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Autor Thema: 17.08.17: Mangfallgebirge: Überschreitung vom Schönfeldjoch zum Ht. Sonnwendjoch  (Gelesen 595 mal)

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Offline geroldh

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    • climbing Chulu Far East (6059m), Annapurna Himalaya, Nepal (Okt.2007)
Nachdem wir bereits Ende Juli dem Frechjoch und Veitsberg einen Besuch abgestattet hatten, ging’s nun auf die andere Seite der Ackernalm zum lt. Wiki höchsten Berg des Mangfallgebirges.

Wir starten am Ursprungpass (836 m), nahe der Bayrisch-Tirolerischen-Grenze. Den ostseitigen und markierten Aufstieg an der Verwalter-Alm vorbei kennen wir schon, deshalb schlagen wir am Hangfuss zuerst die nördliche Richtung ein, um kurz nach einem Jagd-Haus den NordOst-Grat des Schönfeldjochs zu erreichen. Wir möchten dort einen in älteren Karten schwarz-gepunktelten Steig erkunden, der einige hundert Meter höher in den markierten Pfad einmündet.

Der Anfang über ein kleines Wiesenstück unmittelbar hinter einem Jägerstand beginnt vielversprechend, doch mit dem Erreichen des Waldes ist ein früherer Steig kaum mehr auszumachen. Kurz darauf sehen wir zwar an einem alten Baum neben einer Forstmarkierung auch zwei rote Punkte (für jede Richtung), doch von wenig später ab wird es keinerlei Anhaltspunkte für einen alten Steig mehr geben. Praktisch „weglos“ versuchen wir mittels einem genauen GPS der Linie einer hinterlegten Karte bzw. Spur möglichst genau zu folgen, aber nur sporadisch könnte der alte Verlauf zu erahnen sein, da sind die vielen Wildwechsel viel deutlicher ausgeprägt. Dieser (Jäger)Steig war früher offenbar nur ausgetreten und ohne jede Grabungstätigkeit im Gelände, und so ist es kein Wunder, dass insbesondere das Gras an den lichten Stellen sich seinen Lebensraum wieder zurückgeholt hat. Diese frühere Aufstiegsmöglichkeit ist m.E. heute verloren und wird wohl keinen Einzug in die OSM-Datenbank mehr erfahren.

Am Höhenpunkt 1264m vorbei erreichen wir an einer kleinen Jagdhütte den markierten Bergsteig – und wenig höher eine kreuzende Almstrasse, die es bei unserem letzen Besuch kurz nach der Jahrtausendwende noch nicht gab. Entsprechend ihrem gewundenen Verlauf wird nun der alte Steig einige Male geschnitten (durch die steil abgegrabene Böschung wurde er tw. verlegt) bzw. im oberen Bereich sogar fast völlig „gefressen“. Wie wir bald darauf an der Alm erfahren, ist dieser Fahrweg nun zehn Jahre alt – und noch dabei sich ins Gelände „einzuwachsen“...

Wir erreichen die Schönfeldalm (1566 m) und ich habe dort mit unserer kurzen Rast bereits die Hälfte meines 2-Liter umfassenden Wasservorrats verbraucht – die warmen Tagestemperaturen wollen kompensiert werden. Doch unsere Nachfrage an der Alm ergibt, dass diese keinerlei Quellwassermöglichkeit hat, die Rindviecher werden mit Regenwasser getränkt und die Almerer fahren heute ihr (Mineral)Wasser in Plastikflaschen herauf. Doch es gibt frische, gekühlte Kuhmilch – und mit einem abgefüllten Liter davon steige ich dem „Ostgipfel“ des Schönfeldjochs mit seinem sog. Heimkehrerkreuz entgegen (1690 m).

Ein kleiner Pfad auf dem Grat führt uns weiter zum Hauptgipfel des Schönfeldjochs (1776 m), von wo aus wir unseren weiteren Verlauf überblicken können. Der kleine Steig würde zwar etwas unterhalb des Wildenkarjochs vorbeiführen, doch wir wollen möglichst im Gratbereich bleiben, denn dort geht wenigstens ab und zu ein kleines kühlendes Lüftchen – und geraten kurz nach dem Meßpunkt des Wildenkarjochs (1747 m) in den Latschenverhau. Doch jeder findet seinen eigenen „Ausweg“ und wir erreichen mit etwa 1625m den Sattel im Gratverlauf, durch den ein markierter Steig die Grundalm und die Wildenkaralm verbindet.

Jetzt folgen wir deutlichen Trittspuren, die uns hinauf in ein zunehmend steiles, auf beiden Seiten immer stärker abbrechendes Gratterrain führen. Vorsichtig kraxeln wir auf diesem ausgesetzten und brüchigen Abschnitt, der in der OSM-Datenbank als T5 hinterlegt ist, höher und umkraxeln die sog. Teufelskanzel, ein markanter Felskopf, der nordseitig senkrecht abbricht, auf der schrofigen Südseite. Ein paar exponierte Gratpassagen noch und wir erreichen einen namenlosen Latschengupf mit 1854m.

Ich habe an diesem Tag und Ort nicht mit „Gegenverkehr“ gerechnet, doch dort kommen uns zwei Burschen entgegen, die sich etwas vorher für diesen „anspruchsvollen Wanderweg“ zusammengetan haben. Auf meine Frage hin, wie sie auf diese Begehungsmöglichkeit gekommen sind – denn steckt eine OSM-basierte Internetkarte dahinter, müßten ggfs. im Rahmen der „Verantwortung“ manche Einträge hinterfragt werden – erhalte ich die Antwort, der „Weg“ sei in ihrer offiziellen (Papier)Wanderkarte eingezeichnet. Wir mögen es nicht glauben, doch tatsächlich ist dieser Gratabschnitt zwischen dem Ht. Sonnwendjoch und dem „Wildenkar-Sattel“ auf ihrer Papierkarte (Nr. 008; M 1:25.000) vom Kompass-Verlag rot-gestrichelt(!) eingezeichnet – dagegen ist der wesentlich harmlosere Gratübergang des Schönfeldjochs rot-gepunktelt eingetragen. Anstatt die Linie gemäß dem tatsächlich markierten Steig (und meiner Uralt-Kompasskarte Nr. 8 ) auf dem Ht. Sonnwendjoch enden zu lassen, hat irgendein „fachkundiger Redakteur“ diese gleich über den wirklich anspruchsvollen Grat hinüber verlängert... Uns bleibt nur, die beiden über die vorhandenen Verhältnisse aufzuklären – und sie ggfs. für eine Umkehr zu ermutigen – wir jedenfalls haben uns diese Gratpassage bewusst in der leichteren, aufwärts steigenden Ost-West-Richtung ausgesucht.

Ein felsiger Gratabschnitt wird nordseitig im steilen Schrofengelände umgangen (T4) und wir erreichen die Krenspitze (1972 m), die ein kleines hölzernes Gipfelkreuz der gleichen Bauart wie am gegenüberliegenden Frechjoch und dem vorherigen Schönfeldjoch aufweist. Doch trotz Dose und Tüte ist das kleine DIN A6-Gipfelbüchlein bereits seit einigen Wochen durchfeuchtet und die Stifte ausgetrocknet. Von hier aus ist auf einem relativ einfachen Steig (T2; schwarz-gestrichelt in den alten Papier-Karten) das nahe gelegene Hintere Sonnwendjoch (1986 m) als Tourenziel bald erreicht.

Während wir dort rasten und ich durch das großzügig benutzte Gipfelbuch schaue – am Feiertag 15.Aug. muss es hier zugegangen sein wie auf dem Stachus – rauscht es über unseren Köpfen, ich denke an einen Segelflieger, doch ein ganzer Schwarm von wohl 100 Dohlen „stallt“ sich herunter und lässt sich um uns herum am Gipfel nieder. Dies haben wir so auch noch nicht gesehen, dass manche der Vögel beim Sonnenbad einen oder beide Flügel vom Körper abstrecken, so als wäre er gebrochen.

Doch nun heißt es an den Rückweg zu denken, den wir auf der Südseite auf markierten Steigen absolvieren möchten. Am kleinen Sattel südlich unterhalb des Hauptgipfels steigen wir ostseitig in die sog. Schnittlauchrinne ab und erreichen überwiegend absteigend die Wildenkaralm (ca. 1440 m), an der es wieder für uns trinkbares Quellwasser gibt. Nun wird auf einem Höhenweg leicht ansteigend die Schönfeldalm (1566 m) angepeilt, wo wir mit einem „Hopfenwasser“ noch einmal rasten, in die südlich gelegenen Brandenberger Alpen hinüber schauen und dann zügig den ausgetretenen und markierten Steig hinab zum Ursprungpass absteigen.

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« am: 19.08.2017, 14:49 »