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Infos oder (sehr) alte Karte zum Kaisertal gesucht

Begonnen von Frank Steiner, 16.04.2015, 12:17

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Frank Steiner

Gruess euch,

gestern bin ich den Jaegersteig auf der Suedseite des Sparchenbachs im Kaisertal gegangen (im Nordhang des Gamsberg), der in aelteren Wanderkarten noch verzeichnet ist. Die ersten zwei Drittel (von der Dickichtkapelle aus kommend) sind erstaunlich gut erhalten und der Weg absolut faszinierend! Eine derartige Dichte an bis zu 50 m hohen Wasserfaellen hab ich noch nicht erlebt.

Leider ist kurze Abstieg hinein ins Jaegertal derart weggespuelt, dass man sich  nur noch recht gefaehrlich in der Naehe steiler Abbrueche hinuntertasten kann. Machbar, aber sehr unangenehm, obwohl ich in der Hinsicht nicht zimperlich bin. Nun traf ich aber zufaellig genau dort, wo der Pfad die 800m-Linie verlaesst und bis auf 940m ansteigt, zwei andere Wanderer, die auch noch eine uralte Schwarz-Weiss-Karte dabei hatten. Dort verlief der Pfad anders: er blieb auf der 800m-Linie und verlor vor dem Jaegertal deutlich an Hoehe.
Tatsaechlich ist auch eine deutliche Verzweigung an der 800m-Linie vorhanden, ich bin versehentlich zuerst geradeaus gelaufen, aber nach 30 Metern war auf dem Laubboden nichts mehr zu sehen, und ich nahm dann den aufsteigengen Pfad, genau wie die beiden anderen Wanderer.

Der alte Verlauf waere evtl. eine Umgehungsmoeglichkeit der gefaehrlichen Stelle am Jaegertal. Kennt zufaellig jemand diesen uralten Pfad? Oder besitzt vielleicht eine alte Karte, wo dieser Weg noch eingezeichnet ist, und die er mir mal einscannen koennte? Bei Kenntnis des genauen Hoehenverlaufs waere er vermutlich immer wieder zu finden. In einem Alpenvereinsheft von 1879 wird er tatsaechlich beschrieben und scheint das Jaegertal deutlich weiter unten zu queren:

"Statt den Sparchenbach zu tiberschreiten und zum sechsten Kaiserhof hinauf, dann auf dem in Nr. 1 geschilderten Weg an der rechten Thalseite in auszugehen, kann auch ein an der linken Seite am Gehänge des Gamsbergs angelegter Pirschsteig benutzt werden, er ist etwa l k St. kürzer, aber auch beschwerlicher; man über-schreitet den Bach vor seiner Mündung, ebenso jenen des JägerthaLs, dann gehts steil durch Buchenwald aufwärts ; eine Strecke lang ist dann der Weg fast eben, nun aber wird der Gamsberg von wilden Felsgräben und Karen durchfurcht , die der kunstvoll angelegte Steig ausgeht oder in der Tiefe überschreitet, so dass viel Zeit durch Auf- und Absteigen verloren wird. Bei der Dickicht-Kapelle erreicht man einen Fahrweg und auf diesem Sparchen. "
https://archive.org/stream/zeitschriftvolu00goog/zeitschriftvolu00goog_djvu.txt

cu,
Frank

almrausch

Hallo Frank,
ich habe eine Karte von Bayer. Landesvermessungsamt von 1930. Dort ist ein Weg von der Dickicht-Kapelle runter zum Kaiser/Sparchenbach und auf der anderen Seite hoch zum Pfandlhof eingetragen bzw. der Weg verläuft dann weiter auf der Seite vom Pfandlhof (Nordseite) direkt am Bach weiter bis zur Triftklause. Dieser Weg ist auch in Aufwärts Abseits von Christian als Pfandsteig beschrieben.(ab der Tischlerhofhöhle).
Du meinst dann einen Steig der in den Nordseite des Gamsberg verlaufen soll ?

Grüße
Petra

Frank Steiner

Genau, der Steig verlaeuft von der Dickichtkapelle erstmal waagerecht weiter nach Osten durch den Nordhang des Gamsbergs und steigt allmaehlich an, bis er dann auf 800m verzweigt. In der elektronischen Alpenvereinskarte von 2009 ist die Version drin, die dann auf 940m steigt. Tatsaechlich ist der Pfad vom Wasserleitungsweg (Pfandlsteig bei Christian) in den grossen Einschnitten sogar als kleine Linie erkennbar.

Ich weiss leider nicht, wie alt die Karte war, die die beiden Wanderer dabei hatten, sie war jedenfalls schwarz-weiss. Dieser Pfad muss seit 1879 bis zur Verzweigung immer vorhanden gewesen sein, denn bis dorthin stimmten der Verlauf der alten schwarz-weiss-Karte mit der Alpenvereinskarte exakt ueberein. Aber vielleicht wurde er auch erst spaeter verzeichnet oder vielleicht auch nicht in den Alpenvereinskarte? 1930 haette ich jetzt eigentlich gewettet, dass er drinsteht...  :'(

korsikafan

Hallo Frank Steiner,
Für mich interessant,denn ich wollte den Steig schon mal begehen,traf zufällig beim Bettlersteig in der Strasswaldschlucht einen Jäger,der mir als Antwort sagte,das geht nicht,vielleicht wollte er nicht dass hier gegangen wird.
Ich habe eine alte AV Karte von 1917 mit Neuergänzung 1961 in der dieser Pfad noch eingezeichnet ist,ich war mit dieser Karte in den 60ziger und 70ziger Jahren unterwegs,wenn Du willst kann ich Dir die Karte leihen,ist allerdings schon ein wenig zerfleddert,ob sie Dir hilft weiss ich nicht.
Servus,
Korsikafan

scheffauer

Hallo Frank, ich kenne den Steig leider nicht, sondern habe ihn nur auf der Alpenvereinskarte (2012, 25000:1) entdeckt, nachdem ich deinen Beitrag gelesen habe. Frage: Bist du denn den Steig dann weiter bis zum Straßwalchgraben gegangen oder wieder umgekehrt?  Wenn Du den Steig nicht zu Ende gegangen bist, weil es zu gefährlich war, wäre die nächste Vorgehensweise naheliegend, den Einstieg am Straßwalchgraben zu finden und von dort aus den Steig zu erkunden. Alte Karten werden da kaum weiterhelfen, selbst in neuen Karten ist der Steig ja verzeichnet, aber jahrzentelange Erosion bei evtl. nicht vorhandener Wegpflege können bei dem Gelände den Weg unpassierbar machen. Grüsse Dirk.

roskin

zefix, dann hamma uns also mal getroffen aber nicht erkannt  :'( ::) ;D

Ich war der mit der alten Karte. AV-Karte von 1960. Die Stelle im Jägertal ist tatsächlich die krasseste. Wir ham auch ein paar Tritte in den Steilhang gemacht und dann bei der entscheidenden Stelle die Hand im Humus eingekrallt und uns hochgezogen. Danach kam dann keine Schwierigkeit mehr.   Wobei der Steig ja auch an anderen Stellen abgerutscht ist und öfter Absturzgefahr besteht. Da sollte man schon ziemlich erfahren sein und ja - nichts für Leute für die Sicherheit an oberster Stelle steht (keine Drahtseile) . Bilder demnächst mal im Blog mal schaun, wenn ich sie gesichtet hab. Ich kann dir die alte Karte mal abfotografieren. Es gab
(gibt?) auch mal einen Übergang vom Pfandlhof auf die andere Seite zum Gamsbergsteig.

gruss, christian

Martl

Servus zusammen,
ich find das auch einen lustigen Zufall. War nämlich ebenfalls gestern (!) nach längerer Zeit (rund 1,5 Jahre) mal wieder im Kaisertal zur Rietzau unterwegs.
Habe des öfteren u. a. Richtung Gamskogel rüber-/runtergeschaut und mir gedacht, ob und wo dort wohl Wege und Steige verlaufen könnten?  ;)
Kenne nur oben den Gipfelweg vom Weinbergerhaus rüber.
Vielleicht werd ich ja auch irgendwann mal dort auf Erkundungstour gehen  #angel#


Gruß
Martl

PS: wegen Baumfällarbeiten führt der Weg momentan über den Pfandlhof zur Rietzau-Alm

Frank Steiner

Ja da war ja eine Menge los am Mittwoch! Haett'st mal mit dem Fernglas ruebergeschaut, dann haettest Du mich in den Rinnen bestimmt auf- und abkraxeln sehen, immer auf der Suche nach den besten Fotopositionen fuer die Wasserfaelle  ;)

@korsikafan: Vielen Dank fuer Dein Angebot! Mir reicht tatsaechlich ein Foto, da ich nur einmal den Verlauf des Pfads im Vergleich zu den Hoehenlinien brauche, um ihn dann wieder in meine Satellitenbilder einzumalen. Wenn Christian mir ein Foto schickt, dann ist das sicher einfacher, aber trotzdem nochmal vielen Dank! Das mit den Jaegern ist in der Tat immer ein Aergernis... Der Pfad wird auf der westlichen Haelfte noch aktiv von Jaegern benutzt, tatsaechlich hat man die schoensten Aussichten von den 3 Jaegerstaenden, die ich alle etwas abseits des Pfads gefunden habe. Danach sind mir keine mehr aufgefallen und der Pfad wurde allmaehlich auch erkennbar schlechter...

@scheffauer: Ja, den Weg bin ich noch bis zum Ende gegangen, aber mir geht's ja um einen alternativen Verlauf, von dem ich gar nicht weiss, wo er unten auskommen soll. Der Beschreibung von 1879 und meinen kurzen Blicken nach wird da offenbar eine natuerlich Gelaendestufe auf der 800m-Hoehenlinie genutzt, und wenn es dann vor dem Jaegertal runtergeht, ist die Chance gross, dass man da noch entlang kann.

@christian: Das ist ja wirklich ein lustiger Zufall  :D Ich wusste leider nicht, wie Du aussiehst, aber natuerlich haette ich Verdacht schoepfen  koennen: wer ist schon unter der Woche mit alten Karten auf unbekannten Pfaden unterwegs?  ;) Wenn Du mir ein Foto oder einen Scan von dem Kartenausschnitt schicken kannst, dann hilft mir das auf jeden Fall. Als ich da eine Stunde lang hinter der Abzweigung, wo wir uns getroffen haben, nach dem Pfad gesucht hab, dachte ich mir staendig "Mensch, da ganz unten ist doch so ein breiter Absatz, da koennte man doch auch lang gehen...". Aber nach Windis Beschreibung http://www.hikr.org/tour/post49633.html und meiner aelteren DAV-KArte wusste ich ja, dass ich irgendwann hoeher muss, drum hab ich das nicht weiterverfolgt.
Bis zu der Abzweigung fand ich den Pfad uebrigens sehr angenehm zu gehen, erst nach dem Hochsteigen wurde er nach meinem Eindruck immer oefters ausgesetzt oder ruschig. Durch die Schluesselstelle (vermutlich hab ihr das hilfreiche Hand-Eingriff-Loch auf Kopfhoehe "eingreichtet"  ;)) will ich mit meinem Sohn nicht durch, aber wir werden mal bis zur Abzweigung gehen und dann nach dem unteren Verlauf suchen. Der Pfad ist bis dahin schon so schoen, dass wir ihn im problemlos auch wieder zurueckgehen koennen, ohne uns zu langweilen.

cu,
Frank

mutrus

Zitat von: Frank Steiner am 17.04.2015, 09:26
dann haettest Du mich in den Rinnen bestimmt auf- und abkraxeln sehen, immer auf der Suche nach den besten Fotopositionen fuer die Wasserfaelle  ;)

Dürfen wir die Fotos vielleicht sehen?  #geheim#

roskin

Zitat von: korsikafan am 16.04.2015, 16:02
Für mich interessant,denn ich wollte den Steig schon mal begehen,traf zufällig beim Bettlersteig in der Strasswaldschlucht einen Jäger,der mir als Antwort sagte,das geht nicht,vielleicht wollte er nicht dass hier gegangen wird.
Kann ich mir gut vorstellen - Ich hab ja im Herbst ein Gespräch mit einem Jagdpächter im Kaisertal gehabt und seine Argumentation war kurz zusammengefasst:

- Wanderer haben sich an markierte Steige zu halten und haben ansonsten  im weglosen (Wald)gelände nichts verloren
- Es gibt einige Jägersteige im und ums Kaisertal, diese Steige sind ausschließlich für Jäger gedacht, weil die Jäger sich auch alleinig darum kümmern haben sie auch das alleinige Anrecht diese zu benutzen.
- Wanderer machen das Wild scheu und die Jagdpacht ist teuer
- Die Jägersteige sind zu unwegsam & gefährlich, dann muss nur der Heli wieder kommen und die Leute bergen
- Das Kaisertal ist übererschlossen und die wenigen, natürlich verbliebenen Gebiete sollten ganz den Tieren und Pflanzen (und Jägern) als Rückzugsraum dienen
- Es ist eine Frechheit, dass diese Steige z.T. in der AV-Karte drinnen sind, er wird dagegen was unternehmen
- Geduldet von ihm wurde nur der Abschnitt Hechleitenalm-Kernecken

Rein rechtlich gesehen hat er natürlich keine Grundlage, es gibt keine Betretungsverbote im Kaisergebirge.  Ganz falsch sind einige seiner Argumente aber auch nicht. Dadurch,  das der Gamsbergsteig äußerst gefährlich ist und auch viel länger dauert als die Kaisertalstrasse wird es wohl niemals zu einem großen Andrang kommen.

Frank Steiner

Kleine Ergaenzung: Christians Karte war sehr hilfreich! Leider existiert der alte, untere Verlauf des Jaegersteigs nicht mehr. Zumindest hab ich weder nach dem Abzweig noch in diversen Rinnen trotz erneuter langer Suche (beim ersten Mal ja schon probiert) mehr als Gamsspuren gefunden, die teilweise sehr wenig vertrauenserweckend aussahen. Es befindet sich auch einfach zuviel Bruchholz auf dieser Hoehe.

Allerdings ist es mir gelungen, auf dem Ruecken vor dem nur so schwierig (und nicht ungefaehrlich) zu durchquerenden Jaegertal abzusteigen. Das ist, nachdem was ich von gegenueber sehen konnte bzw. an mehreren Stellen auch probiert habe, offenbar der einzige Abschnitt, der nicht irgendwann entweder in steilen Abbruechen oder nicht mehr weiter passierbaren Graten endet. Ein paar Minuten, bevor der Pfad vor dem Jaegertal nach unten abbiegt, passiert man ein paar ganz kleine Baeche. Bei einem zeigt sich direkt oberhalb des Pfads die Mini-Felsstufe aus dem Foto. Hinter diesem Bach steigt man direkt links runter und bleibt am besten immer ganz in Randnaehe. Dort taucht ziemlich bald eine Gamsspur auf, die einen ueberraschend angenehm weit nach unten leitet. Einmal taucht ein neuer Einschnitt auf und der Ruecken wird links davon schnell ganz schmal. Dort wechselt man oberhalb dieses Einschnitts auf den rechten Ruecken und geht also rechts von dem neuen Einschnitt weiter, auch dort ist wieder ein Gamspfad. Wenn schliesslich rechts davon der Buchenwald sehr flach wird, sucht man sich den besten Weg bis nach unten zum Fluss, das geht auf verschiedene Arten und alles nicht sehr schwer (nur ggfs. rutschig mit dem Laub).

Unten angelangt kann man entweder direkt am Jaegertal-Zufluss durch den Kaiserbach und zum gegenueberliegenden Jaegerstand hochsteigen, dann bachaufwaerst und im Windbruchgelaende ab und zu ein bisschen hinauf bis zu einer grossen Futterstelle mit Zufahrtsweg, der auf die Strasse stoesst.

Oder man geht links am Ufer entlang (je nach Wasserstand vielleicht mit bisschen nassen Fuessen), bis auf der anderen Seite eine grosse Felswand aufragt, in der man Stahlstifte und ein Drahtseil entdeckt. Ueberreste des alten Triftpfads (2. Foto, Verlauf ebenfalls in der Karte von 1960 verzeichnet). Genau dort kann man an einer seichten Stelle den Kaiserbach mit aufgekrempelten Hosenbeinen durchqueren und mit scharfen Augen den Pfad entdecken, der durch den geroelligen Hang leicht hinauffuehrt, um die Engstelle zu umgehen, wo der Fluss durch die Felsen tobt. Auf der anderen Seite geht es durch die Felsen hinunter in die Ebene, und wenn man dort am Ufer noch 100 Meter weitergeht, trifft man auf die Wehranlagen am Ende des Wasserleitungswegs.

Es laesst sich also sowohl der Wasserleitungsweg nach Osten bis zur Triftklause weiterverfolgen (mit 2maliger Kaiserbach-Durchwatung), als auch eine schoene Rundtour ueber Dickichtkapelle, Jaegersteig, Abstieg vor dem Jaegertal, Rueckweg ueber Triftweg und Wasserleitungsweg gehen (dessen Begehung von dieser Seite aus nicht verboten ist... zumindest steht da kein Schild  ;)).

Die Verbindung zwischen Pfandlhof und dem Jaegersteig, der laut der alten Karte neben dem Sautal verlaufen soll, existiert uebrigens leider nicht mehr.

Im Moment komme ich nicht dazu, die Fotos fuer eine genaue Anleitung zu sortieren. Wer diese Teile gehen will und mehr Hilfestellung als die Beschreibung braucht, kann mir Bescheid geben, dann pack ich alle Fotos fuer die genaue Wegfindung rasch ohne Kommentare auf eine Seite.

Frank Steiner

Der Pfad ist mittlerweile in OSM eingzeichnet worden.