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Autor Thema: 06.05.17: Chiemgauer Alpen: Via „Zeitreise“ unter'm Zellerhorn unterwegs...  (Gelesen 717 mal)

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Offline geroldh

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    • climbing Chulu Far East (6059m), Annapurna Himalaya, Nepal (Okt.2007)
Kurz vor dem angekündigten Dauerregen bot es sich an, um auch östl. vom Laubenstein und Zellerhorn auf „Zeitreise“ zu gehen – wieder war eher der „Weg“ als ein Gipfel unser Ziel.

So hatten wir in der Nähe von Bach, südl. von Hohenaschau i. Chiemgau (Bilder 1), geparkt und einen uns seit langem bekannten Aufstieg in Richtung Ellandalm (Elland-Alpe) ausgewählt: Beim Weiler Einfang beginnt ein sehr alter Almweg, der seit 1900(!) kartenverzeichnet ist, in den Kartenblättern 1974-2006 als „Wanderweg“ rot hinterlegt war und noch heute in der akt. Topo-Karte im BayernAtlas dargestellt wird.
Entlang des unteren Waldrandes zieht sich ein langer Wildschutzzaun, der hier außerhalb der (Jagd-)Schonzeit durch einen hölzernen Überstieg zu überkraxeln war (Bilder 2):
Zitat von: Landratsamt Rosenheim
Wildschutzgebiet
Auf Grund der Rechtsverordnung vom 17.02.1994 ist das Betreten und Befahren dieses Weges in der Zeit vom 01.11. bis 15.04. jeden Jahres nicht gestattet. Zuwiderhandlungen können mit Geldbuße bis zu DM 10.000,-- geahndet werden.

Doch die Sprossen wurden entfernt und der Zaun durch Stacheldraht verstärkt – hier soll niemand mehr hinein (und wohl auch hinaus). Dieser Weg wurde bereits seit vielen Jahren nicht mehr „gepflegt“ und ist neben Totholz durch Steinschlag aus den spröden Felswänden darüber gefährdet – vmtl. soll hier das mögliche „Haftungsthema“ noch weiter ausgeschlossen werden.
Das Risiko, dass auch Gemsen mit Steinen „werfen“, können wir eingehen und finden etwas linkerhand eine Möglichkeit... Wie früher üblich, steigt der (Nutz-)Weg gleichmäßig sachte an, wo das Gelände es erforderte wurde mit Steinen aufgemauert oder der Fels ausgehauen (Bilder 3) – irgendwie schade, dies nun verfallen zu lassen...

Wir folgen interessiert einer alten Geländespur hinab zum Floderbach und entdecken oberhalb des Wasserfalls noch einen alten und verfallenen, aber nie in den „Zeitreise-Karten“ verzeichneten Steig, der sich entlang einer Felswand von unten herauf zieht.
In der Nähe wird noch ein alter Alm-/Jägersteig erforscht und auf dessen undeutlichen Resten ein ab 1974 verzeichneter, inzw. wohl aufgegebener Wirtschaftsweg erreicht, der sich später im vermoosten Fichtenwald verliert. Durch‘s Gelände aufsteigend erreichen wir das Wegkreuz am nördl. (offiziellen) Wanderweg zur Ellandalm (Bilder 4) – Zeit für unsere Mittagspause.
Einen Aufstieg auf den Laubenstein verwerfen wir und testen stattdessen das Gelände unterhalb des Zellerhorns an, doch da ist nix mehr und auf Wildspuren steigen wir nach Norden, bis wir im Wald auf das Ende eines alten, inzw. stark verfallenen Reitwegs treffen, der (seit 1911 verz.) in einer „interessanten“ S-Formation unweit des aktuellen Wanderwegs zur Hofalm in diesen einmündet. Damit früher die Barone vom Schloß Hohenaschau mit ihren Gästen bequem auf Pferden das Jagdgebiet erreichen konnten, wurde die untere Kehre in das Gelände hinein gegraben und die obere Kehre aufgemauert, ganz so, wie man es auch von Passstrassen her kennt. Doch ohne Wanderziel ist dieser historische Weg dem Verfall geweiht (Bilder 5)...

Die Sonne macht sich inzw. rar, jedoch tut dies dem Durst keinen Abbruch - hat schließlich die Hofalm in den Karten von 1985 bis um 2008 das Kürzel „Whs“ vermerkt, was nach eigener Erfahrung so viel wie „Weißbierquelle“ bedeutet. Und unser Platz vom vorherigen WE war auch noch frei...
Ein Seitenast des Zellgrabens ist durch Starkregenereignisse der letzten Jahrzehnte stark auserodiert und der Verfall nagt mitunter noch oben an dem mit Beton vertärkten Almweg (seit 1911 verz.)... Doch ein ebenfalls seit 1911 eingetragener und bis 2006 angedeuteter direkter Aufstieg von Hammerbach ist dieser natürlichen Geländeabtragung bereits vor langer Zeit zum Opfer gefallen und selbst eine spätere Pfadkorrektur konnte nicht gehalten werden.
Südl. der Erossion steigen wir durchs freie Gelände auf den ehemaligen Pfad hinab – und kurz darauf entdecke ich auch dort unten noch einen alten, ausgegrabenen Pfadverlauf, der kaum ohne Höhengewinn weit ausholend den heutigen Almweg zu erreichen versuchte. Nie kartenverzeichnet rätsele ich diesen abgehend über dessen Bedeutung... Erstaunlich schnell – und völlig „E-Bike-frei“ – stehen wir alsbald im Tal und wenig später am Auto. Es ist wirklich faszinierend, was für ehemalige „Schätze“ unsere heimische Bergwelt für interessierte roBergler bereit hält...

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« am: 10.05.2017, 21:59 »