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Autor Thema: Schwarzenstein am 6./7.8.  (Gelesen 3448 mal)

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Offline MANAL

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Schwarzenstein am 6./7.8.
« am: 17.08.2016, 00:17 »
Nachdem ich in den vergangenen Jahren mehrere Hochtourenkurse und geführte Hochtouren gemacht habe war es an der Zeit eine Hochtour selbständig durchzuführen. Zum Einstieg habe ich mir den Schwarzenstein in den Zillertaler Alpen über die Berliner Hütte ausgesucht. Zwar konditionell eine ordentliche Tour, aber gletschertechnisch recht ungefährlich, genau das richtige für den Anfang. Zusammen mit zwei Freunden für die es auch die erste eigene Hochtour nach einigen Kursen war ging es am Samstag  den 6.8. ins Zillertal. Das Wetter war für den Tag zwar noch recht mager, aber immerhin einigermaßen trocken angekündigt, für den Aufstiegstag soll das Wetter dann schön werden.

Gestartet sind wir auf mageren 1200m am Parkplatz beim Gasthof Breitlahner (2 Tage / 9 EUR, bezahlbar mit Kreditkarte am Automaten) über den (gesperrten) Fahrweg in den langen Zemmgrund. Die ersten Kilometer geht es noch recht flach in das Tal dahin. Überall kommen Wasserfälle die steilen Felswände herunter. Viel sehen konnte man nicht da noch eine dicke Wolkendecke vieles verbarg. Im Bereich der Grawandalm zieht dann der Weg an und es geht in Serpentinen eine Stufe höher. Anschließend verengt sich das Tal zu einer Schlucht am Rande dessen der Fahrweg gewagt reingebaut wurde. Nach der Schlucht öffnet sich der Zemmgrund wieder und man gelangt in ein schöne Hochtal in dem die Alpenrosenhütte und die Waxeggalm stehen. Ab hier geht es dann auf einem guten Pfad die letzte halbe Stunde hoch zur Berliner Hütte (2042m). Bis hierher sind es bereits 9 Kilometer Wegstrecke und ca. 800 Höhenmeter die wir in 2,5 Stunden zurückgelegt haben.

Von der Berliner Hütte und der beeindruckenden Innenausstattung habe ich schon einiges gehört und war umso gespannter wie die Hütte wirklich aussieht. Und der erste Eindruck vom Eingangsbereich und Speisesaal ist überwältigend, man kommt sich in eine völlig andere Zeit versetzt vor und glaubt nicht dass man mitten im Hochgebirge ist. Nachdem wir unser Zimmer bekommen haben gab es noch einen Apfelstrudel.

Die Zeit bis zum Abendessen haben wir genutzt um zum Schwarzsee hochzusteigen (einfach 3 km Wegstrecke und 400 Höhenmeter). Bereits ab ca. 2200m lag bereits der Neuschnee der Vortage, am Schwarzsee lagen ca. 10cm Neuschnee. Und das mitten im Hochsommer. Wie es höher aussieht konnten wir nicht sagen, die Wolken gaben die Sicht nicht frei.

Nach dem Abendessen riß langsam der Himmel auf, einzelne Sonnenstrahlen fanden den Weg durch die Wolken, Hoffnung für den Aufstiegstag.

Am Sonntag ging es nach dem Frühstück gegen halb acht von der Hütte los. Es war noch einiges wolkenverhangen aber blauer Himmel und die Sonne zeigten sich immer mehr. Die ersten Kilometer geht es auf dem gleichen Weg wie der Berliner Höhenweg. An der Abzweigung zum Schwarzsee geht es dann gerade weiter und man geht das Rosskar mit geringer Steigung aus. Erst unterhalb des Saurüssels, dem Westgrat vom Kleinen Mörchner, geht es steil und in einigen Serpentien hoch bis zu einem schönen Aussichtspunkt auf ca. 2500m. Der Schnee hat sich gegenüber dem Vorabend schon etwas zurückgezogen aber ab hier lag er durchgehend. Hier wendet sich der Weg nun nach Südosten und mit geringerer Steigung geht es in das weite Mörchnerkar. Der Weg ist mit Punkten markiert aber vom Schnee bedeckt. Da bereits vor uns Bergsteiger unterwegs waren, konnten wir einfach den Spuren nachgehen. Mit zunehmender Höhe wird der Weg immer schlechter und rustikaler. Immer mehr Blöcke versperren ein einfaches Durchkommen. Unterwegs wird ein 5m-Wandl mit Hilfe einer Metalleiter abgestiegen, die einzige gesicherte Stelle der ganzen Tour. Ab ca. 2800m kommt man dann in die ersten Schneerinnen die zur Gletscherfläche hochziehen. Auf 2900m ist die Anseilstelle erreicht und man betritt den Gletscher. Inzwischen hat die Sonne sich durchgesetzt und zwischen den immer weniger werdenden Wolken zeigten sich die Gipfel um uns herum auch der Schwarzenstein war zum ersten Mal sichtbar.

Die Wegführung über den Gletscher ist denkbar einfach, es geht zuerst geradeaus das Schwarzensteinkees bis zum Schwarzensteinsattel auf 3143m hoch, dann genau auf dem weiten Gletscherrücken hoch zum Blockgrat kurz vor dem Gipfel. Wenn man diese Route einhält umgeht man das kleine Spaltengebiet komplett.

Wir sind der breiten Spur gefolgt die auch noch gut tragfähig war. Auf 3000m bog die breite Spur allerdings etwas frühzeitig nach rechts ab und näherte sich dem Spaltengebiet wo sie dann unvermittelt endete. Wir vermuteten dass es sich um eine Spur vom Vortag handelt bei der ein Päärchen mit Hund den Aufstieg im Nebel abgebrochen hat und sich über die vielen Spalten gewundert hat. Wir folgten jetzt einer Stapfspur direkt hoch auf den Rücken raus aus dem Spaltengebiet wo auch eine weitere Stapfspur zum Gipfel war. Richtig angenehm war diese Spur nicht zu gehen, die Schrittweite war einfach zu groß um bequem zu folgen. Selber Spuren war in dem tiefen Neuschnee (ca. 30cm) aber noch anstrengender.

Mit dem inzwischen bei wolkenlosen Himmel klar sichtbaren Gipfel ging es langsam nach oben, je näher man kam desto mehr steilte der Rücken auf und desto windiger wurde es. Die letzten Meter geht es über den blockigen Nordgrat fast ohne Höhengewinn zum Gipfel rauf. Alles war vereist und schneebedeckt und man musste konzentriert aufsteigen. Nach 5,5 Stunden ab der Berliner Hütte erreichten wir den Gipfel.

Die Aussicht war beeindruckend, im Westen die nahen Zillertaler Nachbarn mit Turnerkamp, Großer Möseler und Hochfeiler. Im Osten hinter dem benachbartem Großen Löffler die Hohen Tauern mit dem Großvenediger bis zum Großglockner. Im Südosten die Riesenfernergruppe um den Hochgall und im Süden wolkenlos unzählige Dolomitengipfel. Im Westen konnte man Ortler und Wildspitze ausmachen. Nach Norden war bis auf den Olperer noch alles wolkenverhangen.

Wegen dem kühlen Wind sind wir nach ca. 20 Minuten über dem gleichen Weg wieder abgestiegen. Wir sind diesmal lediglich weiter bis zum Schwarzensteinsattel und dann direkt den Gletscher runter, also außerhalb des Spaltengebiets. Inzwischen war dieser Weg von anderen Bergsteigern auch gut begangen. Die Schneequalität war leider inzwischen deutlich schlechter und man versank nicht nur in dem Neuschnee sondern auch immer wieder im weichen Firn drunter. Wir waren jedenfalls froh als wir wieder festen Boden unter den Füßen hatten.

Gegenüber dem Aufstieg wurde das Wetter immer schöner und wolkenlosen und der Abstieg dadurch unglaublich aussichtsreich und schön. Wir sind noch für eine kleine Stärkung auf der Berliner Hütte eingekehrt bevor wir den Abstieg zum Parkplatz angegangen sind. Auch hier bekamen wir durch die schöne Aussicht einen komplett anderen Eindruck des Weges im Gegensatz zum wolkenverhangenen Vortag. Gegen Ende zieht sich der Weg dann doch ordentlich aber irgendwann schafft man auch diesen Talhatscher. Nach insgesamt 1300 Aufstiegs- und 2100 Abstiegshöhenmeter, sowie ca. 25 Kilometer Wegstrecke über 9,5 Stunden reine Gehzeit (laut GPS) waren wir dann doch recht erschöpft, aber glücklich diese beeindruckende Tour gemacht zu haben.

Fazit:
- gute Einsteiger-Hochtour mit geringer Spaltengefahr, dennoch ist Anseilen Pflicht
- konditionell sehr fordernd
- aufgrund des vielen Neuschnees nur schlecht gespurt und dadurch recht anstrengend
- Beeindruckende Aussichten


Fotos:
- wolkenverhangener Aufstieg, aber schöne Stimmung
- Speisesaal in der Berliner Hütte
- winterlicher Schwarzsee im Hochsommer
- Berliner Hütte am nächsten Morgen, das Wetter wird
- Wolkenfenster (hier die Hornspitzen)

roBerge.de

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« am: 17.08.2016, 00:17 »

Offline MANAL

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Re: Schwarzenstein am 6./7.8.
« Antwort #1 am: 17.08.2016, 00:21 »
Weitere Fotos:
- das weite Mörchnerkar dass man durchqueren muss
- am Anseilplatz zeigt sich der Schwarzenstein erstmals
- Blick über die große Gletscherfläche bis zum Gipfel (ganz links der verschneite Blockhaufen)
- die letzten Meter über den Blockgrat
- vereistes Gipfelkreuz am Schwarzenstein

Offline MANAL

  • roBergler
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Re: Schwarzenstein am 6./7.8.
« Antwort #2 am: 17.08.2016, 00:30 »
Noch ein paar Fotos:
- Zillertaler Nachbarn (Turnerkamp, Hochfeiler, Großer Möseler), rechts die Wildspitze und ganz links der Ortler
- Dolomitenblick vom Monte Pelmo über die Marmolada bis zum Rosengarten
- Blick nach Norden über die Gletscherfläche bis zum Schwarzensteinsattel, dahinter der Große Mörchner
- Abstieg bei wunderschönem Wetter und mit toller Aussicht
- Rückblick Schwarzenstein

Offline BFklaus

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Re: Schwarzenstein am 6./7.8.
« Antwort #3 am: 18.08.2016, 09:51 »
Tolle Tour, spannender Bericht, beeindruckende Fotos!  #danke1#

Offline Ameranger

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Re: Schwarzenstein am 6./7.8.
« Antwort #4 am: 18.08.2016, 12:31 »
Servus MANAL,

Auch ich kann dem Klaus nur zustimmen !

Sehr schöne Runde mit genialen Fotos.
Ich wollte diese Wochenende auch auf einen Zillertaler, dachte an den Olperer. Aber der Neuschnee und das der Wetterbericht etwas bewölkt ansagte ließen mich dann doch in andere "Gefilde" abweichen.

Aber ich möchte heuer schon noch sehr gern auf was " Hohes ", da auch meine Großglockner Besteigung mit dem ansäßigen DAV ins Wasser viel.....  :( :( :(

Um so schöner, von dir wenigstens Bilder zu sehen  #danke1#

Beste Grüße
Ameranger