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Autor Thema: Mehr Unfälle beim Abstieg?  (Gelesen 4803 mal)

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Offline clemens_r

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Mehr Unfälle beim Abstieg?
« am: 26.07.2012, 00:05 »
Ich hätte mal eine Frage... es würde mich interessieren, was ihr dazu sagt! Ich habe einmal gehört, dass mehr Unfälle beim Abstieg von Bergen passieren. Ein Freund von mir arbeitet bei der Leitstelle Tirol und meinte, dass viele Anrufer sich teilweise den Abstieg nicht mehr zutrauen weil sie zu geschwächt sind. Ich habe jetzt auch ein wenig gegoogelt und folgende Bergunfallstatistik gefunden: http://www.alpenverein.de/chameleon/outbox/public/72d0f25f-1a1b-e871-d366-e881237d6ac8/dav-bergunfallstatistik-2006-2007_15053.pdf
Ist euch so etwas schon einmal passiert, dass ihr dann zu schwach wart um wieder hinabzusteigen? Passieren deshalb so viele Unfälle beim Ab- und nicht beim Aufstieg? Oder schätzen viele Wanderer und Bergsteiger den Abstieg einfach zu locker ein und knicken darum vielleicht schneller um und verletzten sich?



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« am: 26.07.2012, 00:05 »

Offline Bernhard G.

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Re: Mehr Unfälle beim Abstieg?
« Antwort #1 am: 26.07.2012, 08:53 »
Da kommt einfach mehr zusammen, denke ich:

- Abstieg ist technisch schwieriger, als der Aufstieg.

 - Man ist müde, eventuelle auch in Eile, weil es spät wird

- Wetterumschwünge, aufziehendes Gewitter, usw.

- mancher ist unkonzentriert, weil der Gipfel geschafft ist und damit auch geistig die Bergtour bewältigt ist

- usw.

Zitat
Ist euch so etwas schon einmal passiert, dass ihr dann zu schwach wart um wieder hinabzusteigen?
Ähhh - nein! Aber ich bin auch nicht ganz der Durchschnitt, was die Kondition angeht. Daß auch mir die Haxn am Ende einer langen Tour weh tun, oder mich der Durst plagt, ist klar.

Zitat
Oder schätzen viele Wanderer und Bergsteiger den Abstieg einfach zu locker ein und knicken darum vielleicht schneller um und verletzten sich?
Sowas passiert mir durchaus. Heuer bei meiner Skitour auf die Wollbachspitze wäre ich beim Abstieg am vereisten Gipfelgratkurz vor dem Skidepot fast abgerutscht, weil ich nicht aufgepaßt habe und geistig schon bei der Abfahrt war.

Offline clemens_r

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Re: Mehr Unfälle beim Abstieg?
« Antwort #2 am: 27.07.2012, 20:38 »
Das klingt tatsächlich alles sehr plausibel.  ;) Ans Wetter habe ich jetzt z.B. noch gar nicht gedacht.
Wie ist das aber eigentlich, wenn man wirklich nicht mehr kann? Ich meine, kann man da einfach so die Rettung rufen?  ???


Offline AbseitsAufwärts

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Re: Mehr Unfälle beim Abstieg?
« Antwort #3 am: 29.07.2012, 12:08 »
Wie ist das aber eigentlich, wenn man wirklich nicht mehr kann? Ich meine, kann man da einfach so die Rettung rufen?  ???

Aktuelles Beispiel:

Letzte Woche hat jemand zwecks Erschöpfung im St. Meer den Heli kommen lassen, da war noch kein Regen . Ich sag mal so: Wahrscheinlich hätte er/sie, wenn er einfach 2 Stunden gewartet hätte, den Weg zum (nicht sehr weit entfernten) Schutzhaus schon noch gepackt, aber Handy + Versicherung machen's möglich, wäre wohl früher nicht so gewesen, ich denke das kann man schon als allg. Entwicklung beobachten. Kann natürlich sein, das garnichts mehr ging, aber ich geh' doch nicht bis zur vollständigen Erschöpfung ??? Da macht man doch vorher Pause oder kehrt um  ??? Als Außenstehender red sich's natürlich auch leicht, keine Frage...

Offline MANAL

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Re: Mehr Unfälle beim Abstieg?
« Antwort #4 am: 29.07.2012, 12:36 »
Der Großteil in der heutigen Gesellschaft denkt doch nur noch von zwölf Uhr bis Mittag. Man hat ein Handy dabei und durch die AV-Mitgliedschaft Anspruch auf eine Bergrettung...

Die ganzen Extrem- und Funsportarten zeigen das doch auch. Und kaum passiert mal wieder was ist großer Trauer angesagt und die Frage warum sowas passiert statt das man vielleicht vorher überlegt dass manches ziemlich hirnrissig ist. Und die Berge werden leider auch immer mehr zum Spielplatz für verantwortungslose volljährige Kinder.

Offline clemens_r

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Re: Mehr Unfälle beim Abstieg?
« Antwort #5 am: 29.07.2012, 19:12 »
@roskin - Ja, das ist natürlich eine schwierige Frage.. wie du sagst, besonders als Aussenstehender kann man das wohl sowieso nicht beurteilen. Aber es ja doch besser so, also dass man im Falle einer Übermüdung gerettet werden kann, wenn somit Unfälle und Unglückfälle vermieden werden können, auch wenn es ab und zu doch nicht sooo nötig wäre, dass gleich die Rettung kommt. Da müsste man wahrscheinlich ganz wo anders ansetzen und den Bergsteigenden überhaupt einmal beibringen, ihre Kräfte angemessen einschätzen und einteilen zu können. Aber das ist ja wohl kaum möglich, es sind genug Leute unterwegs, die sich eigentlich relativ wenig bis gar nicht auskennen oder der Meinung sind, dass das alles sowieso ein Klax ist und sie fit genug sind, elends lange Strecken auf sich zu nehmen.

@MANAL – Mhmm, das mit dem Handy macht alles leichter… oder auch nicht ;-) Aber es ist schon gut zu wissen, dass man im Notfall bei Empfang Hilfe rufen kann! Weil du grad Bergrettung sagst, würde mich mal interessieren, wie oft das z.B. in stark bewanderten Gebieten wie Tirol vorkommt, dass Wanderer und Bergsteiger wegen Übermüdung gerettet werden müssen und die Rettung rufen. Also wie oft solche Anrufe bei der Leitstelle Tirol eingehen… Und zur Verantwortung: Wie schon oben erwähnt, es gibt leider genug Leute, die sich vollkommen ver- und überschätzen und denken, dass Wandern, etc. ein Kinderspiel ist, wofür man keine besonderen Kenntnisse braucht.

Offline Helixstone

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Re: Mehr Unfälle beim Abstieg?
« Antwort #6 am: 29.07.2012, 19:55 »
Servus zusammen,

ein Versuch aus meiner subjektiven "Bergwacht-Brille":

- Einsätze wegen Erschöpfung > höchst selten

- Auch eine "Erschöpfung" kann sich zum lebensbedrohlichem Zustand entwickeln.
  Deshalb: frühzeitige Hilfeleistung > nicht erst wenn´s richtig eng wird.

- Ist eine "Notsituation" gegeben >> dann ist auch Hilfe notwendig.
  Damit der Mensch aus dieses Situation wieder rauskommt.

Noch ein paar Gedanken in die Richtung auf der Bergwacht-Bayern.org Seite:
http://www.bergwacht-bayern.org/index.php?id=65

Z.B:
Als kundiger und kompetenter Partner der Bergsteiger weiß die Bergwacht Bayern um die Eigenheiten und Schwächen der Menschen, die sie akzeptiert und duldet.
Für unsere Arbeit macht es keinen Unterschied, aus welchem Grund eine Person zu Schaden kam.
Es ist nicht die Aufgabe der Rettungsdienste, ermittlerisch tätig zu werden, es fehlt sowohl die Ausbildung als auch die Befugnis.

Schönen Abend wünscht Helixstone

Offline Bernhard G.

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Re: Mehr Unfälle beim Abstieg?
« Antwort #7 am: 29.07.2012, 21:31 »
Ein Arbeitskollege hat auch mal den Rettungshubschrauber wegen akutem Erschöpfungszustand gebraucht. Der war auf einer MTB-Runde mit Spezln und ist oben angekommen einfach umgekippt. Irgendwie hatte er sich  zu sehr verausgabt, vielleicht wegen Gruppenzwang. Die haben das einzig richtige gemacht: den Rettungshubschrauber gerufen. Bis der kam, ging es ihm dann schon wieder einigermaßen, aber es hätte auch anders kommen können.


Offline Rapsi

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Re: Mehr Unfälle beim Abstieg?
« Antwort #8 am: 30.07.2012, 20:13 »
Wenn ihr da Leitstelle und Bergwacht schreibt - sollte man sich deren Nummern einspeichern oder wie funktioniert das eigentlich dass die Bergrettung kommt - einfach Rettung / ambulanz anrufen?

Offline indian_summer

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Re: Mehr Unfälle beim Abstieg?
« Antwort #9 am: 30.07.2012, 20:48 »
Findest du z.B. auf der Seite der Bergwacht:

Wie erhalte ich Hilfe im Notfall

Wenn Sie in den bayerischen Bergen oder im unwegsamen Gelände medizinische Hilfe brauchen, erreichen Sie die zuständige Rettungsleitstelle über die einheitliche Notrufnummer 112.

Bitte beachten Sie, dass vor allem im alpinen Bereich kein flächendeckendes Mobilfunknetz besteht. Hilsfbedürftige können oder müssen sich dann beispielsweise durch lautes Rufen bemerkbar machen. Eine Trillerpfeife kann hier sehr gute Dienste leisten. Sie ist im Brustverschluss von manchen Rucksäcken integriert. Bei Dunkelheit hilft eine Taschenlampe. Darüber hinaus ist dem Einfallsreichtum keine Grenzen gesetzt. Als Beispiel nennen wir die amerikanische Wanderin, die ihr Sport-Shirt an das Seil der Lastenbahn geknotet hatte. Sie konnte so auf sich aufmerksam machen und schließlich gerettet werden.

Alpines Notsignal

Hör- oder sichtbares Zeichen/Rufen, sechs Mal innerhalb einer Minute. (alle 10 sec.)

Signal jeweils nach einer Minute Pause wiederholen.

Antwortzeichen erfolgt drei Mal pro Minute.

Weiter Informationen erhalten Sie unter alpenverein.de

Offline clemens_r

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Re: Mehr Unfälle beim Abstieg?
« Antwort #10 am: 31.07.2012, 18:05 »
@Helixstone – deine Ansicht hört sich sehr vernünftig an. Kann dir nur zustimmen, auch Erschöpfung kann schlimmer werden.
@Bernhard G. – Ja, genau solche Fälle meinte ich. Zum Glück hat er nicht weitergemacht, sondern war venünftig.
@Rapsi - Ich weiß nicht wie es mit der Bergwacht ist. Aber die Leitstelle ist immer die, die drangeht, wenn du die Rettung rufst. Also zumindest bei der Leitstelle Tirol ist das so. Die koordinieren die Einsätze von Rettung und Feuerwehr.

Offline mutrus

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Re: Mehr Unfälle beim Abstieg?
« Antwort #11 am: 04.09.2012, 18:24 »
 Mich würde interessieren was für versicherung brauche ich um Anspruch auf eine Bergrettung zu haben wenn ich keine AV-Mitgliedschaft habe?

Offline Helixstone

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Re: Mehr Unfälle beim Abstieg?
« Antwort #12 am: 04.09.2012, 20:53 »

In Bayern wird zwischen der Bergwacht und der Krankenkasse direkt abgerechnet.
Die Bergwachtler bekommen nix (=Ehrenamt). #angel#

Hubschrauber geht extra.

In A und CH werden von den Krankenkassen nur die deutschen Kostensätze erstattet.
Mehrkosten müssen über andere Versicherungen (z.B. DAV/DSV/ADAC usw.) abgedeckt sein oder selbst zahlen.

z.B.:
>Kind stürzt beim Skifahrn z.B. in Austria.
>> Abtransport durch Hubschrauber
>>> Hubschrauberrechnung direkt an die Eltern
>>>> KEINE Versicherung fürs Kind
>>>>> Krankenkassen erstattet nur den BRD-Kostensatz
>>>>>> 4stelliger Betrag ist von den Eltern zu leisten
FAZIT: Nicht nur Auslandskrankenschutz ist wichtig, sondern ALLE Familienmitglieder brauchen eine Versicherung für die BERGUNGSKOSTEN!  :o