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Autor Thema: 08.05.16: Chiemgauer Alpen: Heuberg – Wasserwand  (Gelesen 1044 mal)

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Offline geroldh

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    • climbing Chulu Far East (6059m), Annapurna Himalaya, Nepal (Okt.2007)
Ergänzung 26.03.17: Anlässlich der "Krokuss-Blüte am Heuberg" habe ich diese (vergleichsweise einsame) Tour heute wiederholt. Es war bereits ausreichend trocken und auch die Kletterei auf der Nordostseite konnte mit der erforderlichen Umsicht durchgeführt werden.


Edit 09.05.16: Text überarbeitet

Durch ein blödes Mißgeschick mit einer geprellten Ferse „belohnt“, was erstmal eine fußballenbetonte Gehweise zur Folge hat, hatte es bei unserer Tourenplanung am Vorabend geheißen: „Du bleibst zuhause!“ – Wie bitte? Bei diesem Wetter! – niemals! Nun schade, aber dann muß heute jeder für sich selbst schauen, dass er mit seiner (eigenen) Tour „glücklich“ wird...

Somit mußte heute (mal wieder) mein Hausberg, der Inntaler Heuberg, für eine alternative Tour herhalten – für einen sonnigen „Ausflugs-/Wandersonntag mit Mutti“ nicht gerade ein Geheimtipp. Aber die Berge sind nun mal für alle da und es gibt dort auch einsamere Möglichkeiten, wenn auch die Hauptwanderrouten immer wieder mal gekreuzt werden. Die Gehstrecke sollte nicht all zu lang sein, mir aber ausreichend Herausforderung bieten: Ich möchte heute zum dritten Mal den Wasserwand-Ostgrat begehen.

Meine Tour startete ich gleich von Rosenheim aus mit dem Radl und fuhr auf dem Inndamm und entlang des Steinbachs nach Nußdorf - und weiter durch das stille Mühlthal hinauf zum Wanderparkplatz Gritschen/Kirchwald. Dem dort beginnenden Wanderweg (224a) folgte ich hinauf zur betonierten Fahrstrasse „223 – Daffnerwald-Almen“. Hier kenne ich die historische Wegtrasse, die wenige Meter nach der Einmündung gleich oberhalb des Betonwegs im lichten Wald verläuft. War das ein junger Steinadler, der vor mir von der Lichtung auffliegt? Herrlich einsam und ruhig erreichte ich auf dem alten Wanderweg mit der Nr.1 die Forststrasse, die in Richtung Kogl führt. Dort ging ich einige Meter in Richtung Hauptweg, um dann aber nach rechts in einen alten verfallenen Ziehweg abzubiegen, der mich hinauf auf die große Lichtung namens Mailach führte. Ich grüßte ein paar meine Route kreuzende Wanderer und betrachtete mein angestrebtes Tourenziel, das mit seiner ganzen ausgesetzten Schönheit oberhalb vor mir liegt. Mit dem Fuß geht es wirklich gut und ich wanderte am Jagdhaus vorbei auf einem kleinen Steig zur Betonstrasse, die ich jedoch nur kreuzte, um wiederum auf dem historischen Almweg die letzten Meter zu den Daffnerwald-Almen aufzusteigen.

Gleich nach dem Gatter ließ ich die Hütten und das beginnende Getümmel links liegen und stieg mich rechtshaltend hinauf zum Waldrand, an dem der „Wasserwand-Bergsteig“ ausreichend unauffällig „beim Baum im Geländeeinschnitt über den Daffnerwald-Almen“ beginnt. Dieser ist abgesehen von Gemsen-Köttel nicht markiert, beginnt relativ einfach (T3) und wird zunehmend ausgesetzter mit kurzen Klettereinlagen (T4). Da gleich unterhalb der Normalweg (224) auf den Heuberg verläuft ist dieser Steig mit Bedacht zu begehen, um keine Steine loszutreten. An zwei markanten Stellen (beim Metallkreuz / am Zaunende) gibt es die Möglichkeit auf den Normalweg hinunter zu steigen bzw. hinaus zu queren, aber es klappte auch heute gut und ich stattete sogar der Spitze der vorgelagerten Felsnadel mit einer kleinen schroffigen Kletterei einen kurzen Besuch ab – mein Testobjekt für den Fuß.

Bald darauf gibt es die letzte Möglichkeit zwischen einem Felsen und dem Weidezaunpfosten nach links abwärts auf den Normalanstieg hinunter zu queren, denn geradeaus beginnt nun der eigentliche „Wasserwand-Ostgrat“, der „woanders bei Gugl“ bereits beschrieben wurde. Abgesehen von unbedingt notwendiger Klettererfahrung (inkl. Schwindelfreiheit und Griff-Trittsicherheit!) ist das Begehen nur bei absolut trockenen Verhältnissen vertretbar, da die Schlüsselstelle eine ausgesetzte nordseitige Kletterei (T5-T6) im erdigen Schrofengelände ist – mit verdammt viel Luft unterm A... - eben bis fast nach Mailach! Ich machte mir die Situation noch einmal bewußt und mit der erforderlichen Konzentration kletterte ich hinauf auf den Felsgrat und dann weiter zum Wasserwand-Gipfel, den ich sogar (fast) für mich alleine hatte, während unten der Heuberg-Grasgipfel schön bevölkert war.

Nach einer sonnigen „Gipfel-Hoibe“ mit phantastischer Aussicht auf das Alpenvorland stieg ich auf dem Normalanstieg, dem kurzen Klettersteig, hinunter – und auf dem derzeit griffigen, da trockenen Pfad weiter zu den Almen. Ab hier hieß es dann für den Rückweg: „Owe wia aufe“. Auf dem weiteren Abstieg belohnte mich der Tourentag sogar noch mit der (für mich erstmaligen) Sichtung eines Dachses, der, wohl vom Hunger nach der Winterruhe getrieben, unweit des Weges im Laub nach Nahrung suchte. Am Radl angekommen konnte ich mich freuen, da es nun nach Rosenheim zurück theoretisch nur noch bergab geht...

roBerge.de

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« am: 08.05.2016, 23:44 »