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Lawinenwarndienst-Blog Tirol (sporadisch):

Thu, 20 Jan 2022 20:59:00 +0000

Mit Neuschnee und Wind entstehen gebietsweise gefährliche Triebschneeansammlungen. Vermehrte Gefahrenstellen in Schattenhängen sowie in Kammlagen!

Frischen Triebschnee kritisch beurteilen

Nach einer langen Phase mit günstigen Lawinenverhältnissen stellt sich die Lawinensituation insbesondere in  den neuschneereicheren Regionen nun um. Im Norden sowie v.a. den  östlichen Landesteilen Nordtirols soll es bis Sonntag, 23.01.2022 zwischen etwa 30cm und 50cm, lokal auch mehr schneien, am meisten wohl in den Waidringer und den Östlichen Kitzbüheler Alpen.

72h Neuschneeprognose.: Schwerpunkt der Niederschläge im (Nord-)Osten des Landes
72h Neuschneeprognose.: Schwerpunkt der Niederschläge im (Nord-)Osten des Landes


Begleitet wird der Neuschnee von starkem bis stürmischem Wind. Dadurch entstehen zumindest oberhalb der Waldgrenze umfangreiche Triebschneeansammlungen. Diese werden in bisher eher windberuhigten, schattigen Steilhängen am leichtesten zu stören sein. Dort besteht die Altschneeoberfläche nämlich meist aus lockeren Kristallen, welche für die darüber gelagerten Triebschneepakete eine gefährliche Schwachschicht bilden werden. Entsprechend leicht können dort Schneebrettlawinen bereits durch das Gewicht eines einzelnen Wintersportlers oder einer Snowboarderin ausgelöst werden. In den besonders neuschneereichen Gebieten ist dann auch mit spontanen Lawinenabgängen zu rechnen. Vorsicht überdies in Kammlagen aller Hangrichtungen sowie im Steilgelände hinter Geländekanten.


In Schattenhängen trifft man vermehrt auf Gefahrenstellen

Unterwegs in den Östlichen Kitzbüheler Alpen. Schattig besteht die Schneeoberfläche in windberuhigten Bereichen aus lockeren kantigen und filzigen Kristallen. Diese lagern auf der Regenkruste von Ende Dezember. Auch die Basis der Schneedecke ist häufig locker. (Foto: 14.01.2022)
Unterwegs in den Östlichen Kitzbüheler Alpen. Schattig besteht die Schneeoberfläche in windberuhigten Bereichen aus lockeren kantigen und filzigen Kristallen. Diese lagern auf der Regenkruste von Ende Dezember. Auch die Basis der Schneedecke ist häufig aus kantigen Kristallen aufgebaut. (Foto: 14.01.2022)


Ein sehr ähnliches Bild in der Silvretta. Schattig ist die Schneeoberfläche in windberuhigten Bereichen locker - die entscheidende Schwachschicht für darüber gelagerte Triebschneepakete. (Foto: 19.02.2022)
Ein sehr ähnliches Bild in der Silvretta. Schattig ist die Schneeoberfläche in windberuhigten Bereichen locker - die entscheidende Schwachschicht für neue Triebschneepakete. (Foto: 19.02.2022) 


Mitunter hat sich im Schatten auch noch Oberflächenreif halten können. Dort wo dies der Fall ist, muss man von einer hohen Störanfälligkeit des darüber gelagerten Neu- bzw. Triebschnees ausgehen. Gebietsweise kann dies auch für schattige Waldlichtungen zutreffen. Foto aufgenommen am 15.01.2022 auf 1100m im Mieminger Gebirge.
Mitunter hat sich im Schatten auch noch Oberflächenreif halten können. Dort wo dies der Fall ist, muss man von einer hohen Störanfälligkeit des darüber gelagerten Neu- bzw. Triebschnees ausgehen. Gebietsweise kann dies auch für schattige Waldlichtungen zutreffen. Foto aufgenommen am 15.01.2022 auf 1100m im Mieminger Gebirge.


Bezeichnend für die vergangene Woche war eine deutliche Temperaturinversion: Im Tal war es kälter als auf den Bergen. Hier am Karnischen Kamm bildete sich große Oberflächenreifkristalle. (Foto: 14.01.2022)
Bezeichnend für die vergangene Woche war eine deutliche Temperaturinversion: Im Tal war es kälter als auf den Bergen. Hier am Karnischen Kamm bildeten sich im Talbereich große Oberflächenreifkristalle. (Foto: 14.01.2022)


Bessere Ausgangslage in  Sonnenhängen

In besonnten, sehr steilen Hängen hingegen wirkten die warmen Temperaturen sowie die Strahlung auf die Schneedecke ein. Einerseits aperte die Schneedecke dadurch weiter aus. Andererseits bildeten sich vermehrt oberflächennahe Krusten. Zudem förderte das in die Schneedecke eingedrungene Schmelzwasser samt folgendem Gefrieren während klarer, kühler Nächte die Verbindung bereits bestehender Krusten untereinander. Fazit: Schwachschichten im Altschnee sind dort viel seltener anzutreffen. Zu beachten ist allerdings insbesondere für die niederschlagsreichen Regionen, dass sich während des Schneefalls Schwachschichten im Neuschneepaket bilden können (Graupel oder lockerer, überwehter Neuschnee).


Fortschreitende Ausaperung im besonnten Gelände. Osttiroler Tauern (Foto. 16.01.2022)
Fortschreitende Ausaperung im besonnten Gelände. Osttiroler Tauern (Foto. 16.01.2022)


Aus extrem steilem Gelände lösten sich mancherorts feuchte Lockerschneelawinen (Foto: 15.01.2022)
Aus extrem steilem Gelände lösten sich mancherorts feuchte Lockerschneelawinen (Foto: 15.01.2022)


Schneeprofil auf 2685m, SW, 36°. Interessant sind die zwischen und unterhalb von Schmelzkrusten vorhandenen, gefrorenen Wasserkanäle, welche stabilisierend wirken. (Foto: 19.01.2022)
Schneeprofil auf 2685m, SW, 36°. Interessant sind die zwischen und unterhalb von Schmelzkrusten vorhandenen, gefrorenen Wasserkanäle, welche stabilisierend wirken. (Foto: 19.01.2022)  


Zurückhaltung im freien Gelände in den neuschneereichen Regionen

Ganz klar, dass nach der langen niederschlagsfreien Durststrecke "Powderalarm" angesagt ist. Dennoch appellieren wir an die Vernunft der WintersportlerInnen, sich nicht gedankenlos dem Pulverrausch hinzugeben, sondern das Verhalten den Verhältnissen anzupassen. Wer in den neuschneereichen Regionen im freien Gelände unterwegs sein möchte, sollte nicht nur über sehr gutes lawinenkundliches Wissen verfügen sondern auch zurückhaltend unterwegs sein.


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Thu, 13 Jan 2022 18:37:00 +0000

Mehrheitlich günstige Lawinensituation

Frischer Triebschnee bleibt die Hauptgefahr


Vorab: Wir haben es in Summe mit mehrheitlich günstigen Lawinenverhältnissen zu tun. Am meisten aufpassen sollte man weiterhin auf frische Triebschneepakete. Diese sind am ehesten im sehr steilen, häufig kammnahen Gelände bzw. hinter Geländekanten auszulösen. Als Schwachschicht dient  überwehter Wildschnee, kleinräumig auch kantige Kristalle angrenzend an oberflächennahen Schmelzkrusten. Meist handelt es sich dabei um kleine Lawinen. Entsprechend überwiegt häufig die Absturzgefahr der Verschüttungsgefahr.


Kleine, inzwischen wieder teilweise überwehte Schneebrettlawine - Glockturmgruppe. Foto: (13.01.2022)

Es dominiert somit eine eher spannungsarme Schneedecke. Oberflächennah ist diese inzwischen häufig vom Wind geprägt. Allgegenwärtig sind zudem eingelagerte Krusten. Allgegenwärtig ist auch eine zumindest in hohen und hochalpinen Lagen häufig an der Basis eher aufbauend umgewandelte Schneedecke. Die Schneequalität wurde im Laufe der Woche tendenziell schlechter. Gut zu fahrender Pulverschnee wird entsprechend seltener...


Wind war vergangene Woche ein häufiger Begleiter im Gelände. Stubaier Gletscher (Foto: 11.01.2022)


Auch hier erkennt man den Windeinfluss. Deferegger Berge (Foto: 08.01.2022)


Dort, wo die Schneeoberfläche "genoppt" ist, lässt es sich meist noch recht gut Ski fahren. Glockturmgruppe (Foto: 13.01.2022)


Unterdurchschnittliche Schneehöhen


Betrachtet man unsere langjährigen Aufzeichnungen unserer fleißigen Beobachter, so hat man es schwarz auf weiß: Aktuell findet man in den meisten Landesteilen eine für die Jahreszeit unterdurchschnittliche Schneehöhe. 


Beobachtergrafik unseres Beobachters Klaus Friedl von Boden im Lechtal: Die obere Grafik zeigt einerseits die seit 1960 gemessenen Maxima sowie Minima der Schneehöhe. Zusätzlich wird auch der Mittelwert und in magenta die aktuelle Gesamtschneehöhe dargestellt. Diese befindet sich unter dem inzwischen 61-jährigen Mittelwert. Die zweite Grafik zeigt den bisher gemessenen Neuschnee, die untere Grafik die Temperaturen an. Dort erkennt man auch die Anfang Jänner gemessene Maximaltemperatur.


Wie sich das im Gelände auswirkt, sieht man, wenn man selbst unterwegs ist. Steinkontakt ist keine Seltenheit.


Unterwegs in den Nördlichen Stubaier Alpen (Foto: 09.01.2022)


Die bei den Freeridern gefürchteten "sharks" - gerade noch vom Schnee überdeckte Steine, die zu einem erhöhten Sturz- und Verletzungsrisiko bei der Abfahrt führen. (Foto: 13.01.2022)




Aktuell verfolgen wir gerade sehr penibel eine mögliche Entwicklung von kantigen Kristallen angrenzend an jene Regenkruste, die sich während der Warmfront vom 29.12. auf den 30.12. gebildet hat. Bei einigen Schneeprofilen konnten wir diese Entwicklung bereits erkennen.

Derzeit haben wir nur zwei Rückmeldungen über eine "bösartige" Ausbildung im Sinne einer möglichen Bruchfortpflanzung. Dies war jeweils auf ca. 2700m in sehr steilem, besonnten Gelände, allerdings auch wieder nur recht kleinräumig. Aufgrund der weiteren Wetterprognose, die uns viel Sonnenschein und eine Milderung bei den Temperaturen verspricht, können wir davon ausgehen, dass es sich bei gm.4 vorerst nur um sehr kleinräumige Problemzonen in eingewehten, sehr steilen Hängen in eng begrenzten Höhen- und Expositionsbändern handelt. 


Wetterstationsgrafik Kühtai ab 01.01.2022: Anfangs überdurchschnittlich warme Temperaturen. Die Schneeoberfläche wurde feucht. Dann am 05.01. Schneefall und deutliche Abkühlung: Ideale Voraussetzungen für die Ausbildung von gm.4. Zudem zu sehen: Immer wieder viel Wind auf den Bergen.


Um für die kommenden, intensiven Schneefälle (die wohl noch länger auf sich warten lassen) gerüstet zu sein, verfolgen wir stets die Entwicklung der Schneedecke. Aktuell legen wir besonderes Augenmerk auf aufbauende Umwandlungsprozesse im Nahbereich von Krusten. Außerfern (Foto: 11.01.2022)



Der Pfeil zeigt auf eine Schicht kantiger Kristalle oberhalb der Regenkruste von Ende Dezember. Entstanden aufgrund von gm.4: Westliche Kitzbüheler Alpen. 1660m, Nord, 20°.


Um unser Bild über diese Entwicklung weiter zu schärfen, sind wir über Beobachtungen vom Gelände sehr dankbar. Gerne immer via mail an: lawine@tirol.gv.at oder aber via Schneeprofile und Stabilitätstests unter www.lawis.at. Ein herzliches Danke dafür!


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Wed, 05 Jan 2022 17:17:00 +0000

Mit Neuschnee und Wind gebietsweise erhebliche Lawinengefahr

Kaltfront führt zu Gefahrenanstieg


Frischer Triebschnee als Hauptgefahr

Eine Kaltfront, die heute am 05.01.2022 rasch über Tirol gezogen ist, brachte überall Neuschnee. Meist schneite es zwischen 10 und 20cm, gebietsweise um 30cm. Zusammen mit dem in der Höhe recht kräftigen Wind bildeten sich insbesondere oberhalb der Waldgrenze frische Triebschneepakete. Diese stellen aktuell die Hauptgefahr für WintersportlerInnen dar. In den neuschneereichen Gebieten sind diese ausgedehnter und mächtiger und somit gefährlicher. Mit etwas Erfahrung in der Lawinenbeurteilung lassen sich frische Triebschneepakete bei ausreichenden Sichtverhältnissen gut erkennen. Entsprechend kann man diesen auch gut ausweichen. Vermehrt findet man solche Gefahrenbereiche naturgemäß hinter Geländekanten, im kammnahen Gelände, sowie in Rinnen und Mulden.


Bereits gestern am 04.01.2022 legte der Wind in der Höhe zu. Samnaungruppe
Bereits gestern am 04.01.2022 legte der Wind in der Höhe zu. Samnaungruppe


Schneedifferenz seit heute, 05.01. in der Früh
Schneedifferenz seit heute, 05.01. in der Früh


Hohe Variabilität der Schneedecke

Betrachtet man die Schneeverteilung bzw. die Beschaffenheit der Schneedecke, insbesondere der Schneeoberfläche vor Einzug der Kaltfront, so kann im ganzen Land in Summe von einer hohen Variabilität ausgegangen werden. Dies ist positiv zu werten und spricht für keine großflächigen Bruchfortpflanzungen, sondern eher für lokale Problembereiche aufgrund des frischen Triebschnees.


Schneeverteilung im Villgratental (Foto: 01.01.2022)


Ein ähnliches Bild in den Nördlichen Stubaier Alpen (Foto: 01.01.2022)
Ein ähnliches Bild in den Nördlichen Stubaier Alpen (Foto: 01.01.2022)


Eine von Regenrinnen geprägte Schneeoberfläche in den Allgäuer Alpen (Foto: 01.01.2022)
Eine von Regenrinnen geprägte Schneeoberfläche in den Allgäuer Alpen (Foto: 01.01.2022)



Eine von Wind und Sonne geprägte und dadurch ebenso unregelmäßige Schneeoberfläche in größeren Höhen. Karnischer Kamm (Foto: 04.01.2022)
Eine von Wind und Sonne geprägte und dadurch ebenso unregelmäßige Schneeoberfläche in größeren Höhen. Karnischer Kamm (Foto: 04.01.2022)


Ein Blick in die Schneedecke zeigt sehr häufig eine wenig störanfällige Altschneedecke. Ausgenommen sind kleine Schwimmschneenester an schneearmen Stellen, die man vermehrt in Kammlagen findet. Diese sind häufig von eher gering mächtigen, härteren und älteren Triebschneepaketen überlagert und können lokal v.a. im extrem steilen Gelände gestört werden.



Typisches Schneeprofil: Brüche in der Schneedecke können sich meist nicht fortpflanzen. Die Altschneedecke ist verbreitet stabil. N, 2600m, 34°, Deferegger Alpen
Typisches Schneeprofil: Brüche in der Schneedecke können sich meist nicht fortpflanzen. Die Altschneedecke ist verbreitet stabil. N, 2600m, 34°, Östliche Deferegger Alpen


Schwachschichten, auf denen die frischen Triebschneepakete als Lawine abgehen können, finden sich somit v.a. im Neuscheepaket selbst, ev. in Form von Graupeleinlagerungen oder aufgrund weicherer Neuschneeschichten, die von Triebschnee überlagert wurden. Aufgrund der meist überschaubaren Neuschneemengen und Gefahrenbereiche kommen wir in weiten Teilen des Landes in der Höhe mit mäßige Lawinengefahr durch. Somit ist die aktuell ausgegebene erhebliche Gefahr in den etwas neuschneereicheren Regionen eher im unteren Bereich dieser Gefahrenstufe angesiedelt.


Ein kurzer Blick zurück: Rekordtemperaturen zu Neujahr

Vergangene Woche war wettertechnisch außergewöhnlich, da viel zu warm. So wurden beispielsweise in Galtür oder St. Anton am Arlberg zu Neujahr noch nie so hohe Lufttemperaturen gemessen, wie heuer.

Nach Durchzug der Warmfront vom 29.12. auf den 30.12., die Regen häufig bis 2600m hinauf brachte, gefolgt von der sehr warmen Wetterphase bis 04.01. abends wurde die Schneedecke einerseits in tiefen und mittleren Lagen häufig nass, in höheren sonnenbeschienenen Hängen oberflächennah feucht. Andererseits führte dies in Summe zur Zerstörung von oberflächennahen Schwachschichten, aber auch schlussendlich zu einer Stabilisierung der Altschneedecke.


Ein noch nie dagewesenes Bild: Die rote Linie zeichnet Rekordtemperaturen in Galtür auf.
Ein noch nie dagewesenes Bild: Die rote Linie zeichnet Rekordtemperaturen in Galtür auf. 


Ausblick

Vorerst bleibt das Triebschneeproblem die Hauptgefahr.


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Fri, 31 Dec 2021 14:09:00 +0000

Silvester-Update zur Lawinensituation - Allmählicher Rückgang der Lawinengefahr

Warmfront führte zu hoher Lawinenaktivität



Kurzanalyse zur Warmfront

Die von der ZAMG vorhergesagte Warmfront vom 29.12. auf den 30.12. brachte in Nordtirol und im nördlichen Osttirol meist zwischen 15mm und 50mm Niederschlag. Der Schwerpunkt des Niederschlages lag dabei im Westen und Nordwesten des Landes. Etwas länger als erwartet schneite es anfangs noch, bis dann die Schneefallgrenze rapide stieg. Meist regnete es zwischen etwa 2300m-2500m hinauf. Kurzfristig lag die Höhengrenze auch darüber, so z.B. im Arlberggebiet, wo dies bis etwa 2800m hinauf der Fall war.


Niederschlagsverteilung in Tirol vom 29.12. auf den 30.12. Weniger Niederschlag als ursprünglich erwartet fiel v.a. im zentralen Teil Nordtirols sowie im nördlichen Osttirol.
Niederschlagsverteilung in Tirol vom 29.12. auf den 30.12. Weniger Niederschlag als ursprünglich erwartet fiel v.a. im zentralen Teil Nordtirols sowie im nördlichen Osttirol.


Begleitet war die Warmfront von stürmischem Wind auf den Bergen. Nun ist es für die Jahreszeit viel zu warm.


Station Erfurter Hütte im Rofan. Die Schneehöhe nahm aufgrund des Regeneinflusses vom 29.12. auf den 30.12. etwas ab. Der Wind war stürmisch. Nun ist es für die Jahreszeit extrem mild. Die Luft ist recht trocken. Die nasse Schneeoberfläche konnte während einer klaren Nacht etwas abkühlen.
Station Erfurter Hütte im Rofan. Die Schneehöhe nahm aufgrund des Regeneinflusses vom 29.12. auf den 30.12. etwas ab. Der Wind war stürmisch. Nun ist es für die Jahreszeit extrem mild. Die Luft ist recht trocken. Die nasse Schneeoberfläche konnte während einer klaren Nacht etwas abkühlen. 


Als Folge der Warmfront bildete sich vom 30.12. auf den 31.12. bodennaher, dichter Nebel.


Nebel über dem Inntal von der Nordkette aus gesehen.
Nebel über dem Inntal von der Nordkette aus gesehen.


Kurzfristig hohe Lawinenaktivität

Die höchste Lawinenaktivität ergab sich aufgrund von nassen, kleinen bis mittelgroßen Lockerschneelawinen. Dann folgten Gleitschneelawinen. Dann - v.a. in größeren Höhen - Schneebrettlawinen. Letztere konnten u.a. auch durch Sprengungen ausgelöst werden. Gute Sprengerfolge mit großen Lawinenabgängen gabs v.a. in den Skigebieten im Westen des Landes.


Die Pfeile zeigen auf Lockerschneelawinen aus extrem steilem Gelände, die während des Regens von selbst abgegangen sind. Kalkkögel. Nördliche Stubaier Alpen (Foto: 30.12.2021)
Die Pfeile zeigen auf Lockerschneelawinen aus extrem steilem Gelände, die während des Regens von selbst abgegangen sind. Kalkkögel. Nördliche Stubaier Alpen (Foto: 30.12.2021)


Völlig ausgeräumt - die Pimigspitze im Außerfern. Lockerschnee- und Gleitschneerutsche bzw. -lawinen. (Foto: 30.12.2021)
Völlig ausgeräumt - die Pimigspitze im Außerfern. Lockerschnee- und Gleitschneerutsche bzw. -lawinen. (Foto: 30.12.2021)


Schneebrettlawinen mittlerer Größe aufgrund von Lawinensprengungen in der Wilden Grube im Gletscherskigebiet Stubaier Gletscher (Foto: 30.12.2021)
Schneebrettlawinen mittlerer Größe aufgrund von Lawinensprengungen in der Wilden Grube im Gletscherskigebiet Stubaier Gletscher (Foto: 30.12.2021)



Lockerschnee- und Gleitschneelawinen unterhalb der Dawinspitze in den Östl. Lechtaler Alpen (Foto: 31.12.2021)
Lockerschnee- und Gleitschneelawinen unterhalb der Dawinspitze in den Östl. Lechtaler Alpen (Foto: 31.12.2021)


Eingekreist ist eine große spontane Schneebrettlawine, die auf einer am Gletschereis befindlichen Schwachschicht abgegangen ist. Weißkugel.
Eingekreist ist eine große spontane Schneebrettlawine, die auf einer am Gletschereis befindlichen Schwachschicht abgegangen ist. Weißkugel.


Nun frühjahrsähnliche Verhältnisse mit schlechter Schneequalität

Die Verhältnisse erinnern etwas an das Frühjahr: Eine in tiefen und mittleren Höhenlagen nasse Schneedecke, in höheren Lagen eine durch nächtliche Ausstrahlung vom 30.12. auf den 31.12 mit einem brüchigen Harschdeckel versehene Schneeoberfläche. Die Schneequalität ist entsprechend schlecht. Am besten zum Skifahren gehts aktuell tatsächlich auf den Pisten bzw. im sehr viel befahrenen Tourengelände.


Regenrinnen an der Schneeoberfläche. Obergurgl (Foto: 30.12.2021)
Regenrinnen an der Schneeoberfläche. Obergurgl (Foto: 30.12.2021)


"Gatsch" / Schneematsch auf 1600m (Foto: 30.12.2021)
"Gatsch" / Schneematsch auf 1600m (Foto: 30.12.2021)

Der Unterschied zum Frühjahr liegt allerdings in der zu dieser Jahreszeit nicht allzu intensiven Strahlung. Zudem dämpft aktuell recht trockenen Luft eine fortschreitende tageszeitliche Durchnässung. Deshalb, und auch wegen der bereits hohen Lawinenaktivität, erwarten wir trotz der sehr warmen Temperaturen nur mehr ganz vereinzelt feuchte Rutsche (am ehesten Gleitschnee) aus sehr steilem, besonnten Gelände.


Weitere Entwicklung

Aktuell schaut alles nach einem weiteren Rückgang der Lawinengefahr bei einer vorerst gleichbleibend schlechten Schneequalität aus. Gefahrenbereiche, wo Schneebrettlawinen ausgelöst werden können, gibts v.a. noch oberhalb etwa 2300m, vermehrt in sehr steilen Schattenhängen bzw. in Kammlagen in großen Höhen. Auszulösen ist dann v.a. der kürzlich entstandene Triebschnee. Ganz vereinzelt sind Auslösungen von Schneebrettlawinen auch im extrem steilen Gelände an schneearmen Stellen durch große Belastung in tieferen Schichten denkbar, dies ebenso zumindest oberhalb etwa 2300m, vermehrt im Sektor NW über N bis NO. Günstiger sind die Verhältnisse weiterhin ganz im Osten sowie im südlichen Osttirol.

Vorerst bleibt es noch warm. Anfang des Jahres wird es dann wieder feuchter. Ab Mittwoch soll es dann wieder (einmal) bis in tiefe Lagen schneien. 

Wir wünschen euch allen einen guten Rutsch sowie ein freudvolles und gesundes, rundes Jahr 2022!


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Wed, 29 Dec 2021 18:00:00 +0000

Warmfront führt zu markantem Anstieg der Lawinengefahr!

Große Lawinengefahr aufgrund von Neuschnee, Regen und Sturm


Der heute morgens am 29.12. aktualisierte Lawinenreport zeigt es deutlich: Die Lawinengefahr steigt im Tagesverlauf markant an und erreicht gebietsweise die Gefahrenstufe 4 - "groß"!
Der heute morgens am 29.12. aktualisierte Lawinenreport zeigt es deutlich: Die Lawinengefahr steigt ab den Abendstunden markant an und erreicht gebietsweise die Gefahrenstufe 4 - "groß"!


Eine Warmfront erreicht uns heute am 29.12. von Nordwesten. Diese bringt einerseits viel Niederschlag, andererseits stürmische Verhältnisse auf den Bergen. Die Lawinengefahr wird deshalb rasch ansteigen. Wir erwarten viele spontane Lawinenabgänge. Die Haupt-Lawinenaktivität wird während der Nachtstunden vom 29.12. auf den 30.12. erwartet, dann, wenn auch die Niederschläge am intensivsten ausfallen werden. Eine ausführlichere Analyse zu den Lawinenszenarien gibts am Ende des Blogs...


Kurzer Wochenrückblick

Weihnachtstauwetter bescherte uns vergangene Woche recht warme Tage. Niederschlag gabs vermehrt im Norden des Landes. Der Süden war wetterbegünstigt. Auch die Lawinengefahr nahm tendenziell weiter ab und war mäßig, unterhalb der Waldgrenze gering.


Immer wieder etwas Niederschlag v.a. im Norden des Landes. Niederschlag vom 29.12. auf den 30.12. fiel anfangs als Regen (Abnahme der Schneehöhe), nach Mitternacht mit leichtem Temperaturrückgang als Schnee. Einsetzender Niederschlag mit Eintreffen der Warmfront am 29.12. 15:00 Uhr. Wetterstation Jöchelspitze / Allgäuer Alpen / Außerfern
Immer wieder etwas Niederschlag v.a. im Norden des Landes. Niederschlag vom 28.12. auf den 29.12. fiel anfangs als Regen (Abnahme der Schneehöhe), nach Mitternacht mit leichtem Temperaturrückgang als Schnee. Einsetzender Niederschlag mit Eintreffen der Warmfront am 29.12. ab 15:00 Uhr. Wetterstation Jöchelspitze / Allgäuer Alpen / Außerfern


Niederschlagsverteilung vom 24.12. auf den 25.12. - ein ähnliches Bild gabs vom 26.12. auf den 27.12. sowie vom 28.12. auf den 29.12.2021
Niederschlagsverteilung vom 24.12. auf den 25.12. - ein ähnliches Bild gabs vom 26.12. auf den 27.12. sowie vom 28.12. auf den 29.12.2021


Plusgrade auf der Füssener Hütte (1550m) am 25.12.2021
Plusgrade auf der Füssener Hütte (1550m) am 25.12.2021



Die Schneedecke wurde deshalb in tiefen und mittleren Lagen im Norden des Landes häufig bereits bis zum Boden hin feucht. Füssener Jöchle. 1720m, NO, 32°. Profil vom 26.12.2021 (c) Niedermayer, et.al.
Die Schneedecke wurde aufgrund der warmen Witterung und des Niederschlags in Form von Regen in tiefen und mittleren Lagen im Norden des Landes häufig bereits bis zum Boden hin feucht. Füssener Jöchle. 1720m, NO, 32°. Profil vom 26.12.2021 (c) Niedermayer, et.al.


Der wetterbegünstigte Süden. Blick von der Dolomitenhütte in Richtung Lienzer Dolomiten (c) foto-webcam.eu
Der wetterbegünstigte Süden. Blick von der Dolomitenhütte in Richtung Lienzer Dolomiten (c) foto-webcam.eu


Die Warmfront und deren vermutete Auswirkungen auf die Lawinengefahr


Regen in tiefen und mittleren Lagen / Rascher Anstieg der Schneefallgrenze bis etwa 2500m

Einsetzender Niederschlag heute am 29.12.2021 nachmittags im Westen des Landes kündigt eine von Nordwesten über das Land ziehende Warmfront an. Die ZAMG-Wetterdienststelle prognostiziert Niederschlagsmengen zwischen etwa 25mm und 50mm, lokal auch mehr. Betroffen davon ist ganz Nordtirol sowie das nördliche Osttirol. Am meisten Niederschlag soll im Westen sowie Norden Nordtirols fallen.

Fakt ist, dass der Niederschlag in tiefen und mittleren Höhenlagen bereits von Beginn an als Regen fallen wird. In hohen Lagen wird es anfangs noch Schnee sein. Der Schneefall soll allerdings bis etwa 2500m hinauf rasch in Regen übergehen! Die Hauptintensität des Niederschlags wird während der Nachtstunden des 29.12. erwartet.


24h-Neuschneeprognose vom 29.12. auf den 30.12.2021. Da es sich um eine NEUSCHNEE-Prognose handelt, wird hier aufgrund der steigenden Regengrenze NICHT der Gesamtniederschlag angegeben!
24h-Neuschneeprognose vom 29.12. auf den 30.12.2021. Da es sich um eine NEUSCHNEE-Prognose handelt, wird hier aufgrund der steigenden Regengrenze NICHT der Gesamtniederschlag angegeben!


Auf den Bergen stürmisch

Bereits gestern am 28.12. legte der Wind in der Höhe zu. Nun wird man sich zunehmend auf stürmische Verhältnisse auf den Bergen einstellen müssen. Der Wind bläst v.a. aus Nordwesten.


Zunehmend starker bis stürmischer Wind aus West bis Nordwest. Windeinfluss wird in der Höhe neue, z.T. sehr umfangreiche Triebschneeansammlungen bilden.
Zunehmend starker bis stürmischer Wind aus West bis Nordwest. Windeinfluss wird in der Höhe neue, z.T. sehr umfangreiche Triebschneeansammlungen bilden.


Windprognose für 29.12.2021 Mitternacht
Windprognose für 29.12.2021 Mitternacht


Spontane Lawinenaktivität!

Wir gehen aufgrund der Wetterprognosen von einer erhöhten spontanen Lawinenaktivität aus.  Dabei überlagern sich verschiedene Lawinenprobleme und mögliche Lawinenszenarien.

In den vom Regen beeinflussten Gebieten haben wir es mit einem Nassschneeproblem zu tun. Wir erwarten dort folgende Lawinenarten: 
  • Nasse Lockerschneelawinen aus extrem steilem Gelände in allen Hangrichtungen
  • Gleitschneerutsche und -lawinen auf steilen Wiesenhängen in allen Hangrichtungen
  • Feuchte / nasse Schneebrettlawinen v.a. im Sektor West, Nord und Ost

Aufgrund der nicht allzu mächtigen Schneedecke werden Lockerschnee- und Gleitschneelawinen meist mittelgroß sein.


Bereits um den 13.12. sind in Tirol sehr viele Gleitschneerutsche und -lawinen abgegangen. Erhöhte Abgangsbereitschaft in vom Regen beeinflussten Gebieten u.a. dort, wo sich bereits Gleitschneemäuler aufgetan haben. Tuxer Alpen (Foto: 28.12.2021)
Bereits um den 13.12. sind in Tirol sehr viele Gleitschneerutsche und -lawinen abgegangen. Erhöhte Abgangsbereitschaft in vom Regen beeinflussten Gebieten u.a. dort, wo sich bereits Gleitschneemäuler aufgetan haben. Tuxer Alpen (Foto: 28.12.2021)


Feuchte Schneebrettlawinen hingegen können aufgrund der flächigeren Bruchausbreitung z.T. aber auch groß werden. Bei den feuchten Schneebrettlawinen gibts wiederum zwei Szenarien, die abhängig von der Dauer der Schneefälle sind, die dann in Regen übergehen werden. Dort wo es anfangs etwas mehr schneit, werden Schneebrettlawinen primär im Bereich der aktuellen Altschneeoberfläche brechen. Bevorzugt wird dies unterhalb dünner Krusten auf einer Schwachschicht aus kantigen Kristallen der Fall sein. Dort wo es gar nicht oder nur kurz schneit, wird der Regen aufgrund der eher "wärmeren" Schneedecke (natürlich in Abhängigkeit der Höhenlage und Exposition) recht rasch in die Schneedecke eindringen. Dort finden wir meist im mittleren Teil der Schneedecke eine während des Frühwinters entstandene Schwachschicht.  Diese konnte letzthin zwar kaum mehr gestört werden. Eindringendes Wasser wird die Verbindung zwischen den Kristallen allerdings wieder auflösen und diese Schwachschicht reaktivieren. Es handelt sich dabei um ein Nassschneeproblem wie wir es u.a. auch vom frühen Frühjahr her kennen! Vereinzelt ist die Aktivierung der Schwachschicht einzig auch durch die Zusatzbelastung des Regens vorstellbar.




Der türkisene Pfeil symbolisiert das in die Schneedecke eindringende Regenwasser. der Pfeil in magenta zeigt die Schwachschicht, die durch Regen geschwächt wird. Schneeprofil auf 2050m, NW, 30° Elfer Bergstation, Nördliche Stubaier Alpen (c) Larcher et. at.
Der türkisene Pfeil symbolisiert das in die Schneedecke eindringende Regenwasser. der Pfeil in magenta zeigt die Schwachschicht, die durch Regen geschwächt wird. Schneeprofil auf 2050m, NW, 30° Elfer Bergstation, Nördliche Stubaier Alpen (c) Larcher et. at.


Das Bild zeigt einerseits den simulierten Schneehöhenverlauf der Wetterstation Nachtweide in der Silvretta Skiregion. Andererseits wird in den Blautönen in die Schneedecke eindringendes Wasser anhand eines berechneten Indizes dargestellt. Der graue vertikale Strich zeigt den Zeitpunkt 29.12. 14:00 Uhr an. Unter Einbeziehung von Wettermodellen wird in die Zukunft geschaut. In den Nachtstunden vom 29.12. auf den 30.12. soll die Schneedecke am Stationsstandort auf 2030m bis zum Boden durchnässt werden.
Das Bild zeigt einerseits den simulierten Schneehöhenverlauf der Wetterstation Nachtweide in der Silvretta Skiregion während dieses Winters. Andererseits wird in den Blautönen in die Schneedecke eindringendes Wasser anhand eines berechneten Indizes dargestellt. Der graue vertikale Strich zeigt den Zeitpunkt 29.12. 14:00 Uhr an. Unter Einbeziehung von Wettermodellen wird in die Zukunft geschaut. In den Nachtstunden vom 29.12. auf den 30.12. soll die Schneedecke am Stationsstandort auf 2030m bis zum Boden durchnässt werden.


Spontane Schneebrettlawinen in den nicht vom Regen beeinflussten Gebieten


Als weiteres Szenario gibt es jenes mit spontanen Schneebrettlawinen in den Bereichen, wo es durchgehend schneien bzw. großteils schneien wird. Als Schwachschicht für Schneebrettlawinen kommt primär die bis heute am 29.12. vorhanden Altschneeoberfläche in Frage. Wie schon erwähnt handelt es sich dabei um eine kantige Schwachschicht, die oftmals unter dünnen Schmelzkrusten bzw. Windkrusten lagert.


Eine dünne Eislamelle an der Schneeoberfläche, darunter lockere, kantige Kristalle - die für die kommende Schneeauflage primäre Schwachschicht. Tuxer Alpen (Foto: 28.12.2021)
Eine dünne Eislamelle an der Schneeoberfläche, darunter lockere, kantige Kristalle - die für die kommende Schneeauflage primäre Schwachschicht. Tuxer Alpen (Foto: 28.12.2021)



Schneefall, Erwärmung und Windeinfluss werden in größeren Höhen ein "perfektes" Brett über einer zum Teil recht flächigen Schwachschicht ausbilden. Erste Verfrachtungen in den Tuxer Alpen am 28.12.2021
Schneefall, Erwärmung und Windeinfluss werden in größeren Höhen ein "perfektes" Brett über einer zum Teil recht flächigen Schwachschicht ausbilden. Erste Verfrachtungen in den Tuxer Alpen am 28.12.2021


Nach den Niederschlägen wird man vermehrt Schneebrettlawinen beobachten können. Brüche sind sowohl in oberflächennahen als auch tieferen Schwachschichten vorstellbar. Schneebrettabgang Zillertaler Alpen (Foto: 24.12.2021)
Nach den Niederschlägen wird man vermehrt Schneebrettlawinen beobachten können. Brüche sind sowohl in oberflächennahen als auch tieferen Schwachschichten vorstellbar. Schneebrettabgang Zillertaler Alpen (Foto: 24.12.2021)


Ein weiteres Szenario gibt es noch in hochalpinen Regionen, also dort wo man vergletschertes Gelände vorfindet. Durch die Zusatzbelastung des Neu- und Triebschnees, aber auch durch primäre oberflächennahe spontane Lawinenabgänge können mitunter auch bodennahe Schwachschichten gestört werden. Es sind dann vereinzelt auch sehr große Lawinenabgänge vorstellbar. In der Regel handelt es sich da um Bereiche, die fernab jeglicher Infrastruktureinrichtungen sind.

 
"Schneemuren"

Vorstellbar bei den aktuellen Wetterprognosen sind auch "Schneemuren" in den besonders niederschlagsreichen, vom Regen beeinflussten Gebieten. Mit Wasser gesättigter Boden kann mitunter in Bewegung geraten und in Folge auch etwas Schnee mitnehmen. Einen solchen Vorfall hatten wir z.B. am 17.11.2019 im Stubaital.


Weitere Entwicklung

Die spontane Nassschneeaktivität sollte morgen am 30.12. mit Abklingen der Niederschläge deutlich abnehmen. Vereinzelte spontane, trockene Lawinenabgänge sind dann v.a. noch in sehr steilen Hängen in größeren Höhe vorstellbar, dort wo durch Windeinfluss weiterhin große Schneemengen abgelagert werden.

Was vorerst bleibt ist ein in der Höhe durch den Einfluss der Warmfront meist sehr gut ausgebildetes "Brett" in Form von Neu- und Triebschnee. Erfahrungsgemäß gibt es dann immer besonders gute Sprengerfolge. Auch wird man zum Teil noch mit großen Schneebrettlawinen rechnen müssen, die von Wintersportlern ausgelöst werden können, dies v.a. in größeren Höhen.

Mit den sehr warmen Temperaturen über Neujahr (Nullgradgrenze über 3000m) wird die in der Höhe vorerst noch große Lawinengefahr sukzessive abnehmen.

Wir bemühen uns, möglichst noch vor Neujahr eine Aktualisierung des Blogs durchzuführen.


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