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Autor Thema: Einsame Pfade unterm Herzogstand  (Gelesen 1342 mal)

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Frank Steiner

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Einsame Pfade unterm Herzogstand
« am: 25.04.2016, 12:23 »
Servus,

am Donnerstag (dem einzigen Sonnenloch, an dem der Schnee am Herzogstand und Heimgarten kurzzeitig mal weg war), hab ich mich mal wieder auf die Suche nach alten Pfaden begeben. Christian hat ja in AA1 den Aufstieg Richtung Herzogstand ab der Diensthuette beschrieben. Aber es gibt noch eine Menge mehr an Wegen, die sich mit Hilfe des aktuellen Bayternatlas, den alten PDF-Karten des Vermessungsamts und scharfen Augen bei der Luftbildbetrachtung finden lassen.

Wer Spass am Suchen hat, liest gar nicht mehr weiter, sondern nimmt nur diese Quellen zur Hilfe (auch Google Earth hilft sehr, um ein Gefuehl fuer die Einschnitte und Ruecken zu bekommen). Wer ein bisschen mehr wissen will, schaut sich die  Karte an. Die blauen Wege bin ich alle gegangen, die gelben nur soweit wie eingezeichnet. Und wer ganz grosse Angst hat, dass er irgendwo nicht mehr weiterfindet, nimmt sich die Fotos zu Hilfe, die ich erstmal fuer mich selbst erstellt habe, damit ich mich beim naechsten Besuch noch an alles erinnere. Eine familiensichere Beschreibung gibt's irgendwann mal auf meiner Seite.

Alles beginnt "in der Schlucht". Dort hinein kann man auch eine kleine Variante waehlen, indem man vom Parkplatz aus rechts am Sportplatz vorbeigeht. In der Schlucht angelangt, nimmt man nicht den erkennbaren Pfad direkt den Hang hinauf, sondern folgt dem urspruenglichen Wegverlauf rechts durch den "Wassergraben". Dort zweigt nach wenigen Metern rechts hinauf ein anfangs undeutlicher, dann aber gut ausgebauter Pfad  ab, der auf den Normalweg zum Herzogstand trifft. Links geht es weiter ueber den im Bayernatlas eingezeichneten und gut ausgebauten unteren Pfad in die "Klause".

Dort die erste Entdeckung: was auf den Luftbildern nach Serpentine aus dem Bachbett heraus aussah, ist auch eine und der Beginn eines durchweg erkennbaren, wenn auch nicht immer deutlichen Pfads hinauf Richtung Ohlstaedter Alm. Das ist vermutlich der einzige nicht alte, sondern ein neu angelegter Pfad.  Er trifft weiter oben auf den alten Zustieg zur Alm, der parallel zum Normalweg auf den Heimgarten verlaeuft und weiter suedlich in ihn muendet.

Dieser alte Weg fuehrt knapp unter der Ohlstaedter Alm vorbei hinein in die Haenge unterhalb des Gratwegs zwischen Heimgarten und Herzogstand. Bis zu einem Jaegerstand ist er recht gut erhalten und eindeutig zu finden. Danach verschwindet er fast, aber wer die alte Karte von 1959 anschaut, weiss, wie der Weg weitergeht. Und nur dann findet man ihn auch, denn auf der anderen Seite der Rinne gleich nach dem Jaegerstand ist er von unten nicht zu erkennen und am Einstieg auch zerstoert, man muss ein paar Meter durch eine Bachrinne hinaufkraxeln. Er wird immer undeutlicher, verschwindet aber (wohl dank der Gaemsen) nie ganz.

Einer der schoensten Abschnitte ist die Querung unterhalb der hochaufragenden Felswand. Die Spur dort ist stellenweise nur mit ganz scharfen Augen zu entdecken, im Bayernatlas und aus Richtung Ohlstaedter Alm (mit Fernglas) aber ganz schwach erkennbar! Ihr sollte man unbedingt folgen, denn dann finden sich im ansonsten recht rutschigen Gelaende auf einmal kleine Stufen und Grasballen, auf denen man sicher steht. Der Hang ist zwar nie so steil, dass sehr grosse Gefahr besteht, meist befinden sich auch Baeume unterhalb, aber im hinteren Teil sollte man doch besser nicht ins Rutschen kommen.

Auf dem Ruecken westlich des "Gemsengrabens" angelangt (heisst in den alten Karten so) steigt man an seinem oestlichen Rand hinunter (Abstecher an den Westrand lohnen sich wegen der Aussicht ab und zu, werden aber immer anstrengender, je weiter nach unten man kommt). Wer immer wieder Spuren zu erahnen scheint, irrt sich nicht, aber sie sind oben sehr undeutlich und immer wieder verschwunden. Auf keinen Fall links in den Hang absteigen, oben bleiben. Dann trifft man frueher oder spaeter auf eine ploetzlich sehr deutliche Pfadstufe, der man in ausladenden Serpentinen hinab bis in den Gemsengraben folgt. Auf der anderen Seite erkennt man einen deutlichen Pfadbeginn, der bis zur Diensthuette immer eindeutiger wird und offenbar von den Mitarbeitern des Forstamts gepflegt wird. Dieser Weg ist ab dem Gemsengraben 1959 ebenfalls verzeichnet, aber seine Forstsetzung nach Norden, die auch von Hangseite der Ohlstaedter Alm noch eindeutig zu sehen ist, kann leider an einer Stelle nur mit Graspickel oder viel Risiko passiert werden, das war mir mit dem Totgras zu "broeselig". Schade, denn da gibt's sicherlich nochmal einen schoenen Blick in den Hinteren Grenzgraben.

Vor der Diensthuette, an der Christians Aufstieg beginnt (ebenfalls 1959 drin), ist man spaetestens ab der Abzweigung hinunter in die Klause wieder in der Zivilisitation angelangt, dieser "Rundweg" ist im Bayernatlas drin und hervorragend gepflegt. In AA1 ist das noch anders beschrieben, aber offenbar hat das Forstamt hier ein paar Pfade richtig gut saniert.

Wer also in Zukunft auf Herzogstand und Heimgarten will, kann beide normalen Zustiege meiden. Und wer gar keinen Wert auf Gesellschaft legt, nimmt die Querung unterhalb des Grats. Die gesamte "blaue" Tour aus der Karte ist landschaftlich ein absoluter Traum. Wenn man die Aussicht nach Sueden voellig alleine in dem ersten freien Wiesenhang nach der Alm oder unter der Felswand geniesst, waehrend man bei Windstille ab und zu mal entfernte  Stimmen vom Grat herunter hoert, dann moechte man gar nicht mehr aufstehen, sondern stundenlang in der Sonne liegen bleiben. Wieviel schoener es dann noch mit gruenem Gras und Laub an den Baeumen sein wird...

Bezahlen muss man dafuer aber evtl. mit einigen Zecken und Muskelkater, denn spaetestens ab der Ohlstaedter Alm wird es allmaehlich immer schwieriger fuer Fuesse und Beine. Aber das ist es definitiv wert.

Nur ein Tipp noch: Man sollte erst nach ein paar schneefreien und warmen Wochen unterwegs sein, denn die Durchquerung der noch stark schneegefuellten, aber von 2 Baechen unterspuelten Rinne gleich nach dem Jaegerstand war ein gefaehrliches Abenteuer und nach zahlreichen Fehlversuchen letztendlich nur robbend zu bewaeltigen, um nicht einzubrechen und 4 Meter unterhalb der Schneedecke im Bach verschuettet zu werden. Ob im Mai/Juni die undeutlichen Pfade besser oder schlechter zu sehen sind, muss sich allerdings noch zeigen.

Anbei mal 2 Fotos von der "Schluesselstelle", der Querung unterhalb der Felswand. Wer genau hinschaut, erkennt die ganz schwache Spur auch im 2. Foto.

cu,
Frank

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« am: 25.04.2016, 12:23 »

Offline SvL78

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Re: Einsame Pfade unterm Herzogstand
« Antwort #1 am: 25.04.2016, 14:31 »
Servus Frank,
klingt sehr interessant, werde ich beizeiten mal überprüfen, was du da herausgefunden hast!   #schoenetour#
Gruß Sebastian