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Autor Thema: Hinterer Tajakopf (2409m), Mieminger Gebirge am 13.07.13  (Gelesen 1774 mal)

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Offline MANAL

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Die wunderbaren Sommertage nehmen kein Ende, also wieder auf in die Berge. Nur wohin? Da jetzt im Hochsommer die Fernsicht eher getrübt ist entschied ich mich in eine Ecke zu fahren die von allen Seiten durch hohe Felswände verstellt ist, das Mieminger Gebirge von Ehrwald rauf. Ich entschied mich für den Hinteren Tajakopf auf einer Rundtour. Fernsicht hat man hier eh kaum, dafür umso besser Nahblicke in die Wände von Wetterstein und den Miemingern.

Geparkt habe ich am (kostenfreien) Parkplatz der Ehrwalder Almbahn. Dort geht es fürchterlich touristisch zu. Aber schon nach ein paar Metern hat man seine Ruhe weil alles entweder die Gondel zur Ehrwalder Alm nimmt oder die Fahrstraße nimmt.

Aufstieg erfolgt über den Immensteig. Zuerst geht es durch wunderschöne Lichtungen mit Almwiesen bevor es durch den Wald geht. Irgendwann biegt der Weg dann nach rechts in den Steilhang ab und passiert den östlichhen Teil der Seeben-Wände an einer einfachen Stelle. Meistens geht es im Wald rauf, an ein paar felsige Stellen und einer leicht luftigen Querung sind Drahtseile. Für den geübten Bergsteiger keinerlei Problem, wegen den Touristenmassen stehen aber unten und oben recht deutliche Hinweise auf die Schwierigkeiten. Bei Nässe rate ich von dem Weg ab.

Nach einer Stunde ab dem Parkplatz bin ich dann oben raus und die Touri-Massen queren auf Fahrstraße und Wanderweg von der Ehrwalder Alm zum Seebensee. Zum Glück bin ich gleich wieder weg von der Hauptroute, denn ich steige durch das Brendlkar zum Tajatörl auf.

Unten fällt gleich eine französisch-preußische Famile nicht nur negativ durch permanente Lärmentwicklung auf, sondern die ignorieren mit ihren beiden Hunden die Bitte der Almbauern zum anleinen dieser wegen den Schafweiden. Der kleine Hund wäre egal gewesen, da wär ein Schaf draufgestiegen, der große Köter dagegen ist unangeleint rumgerannt. Ich habe die Famile angesprochen und gebeten sich bitte an die Hinweise zu halten nachdem der unerzogene Hund mich auch genervt hat als ich Blumen fotografiert habe. Außer einem unfreundlichen "wir machen das gleich" und "wir sehen hier keine Schafe" war keinerlei Einsicht zu erkennen. Kein Wunder dass der Hund so unerzogen ist, der kann ja nix dafür, liegt ja hauptsächlich an den Besitzern. Das Problem mit diesen typsichen "Preißn" hat sich zum Glück einige hundert Meter später erledigt, wo der Weg durch ein großes Schotterfeld führt. Das war den Flachlandtouristen dann doch zuviel und sie sind umgekehrt. Dass der Hund natürlich nicht "gleich" angeleint wurde war mir von vornherein klar... Schafe, einschließlich diverser Lämmer, die sicher mit dem Hund nicht einfach nur spielen wollten, waren dann  nach dem Schotterfeld. Aber was ein Preißn nicht sieht das gibt's halt auch nicht...

Die Aussicht von dem Aufstieg rauf zum Brendlkar war jedenfalls absolut klasse. Gegenüber der ganze südliche Wettersteinkamm vom Schneefernerkopf bis zur Gehrenspitze bei herrlichsten Wetter, dazu hat es überall in allen Farben geblüht! (1. Foto)

Etwas weiter oben kommt man dann am wunderschönen kleinen Brendlsee vorbei, für mich einer der schönsten Flecken den man sich nur vorstellen kann. Glasklar und bläulich schimmernd liegt er in einer kleinen Senke. Dort habe ich erstmal eine Pause eingelegt und die Füße im kalten Wasser erfrischt. (2. Foto)

Der Weg führte dann mit sehr angenehmer Steigung durch das einsame Brendlkar bis man im hintersten Eck zum Hinteren Tajatörl (2259m) aufsteigt. Ab ca. 2000m waren noch einzelne Schneefelder zu queren, aber aufgrund der Flachheit völlig problemlos. Zudem ließen sich die meisten auch umgehen.

Da ich auf den Hinteren Tajakopf wollte bin ich vor dem Tajatörl weglos nach rechts in den Schrofenhang eingesteigen. Zuerst habe ich noch einer Pfadspur gefolgt die an einem Hangrutsch geendet hat, dann unschwierig direkt die Grasschrofen hoch zum Grat. Dort bin ich dann auf den Weg gestoßen der von der Westseite unterhalb des Tajatörls zum Gipfel zieht. Noch ein kurzes Stück geht der Weg gemütlich auf Gras bevor man in den Fels einsteigt. Ab hier ist Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und alpine Erfahrung (wie es so schön heißt) absolut notwendig. Durch Absturzgelände geht man mit der einen oder anderen leichten Ier-Stelle recht gradaus nach oben wo man dann den nur mit einem winzigen Kreuzchen geschmückten Hauptgipfel erreicht (2409m). Von hier führt ein mit mehren I-IIer-Kraxelstellen, Drahtklammern und Seile versehener Weg rüber zum nahen und geräumigen Vorgipfel auf dem das große Gipfelkreuz steht. 3 1/4 Stunden ab Parkplatz.

Die Tiefblick zum Kessel um den bläulich schimmernden Drachensee ist beeindruckend. Gegenüber die formschöne Sonnenspitze (3. Foto). Im Norden der benachbarte Vordere Tajakopf auf dem es wegen dem Klettersteig vor Leuten nur so wimmelt. Und im Süden die bröseligen Wände der mehrere hundert Meter höheren Griesspitze aus der permanent Steinschlag zu hören ist. Von dem Vorderen Tajatörl an dem der Normalweg zum Vorderen Tajakopf vorbeigeht führt auch ein Klettersteig (D/E) auf den Hinteren Tajakopf. Aber zum Glück nehmen nur wenige die zusätzlichen Strapazen auf sich, der Hintere Tajakopf wird immer vergleichsweise ruhig bleiben.

Ich genieße die Aussicht und steige nach ausreichender Pause wieder ab. Der erste Teil wieder vorsichtig über den Grat zurück Richtung hinteres Tajatörl. Durch unangehmen Schutt geht es dann zurück auf dem Hauptweg vom Tajatörl zur Coburger Hütte wo ich mir noch eine Speckknödelsuppe gönne (1 Stunde ab Gipfel). Ab hier ist dann wieder Hochbetrieb auf den vielen Serpentinen runter zum Seebensee angesagt. Am Seebensee fotografiere ich das typische Kalendermotiv wo sich das Wettersteinmassiv im See spiegelt (4. Foto). Ich entgehe dann den ganzen Trubel indem ich über den Hohen Gang nach Ehrwald absteige, auch ein Weg der nicht ganz ohne ist und die üblichen Warnhinweise hat. An einer "schwachen" Stelle der Seebenwände geht es in vielen Serpentinen einen Steilhang runter. Der Weg selber ist recht unangenehm da teilweise erdig und viel Geröll rumliegt. An ein paar Stellen sind Drahtseile und Klammern, aber trotzdem sollte man höllisch aufpassen wo man hinsteigt. Bei Nässe eindeutig abzuraten. Das schlimmste sind allerdings andere Bergtouristen die immer wieder Steine lostreten. Nach einiger Zeit geht es raus in ein Schotterkar, dann hat man das schlimmste überstanden. Durch Wald geht es dann wieder zurück Richtung Tal. Abschließend nochmal ein paar hundert Meter leicht ansteigend wieder zum Parkplatz zurück (1 3/4 Stunden ab Hütte).

Alles in allem eine wunderschöne Genußtour wenn man anspruchsvolle Wege liebt.

roBerge.de

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« am: 14.07.2013, 13:55 »