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Autor Thema: Zillertal 03. bis 05.09.2021  (Gelesen 549 mal)

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Offline Maiwanderer

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Zillertal 03. bis 05.09.2021
« am: 07.09.2021, 19:11 »
Servus beinand,

es ging mal wieder ins Zillertal. Endlich! Nach vieeeelen Jahren Abstinenz...  #guteidee#2

Bereits im Juni haben wir Plätze auf der Olpererhütte reserviert in der Hoffnung, nach all dem Regen mit etwas Glück ein paar Sonnenstrahlen zu ergattern  #willsonne#

Und der Wettergott meinte es tatsächlich gut mit uns: ab Mittwoch wirds immer sonniger, der Regen lässt nach. Aufbruch also am Freitag Mittag nach Feierabend bei bestem Sonnenschein. Lediglich der viele Neuschnee bereitete uns etwas Sorgen...

Bepackt mit schweren Rucksäcken - Coronabedingt ist ein Schlafsack vorgeschrieben und Juniors Rucksack kann ich noch nicht so arg schwer beladen - machen wir uns vom Schlegeisspeicher an den Aufstieg zur Olpererhütte. Es kommen uns Massen an Wanderern (Korrektur: die Allermeisten waren keine Wanderer oder gar Bergsteiger, sondern wirkten eher wie Touristen) entgegen. Wo kommen die alle her?  #gruebeln#

An der Hütte angekommen, genießen wir erstmal den tollen Ausblick übern Speichersee zum gletscherbedeckten Großen Möseler, zum Hochfeiler, zum Hochferner usw... Da juckts gleich wieder in den Fingern, auf die andere Seite des Sees müßen wir auch mal wieder  #bisbald#

 
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Nachdem wir unser Lager in der ausgebuchten Hütte bezogen haben machen uns auf den Weg zur Erkundung, woher die vielen Wanderer/Touristen/Instagrammer kommen. Dazu aber morgen mehr...  #ueberraschung#

Vorm Abendessen ergattern wir noch einen freien Blick auf unser morgiges Tagesziel:

 
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Offline Maiwanderer

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Re: Zillertal 03. bis 05.09.2021
« Antwort #1 am: 08.09.2021, 20:56 »
Nach einer sehr kurzen und unruhigen Nacht - ein Wahnsinns-Schnarcher in unserem, und Einer im Nachbarlager welcher so einen Lärm machte, dass ich jeden Moment dachte, er sägt sich durch die Holzwand zu uns durch - gabs ein gutes Frühstück mit vieeel Kaffee. Irgendwie muss man doch wach werden  #kaffee1#

Die Rucksäcke haben wir schon am Vortag umgepackt und so sind wir schnell in unseren Schuhen und marschieren los. Es ist 7 Uhr und noch nix los - so schön ruhig. Und mit 4° Celsius auch nicht arg kalt.

 
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Auf gehts zum Olperer #schwitz#

Unser Sohn möchte heute "seinen" ersten 3000er in seinem Tourenbuch notieren. Seil und Gurt haben wir dabei, Steigeisen und Pickel blieben Zuhause. Eine kluge Entscheidung, wie sich bald rausstellen sollte, der Schnee war von Anfang an sehr nass, nirgends auch nur ansatzweise Eis.
Ab ca. 2800m zunehmend mehr Schnee. Auf keinen Fall darf man im immer steiler werdenden Blockwerk zwischen die Steine auf Schnee treten. Man bricht sonst teils bis zur Hüfte ein und kann sich schnell an den scharfen, spitzen Steinen verletzen.

Immer wieder fällt der Blick zurück zu den Zillertaler Eisriesen. Ganz links im Bild der Schwarzenstein mir seinem flachen, weiten Gletscher:

 
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Das Blockwerk wird immer steiler, zum Schluss sogar kurz senkrecht und man erreicht den Schneegupf, eine nicht (mehr) allzu große Gletscherfläche.
Von dort hat man einen tollen Blick zum Schrammacher:

 
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Und auch zum Gipfel des Olperers. Sogar das Gipfelkreuz kann man schon sehen:

 
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Ein letzter, sehr steiler Aufschwung und man steht auf dem Gipfelgrat. Doch alle Bergsteiger vor uns drehen um und kommen uns entgegen. Was ist los?
Ich steige noch einige Meter weiter und erkenne den "Übeltäter": eine schiefe Platte direkt über der senkrecht abfallenden Wand, überzogen mit nassem Neuschnee. Extrem glitschig und keinerlei Tritte oder Griffe.
Ich entscheide mich zur Umkehr. Der Junior sieht das natürlich anders und protestiert. Doch meine Frau und ich überstimmen ihn, der Berg steht noch länger...
Auch die nachfolgenden Bergsteiger drehen alle um. Scheinbar haben wir die richtige Entscheidung getroffen.

Wir steigen ab und setzten uns am Schneegupf auf große, flache Felsplatten. Brotzeit  #essen1#. Die Sonne scheint herrlich warm und die Sicht ist toll - man kann sich gar nicht sattsehen. Auch ohne Gipfelerfolg ein Traumtag  #sonne2#

Die kurze Steilstufe unterhalb vom Schneegupf erfordert nochmals volle Aufmerksamkeit, danach gehts schnell runter.
Kurz vor Erreichen der Hütte umkreist ein Hubschrauber den Schneegupf. Sucht der jemanden? Ist was passiert? Schließlich wird jemand per Bergetau geborgen.
An der Hütte erfahren wir, dass ein junger Mann aus Köln scheinbar unterhalb vom Schneegupf 15m abgestürzt sei und sich an Hüfte und Schulter/Arm Knochenbrüche zugezogen hätte.
Wir können uns sogar noch an ihn erinnern, ich habe ihm von den schwierigen Verhältnissen am Gipfelgrat erzählt, er wollte dennoch mal schaun, wie weit ers schafft. An dieser Stelle Gute Besserung!  #besserung#

An der Hütte abgekommen, erst mal ein Kaltgetränk  #weissbier# , eine Dusche und wir strecken alle Viere von uns.

Ausgeruht gehts am frühen Abend zum Berliner Höhenweg. Dort befindet sich nur wenige Meter oberhalb der Hütte eine Hängebrücke über einem nicht allzu großen Bachbett. Anscheinen DER Instagram-Hotspot.  ::) Hier sind tagsüber für ein Bild lange Wartezeiten in Kauf zu nehmen, beim Olperer-Abstieg konnten wir eine richtig große, bunte Menschentraube erkennen  #lacher#
Um diese Tageszeit ist glücklicherweise wenig los und wir kommen auch noch in den Genuss eines "Must-Have-Bildes"  #victory#

 
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Ich frage mich nur, wie wirs früher ohne Brücke durch dieses Bachbett geschafft haben...  #gruebeln#

Offline Maiwanderer

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Re: Zillertal 03. bis 05.09.2021
« Antwort #2 am: 09.09.2021, 20:40 »
Es gibt doch tatsächlich auch erholsame Nächte auf einer Hütte - heute kein Schnarcher in unserem Lager  :sleepy:

Nach einen guten Frühstück gehts heute aufm Berliner Höhenweg in Richtung Friesenberghaus und weiter zum Hohen Riffler.

Noch ein letzter Blick zur Olpererhütte:

 
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Es ist kaum zu glauben, aber die Hängebrücke gibts auch menschenleer:

 
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Wir begegnen in den kommenden 1,5 Std. keiner Menschenseele. Durch diese Ruhe lassen sich eine Murmeltierfamilie und ein ganzer Trupp Schneehühner mit sicherlich 20-30 Tieren ausgiebig beobachten. Erst oberhalb vom Friesenberghaus steigen die ersten Wandergruppen zu uns herauf.

Wir steigen jedoch nicht zum Friesenberghaus ab - diese zusätzlichen Höhenmeter im Ab- und Aufstieg wollen wir uns heute sparen  #guteidee#2
Der Höhenweg führt oberhalb vom Friesenbergsee und den Seewänden in die Einschartung zwischen Petersköpfl und Hohen Riffler. Dort deponieren wir im Blockwerk zwei unserer drei Rucksäcke. Wer den letzten Verbliebenen tragen darf, das kann sich wohl jeder denken...  #gruebel# #schwitz#

Die Wolken - oder wies am Vortag vier junge Österreicher aufm Weg zum Olperer nannten: da Raach - sind heute etwas mehr, aber dennoch kann man immer wieder einen Blick in die Ferne oder wie hier runter zum Friesenberghaus samt -see sowie Schlegeisspeicher erhaschen:

 
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Über Blockwerk und einige kleine Schneefelder gehts weiter aufwärts bis zum Gipfelgrat. Dort gibts tolle Einblicke in die steile Nordwand aber auch in das total verbaute Skigebiet des Hintertuxer-Gletschers.

Hier ist nochmal volle Aufmerksamkeit gefragt, doch nach wenigen Minuten stehen wir am Gipfel des Hohen Riffler:

 
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Der Sohnemann kann also doch noch einen 3000er in sein Tourenbuch aufnehmen und ist sichtlich stolz  #prost#
Für eine größere Pause ist es uns zu kalt, die Aussicht ist auch nicht die Beste und so steigen wir rasch wieder ab. Unterwegs nehmen wir wieder unsere Rucksäcke mit und weiter gehts zum Friesenberghaus. Dort gibts eine wärmende Suppe mit Knödel und natürlich auch ein  #bier2#

Es beginnt doch tatsächlich leicht zu tröpfeln und so nehmen wir zügig den weiteren Abstieg zum Schlegeisspeicher in Angriff. Die Wolken lichten sich aber bald wieder und geben nochmals einen sonnigen Blick zum Friesenberghaus und Hohen Riffler frei:

 
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Die letzten paar Meter vorm Parkplatz regnet es wieder mehr, sogar ein paar Graupelkörner sind dabei  #wetter1#
Davon lassen wir uns aber nicht mehr hetzen, dafür waren die letzten Tage einfach zu schön  #sonne2#