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An ebenen Latschenfeldern durch die Sterntalfilze

»Große Rad-Rundtour durch die Moor- und Filzengebiete südl. von Rosenheim «


Das große Moor- bzw. Filzengebiet südwestlich von Rosenheim, hinter dem sich das Wendelsteinmassiv geradezu mächtig aufbaut, wird oftmals übersehen und nicht oft besucht. Ein Grund ist sicher der Mangel an (markierten) Wegen, ein anderer auch das bis vor Kurzem hier teilweise noch industriell Torf abgebaut wurde. Nichtsdestotrotz ist es eine der spannendsten Landschaften in der Region, denn durch die Renaturierung großer Bereiche ist das Erscheinungsbild fortwährenden Veränderungen unterworfen. Große Teile wurden und werden wieder eingestaut, sprich sie füllen sich mit Wasser, und so entstanden und entstehen große Seen bzw. Feuchtbiotope. Mitunter bestimmt aber der neue Wasserspiegel auch die Wandermöglichkeiten, ein sehr schöner Moorsee in der Abgebrannten Filze ist z.B. nicht mehr trockenen Fußes erreichbar. Daneben versprüht die Weite, sowie die Kargheit und Ödnis der Landschaft ihr ganz eigenes Flair. Vergleichbare Landschaftsformen finden sich erst wieder südlich des Chiemsees.

Diese große Rundtour führt uns ins Herz des Moores.

Es handelt sich nicht um einen offiziellen Radweg, vermutlich aus Versicherungsgründen steht ein Radverbots-Schild am Anfang des Weges. Aufgrund des teils sumpfigen Weges sehr verständlich. Die Durchquerung des Moores sollte also genau abgewägt werden. Zu Fuß ist die Wanderung zu lang, da man sich im der zweiten Teil der Tour ab der Moorerlebnisstation für ca. 9 km hauptsächlich auf Autostraßen bewegt. Es besteht aber die Möglichkeit, vor Beginn der Tour am Parkplatz (Kfz-Zufahrt nur mit Behindertenausweis) bei der Station ein Fahrrad abzustellen (Google Maps: N47° 46.898' E12° 02.805'). Weitere Alternative für Fussgänger: den gleichen Weg zurückgehen dauert ca. 1,5 Stunden.

Der garantiert nasse, aber dafür urtümlichste Teil der Runde mitten durch die Sterntalfilze.

Blick vom Aussichtshügel der Moorstation nach Osten auf die wieder vernässte Kollerfilze. Der Riesenberg im Hintergrund.


Kurzinfo:

Region:Bayerische Voralpen
Tourenart:Wanderung  
Dauer:je nach Variante von 20 bis 120 Minuten
Touristinfo:Rosenheim
Weblinks:LIFE Natur Projekt Rosenheimer Stammbeckenmoore

Anforderung:

Höhenunterschied:nahezu keiner
Streckenlänge:14,5
Schwierigkeit:mittel
Der sumpfige Teil der Tour ist nicht jedermanns Sache, man sollte sich vorher genau überlegen auf was man sich da einlässt.

Startpunkt:

Wasserwiesen zwischen Pang und Bad Feilnbach, 462m


GPS-Wegpunkt:

N47 48.856 E12 02.876  [@google-maps]

Mit dem Pkw:

Die Autobahn A8 München - Salzburg bei der Ausfahrt Rosenheim verlassen und von dort in Richtung Rosenheim. Kurz nach der Eisenbahnunterführung links in Richtung Pang fahren, von dort in Richtung Bad Feilnbach. Wasserwiesen befindet sich ca. 2,4 km nach dem Ortsende von Westerndorf bei Pang. Es gibt keinen offiziellen Wanderparkplatz, beschränkte Parkmöglichkeiten.


Ab Rosenheim: 10 Km / 0:15 Std
Ab München: 55 Km / 0:40 Std
Ab Bad Tölz: 40 Km / 0:40 Std
Ab Salzburg: 90 Km / 1:00 Std


Tourenplaner / Online-Fahrpläne:

hier klicken


Tourenbeschreibung:

Wasserwiesen zwischen Pang und Bad Feilnbach, 462m


Los geht die Rundtour an den sogenannten "Wasserwiesen", große Fischteiche an der Strasse Westerndorf. Hier zweigt genau bei den Häusern ein Sträßchen nach Süden ab, das zwischen den Fischteichen, an einem Futtersilo vorbei in den Wald führt. Schon bald lichtet sich der anfangs noch dichte Fichtenforst und man gelangt in die Moorregion der "Abgebrannten Filze". Hier sind links und rechts noch alte Torfstecherhütten vorhanden, wer will kann einen Abstecher auf Stichwegen zu Fuß dorthin unternehmen.

Nun heisst es Absteigen und es beginnt der Teil der Strecke, an dem wir einmal testen können, wie viel das Goretex- Material an den Schuhen so aushält. So ganz ohne Fluchen wird wohl keiner die Durchquerung der Sterntalfilze schaffen, auch die Räder werden ordentlich "gewässert" werden - versprochen. Gleichzeitig befindet man sich hier aber in einem sich noch in seinem Ursprungszustand befindlichem Teil des Moores, dessen spröde Landschaft beeindruckend ist.

Nach einem kurzen Waldstück erreicht man einen markierten Querweg, dem wir nach links folgen. Zunächst heisst es noch "Schieben" denn zahlreiche Wurzeln machen das Radeln unmöglich - Immerhin befindet man sich aber wieder auf trockenem Boden. Bald ist der Weg wieder fahrbar, man hält sich zunächst südlich, bei einem Abzweig eines breiten Feldweges dann links in östliche Richtung. Bald trifft man wieder auf einen Fahrweg, dem man wenige Meter nach Links folgt.

Hier, am südlichen Rand der Kollerfilze, befindet sich die erst 2009 eröffnete "Moorerlebnisstation". Mittels Bohlenwegen kann man zu einem Aussichtshügel, einer Vogelbeobachtungsstation, sowie einem "Urwald der Sinne" gelangen. Bänke und Tische, sowie "hölzerne Hängematten" laden zum Verweilen ein.

Zurück zum Ausgangspunkt geht es dann über Kleinholzhausen und Großholzhausen nach Spöck. Von dort entlang der Fahrstraße über Nicklheim bis kurz vor die Autobahn, Hier wenden wir uns links und kommen zurück zum Ausgangspuntk unserer Wanderung.


Flora und Fauna:

Hochmoore (bayer. „Filze“) gehören aufgrund ihrer Standortbedingungen zu den extremsten Lebensräumen Mitteleuropas. In den sauerstoffarmen und extrem sauren Böden werden absterbende Torfmoose (Sphagnum) und andere Pflanzenreste nicht zersetzt und bauen sich zu immer mächtiger werdenden Torfschichten auf („Hochmoor“). Diese sind über den mineralreichen Grundwassereinfluss herausgewachsen und werden ausschließlich von Niederschlägen gespeist.

An die extreme Nährstoffarmut sind nur spezielle Pflanzen- und Tierarten angepasst, wie z.B. Sonnentau (Drosera spec.) und Wasserschlauch (Utricularia spec.). Als fleischfressende Arten haben sie Techniken zum Fang von Kleinstlebewesen entwickelt und sich damit eine zusätzliche Nahrungsquelle erschlossen.

Nur noch rund 5% der Hochmoore in den Stammbeckenmooren sind noch naturnah und nicht von ehemaligem Torfabbau und Entwässerung betroffen. Seltene nässebedürftige Pflanzen- und Tiergemeinschaften wurden in den letzten Jahrzehnten durch trockene Heiden und Moorwälder verdrängt.

Bei den „Rosenheimer Stammbeckenmooren“ handelt es sich mit insgesamt ca. 43 km² um einen der größten Moorkomplexe Bayerns und Süddeutschlands. Europaweite Bedeutung erlangt das Gebiet aufgrund der Größe, der relativen Naturnähe, der engen Verzahnung bedrohter Feuchtlebensräume und des Vorkommens besonderer Tier- und Pflanzenarten wie z.B. Lachmöwen und Schwarzhalstaucher, Schwarzstorch (Ciconia nigra), Sperlingskauz (Glaucidium passerinum), Brachvogel (Numenius arquata), Blau- und Schwarzkehlchen (Luscinia svecica, Saxicola rubicola).

Als Besonderheit gibt es in der Sterntalfilze ebene Latschenfelder zu begutachten.


Geologie:

Auf dem Höhepunkt der letzten Eiszeit vor etwa 20.000 Jahren waren die Rosenheimer Stammbeckenmoore von dem riesigen Inngletscher bedeckt. Nur die Spitze des Wendelsteins und andere besonderes hohe Nachbarberge ragten als Felsinseln heraus. Der Gletscher schürfte den Untergrund auf und transportierte Gesteins- und Erdmassen als Moränenschutt zu seinem Gletscherrand. Diese blieben nördlich von Wasserburg als Endmoräne liegen.

Nach der Eiszeit stauten die Moränenzüge die Schmelzwasser des Gletschers zu einem 50 km langen See von der Größe des Bodensee auf. Es entstand der Rosenheimer See.

Viele in den See mündende Gletscherbäche ließen feine Tonpartikel, die in den Alpen ausgewaschen wurden, auf den Seeboden herabregnen. Gleichzeitig nagte sich der „Ur“-Inn vor rund 12.000 Jahren durch die Endmoräne durch und ließ den mächtigen See auslaufen.

Weil das Regenwasser im trocken gefallenen tonigen Seeboden nicht versickerte, bildete sich zunächst eine Sumpflandschaft mit Bruchwäldern und Schilfröhrichten. Aus der absterbenden Vegetation bildete sich allmählich ein Niedermoor.

Die weitere Moorentwicklung erfolgte über die massenweise Ausbreitung von Torfmoosen. Im Laufe der Jahrtausende entstand so hier über dem ehemaligen Rosenheimer See eines der größten voralpinen Hochmoorkomplexe mit bis zu 10 m hohen Torfschichten.


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 Autor: Abseits-Aufwärts   zum Blog von Abseits-Aufwärts