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Fleischbank Nordgrat am 19.6.2014

Begonnen von ehemaliges Mitglied, 19.06.2014, 21:01

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ehemaliges Mitglied

Ich habe heute endlich mal wieder dem Kaiser die Ehre erwiesen. Eine etwas spontane Aktion und ein Start zu unchristlicher Zeit - dafür bin ich aber reich belohnt worden mit einem traumhaften Tag und einer Tour die schon lange mal auf meiner Liste stand. Zudem mit mit einzelnen IIIer Stellen aber meist I-II für mich gerade noch solo vertretbar. Hinunter wird in die Steinerne Rinne abgeseilt was Vor- und Nachteile birgt. Man muss zwar die ganzen Kraxeleien nicht mehr runter aber dafür muss das Seil mit und die Abseilerei ist ja auch irgendwie nervig. Aber naja, man kann nicht alles haben.

Start um 5:15 Uhr  :o an der Griesener Alm. Nix los. Die Sonne geht grad auf. Alles leuchtet. Es ist angenehm frisch. Mit viel Schauen und Fotopausen geht's gemütlich hinauf in den Wildanger. Zwei Gämsen grasen friedlich am Wegesrand. Noch bevor die Seilversicherungen des Eggersteiges beginnen rechts hinauf zum Einstieg an einer markanten Schichtrinne. Brotzeit, kletterfertig machen und los geht's. Die Rinne wird oben zum Kamin und die erste IIIer Stelle muss überwunden werden. Mit Rucksack am Buckel gar nicht so einfach. #schwitz#
Dann weiter auf grasdurchsetzten Platten bis zu einer Gedenktafel am Grat vor den ersten Steilaufschwung. Es ist halb Acht. Auf der Strips wagen sich die ersten Wanderer hinaus.

Bild1: Predigtstuhl und Fleischbank mit Nordgrat
Bild2: Ellmauer Tor
Bild3: der Fleischbankpfeiler in magischem Licht
Bild4: im Wildanger
Bild5: Stripsenjochhaus

FS folgt...

StefanMuc

Servus Rossi,

ein Traum. Waren heute am Stripsenjoch mit der Familie und ich habe noch den Grat verfolgt und den Einstieg gesucht, da postest du heute die Tour. Bin mal gespannt, bitte gerne mit einigen Fotos  #foto3#


VG, Stefan

Brixentaler

Das wird wieder eine interessante Fotodokumentation - ich freue mich schon auf die Fortsetzung!

Auf der Website von Markus Stadler hab' ich gerade ein eindrucksvolles Übersichtsfoto vom Fleischbank Nordgrat mit eingezeichneter Route gefunden, siehe:

http://www.stadler-markus.de/uploads/tx_msrouten/nordgrat.jpg (Direktlink zum Foto)

bzw.

http://www.stadler-markus.de/alpinklettern/wilder-kaiser/kletterrouten/fleischbank/routeninfos/beschreibung/nordgrat.html (Routenbeschreibung)

Das schaut schon ziemlich wild aus :o - und das im Alleingang, alle Achtung!

Ich nehme an, dass Du über den Herrweg (Normalweg) abgestiegen/abgeseilt bist?

ehemaliges Mitglied

Direkt an der Gedenktafel geht der wohl heute übliche Weg durch einen leicht überhängenden Riss hinauf. Sah mir aber eher nach einer leichten IV aus und so weiche ich lieber auf die im AV Führer beschriebene  Originalführe aus. Die soll etwas leichter sein und beginnt in einer schmalen Schichtrinne etwa 25m unterhalb vom Grat. Diese klettere ich zu ¾ hinauf bis sie sich in einer Art Risskamin arg aufsteilt. An der Stelle quere ich links hinaus zu einem Absatz am Grat mit Standhaken. Dort wäre man auf dem anderen Weg auch angekommen. Doch nun stehe ich vor einem 4m hohen Wandl das an Griffen und Tritten nicht viel zu bieten hat. Ein sehr hoher Tritt, ein schlechter Griff, ein weiterer zu hoch um ihn zu erreichen. Ich probiere ein wenig herum aber beschließe dann dass ich da nicht hoch geh. War's das schon? Muss ich umkehren? So schnell noch nicht – denke ich mir -  und quere zurück in die Rinne. Ich komme etwas oberhalb der Stelle raus von wo ich vorher ausgestiegen bin und siehe da...
Eine vorher verdeckte parallele Rinne bietet die Lösung. Mit einem Spreizschritt hinüber und hinauf in eine kleine Scharte am Grat. Hier kommen die beiden Routen endgültig wieder zusammen. Der weitere Weg durch die erste Steilstufe ist etwas verwickelt aber schönes IIer Gelände. Augen offen halten nach roten Punkten Steinmanndln und Standhaken.

Es folgt eine Querung nach rechts und die erste Steilstufe ist überwunden. Hier wechsle ich das Schuhwerk auf gemütlich. Die nächste ½ Stunde geht es in anregendem aber leichten Gelände mit tollen Ausblicken zu Predigtstuhl links und Totenkirchl rechts bis zur 2. Steilstufe. Diese wird durch eine markante Rampe (II +) erklettert.
An deren Ende steht man unvermittelt auf einer wunderschönen Wiese die im Moment mit Blütenpracht aufwartet. Gamsbleamel, Enzian, Leimkraut....in Hülle und Fülle. Eigentlich ein guter Platz für ein Nickerchen aber es haben sich nun doch ziemlich rasant Quellwolken gebildet die teilweise schon den Hauptkamm einhüllen. Also lieber gleich weiter.

Es folgt wieder Gehgelände bis es die letzte ½ Stunde vor dem Gipfel wieder felsiger und steiler wird. Direkt am Grat entlang über einige Zacken auf und ab bis ich vor dem kurzen aber abweisenden Gipfelaufbau stehe. Ausgesetzt aber gut machbar (III) wird die letzte Hürde genommen und ich stehe glücklich am Gipfelkreuz. Es ist 11 Uhr.

Bild6: Tiefblick mit Fleischbankpfeiler
Bild7: Totenkirchl Ostwand
Bild8: Blütenpracht
Bild9: Aufstieg oberer Teil
Bild10: Gipfelaufbau

FS folgt...

@Stefan: So ein Zufall! Da hätten wir uns ja fast getroffen... :)
@Brixentaler: Super Übersichtsbild! Das habe ich so noch gar nicht gesehen gehabt. Schaut aber wilder aus als es eigentlich ist.  >:D

willinger

Respekt vor Tour und Beitrag!
Dabei fiel mir auf - vielleicht ein wenig sonderbar - dass Daniel hier nichts mehr einstellt. Er war sonst auch so ein Garant für "Einblicke, in die Bergwelt, die man sonst als Normalverbraucher nicht so hat"!. Ich hoffe, es geht ihm gut, und freue mich auf weitere Berichte von RossiS.
WIlilinger

Brixentaler

Zitat von: willinger am 20.06.2014, 18:03
...
Dabei fiel mir auf - vielleicht ein wenig sonderbar - dass Daniel hier nichts mehr einstellt.
...

Macht er doch, regelmäßig sogar - und gerade vor wenigen Tagen noch (siehe "Wer war wo?").
Siehe weiters auch Daniel's Homepage: www.bergheimat.net.

Zitat von: RossiS am 20.06.2014, 16:56
...
Super Übersichtsbild! Das habe ich so noch gar nicht gesehen gehabt. Schaut aber wilder aus als es eigentlich ist.

Entspricht die eingezeichnete Linie auf dem Übersichtsbild auch Deiner Route?

ehemaliges Mitglied

Das Wetter hat sich wieder stabilisiert und so bleibe ich sicher 1 Stunde am Gipfel und genieße mit dem Fernglas die Fern- und Nahsicht bevor ich durch die Schöllhornrinne (II) absteige und über den Herrweg in die Steinerne Rinne abseile. Dieser Weg ist mir von letztem Jahr schon bekannt. Es gibt also keine großen Überraschungen. Zudem ist er gut mit roten Punkten und Pfeilen markiert. Das 50m Seil zwingt mich alle Abseilstände in Anspruch zu nehmen und so dauert es ein wenig bis ich mich über die 5 Abseilstrecken  runtergewurschtelt habe. Die Zeit wird mir aber von einer Seilschaft an der Christakante verkürzt, die ich ein wenig beobachte. Nach einer kurzweiligen Geröllabfahrt bin ich um 13 Uhr wieder auf dem Weg in der Steinernen Rinne. In den Wänden ringsum tummeln sich jetzt überall die Kletterer. STAND...STAAAND schallt es hin und her. Ich lege mich in die Sonne und vertreibe mir die Zeit mit dem Fernglas. Schon beeindruckend die Kulisse hier. Etwas weiter unten am Fleischbankpfeiler ist sogar eine Seilschaft in "Des Kaisers neue Kleider" von Stefan Glowacz. Mit X+ die schwierigste alpine Route im Kaiser und eine der schwierigsten in den Alpen. Da wird einem vom hinschauen schon schwindlig. So richtig vorwärts kommen sie allerdings nicht. Der Vorsteiger tut sich anscheinend schwer mit der Stelle und stürzt immer wieder ins Seil (später von Parkplatz schaue ich noch mal hoch zu den Beiden und sie sind immer noch nicht wesentlich weiter).
Für mich kommt jetzt der objektiv gefährlichste Teil der Tour. Die Steilstufe in der Steinernen Rinne. Es ist mächtig Betrieb und überall poltern die Steine die von unachtsamen Bergsteigern los getreten werden. Also noch mal den Helm auf und schnell durch.
Bevor der Eggersteig in den Wildanger hinüberquert nehme ich rechts den Direktabstieg (II) hinunter auf den Weg zur Griesener Alm und auf diesem zurück zum Auto. Es ist 16 Uhr.
11 Stunden unterwegs. Aber das ist sicher kein Maßstab. Ich war SEHR gemütlich unterwegs mit vielen und langen Pausen.

Hawedere,
Rossi

Bild11: Christakante
Bild12: Naturgewalt Fels (wer findet den Kletterer?)
Bild13: Des Kaisers neue Kleider

@Brixentaler: Die Linie entspricht weitgehend meiner Route. Nur am Anfang vom 1. Steilaufschwung bin ich ein wenig weiter rechts auf der Originalführe geklettert. In den leichteren Abschnitten sind eh viele Varianten möglich.

StefanMuc

Servus Rossi,

Gratulation, von der Tour träume ich auch noch.
Die beiden Kletterer sind mir auch aufgefallen. Auf dem Weg nach oben si d wir ein paar absteigenden Kletterern begegnet, die die Route eigentlich machen wollten. Die sprachen aber von einer VIIer Stelle, vielleicht eine andere Route.
Hast du noch ein paar Bilder in peto?

Stefan

Ameranger

 Dem bleibt nicht mehr viel hinzuzufügen, außer:

#int# #int# #int# #gratulation# #gratulation# #gratulation#

VG Ameranger

ehemaliges Mitglied

Zitat von: StefanMuc am 20.06.2014, 22:13

Hast du noch ein paar Bilder in peto?



Du meinst sicher von der Route / Kletterstellen, oder? Leider nicht viel. Schattige Rinnen oder Felsen zu fotografieren gibt motivmäßig immer eher wenig her. Deswegen lass ich es meistens bleiben. Und a bissl Spannung muss ja auch noch übrig bleiben!  >:D

von der 2. Steilstufe hab ich noch eins gefunden...

StefanMuc

Servus Rossi,

danke, das ist der Riss, der durchstiegen wird.
Wie ausgesetzt war es in Summe ?

Edit: Ginge es ohne Kletterschuhe auch, oder waren die IIIer sehr griff-/trittarm?


Danke und viele Grüße

Stefan

ehemaliges Mitglied

Servus Stefan,

insgesamt würde ich sagen dass der untere Teil bis über die 1. Steilstufe der "ernsteste" Teil der Tour ist. Ganz oben dann noch mal aber nur kurz. Richtig ausgesetzt ist es kaum und wenn dann nur an wenigen Stellen. Oben am kurzen Gipfelaufbau hat man theoretisch 400m Ostwand unter dem Hintern aber da ist auch ein kleiner Absatz sodass es sich eigentlich nicht so schlimm anfühlt. Beim Abseilen ist es dann natürlich logischerweise noch mal ausgesetzt.
Ohne Kletterschuhe geht's sicherlich auch. Vieles ist möglich wenn man's drauf hat. Wenn ich allein gehe bin ich persönlich über jeden Sicherheitsgewinn froh den ich bekommen kann. Sauber hintreten ist einfach mit den Kletterpatschen leichter als mit normalen Bergschuhen. Und so viel wiegen die ja auch nicht. Ich würde sie auf jeden Fall wieder mitnehmen.

VG und viel Spaß! Ich nehme an dass ich bald von dir höre, oder?   ;)

Rossi

StefanMuc

Servus Rossi,

danke für die Hinweise. Von der Distanz sah es echt recht gach aus, so dass ich das eigentlich schon ad acta gelegt hatte. Aber ich werde mir das sicherlich bei Gelegenheit mal ansehen. Um mir das Abseilen zu ersparen, würde ich noch den Weiterweg auf die Hintere Karlspitze nehmen, dann kann ich ohne Seil eigentlich die komplette Tour machen.
Danke für die Info's!


Stefan


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