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Autor Thema: 24./25.09.16: östl. Zillertaler Alpen: Krimml– Warnsdorfer Hütte– Gamsspitzl (1)  (Gelesen 1807 mal)

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Offline geroldh

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    • climbing Chulu Far East (6059m), Annapurna Himalaya, Nepal (Okt.2007)
Nach einer Woche Bergsteigen hatte das Verlangen meines Körpers nach „echter“ Buttermilch genau vier Wochen zuvor eine interessante Fügung zur Folge, bei der ich nun die Gelegenheit bekam, zum Saison-Abschluss auf die Warnsdorfer Hütte mit zu wandern.

Am frühen Morgen stiegen wir von Krimml (ca. 1075 m) an den noch einsamen Krimmler Wasserfällen vorbei die Steilstufe hinauf, hinter der sich der Talboden des Krimmler Achentals viele Kilometer nach hinten neigt. Das Wetter war einfach traumhaft, die Luft klar und die Landschaft wunderbar zum anschauen – da machte es nur wenig aus, hier auf dem Fahrweg des Tales zu wandern. Wir hatten den ganzen schönen Tag Zeit den Talschluss zu erreichen und noch auf dem kleinen Steig zur Warnsdorfer Hütte (2336 m) aufzusteigen.

Spätestens mit der „Einführung“ des motorbetriebenen Bergradls (umgs. E-Bike) wird der „Talhatscher“ üblicherweise auf dem Sattel zurückgelegt und die Talstation vom Materiallift zum Radlparkplatz erweitert. Im Rahmen von Angebot und Nachfrage wurden in den letzten Jahrzehnten auch die „Alm- bzw. Hüttentaxis“ populär und die zahlreichen privaten bzw. verpachteten Almen im Tal erlauben eine zusätzliche Zufahrt mit dem PKW. Hier zur „Hauptsaison“ zu Fuß unterwegs zu sein, macht wohl kaum Spass, aber „heute“ überwiegt die Gemütlichkeit.

Nach einer kleinen Pause stieg ich spätnachmittags von der Hütte noch zum „Hüttengipfel“, dem Gamsspitzl (2888 m) auf – und war hier nun völlig alleine. Dadurch, dass ich mir dieses „Gipfelchen“ an diesem Tag ganz ehrlich erarbeitete (d.h. rd. 1800 hm; etwa 20 km), ging es zunehmend mühsam hinauf, der ältere Neuschnee machte mir da eher weniger Probleme. Doch das Durchhalten hatte sich gelohnt, nach genau vier Wochen und ein paar Stunden trug ich mich wieder ins Gipfelbuch ein.

Ich ließ meinen Blick nach Osten in den westl. Teil der Venedigergruppe schweifen, zur „weltalten Majestät“ bzw. dem nach Wiki fünfthöchsten Berg Österreichs und zum Obersulzbachtörl (2921 m), über das ich gegen Ende August den Alpenhauptkamm etwas mühsam von Süd nach Nord überquert hatte. Inzwischen waren die Eisflächen und die höheren Felsbereiche mit erstem Schnee der neuen Wintersaison bedeckt – so auch der Gletscher, auf dem ich damals „fast spaltenlos“ von der Kürsinger Hütte herüber gekommen bin. Mit der tiefer sinkenden Sonne wurde es zunehmend frisch und außerdem gab’s bald Abendessen...

(Fortsetzung folgt)

Bild 1: Morgenstimmung im unteren Krimmler Achental
Bild 2: Die Hoferalm im Vormittagslicht
Bild 3: Die Natur holt sich den Lebensraum von einem früheren Bergsturz zurück
Bild 4: Die Warnsdorfer Hütte vor den Simonyspitzen und der Dreiherrnspitz (Foto vom 27.08.16)
Bild 5: Erster Schnee auf dem Gipfel des Gamsspitzl, im Hintergrund der Großvenediger

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« am: 07.10.2016, 21:47 »

Offline geroldh

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    • climbing Chulu Far East (6059m), Annapurna Himalaya, Nepal (Okt.2007)
Es gibt Berghütten, die man fast zwangsweise zur Nahrungsaufnahme und Nächtigung benutzen muß, möchte man einen bekannten Berg in deren Nähe besteigen. Dazu könnte man meinen, diese Hütten(Wirte) wüßten von dieser „Zwangslage“ des Alpinisten und könnten, weil sie sowieso laufend mit neuen Gästen „überrannt“ werden, deswegen eine flache Qualität bzw. ein moderates Preis-Leistungsverhältnis anbieten. Doch ich meine damit keinesfalls die (tägliche) Duschmöglichkeit des postmodernen Wanderers (eigentlich ein Unding, aber wenn die Sonne das überflüssige Wasser erwärmt...), sondern ganz essenziell das Essen. Auf der Kürsinger Hütte (mit Materialliftversorgung) im benachbarten Obersulzbachtal hatte ich vor vier Wochen ein „Bergsteigeressen“ bestellt und bekam eine „handvoll“ Spiralnudeln – mit einem Hütchen aufgewärmter Tomatenstückchen aus der Dose obenauf – auf den Tisch gestellt, die noch ziemlich bißfest waren und nur wenige weitere Minuten für ein „al dente“ gebraucht hätten. Da kann man schon fast von „Glück“ sprechen, wenn das Bier bereits (fertig) aus dem Fassl kommt...

Dagegen hatte ich tags darauf auf der Warnsdorfer Hütte ein bekömmlicheres Essenserlebnis: Hier bestand das „Bergsteigeressen“ aus einer vernünftigen Portion Spaghetti Bolognese (=Kartengericht) – und der Möglichkeit, sich mit einem Tellerchen am kleinen Salatbuffet zu bedienen. Dass diese Salatauswahl einen „alpinen Kompromiss“ darstellt ist natürlich klar, aber diese individuelle Beilagenmöglichkeit hat der Gast dort bei jedem Essen – und dies ist eine wirklich schöne Wertschätzung. Erfreulich war dann auch, dass zusätzlich zum „normalen“ Fassl-Bier einer größeren Brauerei zwei Sorten einer lokalen Brauerei in Krimml angeboten wurden. Dass ich dort dann erstmalig in meinem Leben den leckeren Zirbenschnaps getrunken hatte, ging jedoch ganz zu meinen Lasten... So umfangreich das Abendessen, so vielfältig ist auf dieser Berghütte dann auch das Frühstück: Ein Buffetangebot das normal keine Wünsche offenlassen sollte...
Die Warnsdorferhütte somit als Tages- oder Übernachtungsziel zu empfehlen, kann ich guten Gewissens vertreten – und war nun auch mit ein Grund für diese kurze Wandertour.

Das Wetter am Sonntagmorgen war dann so perfekt wie am Vortag: Tiefblauer wolkenloser Himmel und eine klare Luft wie wohl seltenst in diesem Jahr... Der Abstieg auf dem Hüttensteig war zwar schattig, aber wirklich angenehm, die Sonne grüßte uns am Talboden nach den ersten Metern auf der Fahrstrasse. An der Äußeren Keesalm wurde kurz Halt gemacht, um sich für den Winter zu verabschieden und ein Stück Bergkäse einzukaufen. Bis zum Krimmler Tauernhaus, das gerade zu einem „Wellnesshotel“ umgebaut wird, waren wir noch relativ allein unterwegs, doch dort, einem Fahrtziel für das Tälertaxi, war es dann mit der sonntäglichen Ruhe vorbei: Die Sonntagsausflügler schwärmten aus...
Je weiter wir nach vorne zum Taleingang wanderten, umso belebter wurde das Tal - „Spaziergänger“ und „E-Biker“. Den komfortablen Weg direkt an den Krimmler Wasserfällen vorbei ließen wir sprichwörtlich links liegen und steuerten für den Abstieg den Alten Tauernweg an, der kurz vor dem Fahrwegstunnel abzweigt. Hier läßt der Steig bzw. Weg noch „echte Stolperer“ zu und ist wohl mitunter dadurch wenig begangen. Doch ganz konnten wir uns dem Touri-Trubel nicht entziehen, kurz nach Mittag mußten wir noch auf dem quirligen Zugangsweg zu den Wasserfällen ans exklusiv geparkte Auto gelangen.

Bild 6: Die Warnsdorfer Hütte (ÖAV) am Steig zum Gamsspitzl und zur Schlieferspitz
Bild 7: „Butterfassldreher“ an der Kaserei Äußeren Keesalm
Bild 8: Alter Zirbenbaum mit „Nachwuchs“ im oberen Krimmler Achental
Bild 9: Hier reift der Schinken in der warmen Herbstsonne... ;)
Bild 10: Alles nur eine Sache der Definition... (an der Holzlahneralm)

Offline maisalm

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Klasse Bilder  #gutgemacht#
(der Bericht natürlich auch)

 #danke1# maisalm

Offline RADI

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 #danke1# für die Bilder,
daß es noch freilaufende Schweine da gibt, find´ich (angesichts der sonst üblichen Schweinemassentierhaltung) toll-- wo kriegt man denn deren Schinken ??? #essen1# Schmeckt angesichts ihrer genutzten Muskelaktivität sicher besser als das was man sonst so angeboten bekommt  #gruebel#

Zitat
Es gibt Berghütten, die man fast zwangsweise zur Nahrungsaufnahme und Nächtigung benutzen muß, möchte man einen bekannten Berg in deren Nähe besteigen. Dazu könnte man meinen, diese Hütten(Wirte) wüßten von dieser „Zwangslage“ des Alpinisten und könnten, weil sie sowieso laufend mit neuen Gästen „überrannt“ werden, deswegen eine flache Qualität bzw. ein moderates Preis-Leistungsverhältnis anbieten

 #secret#
Auf´m Matras Haus darf man beim Abendessen (wird ausdrücklich betont !!!) so lange kostenfrei Nachfassen bis man(n) satt ist 

Bürps
RADI

Offline MANAL

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Danke für den schönen Tourenbericht. Scheint ja eine wunderschöne Ecke zu sein die mal besucht werden muss.