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Lawinenwarndienst-Blog Tirol:

Thu, 20 Feb 2020 20:29:00 +0000

Kleinräumige, frische Triebschneepakete - vereinzelt: Altschneeproblem - in Summe jedoch meist recht günstige Verhältnisse

Kleinräumiges Triebschnee- und Altschneeproblem

In Tirol überwiegen derzeit meist recht günstige Verhältnisse. Die Lawinengefahr ist aktuell (für Freitag, 21.02.2020) mäßig sowie gering.

Unterwegs im Defereggental. Sonnseitig gab es z.T. bereits frühjahrsähnliche Verhältnisse mit Firn (Sulzschnee) bei der Abfahrt (Foto: 18.02.2020)

Lawinengefahrenkarte für Freitag, den 21.02.2020

Wir haben es mit zwei Lawinenproblemen zu tun: Einerseits mit einem Triebschnee-, andererseits mit einem Altschneeproblem. Dabei ist das Triebschneeproblem wesentlich einfacher einzuschätzen als das Altschneeproblem.

Triebschneeproblem

Beim Triebschneeproblem gilt es, den frisch vom Wind verfrachteten Neuschnee zu beachten. Am ehesten lässt sich dieser in größeren Höhen und dann vermehrt im schattigen Gelände von Wintersportlern stören. Der große Vorteil: Mit etwas Erfahrung in der Lawinenbeurteilung lassen sich diese Triebschneepakete leicht erkennen und somit auch umgehen.

Neuschnee wird vom Wind verfrachtet. Bei diffuser Strahlung verbindet sich der Triebschnee während dieser Jahreszeit meist recht rasch mit dem darunter lagernden lockeren Pulverschnee. Silvretta (Foto: 17.02.2020)

Die Störanfälligkeit des frischen Triebschnees nimmt mit der Seehöhe zu. Schneefahnen in der Venedigergruppe (Foto: 18.02.2020)

Ein Blick zurück: zum Teil wechselhaft, zum Teil sehr sonnig und überdurchschnittlich warm, häufig windig. 

Ähnliche Situation am Patscherkofel. Hier erkennt man zusätzlich die meist nur geringen Niederschläge. 

Die Kaltfronten brachten in Summe nur wenig Neuschnee

Altschneeproblem

Das Altschneeproblem ist komplexer uns muss differenzierter betrachtet werden. Jeweils handelt es sich um kantige, lockere Kristalle, die innerhalb der Altschneedecke lagern und eine mögliche Schwachschicht für Schneebrettlawinen bilden. Vorweg: Das Altschneeproblem ist nicht allzu verbreitet und beschränkt sich auf bisher wenig befahrenes, sehr steiles bis extrem steiles Tourengelände.

Wir haben es dabei einerseits mit dem in den vorigen Blogeinträgen bereits angesprochenen Prozess der aufbauenden Umwandlung aufgrund des Gefahrenmusters "kalt auf warm" zu tun. Dieser Prozess startete nach den Regenfällen vom 03.02./04.02. Die Schwachschicht ist nicht überall gleichermaßen ausgeprägt. Am häufigsten fanden wir bei unseren Schneedeckenuntersuchungen bedeutsame Schichten in einem schmalen Höhenband um 2300m im Nordsektor. Da in diesem Bereich derzeit meist nur wenig Schneeauflage vorhanden ist (und somit das für Schneebrettlawinen notwendige "Brett" fehlt), gibt es verhältnismäßig wenige Gefahrenbereiche.

Kantige Schicht zwischen zwei Regenkrusten. Die zwei Regenkrusten entstanden am 03.02. aufgrund einer kurzfristig schwankenden Schneefallgrenze. Danach bildeten sich zwischen den Krusten die kantigen Kristalle.

Bei diesem Profil im Unterland konnte in der betreffenden Schicht nur ein Teilbruch erzeugt werden. Speziell aus dem Unterland bekamen wir mehrmals Rückmeldungen über Setzungsgeräusche v.a. im flacheren Gelände ab dem Waldgrenzbereich aufwärts, die mit dieser Schicht zu tun hatten.

Weiters finden wir kantige Kristalle als Folge der langen Schönwetterperiode bis zum 28.01.2020. Dies v.a. im Sektor W über N bis O. Aufgrund des inzwischen deutlichen Wärmeeintrags in die Schneedecke in besonnten Hängen gehen wir inzwischen davon aus, dass diese Schichten nur mehr im Sektor WNW über N bis ONO in einem Höhenband zwischen etwa 2600m und 3000m zu stören sein sollten. Voraussetzung dafür sind schneearme Bereiche bzw. Übergänge von wenig zu viel Schnee sowie meist große Zusatzbelastung.

Dünne kantige Schicht zwischen zwei Schmelzkrusten auf 2875 in einem extrem steilen NW-Hang in der Silvretta. Die untere Schmelzkruste entstand bis zum 18.01., die darüber befindliche bis zum 28.01. Zwei Personen befanden sich im unmittelbaren Bereich dieses Profilstandortes, als sich eine Schneebrettlawine löste.

Lawinenabgang zu obigem Profil. Kreis zeigt den Profilstandort sowie den Standort der Personen zum Zeitpunkt des Lawinenabgangs. Haagspitze - Silvretta - Bieltal-seitig (Foto: 17.02.2020)

Anrissbereich der Lawine vom 17.02. Haagspitze samt Abstiegsspuren. Die Lawine löste sich, als sich eine Person im obersten Bereich des Anrisses befand. (Foto: 17.02.2020)

Abgesehen von diesem Lawinenabgang ist uns (trotz des sehr schönen Wetters während des vergangenen Wochenendes 15.02. und 16.02.) nur ein weiterer Lawinenabgang aufgrund des angeführten Altschneeproblems bekannt geworden. (Auch dies spricht für die nur mehr relativ wenigen Gefahrenstellen, wo man Lawinen im Altschnee auslösen kann.) Dies war im Variantenbereich des Skigebietes Sölden in einem sehr steilen O-Hang auf 2500m. Auch dieser Lawinenabgang blieb ohne Folgen.

Lawinenabgang vom 16.02. im Variantengebiet des Skigebietes Sölden (Foto: 17.02.2020)

Einfahrtsspur Lawinenabgang vom 16.02. im Variantengebiet des Skigebietes Sölden (Foto: 17.02.2020)

Recht typisch für die derzeitige Situation im besonnten Steilgelände: Oberflächennahe Abfolge von härten Krusten und weicheren Schichten, ebenso in unterschiedlicher Ausprägung im Mittelteil der Schneedecke. Die weicheren Schichten sind häufig von gefrorenen Schmelzkanälen durchzogen und überdies von (mehreren) harten Schichten überlagert. Somit geringe Wahrscheinlichkeit einer Störung.


Kurzer Wetterrückblick der vergangenen Woche

Ergänzend zu obigen Wetterstationsgrafiken hier eine textliche Zusammenfassung des Wettergeschens von unserem Praktikanten Marco Knoflach:

"Zu Beginn des letzten Wochenendes (15.02./16.02.) baute sich über dem Alpenraum ein Zwischenhoch auf, welches uns bereits Mitte Februar frühlingshafte Verhältnisse bescherte. Mit westlicher bis südwestlicher Höhenströmung wurden sehr trockene und vor allem sehr milde Luftmassen herbeigeführt, wodurch die Nullgradgrenze am Sonntag, 16.02., auf 3500m angestiegen ist. Zusätzlich zu den ohnehin schon sehr milden Luftmassen, ließ der in den klassischen Föhntälern kräftig auflebende Südwind die Temperaturen deutlich nach oben klettern. Die Höchsttemperaturen lagen im Zeitraum vom 15.02.-17.02 laut der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) um rund 10 Grad (!) über dem Mittel. In der Nacht auf Dienstag, 18.02.2020, zog relativ rasch eine Kaltfront durch und dahinter flossen trockene und kältere Luftmassen ein. Bereits am Mittwoch, 19.02.2020, überquerte uns die nächste Kaltfront, bevor heute Donnerstag, 20.02.2020, ein kurzes Zwischenhoch für eine Wetterberuhigung sorgte."

Aufzug einer der rasch durchgezogenen Kaltfronten dieser Woche. Blick vom Senderstal Richtung Nordwesten (Foto: 19.02.2020)


Wetter- und Lawinen-Vorschau

"Laut ZAMG streift uns in der kommenden Nacht auf Freitag, 21.02.2020, eine eher schwach ausgeprägte Kaltfront mit neuerlicher Abkühlung, lebhaften bis starkem Wind und schwachen Schauern. Am kommenden Wochenende bestimmt neuerlich ein Ausläufer des Azorenhochs unser Wettergeschehen, welcher wieder für frühlingshafte Verhältnisse sorgen wird."

Die Wetterprognose spricht für eine anhaltend recht günstige Lawinensituation. Vermehrt aufpassen wird man v.a. auf feuchte Gleitschnee- und Lockerschneelawinen müssen. Das diffuse Altschneeproblem mit vereinzelten Gefahrenstellen bleibt uns vorerst erhalten. Der betroffene Sektor (WNW über N bis ONO) wird voraussichtlich schmäler werden, das Problem sich somit eher in den Nordsektor verlagern. Dies hängt allerdings massiv vom aktuellen Wettergeschehen ab und wird tagesaktuell beurteilt werden. (Sollte nämlich sehr viel Wasser in bestehende lockere Schichten eindringen, kann dies die Störanfälligkeit wiederum erhöhen.)


Weitere Eindrücke der vergangenen Woche

Viele höher gelegene alpine Schutzhütten haben ihre Pforten geöffnet, wie beispielsweise die Jamtalhütte in der Silvretta (Foto: 18.02.2020)

Gleitschnee- und Lockerschneelawinen

Während der, für die Jahreszeit, viel zu warmen Tage konnten wieder etwas mehr Gleitschneelawinen bzw. -rutsche beobachtet werden. Saile (Foto: 18.02.2020)

Gleitbewegungen auch auf Hausdächern. St. Jakob im Defereggental (Foto: 20.02.2020)

Warme Temperaturen förderten nasse Lockerschneelawinen. Längental (Foto: 15.02.2020)

Ablagerung nasser bzw. feuchter Lockerschneelawinen. Silvretta (Foto: 17.02.2020)

Kunstwerke aus Schnee als Folge einer feuchten Schneeoberfläche (Foto: 17.02.2020)

Die Schneeoberfläche

Schneedünen nach Neuschneefällen samt etwas Wind (Foto: 18.02.2020)

Eine stark vom Wind geprägte Schneeoberfläche in der Venedigergruppe (Foto: 18.02.2020)

Bizarre Schneeformen als Folge von Regen, anschließendem Schneefall und Winderosion im Ötztal (Foto: 15.02.2020)
Während der vergangenen Schneefälle war (wieder einmal) etwas Graupel eingelagert. Jamtal (Foto: 18.02.2020)
Schneeprofile und Stabilitätsuntersuchungen als Basis unserer Gefahrenstufeneinschätzung. Senderstal (Foto: 19.02.2020)


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Thu, 13 Feb 2020 17:38:00 +0000

Kurzfristig frischen Triebschnee beachten / diffuses Altschneeproblem

Hauptprobleme: Frischer Triebschnee in großen Höhen, diffuses Altschneeproblem

Die während der vergangenen Woche entstandenen frischen Triebschneeansammlungen haben sich meist wieder recht gut miteinander verbunden. Am meisten muss man somit auf frisch gebildete Triebschneepakete achten. Diese sind vermehrt oberhalb etwa 2400m zu stören. Vermehrt betroffen ist schattiges Steilgelände sowie kammnahes, hochalpines Gelände. Lawinen sind eher klein bis mittelgroß und können kurzfristig teilweise noch durch geringe Belastung gestört werden.

Schwieriger einzuschätzen ist ein diffuses Altschneeproblem in einem Höhenbereich zwischen etwa 2400m und 2900m. Betroffen ist v.a. Gelände im Sektor W über N bis O, vereinzelt auch SO. Im Grenbereich der seit Ende Jänner eingeschneiten Schneedecke findet man dünne Schichten aus kantigen Kristallen, die mitunter zu stören sind. Am ehesten ist dies im sehr steilen Gelände an schneearmen Stellen bzw. an Übergangsbereichen von viel zu wenig Schnee möglich. Meist benötigt man dazu große Belastung, vereinzelt ist dies auch durch geringe Belastung vorstellbar. Ausgelöste Lawinen können zum Teil groß werden.

Schneeprofil auf 2870m im Sektor SO in der Region Nördliche Ötztaler und Stubaier Alpen. Die Pfeile zeigen auf dünne kantige Schichten zwischen bzw, unterhalb von Krusten. Brüche pflanzten sich hier innerhalb dieser Schwachschichten fort.  (Foto: 13.02.2020)

Ähnliches Profil, wie am Foto abgebildet im hinteren Kaunertal: Abweichend zu obigem Profil konnte hier auf 2540m im Sektor SO kein durchgängiger Bruch erzeugt werden.

Profil im Schattenhang auf 2500m im 21 Gad steilen Gelände. Im unmittelbaren Nahbereich konnte ein Setzungsgeräusch provoziert werden. Hinteres Kaunertal

Großer spontaner Lawinenabgang nach dem 04.02. Sommerwand ca. 3000m  (Foto: 08.02.2020)
Großer spontaner Lawinenabgang nach dem 04.02. Kaltenberg, Grenzgebiet zu Vorarlberg (Foto: 08.02.2020)



Entwicklung des Gefahrenmusters "kalt auf warm"

Wie schon im Blogeintrag vom 06.02.2020 angeführt, verfolgen wir intensiv die Entwicklung der seit 04.02. eingeschneiten, vom Regen beeinflussten Schneedecke. Inzwischen sieht man im Nordsektor entsprechende aufbauende Umwandlung unterhalb einer ab dem 04.02. gebildeten Schmelzkruste. Diese mögliche Schwachschicht ist unterschiedlich stark entwickelt. Meist fehlt derzeit eine entsprechende Schneeauflage, als dass diese Schicht gefährlich werden könnte. Dennoch: Bei entsprechender Triebschneeauflage gehen wir derzeit von einem schmalen Höhenband zwischen etwa 2300m und 2500m auf, wo Wintersportler diese Schicht eventuell stören könnten.
Hier ein paar Profile der vergangenen Tage:

Pfeil zeigt auf dünne kantige Schicht aufgrund gm.4 (kalt auf warm) hin.

Pfeil zeigt auf dünne kantige Schicht aufgrund gm.4 (kalt auf warm) hin.

Pfeil zeigt auf dünne kantige Schicht aufgrund gm.4 (kalt auf warm) hin.

Am Bild erkennt man jene Regenkruste, welche sich nach dem 03.02.2020 gebildet hat. Osttirol. (Foto: 06.02.2020)

Stark vom Wind beeinflusste Schneedecke

Vom Wind heruntergerissene Äste findet man derzeit in weiten Teilen Tirols (Foto: 13.02.2020)
Der Wind erodierte viel Schnee und ließ z.B. alte Spuren stehen (Foto: 13.02.2020)

Eindrucksvolle Windformation (Foto: 12.02.2020)

Lawinenabgänge der vergangenen Woche

Während der vergangenen Woche passierte ein tödliches Lawinenunglück unterhalb der Murkarspitze. sh. Blogeintrag

Bei einem weiteren Unfall in einem extrem steilen Osthang auf 2300m unterhalb des Großen Rettensteins in den Kitzbüheler Alpen verletzten sich zwei Personen.

Lawinenabgang großer Rettenstein vom 08.02.2020

Ein weiteres Lawinenereignis mit Personenbeteiligung war heute am 13.02. im Defereggental. sh. hier. Es passierte nichts.

Wetter stand im Zeichen des Sturmtiefs "Sabine"

Nach einem Wochenende mit ruhigen Hochdruckwetter und vor allem in der Höhe milden Temperaturen, erreichte uns am Montag, 10.02.2020, das Sturmtief „Sabine“.

Sturmtief "Sabine"

Windböen 10.02.2020 des Sturmtiefs "Sabine"

Maximal gemessene Windböe am 10.02.2020 - Wetterstation Elferspitze im Stubaital)

Die stürmische West- bis Nordwestströmung brachte uns feuchte Luftmassen vom Atlantik und auf den Bergen teils Orkanböen mit Spitzen von über 150km/h nach Tirol. Der stürmische Höhenwind wurde im Laufe der Woche allmählich schwächer und am heutigen Donnerstag, 13.02.2020, sorgt ein kurzes Hoch für beständigeres Wetter.

Anfangs schönes Wetter, ab 10.02. Wetterverschlechterung samt Sturm und Neuschnee. Am meisten schneite es im Nordwesten des Landes, wie hier bei der Wetterstation Jöchelspitze im Außerfern.,

Sturm und entsprechende Schneeverfrachtungen im nördlichen Osttirol (Foto: 11.02.2020)

Ausblick

Bereits in der Nacht zum Freitag, 14.02.2020, überquert uns eine Front mit feuchten und kalten Luftmassen, welche etwas Neuschnee bringen wird. In den Nordweststaulagen erwartet die ZAMG-Wetterdienststelle Neuschneemengen von etwa 20cm, im übrigen Tirol werden es meist zwischen 5 und 10cm sein mit abnehmender Tendenz Richtung südliches Osttirol. Letzte Schneeschauer klingen im Laufe des Tages ab und zu Beginn des Wochenendes bringt uns zunehmender Hochdruckeinfluss sonniges Wetter mit einer deutlichen Erwärmung.

Die Lawinengefahr wird allmählich zurückgehen. Das diffuse Altschneeproblem wird allerdings weiter bestehen bleiben. Mit der Erwärmung ist mit vermehrten Feuchtschneerutschen, ev, auch Gleitschneelawinen zu rechnen.



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Sun, 09 Feb 2020 20:58:00 +0000

Lawinenunfall Murkarspitze (aktualisiert)

Kurz vor Mittag informierte uns heute am 09.02.2020 die Leitstelle über einen Lawinenabgang bei der Murkarspitze in der Region der Nördlichen Ötztaler- und Stubaier Alpen. Die Lawine löste sich, als sich zumindest eine Person bei der Abfahrt im Gipfelhang befand. Eine Person verstarb an der Unfallstelle.

Genauere Erhebungen werden aufgrund der Wetterverschlechterung mit Sturm und Schneefall vorerst nicht erfolgen. Vieles deutet auf die Störung einer kantigen Schwachschicht hin, die sich während der langen Schönwetterphase bis Ende Jänner gebildet hatte.

Die rote Ellipse zeigt den ungefähren Bereich des Lawinenabgangs unterhalb der Murkarspitze, welche man über das Sulztal erreicht.

Ergänzend hier noch zwei Fotos, die heute am 09.02.2020 aufgenommen wurden. Ein Foto zeigt (9) Personen im Aufstieg, eines die abgegangene Schneebrettlawine.

Murkarspitze mit Personen im Aufstieg vor dem Lawinenabgang (Foto: 09.02.2020)

Lawinenabgang Murkarspitze (Foto: 09.02.2020)


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Thu, 06 Feb 2020 18:49:00 +0000

Nach Schneefall und Sturm kurzfristig heikle Situation für den Wintersportler

Viel Schnee und Wind, nun Hochdruckeinfluss

Nach schneereichen und stürmischen Tagen hat sich nun schönes Wetter durchgesetzt. 

Eine turbulente Woche liegt hinter uns. Windig, anfangs noch sehr warm samt Regen, dadurch bedingte Schneehöhenabnahme, folgend eine Kaltfront, die z.T. viel Neuschnee brachte. Hochdruckeinfluss ab 06.02.

In Teilen Tirols fielen während der vergangenen 3 Tage lokal bis zu 100cm Schnee

Einer der hotspots des Schneefalls: Karwendelgebirge. Foto zeigt die Seegrube oberhalb von Innsbruck (Foto: 05.02.2020)

Es war mitunter stürmisch

Sturm nicht nur auf den Bergen. Osttirol (Foto: 05.02.2020)

Frischer Triebschnee bildet derzeit die Hauptgefahr

Die Lawinensituation für den Wintersportler ist oberhalb der Waldgrenze in den neuschneereichen Regionen kurzfristig heikel. Frischer Triebschnee bildet dabei die Hauptgefahr. Dies bestätigen auch Lawinenabgänge, bei denen am heutigen 06.02. Wintersportler involviert waren. All diese Lawinenabgänge sind glimpflich ausgegangen.

Lawinenabgänge der vergangenen Tage

Aufgrund zahlreicher Rückmeldungen haben wir einen guten Überblick über Lawinenabgänge der vergangenen Tage. Ein großes DANKE dafür! Es zeigte sich, dass die meisten Lawinen im Neuschnee gebrochen sind. Einige wenige brachen in aufbauend umgewandelten Schichten, die uns insbesondere vor den Regenfällen vom 03.02. beschäftigten. Letztere Situation wurde nur mehr vereinzelt und dann oberhalb etwa 2300m, also in etwa oberhalb der Regengrenze beobachtet.

Lawinenabgänge auf der Nordkette (Foto: 06.02.2020)

Schneebrettanriss im Bockkar - Außerfern (Foto: 06.02.2020)

Unterschiedlich gute Sprengerfolge im gesamten Land. Meist gut waren diese u.a. am Stubaier Gletscher (Foto: 06.02.2020)

Kammnah im Lee (somit in besonnten Hängen) konnten die meisten Lawinenabgänge beobachtet werden. Stubaier Gletscher (Foto: 06.02.2020)

Kammnahes Schneebrett, O-seitig, Roter Kogel, Osttiroler Hauptkamm (Foto: 06.02.2020)

Wintersportler waren u.a. am Arlberg, in der Silvretta oder auch im Ötztal in Lawinenabgänge involviert.

Ein Wintersportler wollte hinter der Absperrung in den Hang einfahren und konnte sich dort festhalten, als die Lawine abging. Skigebiet Sölden (Foto: 06.02.2020)

Eine der wenigen, uns bekannten Lawinen, die noch im Altschnee gebrochen sind. Gleirschtal (Foto: 06.02.2020) 

Ein Blick zurück: Spontaner Lawinenabgang aufgrund aufbauend umgewandelter Schwachschicht und Erwärmung. O-Hang, ca. 2300m am 31.01.2020. Die folgenden Tage lösten sich weitere, solcher Lawinen aufgrund massiver Erwärmung und Regen. (Foto: 01.02.2020)

Lockerschneelawinen aus extrem steilem Gelände aufgrund von Sonneneinstrahlung. Mieminger Gebirge (Foto: 06. die

Ein Blick in die Schneedecke

Die vergangenen Schneefälle waren dadurch gekennzeichnet, dass viel Graupel eingelagert wurde. Dieser dürfte u.a. eine Schwachschicht für Schneebrettlawinen gebildet haben. Eine weitere Schwachschicht bildete u.a. überwehter Neuschnee. Beide Schwachschichten sind dadurch gekennzeichnet, dass sie meist nur über kurze Zeiträume leicht zu stören sind. Vorsicht derzeit v.a. noch in größeren Höhen im besonnten Gelände sowie in hohen, schattigen Lagen.

Im ganzen Land in den schneereicheren Gebieten beobachtet. Graupel. Außerfern. (Foto: 04.02.2020)

Bezeichnend für den derzeitigen Schneedeckenaufbau. Mehrere Schwachschichten im Neuschneepaket. Nordkette (Foto: 06.02.2020)

Schwachschichten in oberflächennahen Schichten. Die untere Schicht zeigt eine Schmelzkruste, darunter findet man kantige Kristalle. Bereiche, wo die Schneedecke dort noch gestört werden kann, finden sich derzeit v.a. noch oberhalb etwa 2300m im W- und O-exponierten bisher kaum befahrenen Gelände. Ötztaler Alpen (Foto: 02.02.2020)

Die Lawinenwarner der EUREGIO bei Schneedeckenuntersuchungen in den Lienzer Dolomiten. (Foto: 06.02.2020)

Gefahrenmuster kalt auf warm (gm.4) kann ein Thema werden!

Wir beobachten derzeit besonders aufmerksam die Grenzschicht zwischen der vom Regen durchfeuchten Altschneeoberfläche und dem Neuschnee. Aufgrund eines großen Temperaturunterschiedes kann sich dort während der kommenden Tage eine Schwachschicht bilden. Noch konnten wir in dem Grenzbereich dieser Schneeschichten nichts Besorgniserregendes beobachten. Sobald wir Indizien haben, werden wir dies sofort publik machen. 

Eine Bitte an Wintersportler, die gerne mal in die Schneedecke schauen. Wir sind sehr dankbar für Rückmeldungen über beobachtete Umwandlungsprozesse der Schneedecke in erwähntem Grenzbereich (Finden sich schon kantige Kristalle? Was sagen Stabilitätstests?). Am besten direkt an lawine@tirol.gv.at schicken. DANKE!

Am Bild erkennt man die Altschneedecke und den darüber gelagerten Neuschnee. Im Grenzbereich zwischen  angefeuchtetem bzw. durchnässtem Altschnee und kaltem Neuschnee (sh. Pfeil) können sich zukünftig kantige Kristalle bilden. (Foto: 05.02.2020) 

Schneeprofile zeigen einen markanten Temperaturunterschied an der Grenzfläche Alt- und Neuschnee

Idente Situation wie bei obigem Profil

Wie geht es weiter?

...darüber machen sich die EUREGIO-Lawinenwarner tagtäglich ihre Gedanken...

Diese Tage für den Lawinenreport zuständig: Die EUREGIO Lawinenwarner Lukas (Südtirol), Norbert (Nordtirol) und Sergio sowie Gianluca (Trentino). Dolomitenhütte (Foto: 06.02.2020)

Schönwetter dominiert die kommenden Tage. Frischer Triebschnee sollte v.a. in größeren Höhen noch vorsichtig beurteilt werden. Wir raten deshalb Wintersportler weiterhin zu Vorsicht. Am vergleichsweise kritischsten ist derzeit kammnahes Gelände in größeren Höhen, wo sich vermehrt Triebschnee abgelagert hat. Ebenso vermehrt aufpassen sollte man in einem Höhenbereich zwischen etwa 2300m und 2800m in W- und O-Hängen. Dort lassen sich in den neuschneereicheren Regionen an Übergangsbereichen von wenig zu viel Schnee im sehr steilen Gelände mitunter noch größere Lawinen auslösen.

Übrigens: Pulver lässt sich auch in weniger steilem Gelände genießen. Wankspitze, Mieminger Gebirge (Foto: 05.02.2020)

Wie schon angesprochen, kann sich aufgrund von gm.4 eine neue Schwachschicht bilden, die in regenbeeinflussten Gebieten v.a. oberhalb der Waldgrenze ein Thema werden könnte.


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Mon, 03 Feb 2020 17:39:00 +0000

Nach Regen schneit es bis in tiefe Lagen - Wintersportlern raten wir zu Zurückhaltung!

Wintereinbruch bis in tiefe Lagen

Nach dem zum Teil intensiven Regen mit zahlreichen, meist mittelgroßen Lawinenabgängen sowie Überschwemmungen im Unterland bringt nun laut ZAMG-Wetterdienststelle eine Kaltfront beachtliche Neuschneemengen samt stürmischen Verhältnissen auf den Bergen.

Die Kaltfront wird morgen am 04.02. in der Früh mit starkem Wind Tirol erreichen und bringt bis Mittwoch, 05.02. zum Teil beachtliche Neuschneemengen von lokal nahe an die 100cm.

Wichtig erscheint in diesem Zusammenhang die Ausgangssituation für diese Schneefälle, die in Summe gar nicht so schlecht ist. Die vorangegangenen Regenfälle führten nämlich bereits zu einer massiven Schwächung der Schneedecke. Schwachschichten innerhalb der Altschneedecke sind somit nur mehr vereinzelt, und wenn in großen Höhen anzutreffen.

Hauptprobleme Triebschnee in hohen sowie Nassschnee in tiefen und mittleren Höhenlagen

Eines der Hauptprobleme dieser Neuschneefälle wird v.a. innerhalb des Neuschneepakets zu suchen sein. Als Schwachschichten kommen voraussichtlich lokal Graupeleinlagerungen in Frage. Ebenso kann unterschiedlicher Windeinfluss während des Schneefalls zu Härteunterschieden innerhalb des Neuschneepakets führen. Eine vergleichsweise weichere, hohlraumreichere Neuschneeschicht könnte eine Schwachschicht für darüber gelagerten Triebschnee bilden.

Zudem bleibt die nasse Altschneedecke zum Teil noch störanfällig. Dies gilt v.a. für extrem steiles Gelände in den neuschneeärmeren Regionen, wo Impulse von Wintersportlern und Freeriderinnen zum Abgang nasser Lockerschneelawinenlawinen führen können. Auch Gleitschneelawinen bleiben vorerst noch eine nicht zu unterschätzende Gefahr, dies besonders in den schneereicheren Regionen Tirols, dort wo es während der vergangenen Tage intensiver geregnet hat.

Zu bedenken ist auch, dass Neuschnee, welcher in Bewegung gerät mitunter die nasse Altschneedecke mitreißen kann. Da die Schneemächtigkeit im gesamten Land in tiefen und mittleren Höhenlagen unterdurchschnittlich ist, werden die Auslauflängen solcher Lawinen in überschaubarem Ausmaß bleiben.

Wintersportler und FreeriderInnen aufgepasst!

Beachtet während der kommenden Tage die Trieb- und Nassschneeproblematik.

Meidet während der kommenden Tage v.a. frische Triebschneepakete im sehr steilen Gelände. Die Verbreitung und Störanfälligkeit frischer Triebschneeansammlungen nehmen mit der Seehöhe zu.

Wir raten, unerfahrenen Personen, die gesicherten Pisten vorerst möglichst nicht zu verlassen.

Ein Blick zurück: Viel Regen im Norden 

Die Prognosen der ZAMG-Wetterdienststelle sind eingetroffen. In weiten Teilen Tirols hat es vom 02.02. auf den 03.02.2020 intensiv geregnet, mit Schwerpunkt im Norden des Landes. Die Regengrenze lag meist zwischen 2300m und 2500m. Mitunter sank diese während des heutigen 03.02. auf etwa 2000m.

Niederschlagsverteilung der vergangenen 24 Stunden in Tirol

Die maximal gemessenen Niederschläge beliefen sich auf über 90mm!

Nasse Schneedecke bis in hohe Lagen hinauf - Spontane Lawinen

Der Regen durchnässte die Schneedecke bis in hohe Lagen, dies umso mehr, je niederschlagsreicher die Region war. Damit einhergehend verlor die Schneedecke an Festigkeit. Die Folge waren zahlreiche spontane Lawinen. Meist handelte es sich um nasse Lockerschnee- und Gleitschneelawinen. Vermehrt waren es Lawinen der Größe 2, zum Teil auch Größe 3 sowie zahlreiche Rutscher. Ebenso wurden uns spontane Schneebrettlawinen gemeldet. Letztere lösten sich auch noch oberhalb der Regengrenze, v.a. in der nördlichen Hälfte.

Hier findet sich eine Auswahl an Bildern der kürzlichen Lawinenaktivität in Tirol:

Eine Mischung aus nassen Lockerschnee- und Gleitschneelawinen im Lechtal (Foto: 03.02.2020)

Viele kleinere Lockerschneelawinen im Stubaital (Foto: 03.02.2020)

Lawinenablagerung unterhalb eines Wasserfalls im Sellraintal, der gestern von Eiskletterern noch begangen wurde (Foto: 03.02.2020)

Erhöhte Gleitschneeaktivität, wie hier unterhalb der Seegrube bei Innsbruck. Eine abgegangene Gleitschneelawine. Weitere Gleitbewegung ist im Gange (Pfeile) (Foto: 03.02.2020)

Einige Lawinen erreichten auch gesperrte Pisten, wie hier im Rettenbachtal in den Ötztaler Alpen (Foto: 03.02.2020)

Die im Hintergrund ersichtliche Lawine wurde gezielt abgesprengt. Paznauntal (Foto: 03.02.2020)

Kleiner Impuls, große Wirkung: Nasse Lockerschneelawinen erreichten z.T. beachtliche Größe. Obergurgl (Foto: 03.02.2020)


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Quelle: Lawinenwarndienst-Blog Tirol