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Über den Stuhljochgrat zum Funtenseetauern

»Der Traumgrat am größten Bergmassiv des Steinernen Meeres«


Das Steinerne Meer wurde schon oft bildhaft beschrieben: als weite Hochfläche, als zu Stein erstarrte Wellenlandschaft, als traurige Öde karstiger Weiten. Wer dort oben einmal über die endlosen Felsplatten gewandert und weglos bald hier, bald dort wie ein Entdecker durch das zerfurchte Niemandsland »gestreunt« ist, vielleicht Versteinerungen gefunden und stundenlang keinen Menschen getroffen hat, der kann sich in der Tat inspiriert fühlen, das »Meer im Gebirge« zu erkennen und mit lyrischen Worten zu beschreiben. Und dennoch ist das Steinerne Meer nicht nur felsiger Ozean, nicht nur flache Wüste – in seiner Mitte erhebt sich ein Bergmassiv, das alle anderen Plateauberge zwar nicht an Höhe, wohl aber an Mächtigkeit übertrifft und einsam über der riesigen Fläche thront: der Funtenseetauernstock. Sein höchster Punkt, der Funtenseetauern, ist der sechsthöchste Gipfel des Steinernen Meeres, eines der ganz großen Tourenziele in den Berchtesgadener Alpen und dennoch recht wenig frequentiert. Der Aufstieg über das Stuhljoch ist mühsam und führt zunächst über endlose Steilwiesen mit weidenden Schafen. Zuletzt gibt es mit dem Stuhljochgrat einen der reizendsten, aber auch kürzesten Felsgrate der Berchtesgadener Alpen.

Ein altes Hüttchen unweit des Funtensees, hinten der Große Hundstod.


Kurzinfo:

Region:Berchtesgadener Alpen
Tourenart:Bergtour (schwer)  
Erreichte Gipfel:Funtenseetauern 2578 m
Dauer:insgesamt 7 Std.
Kärlinger Haus – Stuhljoch 2:30 Std., Funtenseetauern 1 Std., Abstieg zum Kärlinger Haus oder zur Wasseralm 3 Std.; insgesamt rund 7 Std.
Beste Jahreszeit:Juli bis Oktober
Touristinfo:Berchtesgaden

Anforderung:

Höhenunterschied:1000 m
Schwierigkeit:schwer
Der Weg auf den Funtenseetauern ist schwach markiert, oft steil und am Stuhljochgrat ziemlich ausgesetzt. Der optionale Abstieg zur Wasseralm ist teilweise nur mit Steinmännern markiert und erfordert guten Orientierungssinn. Gute Kondition, absolute Schwindelfreiheit und Trittsicherheit erforderlich, ausreichend Getränke mitführen!

Einkehrmöglichkeit:

Kärlingerhaus:
geöffnet in der Regel von Mitte Mai bis Mitte Oktober.
Link zur Hütte ...mehr Info, hier klicken

Hinweis: Da wir die Öffnungszeiten, Übernachtungshinweise, etc. oft aus dritter Hand erhalten, kann es immer wieder vorkommen, dass die hier veröffentlichten Daten nicht mehr ganz aktuell sind. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich bitte vor Beginn einer Tour direkt bei der Hütte informieren (Telefon / Homepage).


Startpunkt:

Schönau, Großparkplatz Königssee, 603m


GPS-Wegpunkt:

N47 35.569 E12 59.247  [@google-maps]

Umweltfreundliche Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln:

Mit der Bahn bis nach Berchtesgaden. Vom Bahnhof Berchtesgaden gelangt man mit den Bussen der RVO nach Königssee (Linie 9541 und 9539) und Schönau (Linie 9543, 9546, 9539 und 9545).

Mit dem Pkw:

Aus dem Norden, Westen oder Osten über die Bundesautobahn A8 München-Salzburg, Ausfahrt Bad Reichenhall, dann die B20 bis zum Königssee. Von Süden über die Tauernautobahn, Ausfahrt Salzburg Süd, dann die B305 nach Berchtesgaden und die B20 zum Königssee.


Ab Rosenheim: 100 Km / 1:15 Std
Ab München: 165 Km / 1:40 Std
Ab Bad Tölz: 145 Km / 1:40 Std
Ab Salzburg: 30 Km / 0:30 Std


Information:

Info Königsseeschifffahrt, Tel. +49/8652/96 36 18, www.bayerische-seenschifffahrt.de. Die ersten Schiffe verkehren um 8 Uhr (Hochsaison; Nebensaison 8.30 Uhr). Die Überfahrt nach St. Bartholomä dauert etwa 35 Min. und kostet als einfache Fahrt 7,50 € (Stand 2015).

Tourenplaner / Online-Fahrpläne:

hier klicken


Tourenbeschreibung:

Schönau, Großparkplatz Königssee, 603m


 

Zum Ausgangspunkt Kärlinger Haus:
Mit Bus oder Auto zum Königssee, weiter mit dem Schiff nach St. Bartholomä oder Salet; von hier Zustieg zum Kärlinger Haus, 1630 m
 

Auftakt am Funtensee:
Vom Kärlinger Haus wandern wir zunächst zum Funtensee hinunter und östlich an ihm vorbei. Das Rauschen an der letzten Engstelle zwischen See und Steilflanke war den Sennern früher ungeheuer: Der Leibhaftige, so die Sage, mahle in den Tiefen des Gebirges Steine, um Silbertaler daraus zu machen und arglose Menschen damit zu verführen. Die Wissenschaft hat nicht weniger Bemerkenswertes zur Teufelsmühle zu berichten: Das Wasser, das hier aus dem Funtensee abfließt, gelangt nach Abertausenden von unterirdischen Windungen und Wirrungen schließlich in den Königssee – und braucht dazu knapp drei Stunden, wie Messungen ergeben haben. Gleich nach der Stelle mit dem verborgenen Dröhnen treffen wir auf eine Verzweigung: Der rechts weiterführende Weg ist die »offizielle« Route auf den Funtenseetauern und verläuft in Richtung Baumgartl. Wir folgen ihm, gehen bei der nächsten Verzweigung an Punkt 1721 links (östlich) ab und bleiben bei der bald folgenden dritten Weggabelung am unteren Ende des Stuhlgrabens wiederum links (östlich).

Steile Wiesen am Stuhljoch:
Nun ist es mit dem beschaulichen Zustieg zur Stuhlwand vorbei: Der Pfad führt steil bergauf und überwindet in nordöstlicher Richtung die gewaltige Grasflanke, die sich über fünfhundert Höhenmeter zum Stuhljoch hinaufzieht. Im Sommer kann die Begegnung mit weidenden Schafen eine Abwechslung im beschwerlichen Aufstieg sein. Der tiefe Sinngehalt des aus dem Mittelalter überlieferten früheren Namens des Steinernen Meeres, »Verlorene Weid«, wird angesichts der grasenden Tiere noch einmal fasslich. Unterhaltsam ist der Weg aufgrund der großartigen Aussicht zu Watzmann und Königssee ohnehin. Zuletzt führt er in die Scharte am Beginn des Stuhljochgrats. Das gleichmäßige Dahinsteigen ist dort abrupt beendet, und ein ausgesetzter Grat muss überquert werden. Trittsichere und schwindelfreie Bergsteiger können aufrecht darüber wandern und empfinden sogar Freude beim Begehen dieser markanten Linie. Doch der Genuss währt nicht lange: Schon bald stumpft die scharfe Schneide zu einem breiten Rücken ab, auf dem es dann überraschend flach und entspannt in Richtung Gipfel geht. Auffällig ist hier das reichlich vorhandene rote Gestein, das an verschiedenen Stellen im Steinernen Meer vorkommt und manchen Orten wie dem Rotwandl den Namen gegeben hat. Der höchste Punkt des Funtenseetauerns mit Gipfelkreuz und Königsseeblick ist ein besonderer Ort: Rundherum scharen sich die Gipfel des Steinernen Meeres, ja überhaupt der Berchtesgadener Alpen. Wir stehen auf einem wirklich hohen, zentralen Gipfel!

Hinab ins grüne Tal:
Die Überquerung des Stuhljochgrats erfordert natürlich auch auf dem Rückweg Achtsamkeit und einen sicheren Tritt. Wenn es dann an den Abstieg über die steilen Wiesen geht, fallen wieder neue Details ins Auge, die auf dem Hinweg vielleicht übersehen wurden. Besonders faszinierend sieht der Funtenseekessel aus: Rund um den kleinen See sind zwei Baumgrenzen erkennbar, eine nach oben und eine nach unten. Die obere ist die bekannte, durch die Höhenlage bedingte Grenze. Die Baumgrenze zum See hin resultiert wahrscheinlich nicht nur aus den Kaltluftmassen mancher Nächte, die den Bäumen das Überleben erschweren, auch andere Gründe sind dafür maßgeblich, zu denen die Bodenveränderungen durch die erst 1964 eingestellte Almwirtschaft gehören. Jedenfalls ist es ein schönes und lehrreiches Erlebnis, aus der steinigen Hochgebirgslandschaft über die Grashänge wieder in den Wald hinabzusteigen, die verschiedenen Vegetationszonen zu durchqueren und zum Funtensee zurückzukehren. Wer weiß, vielleicht endet die Tour dort ja mit einem erfrischenden Bad!

Die idyllische Wasseralm:
ist natürlich ebenfalls ein Ziel, das man auf dem Funtenseetauern ins Auge fassen kann. Diese ehemals markierte Route führt vom Gipfel südlich hinab und dann östlich zwischen der Steinigen Grube und dem Graskopf hindurch. Letzterer ist ohne Schwierigkeiten weglos erreichbar. Über gewaltige Felsplatten und wild zerrissenes, ödes Gelände geht es dann zwischen Graskopf und Leiterkopf in den Kessel hinab, der in vielen Karten »Unsinniger Winkel« heißt. Der eigentlich »unsinnige« oder »unsünnige«, also sonnenlose Winkel ist jedoch die steile nordöstliche Rinne direkt zwischen Funtenseetauern und Graskopf. Auch sie wird ab und zu begangen, was jedoch aufgrund ihrer Steilheit und Vereisung einer Hochtour gleichkommt. Zuletzt führt der teilweise schlecht erkennbare Steindaubenweg an den Wänden des Hochecks vorbei und mündet in den Weg zwischen der Blauen Lacke und der Wasseralm

Varianten:
Rund um den Funtensee gibt es infolge der früheren almwirtschaftlichen Nutzung und auch wegen der zentralen Lage eine Vielzahl kleinerer Wege und Pfade. Kenner der Gegend wählen beim Aufstieg zum Funtenseetauern gerne zwischen diversen Wegvarianten, die in den guten topographischen Karten großenteils verzeichnet sind. Beliebt unter Einheimischen ist auch das weglose Ledererkar, im Winter oder Frühjahr vor allem als Skiabfahrt. Es ist sowohl von unten als auch von der Gipfelregion (Punkt 2512 der AV-Karte) aus leicht zugänglich und wird ab und zu als sehr abwechslungsreicher Abstieg einer Funtenseetauern-Tour genutzt. Steigt man zur Wasseralm ab, können mit dem Graskopf, dem etwas anspruchsvolleren Leiterkopf und dem Hocheck unterwegs gleich drei Erhebungen bestiegen werden. Wie immer gilt natürlich bei all diesen Unternehmungen: Wanderer, die sich mit schmalen Steigen, weglosem Blockgelände und der Orientierung schwer tun, sollten die markierten Routen auf keinen Fall verlassen.


Literatur:

Bergführer:Vergessene Pfade um den Königssee
32 außergewöhnliche Touren abseits des Trubels
von Burghardt, Joachim
Karte:Alpenvereinskarte 10/1
Steinernes Meer
von Alpenverein