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Tödlicher Sturz in Klettersteigset

Begonnen von Brixentaler, 08.09.2013, 18:51

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Brixentaler

Der Grund, warum man einen Sturz in einem Klettersteig vermeiden sollte:

Tod nach Sturz in Klettersteigset

Am Samstag ist ein Deutscher im Zillertal nach einem Sturz in ein Klettersteigset verstorben. Der 61-jährige Mann war am Klettersteig Gerlosstein in Hainzenberg unterwegs, als er aus unbekannter Ursache etwa drei Meter weit in das Klettersteigset stürzte und in der Wand hängen blieb.

Nachfolgende Kletterer fanden den Mann ohne Lebenszeichen vor und setzten die Rettungskette in Gang. Der 61-Jährige wurde vom Rettungshubschrauber aus mittels Tau geborgen. Der Notarzt konnte nur noch den Tod des Mannes aus dem Bundesland Hessen feststellen.


Quelle: http://tirol.orf.at/news/stories/2602480/

:(

Micha

Das verstehe ich nicht. Für was gibt es ein Klettersteigset? Das soll mich doch vor dem Verunglücken schützen.
Wahrscheinlich ist der Verunglückte irgendwo gegen Fels geschlagen, oder? Entschuldigung für meine laienhafte Fragen, ich bin erst 1x geklettert und kenn´mich da nicht so aus.

Bernhard G.

Ein Sturz im Klettersteig ist immer sehr gefährlich und endet häufig(!) mit ernsten Verletzungen! Leider scheint das vielen Leuten nicht bewußt. Man muß sich das nur vorstellen:

Man fällt im ungünstigsten Fall 5(!) Meter nach unten, bevor die nächste Verankerung kommt und dann das Set bremst. Dabei ist man an dem Drahtseil angehängt und rattert den Felsen entlang, der allerlei Vorsprünge und ggf. herausstehende Eisenstifte hat. Und dann knallt man u.U. noch richtig gegen den Fels.

Zudem gibt es einen ordentlichen Ruck, wenn man auf kurzer Strecke vom Klettersteigset abgebremst wird. Ein Sturz eines Kletterers wird vom Seil viel sanfter abgebremst, auch wenn der viel tiefer fällt. Außerdem versucht sich ein Kletterer von der Felswand abzustoßen.


Im Klettersteig darf man keinesfalls einen Sturz einkalkulieren!

Micha

Hallo Bernhard! Vielen Dank für Deine Erklärung. Hab´ich verstanden. Ich war bis jetzt nur 1x klettern, und das
im Alpspitz Ferrata. Da kommt man eigentlich nicht drauf, was da so alles passieren kann, weil dieser Klettersteig
ja eigentlich "überversichert" ist. Ich möchte nach dieser ersten Erfahrung zwar öfters mal klettern gehen, aber
jedoch aus Sicherheitsgründen wirklich zuerst mal die leichteren Steige machen. LG, Michael

Brixentaler

Zitat von: Micha am 08.09.2013, 20:09
... Da kommt man eigentlich nicht drauf, was da so alles passieren kann...

Ja leider, es kann so viel passieren. Wenn es Dich besonders interessiert, findest Du u.a. in den folgenden Publikationen mehr nützliche Wissenswertigkeiten über Risiken am Klettersteig, Sicherungstechnik und (Fehl)Bedienung:

http://www.bergundsteigen.at/file.php/archiv/2007/3/print/50-56%20%28eisenwege%29.pdf

http://www.bergundsteigen.at/file.php/archiv/2007/3/print/64-69%20%28risiko%20klettersteig%29.pdf

http://www.bergundsteigen.at/file.php/archiv/2011/2/44-51%20%28klettersteig-eine%20empfehlung%29.pdf

Micha

Hallo Brixentaler,
vielen Dank für Deine Infos. Die werde ich mir mal genau zu Gemüte führen. LG, Michael

mh

Hi zusammen,

soweit ich das aus der Presse entnommen habe, ist überhaupt nicht erwiesen, dass der arme Kerl DURCH den Sturz ins KS-Set verstorben ist. Es kann ihm vorher ein Stein auf den Kopf gefallen sein oder ihn ein Herzinfarkt oder Was-weiss-ich-nicht ereilt haben, INFOLGEDESSEN er dann ins KS-Set gestürzt ist. Außerdem kann man sich auch beim 3m-Sturz tödlich verletzten, wenn man (helmlos???) an den Felsen knallt...

Alles, was Bernhard G. über Stürze im KS geschrieben hat, ist definitiv richtig. Oft kommt es dabei zu Verletzungen (mehr oder weniger schwer) aus den genannten Gründen. Definitiv hat das KS-Set aber gehalten und den weiteren Absturz verhindert - mehr kann es halt vom System her auch nicht leisten. Also warten wir erst mal die Ermittlungen ab, bevor wir wieder eine Diskussion über die Qualität von KS-Sets aufmachen....

Viele Grüße,
Margit

Brixentaler

Servus Margit,

Zitat von: mh am 09.09.2013, 10:29
...
soweit ich das aus der Presse entnommen habe, ist überhaupt nicht erwiesen, dass der arme Kerl DURCH den Sturz ins KS-Set verstorben ist...

Da hast Du natürlich vollkommen recht :)

Zitat von: mh am 09.09.2013, 10:29
... Außerdem kann man sich auch beim 3m-Sturz tödlich verletzten, wenn man (helmlos???) an den Felsen knallt...

... was dann doch eine direkte Folge des Sturzes ist, nur der Wirkung des KS-Sets nicht anzurechnen ist ::).

Zitat von: mh am 09.09.2013, 10:29
Definitiv hat das KS-Set aber gehalten und den weiteren Absturz verhindert - mehr kann es halt vom System her auch nicht leisten. Also warten wir erst mal die Ermittlungen ab, bevor wir wieder eine Diskussion über die Qualität von KS-Sets aufmachen....

Klar - das KS-Set hat in diesem Fall seine Funktion erfüllt. Ich wollte auch keinesfalls die Qualität des verwendeten KS-Sets in Frage stellen, sondern nur auf die allgemeine Gefahr eines Sturzes hinweisen, welcher einen (oftmals unterschätzten) hohen Fangstoß bewirkt und auch, wie Du ebenalls erwähnt hast, viele zusätzliche Verletzungsrisiken einschließt.

Bernhard G.

In einem bekannten Bergsportgeschäft in Rosenheim hat mir der Verkäufer gesagt, daß viele Leute mit angerissenem Banddämpfer ins Geschäft kommen und das KS-Set repariert haben wollen. Es scheint nicht wenige zu geben, die KS-Gehen mit Toprope-gesichtertem Hallenklettern verwechseln. Und das halte ich für fatal.

mh

Ja, klar: falsch resp. schlampig bedienen kann man das Zeug natürlich auch noch - eine zusätzliche Problematik!
Bei langen Leitern zB ist es zugegeben recht lästig, sich in die Sprossen einzuhängen, weil man dann alle 3-4 Sprossen umhängen muss. Da gibt es immer Leute, die sich bequemerweise in das begleitende Seil einhängen, das ANKERLOS über die volle Höhe der Leiter mitläuft. Kein Umhängen nötig und die Karabiner rutschen von selber nach - prima! Bloß im Fall des Sturzes saust man ungebremst die gesamte Seil- resp. Leiterlänge hinunter. Da dürfte das KS-Set dann nur noch geringfügig besser sein als gar keine Sicherung....

Aber das ist alles Spekulation - was dem armen Kerl am Gerlosstein passiert ist, wissen wir halt (noch) nicht....
Gruß,
Margit

Ameranger

Hallo alle zusammen. Schade, das immer erst bei so tragischen Vorfällen eine Diskussion entsteht. Ich muss Bernhards Meinung voll und ganz recht geben, ein Sturz darf eigentlich in keinem Falle einkalkuliert werden.

Zitat von: Bernhard G. am 08.09.2013, 20:00
Man fällt im ungünstigsten Fall 5(!) Meter nach unten, bevor die nächste Verankerung kommt und dann das Set bremst. Dabei ist man an dem Drahtseil angehängt und rattert den Felsen entlang, der allerlei Vorsprünge und ggf. herausstehende Eisenstifte hat. Und dann knallt man u.U. noch richtig gegen den Fels.

Aus diesem Grund möchte ich einen Tipp geben: Ich benutze immer schon eine Bandschlinge um solche "tiefen" Stürze gänzlich zu vermeiden.
Im genaueren: Eine handelsübliche 60cm Bandschlinge wird durch den Hüftgurt gezogen und am Ende ein Karabiner befestigt. Dazu eignet sich ein KS Karabiner der in diversen Shops nachgekauft werden kann. Ein Schraubkarabiner würde ich nicht empfehlen, da er nur mit viel Übung mit einer Hand bedient werden kann. Auch eignet er sich weniger falls die Bandschlinge sehr schnell eingehakt werden muss. Daher ist der KS - Karabiner klar im Vorteil.

Zur Funktion: Ab ca 2-3m vom letzten Ankerpunkt kann dann die Bandschlinge in Trittbügel oder Ösen zum "zwischenversichern" verwendet werden. Im Falle eines Stürzes, fällt man dann nicht wie beschrieben bereits 4 m sondern eben nur wenige Zentimeter da die Bandschlinge zuerst zum Zug kommt. So kann man erst gar nicht groß beschleunigen.

Positiver Nebeneffekt: Ich verwende die Schlinge sehr oft auch bei Wartezeiten im KS. Einfach Schlinge einhacken, und mann kann sich sehr bequem in den Hüftgurt setzen und bleibt doch nahe am Felsen. Im Banddämpfer hängt mann sehr weit weg und auch sehr weit unten. Wer keine laaaaaangen Arme hat, wird es zudem eh schon schwer haben den Karabiner bei getreckten Bandarm wieder auszuhaken. Oft verwende ich die Schlinge auch bei sehr kräftezehrenden Querungen um Kraft zu sparen. Einklicken und unter Zug das Stück queren.

Das ganze ist bei diversen Shops zu einem sehr günstigen Preis zu erstehen, Bandschlinge ca 9-10 €, KS - Zusatzkarabiner ca 10-20€. Auf alle Fälle meines Erachtens die beste Investition um einen Stürz massiv auszumerzen.

VG Ameranger

MANAL

Man kann auch eine oder zwei Expressen zum sichern und reinsetzen im Klettersteig nutzen. Beim Leogang Süd-Klettersteig werden sogar explizit 2 Expressen empfohlen um sich im überhängenden Bergführer-Quergang zu sichern.

mh

Hi zusammen,
interessante Beobachtung aus den Dolomiten von letzter Woche: die italienischen Touris waren ausnahmslos mit nur einem Karabiner unterwegs waren. Also nix mit Y-Form und Redundanz und Immer-Eingehängt-Sein. Auch die geführten Gruppen waren erstaunlicherweise so unterwegs.
Gruß,
Margit

Bernhard G.

Hallo Margit,

was heißt das genau? Hatten die was Selbstgebasteltes?

Früher gab es ja die V-Sets, bei denen man nur einen Karabiner einhängen durfte. Hat man beide eingehängt, war die Bremse außer Kraft gesetzt, weil das Seil im Sturzfall nicht mehr durch die Bremsplatte gezogen werden konnte. Beim Umhängen hat man natürlich kurzzeitig beide Karabiner eingehängt, so daß man immer gesichtert war. Die V-Sets waren von der Handhabung sehr angenehm, aber leider gab es Karabinerbrüche und dann kamen die Y-Sets auf.

Herzliche Grüße,
Bernhard

mh

Hi Bernhard,

keine Ahnung, ob das selbstgebastelt war. Kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass da jeder für sich im Keller sitzt und irgendwas zusammenknotet, aber wer weiß.... Jedenfalls hatten sie wirklich nur EINEN Karabiner, waren beim Umhängen also immer für den Moment ungesichert. Also nicht V kontra Y, sondern wirklich nur EIN Karabiner. Hätte mich ja nicht irritiert, wenn das bloß mal hier und da einer gewesen wäre, es waren aber so gut wie alle und wie gesagt auch die Gruppen....
Gruß,
Margit