (Konzentration) nach. Eine zunehmende Gewitterneigung im Tagesverlauf kann zusätzliche Unsicherheit darstellen.

Der Anblick des Wilden Kaisers von Süden aus ist markant und lässt einen „zahmeren“ Westteil und einen wilderen Ostteil erkennen, der sich auch mit dem überwiegenden Schwierigkeitsanspruch möglicher Überschreitungen bemerkbar macht.


Wilder Kaiser Westausläufer


Wilder Kaiser Ostausläufer

Im Überflug zeigt sich die wilde Zerrissenheit des Ostteiles noch markanter.


Lärchegg (links-außen) – Gamsfluchten – Ackerlspitze – Regalmspitze (rechts-außen) (Blick von Westen)


Maukspitze (links-vorne) – Ackerlspitze – Gamsfluchten – Lärchegg (rechts-außen) (Blick von Osten)


Die Ackerlspitze als den höchsten Gipfel des Ostkaisers hatte ich bereits vor vielen Jahren kennen gelernt, ansonsten blieb diese kaiserliche Ecke als Tourenziel üblicherweise außen vor – irgendwie einfach „zu weit rum um’s Eck“... Als ich vor einigen Jahren hier auf roBerge den Bericht von Axel/RossiS von seiner Ostkaiser-Überschreitung gesehen hatte, war jedoch durch den Charakter dieser Unternehmung mein Interesse geweckt.
Ein mir unbekanntes und unerschlossenes Gebiet etappenweise alleine zu erarbeiten hat seinen ganz eigenen Reiz – mitunter auch durch die gewisse Unsicherheit des „Scheiterns“, des sich Verhauens, des Umkehren müssen. Selten wird eine größere unbekannte Alpintour auf‘s erste Mal gelingen, vorherige Erkundungsfahrten sind die Regel. Diese hatte Axel bereits hinter sich und deshalb hatte ich mir vorgenommen bei ihm nach einer möglichen Wiederholung dieser Überschreitung anzufragen, bei der ich mich anschließen könnte. Doch leider ist es etwas später ganz anders gekommen…

Der Gewinn eines Kraxelbuchs, u.a. auch mit einer hier auf roBerge dargestellten Tourenbeschreibung „Ackerlspitze und Hochgrubachspitzen, Überschreitung“ sollte später einen neuen Anlauf darstellen, mein Eintrag in die roBerge-Kontaktbörse „Mitkraxeler für Überschreitung W.Kaiser (UIAA II) gesucht“ gegen Ende Okt. 2019 eine mögliche (aber zu kurzfristige) Erfahrungserweiterung bilden – doch bald kam der Winter, und dann bekanntlich C…
Um so mehr hat es mich überrascht und gefreut, dass kürzlich per PN eine Nachfrage hereinkam, ob diese Tour bei mir noch aktuell sei. Als sich im Austausch auch noch herausstellte, dass es sich bei relaxfex sogar um eine Touren-Wiederholung handeln würde, war bald die Idee geboren, gemeinsam diese Etappe auszuweiten und für ihn zusätzlich einen „Lückenschluss“ zu realisieren.


Auf (Wochenend)Regen folgt (Werktags)Sonne – und umgekehrt… – und als der Wetterbericht durch ein größeres Zwischenhoch für den Freitag stabiles Schönwetter ankündigt, war dies die ideale Voraussetzung zu dieser kaiserlichen Bergfahrt.
Im vorherigen Telefonat hatten wir uns auf die Mitnahme von (Halb)Seil, Gurt und Sicherungsmaterial verständigt, doch nun an der geöffneten Heckklappe gehen wir nochmal in uns, gleichen bekannte Erfahrungen und Informationen zur Tour mit dem eigenen Kletterkönnen ab – und entscheiden uns gemeinschaftlich das Seil mit dem „Klimbim“ im Auto zu belassen, auch wenn dadurch ggfs. der beabsichtigte Lückenschluss am Tourenende nochmal vor Ort in Frage gestellt werden muss.

Der Aufstieg ausgehend vom Wanderparkplatz Going-Prama (ca. 850 m; 7:00 Uhr) an der Regalm und der Ackerlhütte (1456 m; ca. 8:15 Uhr) vorbei in das breite Hochgrubachkar hinauf ist hinreichend beschrieben und kann etwas variiert werden. Den „Umweg“ über die von mir noch wenig bekannte Maukspitze lassen wir rechts liegen – sich nur nicht gleich zu Tourenbeginn unsinnig verzetteln. Unser Anstieg über das Schrofenplateau Niedersessel bietet außer der immer besser werdenden Aussicht wenig berichtenswertes, vom Altschneefeld unterhalb des Einstiegs zur nächsten Wandstufe sind heute tatsächlich nur noch ca. 20x30 cm(!) übrig. Unter Zuhilfenahme von Eisenstiften und -griffen wird etwas ausgesetzt der darüber gelegene Hochsessel erreicht und über die Ackerlschneid gegen 11:00 Uhr unser geografischer Tageshöhepunkt, die Ackerlspitze (2329 m). Von hier aus geht’s für uns theoretisch nur noch „bergab“ – bis hinüber zum Kl. Törl (2111 m) und von dort auf dem Gildensteig an der Wildererkanzel vorbei zurück zum Auto.

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Blick von der Regalm auf Regalpwand, Regalmspitze (links), Westl. und Östl. Hochgrubachspitze sowie Ackerlspitze (Mitte) und Maukspitze (rechts)

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Im (versicherten) Steigteil zwischen Niedersessel und Hochsessel. Im zentralen Bildhintergrund ist die Reichenspitzgruppe erkennbar

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Blick von der Ackerlschneid auf die Maukspitze

Wir sind um diese Zeit alleine am Gipfel und machen umfassend (Mittags)Pause, die grandiose Aussicht auf den frisch überzuckerten Alpenhauptkamm und die umliegenden Felsspitzen genießend. Die Uhr nähert sich dem Mittagsläuten als wir zur Überschreitung aufbrechen.
Von der anstehenden Etappe und auch den weiteren Abschnitten über die „sieben Zwerge“ gibt es neben der o.g. Tourenbeschreibung zusätzlich von Axel/RossiS wie oben erwähnt sowohl auf roBerge, als auch auf hikr eine ausführliche Beschreibung und Bebilderung. Nachfolgend seien ergänzende Anmerkungen eingeflochten – insbesondere im zweiten Teil zu einer alternativen „Umgehung“ der Schlüsselstelle die Regalmspitze hinauf.

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Blick von der Ackerlspitze über die Hochgrubachspitzen auf die Regalmspitze (links). Im Hintergrund stehen Treffauer und Ellmauer Halt Parade, rechts daneben sind die beiden Karlspitzen zu erkennen

Nach dem Verlassen des markierten Steigs sind wir im unmarkierten Felsgelände unterwegs, das zudem spröde ist. Beim etwas luftigem Aufklettern zum Grat halte ich einen zerbröselten Griff in der Hand – dies soll für den weiteren Tourenverlauf Warnung genug sein. Das Kraxeln macht dennoch Spaß und bald ist die Östl. Hochgrubachspitze (2284 m) erreicht – derzeit ohne Gipfelbuch.
Der weitere Verlauf ist etwas anspruchsvoller. Wir wählen einen kurzen, ziemlich locker-steinigen südseitigen Abstieg in eine kleine Rinne – doch womöglich ist das Überklettern des Grates ebenso gut möglich. In diesem für mich unbekannten Gelände voraussteigend tue ich mich immer wieder etwas schwer, die am besten geeignete Linie im Fels zu erwischen, nicht nur einmal muss ich korrigieren, anstatt das Risiko eines ausbrechenden Griffs/Tritts im schwierigeren Fels einzugehen. Die Westl. Hochgrubachspitze (2277 m) mit Gipfelkreuz und (feuchtem) Buch in einer zerschlissenen 60er-Tüte wird erreicht (ca. 13:00 Uhr).
Dieser Punkt eignet sich wieder für eine längere Pause, um im Gipfelbuch zu blättern und den Weiterweg zu studieren.

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Rückblick von der Westl. Hochgrubachspitze über die Östl. Hochgrubachspitze auf die Ackerlspitze

Der folgende Abstieg (im weiteren Verlauf ggfs. als Notabstieg zur Ackerlhütte) und die Querung unterhalb des Schönwetterfensterl hindurch sind gut beschrieben. Mit geübtem Blick lassen sich bis in die Regalpscharte hinein die alten Markierungen erkennen – womöglich bestand hier früher ein „offizieller“ Übergang in den Kessel des Griesenerkars hinab.


(Fortsetzung folgt)

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« am: 06.09.2020, 18:20 »

Offline geroldh

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Blick von der Westl. Hochgrubachspitze auf den weiteren Tourenverlauf: Regalpscharte mit -turm und Regalmspitze (linke Bildhälfte), rechts dahinter die Felsschneide der Törlwand

In der Regalpscharte stehen wir zugleich genau am Sockel des Regalpturms, an dem südseitig vorbei spaziert wird. Nach wenigen Kraxelmetern in südwestl. Richtung kommt die schattige, nordwärts ausgerichtete Schlüsselstelle der Tour ins Blickfeld, in dessen Bild Axel den Routenverlauf hinein skizziert hat und das nachfolgend aus seinem Bericht eingebunden ist:


Antwort #2 - Bild 3: Schlüsselstelle aus der Scharte mit Route

Doch hier soll es eine „Umgehung“ geben… (die die Überschreitung geringfügig verlängert)

Zuvor möchte ich mir dieses kleine, mit Rissen durchzogene und sich aufsteilende Wandl näher ansehen und steige dazu im II‘er Gelände bis knapp unter einen kleinen Absatz auf, auf dem man sich dann aufrichten müsste, um die höher gelegenen Griffe zu fassen. So wie es aussieht, dürften stets ausreichend Griffmöglichkeiten gegeben sein, aber für die Füße könnte es zwischendurch schon mal nur auf Reibung gehen, während der Hintern in den zunehmenden Abgrund blickt...

Etwas ratlos war unterhalb dieser mehrere Meter hohen Schlüsselstelle, die ich auch bei UIAA III sehe, vor einigen Jahren relaxfex bei einer seiner Erkundungstouren gestanden, als genau im richtigen Augenblick ein einheimischer Vater mit Sohn um die Ecke kamen und ihm in ihrem Weiterweg eine mögliche Umgehung gezeigt hatten.
Diese möchte ich auf alle Fälle sehen und deshalb steigen wir etwa in der Hälfte zwischen Scharte und Schlüsselwandl (etwa beim Aufnahmestandpunkt des Bildes oben) in südöstl. Richtung (im Bild nach links-außen) eine schrofige Rampe zu einem Absatz hinauf.
Wäre ich nun alleine und ohne ausreichendem Sicherungsmaterial auf (Erkundungs)Tour unterwegs, dürfte hier wohl ziemlich sicher Ende im Gelände sein, wollte ich mich nicht einem unnötigen Risiko aussetzen: In südl. Richtung würde offenbar strukturiertes, aber vermutlich höchst brüchiges Steilgelände dazu verleiten nach vorne zu steigen… – und rechter Hand zieht an einer steil aufragenden Felsrippe ein kleines, fast ebenso steiles strukturiertes Band (II) wenige Meter zu einem kleinen Vorsprung hinauf, darüber ein kleines glattes Wandl mit nachfolgend zurück versetzten, nicht einsehbaren Verlauf. Wenn es dort oben nicht irgendwie weitergeht…

Aber relaxfex grinst mich an und meint: „Doch, da geht’s rauf!“ – OK…? – An dieser Stelle zeigt sich, wie wertvoll es ist, wenn jemand eine kritische Stelle bereits kennt – und vorsteigt. Auf Anhieb klappt es auch bei ihm nicht (mehr), denn diese Stelle der „Umgehung“ ist (auch) kaum leichter als UIAA III, nur kürzer. Den wohl einzig möglichen und entscheidenden Zug möchte ich beschreiben, wenn man oben auf dem kleinen Vorsprung steht (wir beide sind etwa 185 cm groß): Mit dem rechten Fuß steigt man rechts-hinten auf eine kleine Erhöhung und greift mit den Händen etwas über Kopfhöhe zwei passende Griffe. Dann wird der linke Fuß sehr(!) hoch an einer kleinen Schräge auf Reibung angesetzt und im Hochziehen mit den Armen der rechte Fuß unmittelbar darüber in eine kleine Aushöhlung nachgezogen. Anschließend sucht eine Hand eine höhere Griffmöglichkeit und zieht den Körper nach. Der weitere Verlauf ist dann wieder etwa UIAA II.

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Die Schlüsselstelle (mittleres Bild) der „Umgehung“ vom Absatz aus gesehen

An der Gratschneide angekommen (derz. Köpflsicherung) ist es erforderlich auf der Südseite einige Höhenmeter über schrofiges Gelände (I) abzuklettern, um einen Felszacken am Grat südseitig zu umgehen. Eine kleine Rinne wird gequert und gleich darauf arbeitet man sich in einer kleinen, trittarmen Rissverschneidung (III-) etwa zwei Meter hinauf, um darüber durch leichteres Gelände (II) die „Originalroute“ wieder zu erreichen.
Wir schauen uns von oben die andere Schlüsselstelle an und erkennen erst von hier die Ausgesetztheit und „psychische“ Tiefe dieses Wandls. Im Ausstiegsbereich gibt es einen alten Rosthaken mit gleichfarbigem Schraub(ketten)glied, es ist das einzige Sicherungseisen, das mir auf der ganzen Route begegnet.

Passend zur Beschreibung geht es nun weiter hinauf auf den Gipfel der Regalmspitze (2253 m; ca. 15:15 Uhr) – durch ihren großzügigen Gipfelbereich ein hervorragender Platz für eine ausgiebige Nachmittagspause. Seit Okt. 2014 gibt es ein neues (und trockenes) Buch, das relativ schnell durchgeblättert ist, denn sehr Viele kommen hier nicht herauf. Die meisten Einträge stammen von Überschreitungs-Aspiranten, der letzte Vermerk am 27.8.20 (19:00) jedoch von Robert aus Kufstoa, alias Hikr.>Landler<: „Feierabendtour auf Regalmspitz u. -wand“.
Am Ende dieser Doppelseite ist noch ausreichend Platz für unseren Eintrag – und bevor ich das Buch wieder in die Tüten verpacke huscht mir ein Schmunzeln übers Gesicht: Nun stehen wir beide - wenigstens im Buch - „auf gleicher Ebene“ wie der „Irre Hannes“, der kürzlich die (Fast) Umrahmung des Griesner Kars ab Lärcheck gemacht hat (ggfs. irrtümliche Datierung im GB mit 16.8.20 [wie Eintrag darüber] durch bereits einsetzende Dehydration??) – und sich kürzlich auch noch rund um Steinerne Rinne, Schneeloch & Hoher Winkel ausgetobt hat.

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Ein weiteres Regalptürmchen – ob da schon mal jemand droben gehockt ist?

Für den nächsten Abschnitt ist die Beschreibung treffsicher, allenfalls lässt sich ein weiteres (Schreck-)Erlebnis hinzufügen: Beim leichten Absteigen in eine schottrige Rinne greift relaxfex zu einem größeren Stein über sich, um sich daran unterstützend abzulassen, doch der hat keine echte Lust belastet zu werden, spaltet sich und mit weiterem Geröll sucht er nach der Erdanziehung – doch wird er erstmal vom Bein (bzw. dem Knie) gebremst, das unterhalb in einer kleineren Rinne steht. Autsch… Hier ist der Fels also etwas brüchig… Zum Glück war noch nicht viel Dynamik im Stein, es gibt eine Schürfwunde und ggfs. eine leichte Prellung. Nicht immer sieht man es den Steinen an, was sie im nächsten Moment vorhaben – aber ob dies bereits eine Auswirkung der nachlassenden Konzentration war?
Wenig später verzettele ich mich selbst an einem Riss, in dem ich hinauf zu klettern versuche, oben wackelt ein größerer Stein, ich trete den Rückzug an – und es poltert erneut etwas stärker, es riecht nach pulverisiertem Kalkstein…

Doch auch der nächste „Zwerg“ namens Regalpwand (2227 m; ca. 16:45 Uhr) ist bald unser. Das Gipfelbuch zeigt, dass hier wieder mehr Besuch herauf kommt, gibt es doch einen vergleichsweise einfachen und markierten Steig. Was zuvor nur angedeutet wurde wird hier besprochen: Für uns beide ist es die erste anspruchsvolle Kraxeltour des Jahres, die Überschreitung, überwiegend im Absturzgelände, verlangt fast ausnahmslos die volle Aufmerksamkeit und wir beide merken nun die nachlassende Konzentration. Es war auch bis hierher eine *****-Tour, für mich sowieso, deshalb entscheiden wir den nicht minder anspruchsvollen „Lückenschluss“ namens Törlwand auszulassen. Würde es der Tourenverlauf erfordern, wären bei uns die Reserven durchaus vorhanden, doch ein erhöhtes Risiko wollen wir nicht mehr eingehen, denn mit dem Alter wächst wohl nicht nur die Erfahrung, sondern auch die Vernunft.

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Kaiserlicher Ausblick – nicht nur phänomenal vom Kleinen Törl aus. Im linken Bildhintergrund ist der „Bimmler“ und rechts der Großvenediger erkennbar

Mit dem Erreichen des Gildensteigs steigen wir noch die wenigen Höhenmeter zum Kleinen Törl (2109 m) hinauf, um die andere Seite von Törlwand/Daumen in Augenschein zu nehmen. In einer Bildbeschreibung heißt es: „Die Überschreitung der Törlwand endet in einer ausgesetzten Abkletterstelle zur Scharte zwischen Törlwand und Daumen (Abseilmöglichkeit)“. Die Scharte ist tief in den Grat eingeschnitten und beidseits geht es bemerkenswert steil empor und hinunter – diese Ecke wollen wir uns bei einer anderen Bergfahrt in Ruhe ansehen.

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Rückblick vom Gildensteig hinauf zu Regalpwand und Regalmspitze

Fordert der Gildensteig anfangs noch erhöhte Aufmerksamkeit, so entwickelt er sich absteigend zunehmend zu einem Bergpfad – im Vergleich zu den letzten Stunden empfinden wir ihn fast wie eine Autobahn. Direkt an der Wildererkanzel vorbei gelangen wir gegen 19:00 Uhr im Licht der untergehenden Sonne wieder zur Regalm (1313 m) und lassen uns auf der Terrasse nieder – jeweils mit zwei „kühlen Blonden“ die Sonnenuntergangsstimmung in den Kitzbüheler Bergen und am Alpenhauptkamm betrachtend. Dabei sprechen wir über eine mögliche weitere Bergfahrt, die uns beide sehr interessiert – und auch mehr Eisen enthalten wird.
Bevor die Dämmerung der Nacht Platz macht, brechen wir auf und erreichen via unserem morgendlichen Anstiegsweg mit einsetzender Dunkelheit den Parkplatz. Wir haben uns heute hervorragend ergänzt, wobei mir klar ist, dass ich ohne relaxfex diese Tour auf Anhieb so nicht hätte machen können.  #danke1#

Offline abi

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Fein :)

Offline Bergautist

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    • Brombas Berge
 #gutgemacht# Das lässt einem doch das Bergsteigerherz wieder höher schlagen! :)


An alle roBergler: Bitte noch mehr solcher Berichte!!!