Frozen Church


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Hochstaufen

»Nordanstieg über den Frillensee«


Das Massiv des Hochstaufen, das sich zwischen Inzell und Bad Reichenhall erstreckt, ist sehr markant - nicht nur durch seine steil nach allen Seiten hin abfallenden Flanken, sondern auch durch seine leuchtend weiße Farbe. Auf der Nordseite befindet sich der auf 922 m liegende Frillensee, in dessen klarem Wasser sich das Bergmassiv spiegelt. An seiner Nordseite, an der der Frillenseebach ausfließt, hat sich ein Moor mit schützenswertem Arten- und Pflanzenreichtum gebildet.

Das Reichenhaller Haus, das kurz unterhalb des Gipfels steht, konnte im Jahr 2002 sein 100-jähriges Bestehen feiern. Bis heute gibt es weder eine Zufahrtsstraße noch eine Materialseilbahn, so dass die Versorgung durch den Wirt persönlich sichergestellt wird, der die Lebensmittel in der Kraxn über den Nordanstieg zur Hütte bringt (allerdings ergänzt durch Hubschraubertransporte). Wer kann, sollte also der Aufforderung der Wirtsleute Folge leisten und den einen oder anderen Holzscheit mit hinauftragen.

Direkt über dem Frillensee mit seinem glasklaren Wasser ragt die Dunklwand empor; dahinter erhebt sich der Hochstaufen, der den östlichen Abschluss des Staufenmassivs bildet.


Kurzinfo:

Region:Chiemgauer Alpen
Tourenart:Bergtour (mittel)  
Erreichte Gipfel:Hochstaufen 1771 m, Mittelstaufen 1657/1618 m, Zennokopf 1756 m, Zwiesel 1782 m
Dauer:insgesamt ca. 8 Stunden; Aufstieg zum Hochstaufen knapp 3 Stunden; Gratüberschreitung bis zum Zwiesel nochmals 3 Stunden; Abstieg über den Zwieseler Steig nach Adlgaß ca. 2 Stunden
Beste Jahreszeit:Ende Mai bis Ende November
Touristinfo:Inzell
Sehenswertes:Der Frillensee auf 922 m Höhe am Fuß des Hochstaufen gilt als einer der kältesten Seen Mitteleuropas. Bis zum Bau des Eisstadions 1965 in Inzell war er Trainigs- und Wettkampfplatz der Eisläufer. Eine Tafel zeugt heute noch davon.
Sehenswert ist auch die Staufenkapelle neben dem Reichenhaller Haus, die 1929 geweiht wurde.

Anforderung:

Höhenunterschied:ca. 1400 m
Schwierigkeit:mittel
mittel bis schwer; Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich; die Überschreitung zum Zwiesel ist teilweise ausgesetzt mit leichten Klettereinlagen (I nach UIAA), der Weg ist stellenweise mit Drahtseil versichert

Einkehrmöglichkeit:

Reichenhaller Haus (Staufenhaus):
Mitte Mai bis Mitte Oktober geöffnet
Link zur Hütte ...mehr Info, hier klicken

Hinweis: Da wir die Öffnungszeiten, Übernachtungshinweise, etc. oft aus dritter Hand erhalten, kann es immer wieder vorkommen, dass die hier veröffentlichten Daten nicht mehr ganz aktuell sind. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich bitte vor Beginn einer Tour direkt bei der Hütte informieren (Telefon / Homepage).


Startpunkt:

Forsthaus Adlgass, 789m


GPS-Wegpunkt:

N47 46.470 E12 47.822  [@google-maps]

Mit dem Pkw:

Autobahn München - Salzburg Ausfahrt Inzell, oder über B 306 bis Inzell, in der Ortsmitte auf Höhe der Kirche nach links auf die Adlgaßer Straße; am Ende der Straße, kurz nachdem der Weg rechts zum Gasthaus Adlgaß abzweigt, liegt am Ende der Straße der Wanderparkplatz.


Ab Rosenheim: 60 Km / 0:45 Std
Ab München: 115 Km / 1:15 Std
Ab Bad Tölz: 100 Km / 1:15 Std
Ab Salzburg: 40 Km / 0:40 Std


Tourenplaner / Online-Fahrpläne:

hier klicken


Tourenbeschreibung:

Forsthaus Adlgass, 789m


Parkplatz Adlgaß (800 m) bis Frillensee (922 m):
In Verlängerung der Straße führt ein Forstweg Richtung Osten. Der Weg zum Frillensee (Nr. 14) ist gut ausgeschildert und führt mit leichter Steigung am Frillenseebach entlang. Nach ca. 1/2 Stunde kommt man an den klaren, stillen See, der von Laubwald umgeben direkt am Fuß des Hochstaufen liegt. Es lohnt sich, einen kurzen Abstecher zur Nordseite des Sees zu machen, um den Blick zum Massiv des Hochstaufen zu genießen.

Frillensee (922 m) - Hochstaufen (1771 m):
Kurz vor dem Südende des Sees zweigt an der Ostseite der Weg Richtung "Hochstaufen, Reichenhaller Haus, Steineralm" links ab. Zunächst geht es flach durch Laubwald, unterbrochen von einem kurzen, steilen Anstieg. Nach ca. 20 Minuten trifft man auf eine Forststraße, auf die man nach rechts einbiegt (immer dem Wegweiser folgend). Nach weiteren 40 Minuten endet die Forststraße am "Bayerischen Stiegel", das von der Steineralm heraufführt. Ab hier geht es auf einem schmalen Steig zunächst noch durch Wald, später durch schrofiges und felsiges Gelände über den Nordwestkamm des Hochstaufen zu dessen Gipfel, den man erst auf den letzten Metern vor sich sieht. Beim Aufstieg und vom Gipfel hat man immer wieder herrliche Blicke ins Tal und auf das Massiv des Zwiesel und Gamsknogel.

Hochstaufen (1771 m) - Mittelstaufen (1657/1618 m) - Zennokopf (1756 m) - Zwiesel (1782 m):
Vom Hochstaufen steigt man zunächst zum 1750 m hoch gelegenen Reichenhaller Haus ab, neben dem auch die Kapelle liegt. Man folgt weiter dem Weg abwärts Richtung Bartlmahd/Padinger Alm, bis nach ca. 20 Minuten in einem Felseinschnitt der markierte und gesicherte Steig zum Mittelstaufen nach rechts abzweigt. Der Steig führt fast direkt nach oben und nach etwa 10 Minuten steht man am Gipfelkreuz. Von hier aus geht es im ständigen Auf und Ab über Felstürme hinüber oder um sie herum. Der Weg ist schmal, teilweise ausgesetzt, stellenweise mit Drahtseil versichert und immer wieder mit leichten Klettereinlagen durchsetzt. Vom Weg aus sieht man rechts direkt am Fuß des Berges den Frillensee und die dahinterliegende Gassalm liegen. Nach der Roßkarscharte steigt der Weg dann endgültig durch Schrofengelände - zunächst in Serpentinen, am Ende direkt - die letzten 200 Höhenmeter zum Zennokopf an. Von hier sind es noch 5 Minuten bis zum Zwiesel, den man nach insgesamt 2,5 - 3 Stunden erreicht.

Über den Zwieseler Steig zurück nach Adlgaß:
Vom Gipfelkreuz geht man weiter auf den westlich liegenden Gamsknogel zu. Nach etwa 15 Minuten erreicht man nach einem kurzen steilen Abstieg den Einschnitt zwischen den beiden Gipfeln. Rechts führt der Zwieseler Steig auf der Nordseite des Zwiesel nach Adlgaß zum Ausgangspunkt zurück. Der Steig, auf dem man zügig an Höhe verliert, führt zunächst durch Fels, später durch Latschen und Lerchen. Immer wieder sieht man unterhalb den Frillensee und das Gasthaus Adlgaß liegen. Im Wald wird der Weg flacher und zieht sich in langen Serpentinen hin, bis er am Ende wieder steiler nach unten führt. Nach etwa 1 1/4 Stunden erreicht man nacheinander zwei Forststraßen, die man jeweils quert und folgt dem Wegweiser nach Adlgaß, das man nach weiteren 30 Minuten erreicht.


Flora und Fauna:

Wer im Frühjahr zur richtigen Zeit an den Frillensee kommt, der kann ein Schauspiel der Natur beobachten und Hunderte von Fröschen quaken hören.


Geologie:

Der gesamte Staufen-Komplex besteht aus weiß-leuchtendem Wettersteinkalk, in Schichten zum Tal hin aus Muschelkalk.
Im Bereich zwischen Hochstaufen und Hinterstaufen, direkt südlich des Mittelstaufen, gibt es das Bartlmahd, das letzte Wiesen- und Weidestück, ehe der Berg entgültig felsig wurde.Im 17. Jahrhundert wurde am Staufen Bergbau betrieben, insbesondere wurden Galmei (Zinkerz) und Blei abgebaut. Die Vorräte waren jedoch bald erschöpft. Einen Stollen, den Doktor-Oswald-Stollen gibt es noch ca. 60 m unterhalb des Gipfels.

Die Schwarmbeben vom Hochstaufen

Mitte Juli des Jahres 2005 wurden im Bereich des Hochstaufen rund 30 kleine Erdbeben gemessen, die allerdings meist so schwach waren, dass sie nur von empfindlichen Messgeräten der Seismologen registriert werden konnten, aber nicht von den Bewohner der Gegend. Doch bereits früher wurden derartige Beben registriert, oft auch in größerer Anzahl, wie z.B. an die 600 im August 2002. In Fachkreisen nennt man sie „Schwarmbeben“.

Erdbebenforscher haben Ende Juli 2005 durch Hochwasser in Unterwössen und Reit im Winkl den Grund für die Erdbeben herausgefunden: Das Berchtesgadener Land ist ja seit langer Zeit für seine hohen Salzvorkommen bekannt. Auch innerhalb des Hochstaufen gibt es Salzschichten, die bei starkem und andauernden Regen ausgespült werden. Dadurch kann es zu Verschiebungen innerhalb des Berges kommen, die nach außen hin als Erdbeben registriert werden. Zwischen Regen und Beben vergehen in der Regel einige Tage.

In Fachkreisen hat diese Erkenntnis auch Auswirkungen auf andere Region der Erde, so z.B. die Türkei, wo es bekanntlich hohe Salzvorkommen aber auch häufige Erdbeben gibt.


Literatur:

Alpenvereinsführer:Alpenvereinsführer Chiemgauer Alpen
von Zebhauser, Marianne und Helmuth
Bildband:Chiemgauer Alpen
Wasser - Moore - Wälder - Felsen
von Zebhauser, Helmuth

Galerie:

Weitere schöne Bilder sind in unserer Fotoshow

Diashow:

Video:


Historisches:

Am 23. September 1993 wurden die damaligen Wirtsleute Opfer eines Raubmordes.

Das Traunsteiner Tagblatt schreibt dazu unter anderem in seiner Ausgabe 43/2006:
Der Mord am Hochstaufen hat ein kleines Stück dieser Welt zum Schlechteren verändert. Er hat das sinnlose Opfer von zwei unschuldigen Menschen gefordert und das Leben der Mörder gezeichnet. Nach der Tat machen sich die Mörder über ihre Beute her. 1500 DM holen sie aus der Hüttenkasse. Lebendmittel, Getränkedosen und einen Fotoapparat gehören noch zu ihrer Beute. Dann steigen sie über die Nordseite des Berges ab. Ihre abenteuerliche Flucht führt sie über Salzburg und Graz in das heimatliche Kroatien. Am 5. Oktober 1993 werden sie in Zagreb festgenommen. Der internationalen Zusammenarbeit der Polizei ist dieser rasche Fahndungserfolg zu verdanken.

Vollständiger Bericht


 Autor: Text und Fotos: Bettina Bauer, Rosenheim