Dummy

Autor Thema: Hoher Göll über Mannlsteig/Schustersteig am 01.10.16  (Gelesen 3200 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline MANAL

  • roBergler
  • Beiträge: 1078
  • Geschlecht: Männlich
Wieder folgte nach Traumbergwetter an Werktagen eine Front am Wochenende. Zum Glück bot der Samstag noch einigermaßen brauchbares aber nicht mehr schönes Wetter. Nach den vergangenen Wochen kann man wohl auch nicht mehr verlangen. Bevor die Kaltfront die Berge zuschneit sollte es nochmal auf eine schöne Tour gehen. Zusammen mit einem Freund entschieden wir uns für den Hohen Göll. Da ich durch lange Arbeitstage recht müde war machten wir am Vorabend aus erst bei der Anfahrt zu entscheiden welchen Aufstieg wir machen. Nachdem ich gut in den Tag gestartet war fiel die Entscheidung für die Klettersteigrunde über Mannlgrat und Schustersteig. Alterantiv wäre es wohl sonst über das Alpetal raufgegangen. Da wäre mir sicher auch der nach wie vor vermisste Wanderer über den Weg gelaufen (siehe hier: http://www.roberge.de/index.php/topic,7614.msg50276/topicseen.html#msg50276 ).

Startpunkt ist für uns der kleine Parkplatz an der Enzianhütte auf ca. 1200m, da wir im Abstieg auf der Fahrstraße vom Purtschellerhaus herunterkommen werden. Zufahrt erfolgt über die Roßfeldstraße für die man satte 8 EUR Maut (pro Fahrzeug) berappen muss. Alternativ kann man auch etwas vorher den deutlich größeren Parkplatz Ofnerboden benutzen.

Der Einstieg unserer Tour war etwas holprig. Zuerst mussten wir zum Kehlstein aufsteigen und wollten einen gestrichtelten Pfad über Holzstube und Ofneralm nutzen. Dieser war im Bereich der Enzianhütte nicht erkennbar. Wir sind dann die Straße runter und über den Fahrweg zur Holzstube raufgestiegen. Auch dort konnten wir die auf den Karten verzeichneten Pfade nicht entdecken und sind einige Meter durch den Wald gestolpert... Erst mittels Openstreetmap-Daten haben wir erkennen können dass die Fahrstraßeninfrastruktur inzwischen deutlich angewachsen ist und wohl die gestrichelten Pfade verschwunden sind. Also rauf auf den Fahrweg und ungefähr den Höhelinien entlang bis zu den gesperrten Fahrstraßen hoch zum Kehlsteinhaus. Erstaunt stellten wir fest dass dieser Serpentinenweg sogar asphaltiert ist. Es hätte auch noch einen Pfad gegeben der laut Karten ostseitig steil über einen Wiesen- und Schrofenhang raufzieht. Nach unseren bisherigen Erfahrungen mit gestrichtelten Wegen haben wir dies aber mal gelassen.

Nach ungefähr 1,5 Stunden Asphaltbergsteigen war der Buswendeplatz erreicht und man kommt sich vor wie in einer falschen Welt. Lauter Touris die aus den Buskonvois herausströmen um mit dem Aufzug zum Kehlsteinhaus "aufsteigen". Wir queren den Wendeplatz, suchen den Fußweg nach oben und entdecken ihn um die Ecke hinter der Straße nach unten. Dann geht es bequem auf der Wandererautobahn hoch. Die angeschriebenen 30 Minuten unterbieten wir um mehr als die Hälfte ohne uns irgendwie anzustrengen oder zu beeilen.  :laugh:

Der absolute Kulturschock dann oben an Onkel Adolfs Häuschen dass man passieren muss um zum Mannlgrat zu kommen. Vor dem Eingang zum Aufzug ein Gedränge an Touristen aller Nationen, man kommt kaum durch die Menge der Wartenden. Es war alles wie im falschen Film. Schnell vorbei an den Tourikiosken und den Tourimassen die zwischen Kehlsteinhaus und Kehlsteingipfel rumschleichen. Aber nach dem Gipfel wird es schlagartig ruhiger, es finden sich noch die nächsten Meter einige Touris die einen Rundwanderweg gehen. Schließlich geht es über die ersten Spalten und Felsen zum Klettersteigbeginn des Mannlsteigs. An einem ruhigen Aussichtspunkt machen wir Pause und legen die Klettersteigausrüstung an. Ob wir sie brauchen wussten wir nicht, aber besser mal dabei haben und nicht benötigten als umgekehrt.

Genaue Details zum Verlauf des Klettersteigs am Mannlgrat spare ich mir, da gibt es jede Menge gute Beschreibungen dazu. Da lieber ein paar persönliche Kommentare dazu.

- Der Klettersteig selber bringt kaum Höhengewinn und führt über und um die diversen Gratzacken des Mannlgrats
- Klettersteigtechnisch trifft A/B mit Stellen I zu.
- Der Klettersteig ist weitgehend durchgesichert, so dass ein Klettersteigset sinnvoll genutzt werden kann.
- Schön angelegte Route die nicht künstlich wirkt und übertrieben schwierige Stellen beinhaltet. Nette Routenführung durch enge Spalten.
- Teilweise ausgesetzte Passagen die nicht durchgehend versichert sind.
- Habe das Klettersteigset nur an einigen besonders luftigen Stellen genutzt. Es wäre aber auch ohne Sicherung möglich gewesen. Helm ist an einigen Stellen sicher nicht verkehrt, da es ein paar Steile Rinnen hat.

Auf ca. 2000m endet der Klettersteig wo der Mannlgrat auf das Hauptmassiv des Hohen Göll stößt. Nach den letzten steilen Aufschwung waren wir nach ca. 1,5 Stunden durch. Ab hier geht es in vielen Serpentinen unschwierig die steile Schrofenflanke des Hohen Göll nach oben zum Grat wo man auf die Abzweigung des Schustersteigs trifft (P2253). Ab hier deutlich flacher über Schrofen in 40 Minuten zum Gipfel. Die Angabe von 1,5 Stunden  auf dem Wegweiser an dieser Stelle ist deutlich übertrieben. Der Weg ist recht einfach und wird nur an einer Stelle etwas schwieriger wo sich der Grat verjüngt und man ein paar Meter eine Scharte runter und wieder rauf muss. Wer einen der Klettersteige hochgekommen ist sollte hier keine Probleme haben. Wer den Klettersteig im Abstieg machen will und hier Probleme hat sollte gleich umkehren und den Klettersteig NICHT gehen, es wird nur deutlich schwieriger!

Nach 4,5 Stunden aber dem Parkplatz haben wir den Gipfel des Hohen Göll (2522m) erreicht. Die Aussicht war durch die kommende Kaltfront leider etwas eingeschränkt. Die benachbarten Gipfel der Berchtesgadener Alpen waren noch gut erkennbar aber bereits der Dachstein war im Dunst kaum mehr zu sehen. Hier werde ich jedenfalls nocheinmal bei schöner Fernsicht raufsteigen.

Da die Aussicht eingeschränkt und es recht frisch war, machten wir uns nach kurzer Brotzeit nach ca. 20 Minuten Pause wieder auf zum Abstieg. Wir folgten dem Aufstiegsweg bis zur Abzweigung des Schustersteigs. Hier sei erwähnt dass es im oberen Teil zwei Abstiegsmöglichkeiten gibt die einige hundert Meter tiefer wieder zusammenkommen. Wir sind die Weg über den Kamin abgestiegen, zur anderen Route kann ich nichts sagen.
Auf jedem Fall ist der komplette Schustersteig kein richtiger Klettersteig sonderen ein steiler und ausgesetzter teilweise gesicherter Steig und meiner Meinung nach deutlich schwerer als der durchgesicherte Mannlsteig.
Der erste Kamin folgt steil die abschüssige Ostwand, ist aber recht gut abzuklettern da ausreichend Tritte und Griffe zur Verfügung stehen. Zusätzlich sind hier die schwierigsten Stellen auch durch ein Drahtseil gesichert an dem man sich gegebenenfalls mit einem Klettesteigset einhängen kann. Nach dem Kamin geht es teilweise ungesichert über steiles Schrofengelände in Serpentinen und in Querungen rüber zum Nordostgrat wo man auf die andere Abstiegsmöglichkeit trifft. Eine auf dem ersten Blick sehr unangenehme schräge und griffarm wirkende Platte die in eine Felswand abfällt lässt sich durch einen Riß und teilweise ausgeschlagene Tritte unschwierig passieren. Der Weg führt weiter über diverse steile Kraxelstellen (nie schwerer als I), ausgesetzte aber bequem begehbare Bänder und viele Schrofen hinab. Wegen vielen losen Geröll sollte man bei jedem Schritt schauen wohin man steigt. Auch sollte man jeden Griff und Tritt auf ausreichende Festigkeit testen, da mancher auch locker ist.
Erst auf ca. 1800m Höhe erreicht man am Eckerfirst das Ende des anspruchsvollen Geländes. Wir haben für die ca. 500 Höhenmeter auf denen man höllisch aufpassen muss und sich sehr konzentriert bewegen muss ungefähr 1,5 Stunden benötigt. Ich war jedenfalls froh aus dem Absturzgelände raus zu sein, war es doch physisch wie psychisch recht anstrengend. Ein Fehltritt kann in diesem Bereich fatal enden.

Der Rest der Tour ist einfaches Wandergelände. Über den Eckerfirst ging es gemütlich zum Purtschellerhaus wo wir eingekehrt sind bevor wir den Abstieg zur Enzianhütte angegangen sind. Bemerkenswert ist die lange und angenehm zu gehende Holztreppe runter zum Eckersattel. Ab hier auf der Fahrstraße zurück zum Parkplatz.


Fazit:
- Beeindruckende und recht anspruchsvolle Rundtour mit einem leichten Klettersteig im Aufstieg und einen anspruchsvollen und nur teilweise gesicherten steilen Abstieg.
- Eine Tour der Kontraste zwischen Asphaltbergsteigen und ausgesetzte Pfade, zwischen Tourimassen und wenigen echten Bergsteigern.
- Mannlgrat ist ein schöner klassischer, nicht übertrieben künstlicher Klettersteig
- Schustersteig (Variante Kamin) ist ein anspruchsvoller gesicherter Steig den ich nicht als Klettersteig bezeichnen würde. Bei Nässe und Vereisung abzuraten!

roBerge.de

  •  
    •  
Werbung
« am: 08.10.2016, 14:55 »

Offline geroldh

  • roBergler
  • Beiträge: 865
  • Geschlecht: Männlich
  • "Berg ist niemals Alltag"
    • climbing Chulu Far East (6059m), Annapurna Himalaya, Nepal (Okt.2007)
Re: Hoher Göll über Mannlsteig/Schustersteig am 01.10.16
« Antwort #1 am: 08.10.2016, 16:39 »
Hallo MANAL,
vor wohl über 20 Jahren hatte ich deine/eure Tour in der anderen Richtung gemacht, d.h. Aufstieg über das Purtscheller Haus zum Hohen Göll und dann Abstieg via dem Kehlsteinhaus. Ich kann mich noch einigermaßen erinnern, wie es dann von dort die schmale sog. Dalsenwinkelstraße auf der Kehlstein-Nordseite hinunter ging...
Bei einer anderen Tour hatte ich mal vom Kehlsteinhaus weg die Überschreitung des Hohen Gölls zum Carl-von-Stahl-Haus gemacht...

Hatte nun etwas auf den einschl. Online-Karten geschaut (euer steiler Pfad hätte lt. OSM und Wiki vmtl. funktioniert...) und mich zum Thema "Strassen am Kehlstein" aufgeschlaut:
Zitat
...
Um die [grosse Kehlsteinstraße] errichten zu können war es nötig, an verschiedenen Stellen Zubringerstraßen zu bauen. Diese Straßen waren bis vor kurzem noch völlig intakt und wurden teilweise von der bayerischen Forstverwaltung zerstört. Eine Interessensgemeinschaft kämpft für den Erhalt dieser geschichtlichen Denkmäler.

So führt über die Nordseite eine etwas schmälere asphaltierte Straße über die ehemaligen Kehlalmen bis zum Kehlstein hinauf. Diese Straße wird auch Dalsenwinkelstraße genannt und endet ebenfalls am Buswendeplatz. ...
Quelle

Bzgl. der "bayerischen Forstverwaltung" auch noch interessant:  ???
Zitat
...
2009 wurde bekannt, dass die Bayerischen Staatsforsten vorhaben, das mit Schwarzdecken versehene historische Wegenetz im Kehlsteingebiet durch für 40 Tonnen schwere Transportmaschinen befahrbare Schotterwege zu ersetzen. Dies stößt u. a. auf Widerspruch der regionalen SPD. Sie stuft die Bausubstanz aus der NS-Zeit ebenso wie das Obersalzberg Institut als Denkmal nach Maßgabe des Denkmalschutzes ein und fordert daher weniger radikale Lösungen. Betont wird aber auch die touristische Bedeutung der familien- und behindertengerechten Wege, die gerne von Radfahrern und Wanderern genutzt werden. ...
Quelle

Offline AbseitsAufwärts

  • roBergler
  • Beiträge: 778
  • Geschlecht: Männlich
  • "Geheimtipps" im WWW sind Allgemeintipps
    • Abseits-Aufwärts Blog
Re: Hoher Göll über Mannlsteig/Schustersteig am 01.10.16
« Antwort #2 am: 08.10.2016, 16:52 »
Weiss jmd. vllt., was das für Bauwerke (die Linien) sind?
Abwasserleitungen? Mauern?
Eine müsstet ihr passiert haben, kurz vorm Mannlsteig

http://v.bayern.de/HV8yf

http://v.bayern.de/FwFbS

Offline MANAL

  • roBergler
  • Beiträge: 1078
  • Geschlecht: Männlich
Re: Hoher Göll über Mannlsteig/Schustersteig am 01.10.16
« Antwort #3 am: 08.10.2016, 19:09 »
Ohne mir wirklich sicher zu sein glaube ich dass da eine Mauer war. Aber im Gedächtnis ist nicht wirklich was hängengeblieben. Mir ist auch ansonsten nichts aufgefallen. Sieht aber wirklich etwas komisch aus.

@geroldh: Danke für diese interessanten Infos über diese Straße.


Weiss jmd. vllt., was das für Bauwerke (die Linien) sind?
Abwasserleitungen? Mauern?
Eine müsstet ihr passiert haben, kurz vorm Mannlsteig

http://v.bayern.de/HV8yf

http://v.bayern.de/FwFbS

Offline MuM.Koeppl

  • *
  • roBergler
  • Beiträge: 24
Re: Hoher Göll über Mannlsteig/Schustersteig am 01.10.16
« Antwort #4 am: 08.10.2016, 19:42 »
Servus,
der gestrichelte Weg sollte der verfallene Postensteig sein.
Das langgezogene Bauwerk die Reste der Sperrmauer am Ofner Kircherl.
Gruss
Michael