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roBerge.de

Auf den »Rigi Schwabens«, den Auerberg

Römer, Kirchen und ein traumhaftes Panorama

Es gibt keine ältere römische Siedlung in Bayern als Damasia auf dem Auerberg, das vom antiken Geschichtsschreiber Strabo in einem Atemzug mit Kempten/Cambodunum genannt wird. Wohl wegen der für die Römer zu harten klimatischen Verhältnisse wurde Damasia, die »Akropolis am Lech«, allerdings nach zwei Generationen wieder aufgegeben. Nichtsdestoweniger ist dieser Platz bedeutsam und kam nach einer gewissen Zeit, die noch unerforscht ist, als Pilgerstätte der umliegenden Bevölkerung wieder zu Ehren. Es kann also nicht mit Sicherheit behauptet werden, dass auf dem Auerberg eine ununterbrochene Siedlungs- oder Kultkontinuität besteht, aber Ehrfurcht gebietend ist es schon, sich vorzustellen, dass hier vor mehr als 2000 Jahren auch schon Menschen das gleiche atemberaubende Panorama auf die Alpen genossen haben wie wir, wenn wir auf dem Turm der schmucken Georgskirche stehen, die das Ziel unserer Wanderung darstellt. Mit sehr viel Liebe ist der Weg von Bernbeuren hier herauf gestaltet und auch Kindern wird es auf dieser Tour bestimmt nicht langweilig.
Einkehrmöglichkeit: Panoramagasthof auf dem Auerberg.


Römerlehrpfad auf den Auerberg, Foto (c) Susanne und Walter Elsner

Römerlehrpfad auf den Auerberg, Foto (c) Susanne und Walter Elsner

St. Georg am Auerberg, Foto (c) Susanne und Walter Elsner

St. Georg am Auerberg, Foto (c) Susanne und Walter Elsner


Kurzinfo:

Region:
Alpenvorland
Tourenart:
Wanderung
Dauer:
3 Std.

Anforderung:

Höhenunterschied:
300 m
Streckenlänge:
9 km
Schwierigkeit:
(leicht)
Problemlose Wanderung, auch sehr für Kinder geeignet, Untergrund von Waldboden bis Asphalt.
Hunde:
für Hunde gut geeignet

Start:


Waldparkplatz Auerberg bei Bernbeuren 788 m

GPS-Wegpunkt:
N47 44.227 E10 46.163 zu Google Maps

Umweltfreundliche Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln:
Am Wochenende nur schwer möglich, werktags mit Zug über Weilheim nach Schongau, von dort Bus 9821 nach Bernbeuren.

Mit dem Pkw:
Auf der A 96 bis Landsberg West, von der B 17 in Schongau kurz auf die B 472, dann links via Burggen nach Bernbeuren abbiegen, kostenlose Parkmöglichkeiten im Ort oder am Waldparkplatz. Dieser ist von der Schongauer Straße gut erreichbar, indem man im Ortszentrum rechts auf die Kaufbeurer Straße abbiegt, gleich wieder links die Mühlenstraße nimmt und beim Wirtshaus wieder rechts in die Auerbergstraße fährt und dieser ca. 400 m folgt.

  • Ab Rosenheim: 130 Km / 2:00 Std
  • Ab München: 100 Km / 1:25 Std
  • Ab Bad Tölz: 75 Km / 1:10 Std

Tourenplaner / Online-Fahrpläne: hier klicken

Zum Zoomen der Karte bitte STRG und Mausrad benutzen.

Tourenbeschreibung:

Start: Waldparkplatz Auerberg bei Bernbeuren

Wir beginnen unsere Wanderung am großen Waldparkplatz (1) an der Auerbergstraße, der durch seine hölzerne Römerfigur kaum zu übersehen ist. Diese markiert gleichzeitig den Beginn des besonders für Kinder interessanten und liebevoll gestalteten Lehrpfads auf den Auerberg, dem wir auf unserer Tour auch bis oben folgen werden. Zugleich ist die Strecke auch als Jakobsweg ausgeschildert! Der Weg beginnt auf der anderen Straßenseite und führt als Pfad durch Wiesen, bis er in den Wald eintaucht und wir uns für die nächste Zeit in der Feuersteinschlucht aufhalten. Das Bächlein wird immer mal wieder überquert, Treppen und Wurzeln machen den Pfad interessant und nur bei Nässe ist ein wenig Umsicht geboten. Sonst ist diese schattige Strecke natürlich besonders für Kinder schon gleich das erste Highlight! Ganz unmerklich gewinnen wir an Höhe, und als der Pfad den Wald verlässt, ist die schon von unten erkennbare Kirche am Auerberg bereits bedeutend näher gerückt. Ein kleines Stück folgen wir der Straße, dann zweigt aber rasch ein schmaleres Sträßchen in Richtung Honeleshof ab, das wir nun wählen, um auf den Jägersteig zu gelangen. Immer wieder unterbrochen von Schautafeln, aber jetzt auch von wunderschönen Panoramablicken auf den Forggensee, die Schlösser um ihn herum und auf die Allgäuer Bergwelt wandern wir den Pfad nach oben. Am höchsten Punkt angekommen kann man entweder talwärts abbiegen und somit dem Römerlehrpfad weiter folgen oder mit weniger Höhenverlust geradeaus weiterwandern – das Ergebnis ist das gleiche: Binnen Kurzem stehen wir vor dem letzten Gipfelaufschwung, an dessen höchstem Punkt die uralte Georgskirche (2) thront. Ein paar Meter rechts noch auf der Straße, dann wenige Treppen oder den Pfad daneben hinauf, und schon stehen wir auf der geräumigen Terrasse vor der Kirche, genießen den Ausblick und dann natürlich auch die Besichtigung des alten Bauwerks.

Schon der schlichte Turm mit seinem Satteldach verrät das hohe Alter der Kirche, die mindestens in das 11.?Jahrhundert zu datieren ist. Die Hypothese, dass auch in der kurzen, aber bedeutenden Zeit der römischen Siedlung Damasia auf dem Auerberg hier auf der höchsten Stelle ein Heiligtum bestanden hat, vielleicht sogar auf keltischem Kultboden, ist bisher archäologisch nicht erwiesen, aber nicht unwahrscheinlich. Das Erbauungsjahr des spätgotischen Chores lässt sich durch eine Inschrift auf 1497 datieren. Älter ist mit Sicherheit die kleine Georgsgruppe über der Tür zum Turm. Hier steht auch mit der Mondsichelmadonna das schönste und kunsthistorisch bedeutendste Ausstattungsstück dieser Kirche, auch wenn sie vor allem durch die frei hängende Rosenkranzmadonna und die anderen Figuren und Altäre, die meist aus dem 17.?Jahrhundert stammen, eher an den Rand gedrängt erscheint. Votivbilder erzählen von der regen Wallfahrtstradition, die Gläubige bis aus Tirol hierher geführt hat. Die bereits genannte Tür zum Turm sollten all diejenigen durchschreiten, die nicht unter Höhen- und Platzangst leiden, da man über das enge, hölzerne Treppenhaus (kostenlos) bis zu den Glocken und auf den Aussichtsbalkon mit seinem herrlichen Panorama gelangen kann.

Nach einer ausgiebigen Rast, die man aber – sofern man eine Brotzeit dabei hat – auch erst am ruhigen Aussichtspunkt Buffernandl abhalten kann, machen wir uns an den Abstieg. Dazu nehmen wir hinter der ersten Serpentine der Straße den gekiesten Weg, der zunächst direkt nach Süden führt, und durchschreiten einen Zaun. Am Ende einer großen Wiese am Waldrand haben wir bei den Bänken neben dem großen Kreuz das Buffernandl (3) erreicht. Hier sieht man durch die Bodenstruktur deutlich, dass unter der Grasnarbe wohl römische Grenzwälle verborgen sind. Wir wandern nun den aussichtsreichen und sehr sanft abwärtsführenden Fahrweg über den Weiler Helmer nach Südosten. Nach einem kurzen Stück auf Asphalt können wir am Bauernhof Straß wieder links in einen Karrenweg einbiegen, der in einem weiten Bogen hinunter zur Burgstraße führt. Von hier ist es nicht mehr weit in den schmucken Ort Bernbeuren, dessen Kirche mit ihrem einmaligen Ensemble von zwei Begleitkapellen auf jeden Fall einen Blick wert ist. Wir erreichen sie gut, indem wir rechts abbiegen in die Lange Gasse, diese nach unten wandern und dann über Treppen oder den Fahrweg wieder hinauf zur Pfarrkirche St.?Nikolaus (4) pilgern.

Dem mächtigen Turm sieht man das Alter der ursprünglich romanischen Kirche noch an, sonst jedoch ist der Bau ein harmonisches und wunderbar durchkomponiertes Beispiel für die Barockzeit. Im Jahr 1702 legte nämlich ein Großbrand fast den ganzen Ort und mit ihm die Kirche in Schutt und Asche. Der berühmte Architekt Johann Georg Fischer übernahm die Leitung des Wiederaufbaus, Wessobrunner Stuckateure verzierten ihn mit feinen, zierlichen Bändern und prägten das Bild eines hellen und lichten Innenraumes, der wie ein Festsaal wirkt. Dazu trägt bei, dass z. B. die Beichtstühle in die Außenmauer eingelassen wurden, der Hochaltar mit dem Kirchenpatron St.?Nikolaus mittels einer luftigen Girlande mit den Figuren neben dem Altar verbunden ist und dadurch alles lichtdurchströmt wirkt. Das Kreuz gegenüber der Kanzel ist mit seiner Datierung von 1609 der älteste sakrale Gegenstand in dieser sehr einheitlichen Kirche.

Ein paar Schritte links neben der großen Kirche steht eine kleine Kapelle, in der sich eine hübsche Darstellung der Ereignisse von Lourdes befindet – sogar mit fließendem Wasser! Noch einmal ein paar Meter daneben kann man die kleine Kapelle Maria Heimsuchung besichtigen.

Ihre Geschichte ist ähnlich der der Pfarrkirche: Auch hier wütete das Feuer, und die alte Wallfahrtskirche, ebenfalls romanischen Ursprunges, wurde dann neu aufgebaut. Natürlich ist der Maßstab erheblich kleiner, die Künstler sind weniger bedeutend, aber besonders das hübsche Kuppelfresko ist einen Blick in die Kapelle wert.

Nun heißt es nur noch auf den Marktplatz mit seinem gewaltigen Kriegerdenkmal zu schlendern und dann die Auerbergstraße entlang zurück zum Waldparkplatz (1) zu gehen. Ein gut beschilderter Abstecher zur Kneippanlage rechts der Hauptstraße ist an heißen Tagen vielleicht noch ein krönender Abschluss einer abwechslungsreichen Tour tief hinein in die bayerische Vergangenheit.

GPS-Daten:


GPX-Tracks sind oft ungenau. Die angezeigten Daten können (insbesondere zur Höhe und Steigung) falsch sein. Daher verwendet bitte nie die Tracks ohne betreffendes Kartenmaterial für das dazugehörige Gebiet. Die GPS-Daten sollen nur als zusätzliche Unterstützung verwendet werden. Auf der Karte lässt sich rechts oben in die Kartengrundlage OpenTopomap umschalten (OpenTopoMap ist nicht immer sofort verfügbar). Zum Zoomen der Karte bitte STRG und Mausrad benutzen.



Webcams:

Aktuelle Bilder von Webcams im Umkreis von 30km vom Ausgangspunkt.
  weitere Webcams findest du hier



Tegelberghaus
(©foto-webcam.eu)

Unterammergau
(©foto-webcam.eu)

Westlicher Teil Pfrontens südlich der Vils
(©Foto-Webcam.net)

Literatur:

Kulturführer

Kulturwandern Pilgerziele Oberbayern: zwischen Oberammergau und Berchtesgaden
25 Touren
von Elsner, Susanne und Walter
Infos: Kulturführer

Kulturwandern Pilgerziele Oberbayern: zwischen Oberammergau und Berchtesgaden

Galerie:


Weitere schöne Bilder sind in unserer Fotoshow

Diashow:

Gotische Georgsgruppe in der Georgskirche, Foto (c) Susanne und Walter ElsnerPfarrkirche St. Nikolaus in Bernbeuren, Foto (c) Susanne und Walter Elsner

Autor:

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