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Autor Thema: Einsame Skitour zur Hochglückscharte (2387m) am 19.05.2013  (Gelesen 2843 mal)

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Offline Bernhard G.

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Nachdem ich gestern auf meiner Gummikuh durch das Mangfallgebirge geritten bin, wollte ich heute mal wieder was gescheites in den Bergen machen. Der Wetterbericht prognostizierte für den Alpenhauptkamm Stauwolken - nur in den Nordalpen sollten am Vormittag noch gute Wetterbedingungen herrschen. Also entschied ich mich für eine Skitour im Karwendel - aber ohne langen Ritt mit der Gummikuh zum Ausgangspunkt.

Und so fiel meine Wahl auf den Hochglück, in der Hoffnung, daß nicht 500 Münchner die selbe Idee haben. Es ist ja bekannt, daß das Griesner Kar verglichen mit dem Hochglück eine einsame Skitour ist ..

Bei der Anfahrt nach Eng kamen mit dann schon leichte Zweifel, ob die Entscheidung richtig war: Schnee war nirgends zu sehen und im Rißtal wütete der Föhnsturm: 18°C um 6 Uhr morgens!

Als sich dann im Großen Ahornboden der Blick auf das Hochglückkar auftat, stieg meine Laune wieder: herrliches Weiß leutete mir da entgegen - und am Parkplatz standen nur eine Hand voll Autos rum! Also bin ich frohgemut losmaschiert, bevor all die Münchner einfallen. Im Anstieg zum Hochglückkar hat man eine schönen Blick auf Eng (Bild 01) und die gegenüberliegenden Berge. Südseitig ist bereits alles weitgehend schneefrei, wie der Blick zur Gumpenspitze (Bild 02) zeigt.  Das Frühjahr ist auch in den Bergen im Anmarsch - leider!

Die Ski mußte ich ca. 45 Minuten bis zum Kirchl, einem markanten Felsen unter den Felswänden der Eiskarlspitze tragen. Dann konnte ich anschnallen (Bild 03). Noch ist der Winter nicht tot!

Im Hochglückkar ist die Schneelage noch ganz gut - und die Schneequalität war sehr kompakter Sommerfirn. Da machte es überhaupt nichts, daß es in der Nacht nicht durchgefrohren hatte. Bald schon hatte ich das Tagesziel, die Hochglückscharte vor Augen (Bild 04). Der Pfeil markiert den Endpunkt der Tour.  

Nirgendwo waren frische Spuren, ich war ganz allein im Kar - die Horden aus München waren noch nicht eingefallen.

Die letzten 100 Hm Meter  zur Scharte waren etwas mühsam, das Kar wird oben immer steiler und erreicht über 45°. Alte Trampelspuren zeigten, daß so mancher weiter unten bereits seine Ski abgestellt hatte. Also bitte! Die Skitour ist doch eh so kurz, da wird bis zum Anschlag mit Skieren aufgestiegen!

Auf den letzten Metern mußte auch ich die Ski abschnallen: eine enge Rinne führt zur Scharte (Bild 05).



roBerge.de

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« am: 19.05.2013, 19:15 »

Offline Bernhard G.

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In der Scharte hat man dann einen herrlichen Blick ins Inntal (Bild 06). Man sieht die Stubaier - wie vom Wetterbericht behauptet mit Stauwolken. Deren Ausläufer sind dann im Laufe des Vormittags bis ins Karwendel rübergekommen. Unten im Tal ist die Gegend um Innsbruck zu sehen.

Von der Scharte ging es ein paar Schritte bergab zum Skidepot - die herrlichen Abfahrtshänge im Blick (Bild 07).

Die Abfahrt selber war top. Feinster Sommerfirn! Die Höhenmeter waren in Windeseiele vernichtet. Und da noch immer keine Horden aus München in Sicht waren, habe ich nach der Abfahrt nochmals aufgefellt und bin ein zweites Mal zur Scharte aufgestiegen - so kann ich mit Fug und Recht behaupten: es war eine Skitour mit ein wenig Ski-tragen.

Und wo blieben nun die Horden aus München? Da wo sie hingehören: in München.

Ich habe es geschafft, den Hochglück an einem Sonntag bei besten Verhältnissen ganz für mich allein zu haben!


Doch das beste kam noch zum Schuß: als ich durch Engalm mit meinen Skieren auf dem Buckel maschierte, fragt mich ein Preiß, ob die Binsalm auf hätte. Ich hab gesagt, ja - aber man braucht für den Zustieg Ski oder zumindest Schneeschuhe, wie Sie sehen!



 

Offline Tom

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[ ... ] Lange Wanderungen mag ich weniger, weil mir da die Füße weh tun. [ ... ]

... ohne mich jetzt über die Leidensfähigkeit eines Skitourengehers auszulassen  >:D ... 45 Minuten Skitragen (vermutlich x2) bei 18°C ist natürlich besser als eine lange Wanderung  ;D

Ich kann aber durchaus zustimmen, dass das Hochglückkar eine tolle Frühjahrs-Firn-Skitour ist.

Danke Bernhard ... wieder mal ein toller Bericht.


Gruß. Tom.
(einer von den Randmünchnern, der leider ab und zu auch sonntags arbeiten muss)

Offline bergliesl

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Doch das beste kam noch zum Schuß: als ich durch Engalm mit meinen Skieren auf dem Buckel maschierte, fragt mich ein Preiß, ob die Binsalm auf hätte. Ich hab gesagt, ja - aber man braucht für den Zustieg Ski oder zumindest Schneeschuhe, wie Sie sehen!


 >:D wie böse ;–)))))

Offline Bernhard G.

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Jetzt muß ich mal was zum Thema "Horden aus München" sagen - scheinen manche falsch verstanden zu haben. Ich hab nichts gegen Münchner in den Bergen. Ich versuche nur nicht genau da in den Bergen zu sein, wo Massenauftrieb herrscht, egal wo die Leute her sind. Aus diesem Grund bin ich auch selten zur Skitourenzeit im Griesner Kar. Denn da sind die Horden aus Rosenheim und Umgebung - die brauchen meine Verstärkung nicht  :)

Offline kare

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Servus Bernhard,

warum bist denn 2x die selbe Tour gegangen?
ein kleines Stück östlich geht ein 2. Kar hoch, da kann man (ich nicht) den Hochglückgipfel besteigen.
Die Routen teilen sich auf ca 1900m.

aber weiß schon, ist etwas versteckt, nächstes mal dann.

Kare

Offline Bernhard G.

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Hallo Kare,

danke für den Hinweis! Ich hatte es ursprünglich ins Auge gefaßt, aber es dann verworfen. Bei der Abfahrt von der Scharte konnte ich beobachten, daß aus den steilen Hängen unter den Felsen ein Schneerutsch abging - der Hang zur Hochglückscharte war aber sehr stabil. Und da ich nicht wußte, wie es im anderen Kar aussieht, hab ich es lieber sein lassen.

Herzliche Grüße,
Bernhard