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Autor Thema: Großer Rettenstein und Spießnägel am 18.09.2012  (Gelesen 6138 mal)

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Offline eli

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Servus beinand,

was liest und hört man nicht alles vom Großen Rettenstein?  ::) " König der Kitzbüheler Berge" - einer der "bekanntesten und beliebtesteten"  Kb - Berge - "unvergleichliches, großartiges Gipfelpanorama" ...
Höchste Zeit für den eli, ihn endlich einmal zu besuchen. Und der gestrige Tag war wie geschaffen, ihm meine Referenz zu erweisen: Teils ergiebiger Neuschnee ein paar Tage zuvor, sodass doch etliche potentielle Gipfelstürmer abgehalten  wurden.  ;) Aber für was hat man denn sein TdF? Und sein roBerge - Tourenarchiv:D

Start war bei strahlendem Herbstwetter um 9 Uhr bei der Hintenbachalm ( 1141m ); klar, man muss die 4 € Mautgebühr berappen, aber man spart doch etwas Zeit und Höhenmeter. ( Ich brauchte für die Anfahrt schon fast 2 einhalb Stunden!  >:( ) 8 Grad C., qualmende Schornsteine, feuchter, schmieriger , steiler Waldaufstieg auf dem "alten Almweg", richtiges Herbstfeeling halt schon.
Nach einer halben Stunde etwa verlässt man dann den Waldgürtel und tritt hinaus auf freie Almflächen mit wärmenden Sonnenstrahlen und herrlichem Licht - und Schattenspiel, ( Bild a )
Der Steig zieht nun sehr moderat, immer nahe am Schöntalbach, der sich mit frischem Schmelzwasser extra für uns zwei aufgmaschelt hat, ( Bild b1 )rauf zu den Schöntalalmen auf 1600m Höhe. Ich genieße die Stille und das frische Quellwasser des Ottobrunnens. ( Bild b ).

Kleine Rast hier bis zur FS 1 und hawedere

eli

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« am: 19.09.2012, 10:26 »

Offline eli

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Re: Großer Rettenstein und Spießnägel am 18.09.2012
« Antwort #1 am: 19.09.2012, 15:18 »
FS 1 :

Vor uns liegen jetzt recht einsam die gemauerten Schöntalalmen, das Weidevieh ist schon zu Tal in den Unteren Grund getrieben. Ganz geruhsam wandern wir auf breitem Güterweg weiter zum Schöntalscherm, also einer Unterstandhütte für das Vieh, der hier etwa auf 1700m liegt. ( Bild c1 ) Dort steht auch dieses putzige Knusperhäuschen;   8)  jeden Moment erwartet man, dass ein verhutzeltes Weiberl uns mit knorrigen Fingern zur Jausn lockt. Nicht ganz zu Unrecht, denn die borstigen Felsbrocken oberhalb heißen schlicht und ergreifend " Die Hex" ( Bild c2 )
Schön ist es hier: Eine Quelle entspringt ganz in der Nähe, im Rückblick über den weiten Talkessel sieht man bis zum Wilden Kaiser, ja und das Wichtigste!  ::) Hier haben wir nach genau eineinhalb Stunden schon die Hälfte der Aufstiegshöhenmeter geschafft!  :)
Bild d: Doch jetzt ist Schluss mit lustig!   :o Bald geht es in sehr steilen Serpentinen, die in der Falllinie liegen, unter den Blaufeldköpfen richtig zur Sache. Der erste Schnee taucht auf und mit ihm der Gedanke: Was erwartet uns dann oben erst ?   ::) Die riesengroßen Schilder, die überall vor  "Steinschlaggefahr!" warnen, tragen auch nicht gerade zur Beruhigung bei. Sind an diesem Tag doch insgesamt ungefähr - nur -30 Bergsteiger unterwegs und loses Geröll liegt hier zuhauf im Steig.
Hawedere bis zur FS 2

eli

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Re: Großer Rettenstein und Spießnägel am 18.09.2012
« Antwort #2 am: 19.09.2012, 17:52 »
FS 2:

Ich stelle jetzt einfach mal ein Bild ein, das ich später am Nachmittag von der Gegenseite her aufgenommen habe , also  an dem  Kamm, der zu den Spießnägeln führt.       ( Bild e 11 ). Da erkennt man eher die Aufstiegsroute als aus den Bildern, die man mitten im Blockgewirr schießt. Meine eingezeichnete Linie bitte so nicht nachgehen  >:D , ist nur ein ungefährer Anhalt. Besser den roten Markierungen im Fels folgen.  ;D
Bild g 1 verdeutlicht, wie ziemlich unaufgeräumt es weiter oben ausschaut; ein schroffer Gipfelaufbau aus Kalkstein. Der Große Rettenstein ist ja gewissermaßen ein geologisches  "Kuckucksei"   ;) in der Schiefer - Grauwackenzone der Kitzbüheler Berge. Und schon ganz und gar nicht einer der üblichen "Wald - und Wiesenberge" um Kitzbühel herum.
Bild g zeigt bei einer der wenigen  ;D Verschnaufpausen unter der Gedenktafel die kilometerlange Kammlinie, die sich vom Schöntaljoch ( 2029m ) rechts bis zu den Spießnägeln zieht. Aber davon später.  Dahinter dann li. der Kleine Rettenstein, der aber technisch gesehen ganz schon " hinterfotzig" ist.  >:D. Daneben dann der Roßgrubenkopf, der  bedächtig zum Zweitausender und dem Skigebiet der Resterhöhe ausläuft. Übrigens, im Hintergrund der Martlberg   ;) oder das Große Wiesbachhorn

Und damit nähern wir uns unaufhaltsam einem der Kultplätze der Kitzbüheler Berge. Wer will heuer noch nach Venedig?  ::)

Abfahrt in der nächsten Abteilung. Hawedere

eli


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Re: Großer Rettenstein und Spießnägel am 18.09.2012
« Antwort #3 am: 19.09.2012, 21:39 »
Servus beinand zur FS 3,

und wir nähern uns mit der gebotenen Zurückhaltung " Ihrer Durchlaucht = La Serenissima Venezia " in 3 Bildern: h -  h1 und h2

Na hawedere!  #angel#

eli

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Re: Großer Rettenstein und Spießnägel am 18.09.2012
« Antwort #4 am: 20.09.2012, 11:36 »
Servus beinand,

nach ziemlich genau 3 1/ 2 Stunden stehen wir dann oben am Kreuz. Was für ein tolles Gipfelerlebnis!  :)

Auf Bild i geht der Blick nach Osten, über dem breiten Tal der jungen Salzach dominiert im Hintergrund der Geißstein.
Vor den Hohen Tauern im Süden turnt einer über die Spitzen und Nadeln zum Nebengipfel  8) , ich bin es nicht!  ;D  ( Bild j )
Und der Blick nach Westen Richtung Oberpinzgau / Kröndlhorn / Salzachgeier erinnert mich an das Bild von TdF. ( Bild j 1 )

Hawedere bis bald

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Re: Großer Rettenstein und Spießnägel am 18.09.2012
« Antwort #5 am: 20.09.2012, 14:45 »
Servus beinand,

die Zeit vergeht hier oben vor lauter Schauen wie im Flug, und so erinnert uns die aufgeplusterte Dohle dezent an den Abflug, natürlich erst nach der gemeinsamen ausgiebigen Brotzeit.  :D  ( Bild k 1 )
Wir beschließen aber, lieber runter zu steigen  >:D und bedanken uns zum x-ten Mal beim Petrus für das Prachtwetter und die glorreiche Sicht. ( Ein paar Stunden später   ::) -  die Schlechtwetterfront war weit drüben im Westen schon im Anmarsch.  ???
Bild k : Na ja, den Gipfel kennt auch jeder, und der im Vordergrund mit dem Kreuz ist der südlichste des mehrgipfligen Großen Rettensteins.
Ein letzter Blick ( Bild k 2 )durch das Fensterl zum ...   Großvenediger und dann steigen wir mal die nächste halbe Stunde hochkonzentriert und schweigend den gerölligen, steilen Steig hinunter, um ja keinen, auch noch so klitzekleinen Stein oder gar Felsbrocken loszutreten.

Ich bin jetzt also mal ganz staad  :P , vor allem auch deshalb, weil ich vorher einen sauberen Schmarrn geschrieben habe.  :o Der Bergfritz hat mich zu recht darauf aufmerksam gemacht, dass ich den  Nachbarn vom Kleinen Rettenstein in einen ( Roßgrubenkopf   :o ) umgetauft habe. Dabei heißt der doch schon seit geraumer Zeit:
Roßgruberkogel , hat ein Kreuz und ist stolze 2156m hoch. Tschuldigung!  :'(

Na  hawedere,

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Re: Großer Rettenstein und Spießnägel am 18.09.2012
« Antwort #6 am: 20.09.2012, 19:59 »
Servus beinand,

am Fuße des Großen Backenzahns ( so wird der Rettenstein wirklich auch genannt  :D ) angekommen, sind wir dann ganz alleine zum Schöntaljoch ( 2029m) mit kleinem Gegenanstieg rübergezogen, hier Bild l 1  im Rückblick.

Das heißt, ganz alleine waren wir doch nicht! Über uns, zwischen den Schuttreißen, war eine Gämsen - Kita eingerichtet.  8) Da hüpften und tollten und scherzten und kämpften, umhegt von einem Rudel ziemlich vollschlanker Gämsenmütter, fast ein Dutzend quicklebendiger Jahrlinge. ( Bild l ) Herrlich zum Zuschauen!  :)

Auf einem samtweichen Teppich von bräunlichem Krummseggenrasen wanderten wir  im steten Auf und Ab nun `gen  Norden, stets auf dem aussichtsreichen Kamm zwischen Ob. und Unteren Grund auf ca. 1900m Höhe. ( Bild m ) . Immer wieder waren tiefdunkle Mooraugen eingestreut.
Davon noch mehr in der nächsten Folge. Bis dahin

hawedere

eli

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Re: Großer Rettenstein und Spießnägel am 18.09.2012
« Antwort #7 am: 20.09.2012, 21:37 »
...
Auf einem samtweichen Teppich von bräunlichem Krummseggenrasen wanderten wir  im steten Auf und Ab nun `gen  Norden, stets auf dem aussichtsreichen Kamm zwischen Ob. und Unteren Grund auf ca. 1900m Höhe. ( Bild m ) . Immer wieder waren tiefdunkle Mooraugen eingestreut.
Davon noch mehr in der nächsten Folge. Bis dahin
...

Schöne Erinnerungen werden wach... ich sollte doch nächstes Jahr wieder einmal diese Tour gehen, die mir als eine der schönsten Wanderungen in den Kitzbüheler Alpen beigeblieben ist. Dankeschön für Deine Erfahrungsberichte, eli!

...
am Fuße des Großen Backenzahns ( so wird der Rettenstein wirklich auch genannt  :D )...

Interessant, diese Bezeichnung habe sogar ich noch nie gehört. Woher hast Du sie?

Für uns war und ist dieser Berg immer nur bekannt als "da Rett'nstoa" ;D.

Servus,
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Re: Großer Rettenstein und Spießnägel am 18.09.2012
« Antwort #8 am: 21.09.2012, 09:53 »
Schöne Erinnerungen werden wach... ich sollte doch nächstes Jahr wieder einmal diese Tour gehen, die mir als eine der schönsten Wanderungen in den Kitzbüheler Alpen beigeblieben ist. ...
Servus beinand,

da kann ich Brixentaler nur zustimmen! Und die nächsten Bilder werden das auch weiter belegen. Die Einsamkeit und die Stille, die  Weit - und Tiefblicke in dieser alpinen Rasenstufe sind hier oben einfach unglaublich schön. Nur hin und wieder unter den Füßen das Knacken des gehölzfreien Pflanzenteppichs , das  Schwirren vieler drahtiger Libellen um die geheimnisvoll - dunklen Tümpel. ( Bild m 1 )
Bild m 2: Während ich mich in einem Meer von Heidelbeeren mampfend verliere( kein Berg  für unsere schneerose, die kommt hier nicht mehr runter  ;D ), fällt mir der besondere
                                                                                     eli - Tourentipp

dazu ein. Wer nicht unbedingt auf den  Großen Rettenstein hoch will, muss ..., biegt gleich oberhalb des Schöntalscherms bei der Quelle auf bez. Weg nach links ab, wandert gemütlich rauf zum Schöntaljoch und genießt dann die unendlich lange Höhenwanderung zu den Spießnägeln usw.  Und natürlich auch das paradiesische Seeauge von Bild o . Links vom G R ist das Joch , von dem aus man die Hohen Tauern bewundern kann, deutlich zu erkennen.

Hawedere bis bald,

eli

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Re: Großer Rettenstein und Spießnägel am 18.09.2012
« Antwort #9 am: 21.09.2012, 14:48 »
Servus beinand, 

vor dem Gipfelkreuz bei den Spießnägeln noch letzte Eindrücke von dem Höhenweg. Bild p zeigt einen Tag vor dem astronomischen Herbstanfang schon seine meteorologischen Spuren. Auch die Murmeltiere haben sich den langen Sommer über so voll gefressen, dass sie bei ihren Warnrufen eher keuchen denn pfeifen.
Und auf die eigentümlich geformten und gefärbten  Felsbrocken vor dem letzten kurzen Gegenanstieg schaffen sie es eh nimmer. ( Bild p 1 )
Doch ich schaffe noch mit Bild p 2 die fällige Antwort auf Brixis Frage mit einigen Zitaten:

Interessant, diese Bezeichnung habe sogar ich noch nie gehört. Woher hast Du sie?
Für uns war und ist dieser Berg immer nur bekannt als "da Rett'nstoa" ;D.
"Er ist der steile Zahn in den Kb-Alpen.." Wanderberge zw. Inn u. Salzach, H.Höfler.. Bruckmann Vlg.
" .. ragt wie ein Zahn aus den umliegenden Grasbergen.."..w.tourenwelt. at
" ... als vereinzelter, etwas schief stehender und scharf gebildeter Schneidezahn..." Berg News.com
Den Backenzahn, der mir im Kopf rumgeistert, habe ich noch nicht wieder gefunden  ::) , aber den Stoa, den finde ich auch noch.  >:D  Als Zuckerl habe ich dir den Blick übers Brechhorn Ri. Brixen im Thale eingestellt, vorläufig.  ;)

Hawedere bis zum Finale

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Re: Großer Rettenstein und Spießnägel am 18.09.2012
« Antwort #10 am: 21.09.2012, 17:28 »
Servus zum Finale,

nach gut 6 1/2 Stunden Gehzeit ruhten wir uns dann am Gipfelkreuz der Spießnägel auf 1880m Höhe nochmal kurz aus und genossen den weiten  Blick auf unsere heimischen Steinberge. ( Bild q )
Anschließend ging es dann in weiten Kehren auf bez. Steig in einer weiteren halben Stunde runter zur Hirzeggalm ( etwa 1550m ) ( Bild r ) Maria, die Sennerin, ist vor allem auch bei den Mountainbikern berühmt für ihren Kaiserschmarrn. Weil wir den nicht geordert haben, kam die Frage von ihr: "Seids es auf der Flucht? "  >:D Wenigstens ihren Heurigen hätten wir probieren müssen. Aber uns hat`s halt pressiert und so ließ sie sich nicht lumpen und rechnete dann doch hoch: " A Srund brauchts es bis zur Hintertalalm" Auf dem Wegweiser stand aber 1 3/4 Stunden. Recht hatte.... ::).... die Maria!  :D

 Drum kriegt`s jetzt auch noch mit Bild s diese  zwei Blümchen offeriert. Die habe ich auf über 2000m noch entdeckt und ich denke mal, dass ist schlicht und einfach ein "Schweizer Löwenzahn ::)
Nach 1400 Höhenmetern und ziemlich genau 9 Stunden sind wir dann wieder durchs Spertental  rausgefahren.  :P

Hawedere bis zur nächsten Tour!

eli

Offline Brixentaler

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Re: Großer Rettenstein und Spießnägel am 18.09.2012
« Antwort #11 am: 21.09.2012, 19:12 »
Ich sehe, dass seit 2005 (meinem letzten Besuch an den Spießnägeln) die Bäume hoch gewachsen sind... ein bisschen Schade um die Aussicht.

Am Gr. Rettenstein war ich noch in 2008. Bei Nebel herrscht dort oben übrigens eine ganz eigenartige Stimmung, leider konnten wir dadurch nicht das wunderbare Panorama genießen:



Und noch ein Foto von den Blaufeldköpfen mit dem einsamen Bäumchen am Grat, das mir irgendwie gut gefällt: