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Lawinenlage

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Lawinenvorhersage Tirol:

Die neueste Lawinenvorhersage für Tirol.
Auf der Karte die gewünschte Region anklicken, dann wird die Lawinenwarnstufe angezeigt.

Lawinenwarndienst-Blog Tirol:

Thu, 14 Jan 2021 20:29:00 +0000

Extrem störanfällige Schneedecke - deshalb bitte um extreme Zurückhaltung im freien Skigelände während der kommenden Tage!!! Im Westen zunehmende Gefährdung exponierter Verkehrswege!

Alarmzeichen der Natur: Spontane Schneebrettlawinen, Setzungsgeräusche, Rissbildungen, Fernauslösungen!


Aus weiten Teilen Tirols gingen bei uns heute am 14.01.2021 sehr viele Meldungen über eine außergewöhnlich störanfällige Schneedecke ein. Im flachen und mäßig steilen Gelände war man auf Schritt und Tritt mit Setzungsgeräuschen, Rissbildungen und (Fern-)Auslösungen von Schneebrettlawinen konfrontiert. Ebenso konnten sehr gute Sprengerfolge mit großflächigen Anrissen erzielt werden. Peter Raich, einer unserer Ötztaler Beobachter, berichtete sogar darüber, dass am Gaislachkogel zwei großflächige Schneebrettlawinen nur durch die sehr geringe Belastung der Sprengladung auf die Schneedecke (also noch ohne Detonation) ausgelöst werden konnten.


Zahllose Gefahrenstellen

Die aktuelle Situation ist auch deshalb außergewöhnlich, weil die Verbreitung von Gefahrenstellen über das gesamte Land gesehen sehr groß ist. Deshalb sind bereits zahlreiche spontane (meist mittelgroße bis große) Lawinen abgegangen. Deshalb können aber auch Schneebrettlawinen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit von Wintersportlern im Steilgelände ausgelöst werden. Zudem ist, wie schon erwähnt, an Fernauslösungen aus flachem Gelände zu denken.


Dazu eine Auswahl an aktuellen Bildern:

Spontanes Schneebrett in einer Waldlichtung am Geigenkamm im Ötztal (Foto: 14.01.2021)


Einer von zahllosen Böschungsrutschen. Kitzbüheler Alpen (Foto: 14.01.2021)


Typisch für eine sehr reaktive Schwachschicht: Lawinen lösen sich bei eher geringer Mächtigkeit. Die Stützwirkung von Verbauungen kommt dadurch nicht zum Tragen. Lärchfilzkogel (Foto: 14.01.2021)


Rissbildung. Außerfern (Foto: 13.01.2021)


Blick in die Schneedecke: Unten grobkörniger Altschnee, darüber das Neuschneepaket. Bichlbach (Foto: 13.01.2021)


Nein, kein Gleitschnee, sondern eine Schneebrettlawine am Dach aufgrund der vorhandenen Schwachschicht samt gebundenem Neuschneepaket. Gerlos (Foto: 14.01.2021)


Rissbildung aufgrund der Zusatzbelastung eines Skifahrers. Rosshütte (Foto: 14.01.2021)


Schneebrettlawine auf einer Böschung verschüttet Nebenstraße in Sölden. Die Lawine wurde von Skitourengehern ausgelöst. (Foto: 14.01.2021)

Weitere, ähnliche Lawinenabgänge auf Straßen gab es in Arzl im Pitztal, in Reith im Alpbachtal und zwischen Gries am Brenner und der Staatsgrenze.

Schneebrettlawine mit Staubanteil in der Venediger Gruppe (Foto: 13.01.2021)


Eine in den neuschneereichen Gebieten ebenso nicht zu unterschätzende Gefahr: Baumbruch. Außerfern (Foto: 14.01.2021)


Wetter der vergangenen Tage

Zwei Kaltfronten mit einer eingelagerten Warmfront seit 12.01. sind die Urheber der kürzlichen Neuschneefälle bzw. Niederschläge in Tirol. Diesmal war (endlich) mal der Norden des Landes begünstigt. Die Prognosen mussten aufgrund der eingelagerten Warmfront stetig nach oben revidiert werden, sodass schlussendlich gebietsweise über 100cm, lokal sogar nahe an die 200cm Schnee zusammenkamen. Auch ist aktuell (14.01.2021 22:50 Uhr) nicht absehbar, wie sich die Warmfront weiter auswirkt. Die Niederschläge könnten über Nacht wiederum deutlich ergiebiger ausfallen, als ursprünglich angenommen, was sich negativ auf die Größe spontaner Lawinen auswirken würde. Zunehmende Gefährdung exponierter Verkehrswege in den besonders neuschneereichen Regionen!) Prägend war und ist natürlich auch der starke bis stürmische Wind aus W über NW bis N, der zu umfangreichen Verfrachtungen führte.


48-h Schneedifferenz. Hotspots im Norden des Landes



Am meisten Niederschlag wurde bei der Alplhütte in der Mieminger Kette gemessen. 


Daten der Wetterstation Seegrube. Viel Neuschnee, stürmischer Wind. Interessant auch der Temperaturgang vom 13.01. auf den 14.01. Die nächtliche Erwärmung führte in tieferen Lagen teilweise zu Regen. Der Temperaturwechsel während des Schneefalls kann auch die Ausbildung einer Schwachschicht (ev. verzögert durch gm.4 - kalt auf warm) innerhalb des Neuschneepakets fördern.


Weiterhin spontane Lawinenabgänge möglich

Mit Abklingen der Niederschläge (spätestens ab morgen, 15.01. vormittags) wird die Anzahl an spontanen Schneebrettlawinen deutlich abnehmen. Spontane Schneebrettlawinen sind dann v.a. noch dort möglich, wo anhaltende Schneeverfrachtungen zu einer fortschreitenden Zusatzbelastung der Schneedecke führen. Ebenso könnte intensive Sonneneinstrahlung spontane Schneebrettlawinen initiieren. Erfahrungsgemäß sollten während der kommenden Tage auch Sprengerfolge sehr gut sein.


Äußerst unfallträchtige Tage stehen bevor - Macht mit, dass niemand zu Schaden kommt!

Das Wetter verspricht während der kommenden zwei Tage laut ZAMG-Wetterdienststelle schön zu werden. In der Vergangenheit sind bei ähnlichen Konstellationen (Schönwetter, extrem störanfällige Schneedecke, viel Neuschnee samt Wind) immer besonders viele Lawinenunfälle passiert!

Bisher sind sämtliche Lawinenabgänge noch gut ausgegangen. Wir hoffen sehr, dass es so bleibt und appellieren deshalb einmal mehr an die Vernunft der Wintersportler*innen, während der kommenden Tage. Bleibt bitte möglichst auf den gesicherten Pisten! Haltet euch im freien Gelände nur dann auf, wenn ihr über sehr gutes lawinenkundliches Wissen verfügt. Seid dort dann extrem defensiv unterwegs! Derzeit ist es im freien Gelände nämlich vielerorts so richtig gefährlich. Nicht umsonst haben wir die Lawinengefahr verbreitet als groß (Stufe 4) eingestuft. Schaut auch regelmäßig auf unseren Lawinenreport unter lawinen.report. Die Verhältnisse bedürfen mitunter einer morgendlichen Aktualisierung unserer auf Wetterprognosen gestützten Lawinenprognosen.


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Wed, 13 Jan 2021 18:07:00 +0000

Für den Wintersportler vielerorts gefährliche Lawinenverhältnisse - "Wintersportler - Groß"!

Sehr störanfällige Schneedecke! Gefährliche Verhältnisse für den Wintersportler mit hohem Unfallpotential! Deshalb bitte sehr große Zurückhaltung während der kommenden Tage!!!


Der im letzten Blogeintrag erwähnte rasche Gefahrenanstieg ist bereits eingetreten. Rückmeldungen unserer Beobachter und von Wintersportlern bestätigen die sehr hohe Störanfälligkeit der Schneedecke in windbeeinflussten Gebieten bzw. generell in den neuschneereicheren Gebieten. Rissbildungen, Setzungsgeräusche sowie die ersten spontanen Schneebrettlawinen stehen bereits an der Tagesordnung. Mit der nun zweiten Niederschlagsstaffel ab den Abendstunden des heutigen 13.01.2021 (mit Neuschneesummen von vielerorts 30 bis über 50cm - ganz im Osten und im südlichen Osttirol weniger) samt stürmischen Verhältnissen auf den Bergen wird die Anzahl an spontanen Lawinen weiter zunehmen.

Deshalb wurde die Lawinengefahr inzwischen vielerorts auf groß raufgestuft. Es handelt sich neuerlich um ein so genanntes "Wintersportler - Groß" mit zahlreichen Gefahrenstellen bei hoher Auslösebereitschaft. Sehr große schadenbringende Lawinen erwarten wir aufgrund der aktuellen Prognosen nicht. Großflächige Lawinen mit überschaubaren Anrissmächtigkeiten und größeren Auslauflängen sind allerdings durchaus zu erwarten.


Gefahrenstufenkarte für den 14.01.2021


Gefahrenstellen finden sich dabei zumindest vom Waldgrenzbereich aufwärts, aber auch in Waldlichtungen, wo eine zusammenhängende Schneedecke vorhanden war. Einzig dort, wo vor den aktuellen Neuschneefällen kein Schnee lag, sind die Verhältnisse besser - deshalb in tieferen Lagen auch die Gefahrenstufe 2. Hinweisen müssen wir in diesem Zusammenhang auch darauf, dass die Grenze fließend und nicht abrupt ist - also auch Vorsicht in den östlichen Landesteilen Nordtirols!


Frische Schneebrettlawine in den Ötztaler Alpen (Foto: 13.01.2021) 

 

Frisches Schneebrett in einer Waldlichtung. Außerfern (Foto: (c) Stefan Zangerl)


Ein Blick unter das Neuschneepaket: im Bereich des oberen Handschuhs: Schwachschicht aus lockeren, kantigen Kristallen; darunter dünne Schmelzkruste vom 21./22.12.2021, darunter neuerlich lockere Schwachschicht aus kantigen Kristallen. Stabilitätstests zeigen, dass die Schneedecke aktuell superstöranfällig ist. Initiierte Brüche pflanzen sich sehr leicht innerhalb der Testblöcke fort. Muttekopfgebiet (Foto: 13.01.2021) 



Neuschneesumme der ersten Niederschlagsstaffel vom 12.01. auf den 13.01.2021




Schnee und Sturm auf den Bergen - eine ungünstige Kombination bei einer schwachen Schneedecke! Ulmerhütte: Arlbergregion


Bereits massive Schneeverfrachtungen. Dadurch zahlreiche Triebschneeansammlungen. Auch hier wurden Kühtai am 13.01.2021 (Foto: (c) Nicolas Metz)

Bisher gefährlichste Tage für den Wintersportler während dieses Winters!

Da wir für den Wintersportler die während dieses Winters gefährlichsten Tage vor uns haben, abschließend nochmals der Hinweis: Die aktuelle Situation erfordert extreme Zurückhaltung und sehr gutes lawinenkundliches Wissen außerhalb des gesicherten Skiraums!


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Tue, 12 Jan 2021 07:00:00 +0000

Schnee nach langer Kälteperiode - ein unfallträchtiges Gefahrenmuster!

Abruptes Ende einer inzwischen vielfach günstigen Lawinensituation

 

Vorab gleich ein dringender Hinweis an alle Wintersportler: Mit den ab heute, 12.01.2021 bis Donnerstag 14.01. in zwei Staffeln prognostizierten Neuschneefällen samt zunehmendem Windeinfluss wird die Lawinengefahr sehr rasch ansteigen! Dies hat insbesondere auch mit den Auswirkungen der langen Kälteperiode auf die Schneedecke zu tun. Oberflächennahe Schichten sind inzwischen verbreitet aufbauend umgewandelt und bestehen oftmals aus Oberflächenreif, kantigen bzw. teils auch lockeren, filzigen Kristallen. Zudem findet man in Oberflächennähe häufig eine Abfolge von dünnen Krusten und weichen Schichten. Im Norden des Landes kommen bodennahe Schwachschichten dazu. Alles in allem haben wir somit mehrere, zum Teil sehr störanfällige Schwachschichten für die nun darüber lagernden Neu- und Triebschneepakete.

 

Oberflächenreif beim Hochzeiger (Foto: 07.01.2021)


Oberflächenreif wurde uns aus ganz Tirol gemeldet


Unterwegs in Osttirol: Lockere Schneeoberfläche (Foto: 07.01.2021)


Am Profil erkennt man einige, mögliche Schwachschichten: Noch fehlt das Brett in Form von Neu- und Triebschnee (Außerfern, Jöchlspitze - Profil vom 10.01.2021)


Die Erfahrung zeigt, dass Schneefall samt Windeinfluss nach einer langen Kälteperiode immer besonders unfallträchtig sind. Es ist während der kommenden Tage mit zahlreichen spontanen (meist mittelgroßen, im Westen Nordtirols zum Teil großen) Schneebrettlawinen sowie mit einer hohen Auslösebereitschaft von Lawinen durch Wintersportler zu rechnen.

 

72-Neuschneeprognose



Der Wind legt zu...

 

...Wind verfrachtet aktuell in größeren Höhen bereits Schnee und bildet zunehmend sehr störanfällige Triebschneepakete (Station Eselrücken-Kreuzspitze in Zentral-Osttirol)

 

Deshalb raten wir zu besonderer Vorsicht und Zurückhaltung!

Die nächste Aktualisierung des Blogs erfolgt spätestens am Donnerstag, 14.01.2021 abends!


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Fri, 08 Jan 2021 00:09:00 +0000

Im Süden oberflächennahe Schwachschichten beachten

Die meisten Gefahrenstellen derzeit in Osttirol sowie im Süden der Gurgler Gruppe


Schneedeckenuntersuchungen sowie Rückmeldungen von Beobachtern bestätigen, dass Schneebrettlawinen durch Wintersportler aktuell vor allem in oberflächennahen Schichten ausgelöst werden können. 


Oberflächennahe Schwachschicht in einem O-Hang auf 2450m im Villgratental. Lawinenunfall Pürglers Kunke vom 06.01.2021 (Foto: 07.01.2021)

Am ungünstigsten erscheinen derzeit Steilhänge im Sektor O über S bis W in einem Höhenband zwischen etwa 2300m und 2600m. Dort findet man häufig unter einer, bis kurz vor Weihnachten gebildeten, Schmelzkruste eine dünne Schicht aus lockeren, meist kantigen Kristallen (zum Teil auch Oberflächenreif). In dieser Schicht wurden kürzlich die meisten Lawinen ausgelöst.


Lawinenabgang Pürglers Kunke vom 06.01.2021; O, 2450m  (Foto: LWD Tirol vom 07.01.2021)


Einer von mehreren, in letzter Zeit in Hochgurgl ausgelösten Schneebrettlawinen. Lawinenabgang vom 03.01.2021 (Foto: 04.01.2021 


Einen Überblick über weitere (u.a. von der Leitstelle Tirol gemeldeten) Lawinenereignissen während der vergangenen Zeit finden sich unter lawis.at. 


In Schattenhängen findet man innerhalb der Schneedecke v,a, Oberflächenreif, der am ehesten noch durch große Zusatzbelastung in sehr steilen Hängen gestört werden kann. Vieles spricht dafür, dass dies nur mehr an vergleichsweise wenigen Orten möglich sein sollte: Vermehrt betroffen dürfte noch ein schmales Höhenband um 2200m sowie kammnahes Gelände (ev. Nigg-Effekt?) sein.

Eingeschneiter Oberflächenreif in den Westlichen Tuxer Alpen. Bei Stabilitätstests konnte diese Schicht nicht mehr gestört werden (Foto: 04.01.2021) 


Gefährdung durch Gleitschneelawinen

Wer sich mit Gleitschneelawinen intensiver beschäftigt, der weiß, dass diese auch am kältesten Tag eines Winters mitten in der Nacht abgehen können. Aktuell ist es kalt, aktuell beobachten wir im schneereichen Osttirol immer wieder Gleitschneelawinen. Diese können also unverändert Straßenabschnitte, aber auch Tourengeher gefährden. 


Im übrigen Nordtirol Gefahrenstellen vermehrt in Schattenhängen an schneearmen Stellen

Abseits der kürzlich neuschneereichen Regionen haben wir inzwischen eine bereits recht günstige Lawinensituation. Gefahrenstellen befinden sich v.a. noch an sehr steilen Schattenhängen an Übergängen von wenig zu viel Schnee. Dort lassen sich Lawinen insbesondere durch große Belastung auslösen. Die Gefahrenstellen sind nicht allzu verbreitet, die Lawinen klein bis mittelgroß.

Bezeichnend für die aktuelle Situation in weiten Teilen Nordtirols ist v.a. die vielerorts stark vom Wind beeinflusste Schneeoberfläche. Bezeichnend ist ebenso die vor allem im Norden und Nordosten vergleichsweise  gering mächtige Schneedecke.

Ein recht häufiges Bild weiter im Norden des Landes: Eine stark vom Wind geprägte Schneeoberfläche; Nördliche Stubaier Alpen (Foto: 31.12.2020)



Wenig Schnee im Nordtiroler Unterland (Foto: 02.01.2021)


Schneeverteilung in Tirol


Schneeverteilung in Tirol: Schneereicher Süden, schneearmer Norden


Im südlichen Osttirol liegen wir aktuell über den (seit 1960) gemessenen Schneehöhenmaxima


Eine arbeitsintensive Aufgabe: Dächer abschöpfen. Lienzer Becken (Foto: 04.01.2021)


Kurzer Rückblick auf die lawinenaktive Zeit Anfang Jänner 2021

Kurzfristig haben wir aufgrund der intensiven Neuschneefälle Anfang des Jahres für Sonntag, 03.01. sowie Montag, 04.01.2021 im südlichen Osttirol große Gefahr ausgegeben. Hier ergänzend zu den letzten Blogeinträgen einige Impressionen:



Typisches Bild: Viele, eher gering mächtige, dafür zum Teil recht flächige Lawinenabgänge, Granatspitzgruppe (Foto: 03.01.2021)


Lawinenabgang auf einer Böschung im Defereggental. Nicht nur Straßenabschnitte, beispielsweise auch spielende Kinder waren damals gefährdet. (Foto: 02.01.2021)


Schnee löste sich aus extrem steilem Gelände und verschüttete die Felbertauernstraße. Foto zeigt die Aufräumarbeiten (Foto: 02.01.2021)


Spontane Schneebrettlawine auf Oberflächenreif in den Karnischen Alpen (Foto:; 03.01.2021)


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Fri, 01 Jan 2021 20:48:00 +0000

Neuerlich Schnee im Süden - neuerlich heikle Lawinensituation für Wintersportler - neuerlich große Zurückhaltung!

In Osttirol heikle Situation für den Wintersportler - hohe Störanfälligkeit der Schneedecke!


In Osttirol haben wir aktuell eine sehr ähnliche Situation wie am 28.12., als Neuschneefälle samt starkem Wind mit Schwerpunkt im Süden des Landes vorausgesagt wurden. Entsprechend verschärft sich die ohnehin für den Wintersportler vielerorts (noch) heikle Situation neuerlich. Fest steht: Wintersportler sollten sich bitte weiterhin in Zurückhaltung üben!  Wir bewerten die Gefahr ab morgen, 02.01.2021 mit der Intensivierung der Niederschläge während des Vormittags mit einem "hohen 3-er" (erheblich). Aufgrund der geringeren Neuschneeprognosen im Vergleich zum 28.12. gehen wir davon aus, dass wir im Südlichen Osttirol eher nicht das "Wintersportler-Groß" erreichen werden, sind aber zumindest sehr nahe dran. (hohe Störanfälligkeit, verbreitete Gefahrenstellen, spontane kleine und mittelgroße Lawinen). Dies hängt jedoch unmittelbar mit den tatsächlichen Neuschneesummen zusammen, die lt. aktuellen Prognosen eher nur punktuell über 30cm liegen sollten.


Neuschneeprognose 01.01.-03.01.2021



Windprognose während der höchsten Niederschlagsintensität. Der Wind wir aus südöstlicher Richtung wehen.


Komplexe Situation


Die Schneedeckensituation gestaltet sich mit dem wechselhaften Wetter immer komplexer. Die Konzentration gilt in den schneereichen Regionen oberflächennahen Schwachschichten, im schneearmen Nordtirol zudem auch bodennahen Schwachschichten. 

  • Oberflächenreif und Wildschnee an der Schneeoberfläche

Aktuell (am 01.01.2021) ist die Schneeoberfläche speziell in Osttirol locker und besteht häufig aus Wildschnee (besonders lockerem, kalten Pulverschnee). Dies hat damit zu tun, weil am 29.12. gegen Ende des Schneefalls der anfänglich stürmische Wind eingeschlafen ist. Zudem hat sich seither neuerlich verbreitet Oberflächenreif gebildet - beides sehr reaktive Schwachschichten, sobald von Triebschnee überlagert! 


Oberflächenreif am Karnischen Kamm (Foto: 01.01.2021 von Gerhard Figl)


  • Bereits eingeschneiter Oberflächenreif

Das kürzlich gebildete Neuschneepaket (28.12. auf 29.12.) lagert bereits stellenweise auf  unverändert störanfälligem Oberflächenreif, während sich der damals überlagerte Wildschnee inzwischen recht gut gesetzt und stabilisiert haben dürfte. 


Typisches Profil für den Norden des Landes: Außerfern; wenig Schnee, bodennahe Schwachschicht; Schneeoberfläche an windgeschützten Stellen locker. Markiert sind der Oberflächenreif an der Schneeoberfläche sowie bereits eingeschneiter Oberflächenreif. (1120m, Süd)


  • "Krusten-Sandwich"

Zusätzlich spielt noch die Warmwetterphase vor Weihnachten samt Regen vom 21.12. auf den 22.12. eine Rolle. Dadurch hat sich mitunter eine recht störanfällige Schichtung aus dünnen Krusten und lockeren kantigen Kristallen ausgebildet. Aufgrund aktuellster, uns zur Verfügung stehender Informationen gehen wir diesbezüglich von einer erhöhten Störanfälligkeit der Schneedecke im Nordsektor zwischen etwa 2100m und 2300m (vereinzelt bis etwa 2500m reichend), in den übrigen Expositionen zwischen etwa 2200m und 2600m aus. Im südlichen Osttirol sowie in Zentralosttirol ist hingegen aufgrund der tieferen Regengrenze (bis max. 2000m) im Nordsektor eher nur der Waldgrenzbereich betroffen. 

Abfolge von Krusten und kantigen Kristallen im Virgental (2440m, Südwest)


Der untere Pfeil zeigt auf den "Krusten-Sandwich", der obere auf eine lockere Schneeoberfläche;  Westl. Tuxer Alpen (2130m, Nord)


Trügerisch: Überschneite Dünen. Deferegger Berge. (Foto: Daniel Kleinlercher am 30.12.2020)


Fotos kürzlicher Lawinenabgänge

Wie schon geschrieben: Wir erwarten eine ähnliche Situation wie gerade eben ab dem 28.12.. Ähnliche Bilder können somit auch nach den kommenden Schneefällen entstehen:


Kleine spontane Schneebrettlawine: Typisch für eine sehr reaktive Schwachschicht, wie z.B. Oberflächenreif oder Wildschnee. Brunnalm (Foto: Daniel Kleinlercher am 31.12.2020)


Lawinenauslösung Großer Leppleskofel; 2650m; NW (Foto: Daniel Kleinlercher am 31.12.2020)


Lawinenabgang Frauenwand. Westliche Tuxer Alpen (Foto: Hubert Gogl am 31.12.2020)


Schneebrettauslösung Schönbergspitze, Zentralosttirol (Foto: Elisabeth Steurer am 30.12.2020)


Je weiter Richtung Norden...

desto weniger hat es während der vergangenen Zeit geschneit, desto massiver ist die Schneeoberfläche vom Wind geprägt, desto schlechter sind die Verhältnisse zum Skifahren. 

Im Norden haben wir aktuell ein vergleichsweise geringeres Triebschneeproblem, vermehrt jedoch ein bodennahes Altschneeproblem. Bodennahe Schwachschichten lassen sich dort allerdings eher nur mehr durch große Belastung an schneearmen, steilen Stellen stören. Vermehrt betroffen ist schattiges Gelände oberhalb etwa 2200m.


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Quelle: Lawinenwarndienst-Blog Tirol