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Zireinsee: Von Steinberg durch das Schauertal

»Im Garten des Seefräuleins«


Das Rofan ist ein Gebirge der Gegensätze. Im Süden reichen sanfte Wiesenhänge bis zu den Gipfeln hinauf, gut erschlossen durch eine Seilbahn und ein dichtes Wanderwegenetz. Die Nordseite bricht dagegen fast senkrecht in eindrucksvollen Wänden ab, eine abweisende Felsbastion, die kaum einnehmbar scheint. Doch für den, der lange Wege nicht scheut, gibt es Schlupflöcher im Mauerwerk, steile Kare, die ins Innere der steinernen Burg mit einem ganz besonderen Schatz führen: Rund um den Zireinsee laden weiche Wiesenkissen zum Verweilen ein. Im klaren Bergwasser steht die glatt polierte Ostwand der Rofanspitze Kopf. Mückenbeine tupfen kleine Kreise auf den dunklen Seespiegel. Der Zireinsee ist ein kleines Paradies.
Kein Wunder, dass Hirten und Jäger so viel landschaftliche Schönheit dem Werk eines Seefräuleins zuschrieben. Sie soll das Ufer des Sees zu einem lieblichen Garten umgestaltet und die Forellen mit Goldkörnern gefüttert haben. Solche Körner fand man angeblich auch in den Mägen von Kühen, die ihren Durst im See gestillt hatten. Und Schafe sollen dort vom Trinken goldene Zähne bekommen haben.

Als wir nach einem kühnen Sprung ins kalte Wasser wieder am Wiesenstrand liegen, überzieht uns statt Goldglanz eine Gänsehaut. Wer nun denkt, er könnte im wohlig warmen Sonnenbad gefahrlos ins Reich der Träume gleiten, den belehrt die Sage eines Besseren. Es sei schon vorgekommen, dass ein Hirte, der am Ufer eingeschlafen war, in den See gezogen wurde.
Also Bergschuhe geschnürt und weiter gewandert, hinauf zum Marchgatterl und hinein in eine urzeitliche Berglandschaft mit gewaltigen Felsabstürzen, wie von Riesenhand hingeschleuderten Felstrümmern und kleine in Almwiesen eingebettete Wasseraugen. Vielleicht hatte auch hier eine Sagengestalt ihre Finger im Spiel.

Wer sich für die beschriebene Tour zwei Tage Zeit lassen will, kann auf der schön gelegenen Bayreuther Hütte (1576 m) übernachten. Zu ihr muss man allerdings knapp 300 Höhenmeter (1.15 Std.) absteigen. Einkehren lässt es sich zudem auf dem Enterhof und Durrahof (jeweils kleine Speisen und Getränke).

Zireinsee, im Hintergrund die Rofanspitze

Blick auf die Hochiss vom Marchgatterl


Kurzinfo:

Region:Brandenberger Alpen / Rofan
Tourenart:Bergtour (mittel)  
Dauer:7 Std. 45 Min.
Touristinfo:Steinberg am Rofan
Achensee

Anforderung:

Höhenunterschied:1050 m
Schwierigkeit:mittel
Lange Tour, die einige Kondition erfordert, dafür aber mit großartiger und größtenteils einsamer Berglandschaft belohnt. Sie verläuft im unteren Teil längere Zeit auf Fahrwegen, im oberen Bereich auf kleinen, unschwierigen Steigen. Der Anstieg durch das Schauertal ist steil, ebenso der Abstieg durch das Eselkar.
Kinder:Die Wanderung ist nur für ausdauernde Kinder geeignet.
Eine Übernachtung auf der Bayreuther Hütte sollte eingeplant werden. Dann bleibt genügend Zeit, am Zireinsee zu planschen, an den Felsblöcken beim Marchgatterl die Kletterkünste zu testen und das Vieh rund um die Almen zu beobachten.
Kinderwagen geeignet:Nein
Hunde:für Hunde geeignet

Einkehrmöglichkeit:

Bayreuther Hütte:
Pfingsten bis 2. Oktoberwochenende
Link zur Hütte ...mehr Info, hier klicken

Sonnwendjoch (Berghaus):
Mitte Juni bis Ende Oktober
Link zur Hütte ...mehr Info, hier klicken

Hinweis: Da wir die Öffnungszeiten, Übernachtungshinweise, etc. oft aus dritter Hand erhalten, kann es immer wieder vorkommen, dass die hier veröffentlichten Daten nicht mehr ganz aktuell sind. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich bitte vor Beginn einer Tour direkt bei der Hütte informieren (Telefon / Homepage).


Startpunkt:

Steinberg-Zentrum, 1007m


GPS-Wegpunkt:

N47 30.814 E11 48.070  [@google-maps]

Umweltfreundliche Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln:

Bahnhof Jenbach - Bus nach Achenkirch. Weiter mit der Buslinie 4080 bis Steinberg-Zentrum.

Mit dem Pkw:

Von München: Autobahnausfahrt Holzkirchen - Tegernsee - Achenpaß - Abzweigung in Achenkirch nach Steinberg
Vom Inntal: Inntalautobahn Ausfahrt - Wiesing Zillertal - Richtung Achenkirch - Steinberg.
In Steinberg Parkgelegenheit beim Feuerwehrhaus. Es gibt auch die Möglichkeit, ab Kramsach nach Brandenberg zu fahren und ab hier weiter über Aschau nach Steinberg. Allerdings ist die Verbindung zwischen Aschau und Steinberg nur einspurig (Gegenverkehr!) und im Winter nicht befahrbar. Diese Alternative sollte möglichst nicht benutzt werden, zumal man hier auch keine Zeitersparnis hat.


Ab Rosenheim: 105 Km / 1:20 Std
Ab München: 90 Km / 1:25 Std
Ab Bad Tölz: 45 Km / 0:45 Std
Ab Salzburg: 180 Km / 2:00 Std


Tourenplaner / Online-Fahrpläne:

hier klicken


Tourenbeschreibung:

Steinberg-Zentrum, 1007m


Zum Parkplatz an der Steinberger Ache: In Steinberg bei der Jausenstation Waldhäusl links auf das Sträßchen zum Durrahof abzweigen, bei der folgenden Verzweigung rechts zum Mühlbach hinunter und an ihm entlang zum Parkplatz bei einer Wegkreuzung (2,4 km ab Waldhäusl). Links (westlich) der Kirche, am Ende des Parkplatzes, auf die Zufahrt zum Haus Gana, dort auf Wanderweg und geradeaus ins Tal des Mühlbachs hinunter. Rechts auf der Fahrstraße zum Parkplatz (20 Min.).

Aufstieg:
Vom Parkplatz folgen wir dem asphaltierten Sträßchen geradeaus über die Steinberger Ache (Wegweiser »Durrahof, Schauertal, Rofan«) und steigen über dem Bachgraben bergauf. Durch eine Rechtskehre kommen wir zur Jausenstation Enterhof, wo zum ersten Mal – noch ein gutes Wegstück entfernt – die Nordabstürze des Rofans ins Blickfeld rücken. Wir passieren den Durrahof, halten uns an einer Verzweigung geradeaus und gehen ein zerklüftetes Bachtal aus. Der Weg teilt sich erneut: Nach rechts zeigt ein Schild ins Schauertal und zum Zireinsee. Wir wandern hoch über der Schlucht der Grundache zu den Wiesen der Kühlermahdalm, queren anschließend einen Bach mit einem Wasserfall und zweigen links auf einen schmalen Pfad ab. Er führt flach am bewaldeten Hang entlang, bis wir wieder auf einen Wegweiser treffen. Nun geht es links an einem Bach entlang bergauf. Ein steiler Pfad leitet schließlich über den Abhang hinauf zu einer Forststraße. Rechts gelangen wir zu einer Weggabelung und wählen den linken Fahrweg, der bald in einen Steig übergeht und entlang eines romantischen Bächleins bergauf führt. Über Steine balancierend folgen wir den Markierungen über den Bach und steigen über einen Rücken, der zwei Bachtäler voneinander trennt, zu den Wiesen der (unbewirtschafteten) Schauertalalm hinauf. Östlich der kleinen Almhütte überqueren wir einen Bach – die letzte Möglichkeit, sich zu erfrischen, bevor es richtig steil wird –, dann weist das Schild »Schauertalsattel« rechts bergauf.

Das Schauertal hat seinen Namen zu Recht: Schaurig heiß kann der Anstieg werden. Unzählige kleine Kehren schlängeln sich durch Latschen bergauf. 20 Min. unterhalb des Sattels sprudelt eine Quelle aus dem Boden. Anschließend geht es über einen abschüssigen Grashang in direkter Linie zum Schauertalsattel hinauf und jenseits am linken Rand einer sumpfigen Mulde entlang. Unser Steig trifft mit dem Weg, der von der Seilbahn-Bergstation am Sonnwendjoch herüberführt, zusammen und führt westwärts zum Ufer des Zireinsees, der richtige Platz zum Rasten und Genießen. Anschließend spazieren wir an seinem linken Ufer entlang und steigen über Almweiden und durch Latschen bergauf. Bei einer Gabelung zweigt links der Weg zur Bayreuther Hütte ab. Der Weiterweg führt rechts zum Marchgatterl hinauf. Dort, am höchsten Punkt der Tour, öffnet sich ein eindrucksvoller Blick über die Felsfluchten des Rofans. Ganz hinten streckt die Hochiss, der höchste Rofangipfel, ihre Felsnase in den Himmel. Links könnte man die Rofanspitze erklimmen.

Abstieg:
Für den Abstieg gehen wir geradeaus durch das Weidegatter zu einer Verzweigung. Etwas kürzer ist rechts der Weg über die Angeralm. Doch die Eindrücke beim Gang unter den Rofanwänden entlang sind so grandios, dass sich eine Zugabe lohnt. Dazu halten wir uns links und passieren kurz darauf die Marchalm, wo frisches Quellwasser den Durst löscht. Wir folgen dem Schild »Ampmoosalm« links bergab zur idyllischen, von Felsblöcken eingerahmten Hirschlacke, über der die Felsabstürze des Rofanturms in den Himmel wachsen. Anschließend steigen wir kurz zu einem Sattel unterhalb des Rofanturms hinauf, gehen oberhalb eines mit Felsblöcken gefüllten Kessels auf die Hochiss zu und wandern zur schindelgedeckten Ampmoosalm hinab. Der Weg wendet sich nun nach Norden und führt zwischen den Almhütten hindurch ins von Felswänden eingerahmte Eselkar. Immer steiler windet er sich zuerst durch Latschen, später durch Lärchenwald hinab und leitet schließlich über einen Bach. Kurz darauf queren wir einen flachen Wiesenboden und gelangen weiter absteigend zu einer Brücke. Wir bleiben dort auf der rechten Bachseite Richtung »Steinberg« und sind für den weiteren Abstieg auf Fahrwegen unterwegs. Eine Forststraße führt nach links über den Eselkarbach und hinunter ins Tal der Grundache. Bei einer Jägerhütte erreichen wir den Fahrweg nach Steinberg, der nun immer entlang der Grundache talauswärts verläuft. Bei Abzweigungen bleiben wir immer am Ufer der Grundache. Sie wendet sich nach Norden und hat in ihrem unteren Teil einen kleinen Canyon mit von Erosion zerfurchten Felswänden geschaffen. Dort, wo sie sich durch eine Klamm zwängt, wurde für die Straße ein Tunnel aus dem Felsen gesprengt. Anschließend hat man ihren Lauf mit Verbauungen gebändigt. Am Zusammenfluss von Grundache und Mühlbach sind wir wieder beim Parkplatz angelangt.
 
Variante:
Am schnellsten ist der Zireinsee von der Bergstation der Sonnwendjochbahn zu erreichen (45 Min.).
 
Alternative 1:
Alternativ bietet sich die kürzere Variante vom Sonnwendjoch an (s. »Variante«.)

Alternative 2:
zusätzlich möglich: Vom Marchgatterl auf die Rofanspitze (2259 m, 1 Std., Trittsicherheit).


Bademöglichkeit:

Eine erste Möglichkeit für Arm- und Fußbäder bietet das lauschige Waldbächlein unterhalb der Schauertalalm. Richtig abtauchen können Hartgesottene im Zireinsee und in der Hirschlacke.


Literatur:

Wanderführer:Wandern am Wasser - Bayerische Alpen
Bergseen - Schluchten - Wildbäche
von Baumann, Franziska

Karte:



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