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Autor Thema: Lechtaler Traumskitouren (25.2-27.2): Das Finale Namloser Wetterspitze (2553m)  (Gelesen 696 mal)

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Offline Bernhard G.

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Die Namloser Wetterspitze ist einer der bekanntesten Skitourenberge der Lachtaler Alpen. Zu unterschätzen ist sie nicht - der riesiege, südseitige, grasige Gipfelhang ist nahezu durchgehend 40° steil und wird in älteren Führern als " nur bei bestem Firn im Frühjahr zu verantworten"  beschrieben. Nun gut, heutzutage geht man solche Frühjahrstouren schon im Hochwinter, aber gut gesetzt sollte sich der Schnee schon haben.

Da es heute sehr warm werden sollte, sind wir bereits mit dem ersten Tageslicht Richtung Fallerschein gestartet. Fallerschein ist ein kleines Almdorf, das sich jetzt im Winterschlaf befindet. Ein Highlight gibt es: an einer Alm hat jemand Kühlboxen mit diversen Getränken plaziert - das Ganze per Selbstbedienung zu sehr humanen Preisen. Davon machten wir dann auf dem Rückweg reichlich Gebrauch.

Auf die erste, kleine Herausforderung des Tage trifft man hinter Fallerschein bei der Durchquerung des Bichlwalds: Hier verläuft der sehr schmale Weg oberhalb einer Bachschlucht - ausrutschen wäre hier ungut. Trittspuren vom Vortag zeigten, daß es dieses Stück dem einem oder anderen nicht ganz geheuer war.

Danach geht es weiter über freies Gelände unterhalb der mächtigen Flanken der Bschlabscher Kreuzspitze und des Egger Muttekopfs Richtung Namloser Wetterspitze. Bis dahin ist es ein ziemlicher Hatscher ohne nennenswerten Höhengewinn. Dann endlich, unterhalb der Ortkopfs beginnt der eigentliche Anstieg.



Nun hat man auch einen ersten Blick auf den riesigen Gipfelhang der Namloser Wetterspitze. In Natura sieht das ganze ziemlich heftig aus, aber bei guten Verhältnissen halten sich die Schwierigkeiten in Grenzen. Aufgestiegen wird üblicherweise auf dem Gratrücken (ist sicherer) und nicht durch die im Schatten liegende Flanke. Auf dieser wird je nach Verhältnissen gerne abgefahren.



Beim Blick zurück sieht man die steilen Flanken der Blschalbser und Elmer Kreutzspitzen. Kaum hatte die Morgensonne etwas Kraft, donnerten auch schon Lawinen aus den Felsen talwärts.



In ca. 2000m Höhe quert man dann die Wanne, ein beliebter Abfahrtshang, wie man sieht. Wir sind hier nicht runter, weil der Hang aufgrund der SW-Exposition zum Abfahrtszeitpunkt noch etwas knusprig war.



Für den Aufstieg hält man erst mal auf eine Schulter zu, den Tschachau, unser gestriges Gipfelziel, fest im Blick (Bild 05).



Anschließend erfolgte der etwas mühsame Aufstieg über den steilen und teilweise noch hart gefrorenen Gratrücken.  Photos gibt es davon keine, da ich meinem Motto "Harscheisen sind was für Feiglinge" treu bleiben mußte. Und da war dann durchaus etwas Konzentration gefragt.








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« am: 07.03.2017, 09:59 »

Offline Bernhard G.

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Angeblich soll man in guten Wintern den Gipfel mit Skiern erreichen können - wir mußte jedenfalls die letzten ca, 30 Hm zufuß zurücklegen.  Am Gipfel bot sich uns ein grandioses Panorama. Die Wolkenfelder sahen zwar den ganzen Vormittag nach "jetzt ziehts gleich zu aus", aber im Tagesverlauf wurde der Himmel immer stahlblauer.


Einen kleine Wehrmutstropfen gab es am Gipfel dann schon: Es wehte ein recht kräftiger Föhnwind, wie man an meinem aufgestellten Haaren sieht.


Für die Abfahrt wählten wir die noch unberührte SO-Flanken des Gipfelhangs. Hier hatte sich die Tage davor noch niemand reingetraut, aber dank der klaren Nacht war alles sehr sicher und gegen 10 Uhr bereits wunderbar aufgefirnt. Da ließ es sich wunderbar runterschwingen. Überhaut hatten wir bis Fallerschein perfekte Bedingungen. Und dann folgte der gebührende Abschluß der Tour an der besagten Alm mit den Kühlboxen.

Beim Auto waren wir ca. gegen 12 Uhr. Jetzt war es schon richtig warm und dennoch brachen noch Leute Richtung Namloser Wetterspitze auf. "Anstieg der Lawinengefahr durch tageszeitliche Erwärmung" scheint nicht jedem ein Begriff zu sein!

Offline Bernhard G.

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Diese drei traumhaften Tage haben mir jedenfalls Appetit auf ein Wiederkommen gemacht. Da gibt es noch so viele tolle Touren im Panico abzuarbeiten. Das ganze geht von Rosenheim aus nicht mehr sinnvoll als Tagestour. Aber es gibt in den kleinen Orten urige Pensionen, die leider meist keinen Internetauftritt haben. Wir hatten in Namlos im Gasthof Kreuz, einem der ältesten Häuser des Ortes, Quartier bezogen. Wem Etagenklo und Etagendusche nicht stören, kann ich diese Unterkunft sehr empfehlen. Alles sehr sauber,  27 Euro inkl. Frühstück pro Nacht - das kann man nicht meckern. Die kochen auch sehr gut.