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Autor Thema: Gabler (3.260m) am 09.04.2012 - Irrwege und (fast)-Traumpulver  (Gelesen 965 mal)

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Offline Bernhard G.

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Hallo,

ich war wieder mal am Gabler. Die Wettervorhersage war für das Salzburger Land am besten und auch der Lawinenlagebericht vom Vortag war eine Stufe günstiger als in Tirol - man bemerke, der Gabler liegt gerade noch auf Salzburger Grund, daran wird sich doch gefälligst auch der Schnee halten!  >:D

Gestartet bin ich um 7:30 bei stahlblauem Himmel am Gasthaus Finkau, ein paar Autos waren schon da. Na, dann muß ich wenigstens nicht spuren! Aber es kam dann doch etwas anders. Das Wetter war wirklich traumhaft. Hochwinterlich kalt aber ungetrübter Sonnenschein. -12°C meinte der Bordcomputer meines Autos am Startpunkt und im Wildgerlostal war es sich noch um einiges frischer. Der einzige Schönheitsfehler war bereits am Startpunkt zu erkennen: kräftige Schneefahnen an den Graten und Gipfeln.

Im Wildgerlostal hatte es nur wenig Neuschnee (10 - 15 cm) auf fest gefrorenem Grund. Aber mit zunehmender Höhe wurde es deutlich mehr, im oberen Bereich waren es dann bis zu einem halben Meter. Umsicht bei der Spuranlage war also gefragt.

Die Neuschneefälle der letzten Tage ließen die Landschaft im Hochwinterlook erstrahlen. Hätte nicht gedacht, daß das heuer noch mal der Fall sein wird!

Im unteren Teil konnte ich auf die Spur der Frühstarter zurückgreifen und es ging zügig voran. Insgesamt waren zwei Zweiergruppen vor mir, wie sich später zeigen sollte.

Die Spur führte  zwischen den beiden riesigen Seitenmoränen hoch - eine eher ungewöhnliche, aber mögliche Spurwahl. Man muß dann aber rechtzeitig nach links queren, da man sonst in den Gletscherbruch des Wildgeloskees gelangt. Die Spurerbauer kamen mir dann irgenwann entgegen und hatten ihre Tour abgebrochen, weil sie ihrer Sache nicht mehr sicher waren und beim Anblick des bedrohlich näherrückenden Gletscherbruchs Muffensausen bekamen. Dabei hätten sie blos am Ende der Moräne nach links rüberqueren müssen. Aber besser so, als der Blödsinn, den die beiden anderen Tourengeher gemacht haben. Auf dem Bild sieht man sie schnurstracks in den Gletscherbruch des Wildgerloskees marschieren. Ich habe die Beiden mit einem kleinen, roten Kreis markiert. Ich dachte mir noch, die werden doch hoffentlich bald umdrehen! Selbst von meinem Standpunkt aus waren die ersten offenen Spalten nicht mehr weit!

Ich bin dann nach links gequert um auf die übliche Aufstiegsroute zu kommen. Nun war harte Spurarbeit durch teilweise windgepreßten, teilweise knietiefen Pulver angesagt! Das war ganz schön anstrengend. Aber zum Glück näherte sich auf meiner Spur von hinten Hilfe. Ein anderer Tourengeher löste mich in ca. 2900m Höhe beim Spuren ab.

Am Skidepot unter dem Gipfel war es grausig kalt und windig. Mir tun jetzt noch die Finger weh! Also bin ich gleich runter - die Gratkletterei zum Gipfel wäre bei der Neuschneelage ohnehin ohne Seilsicherung ein fragwürdiges Unterfangen.

Die Abfahrt war zwar nicht durchgehend perfekt, der windgepreßte Pulver im oberen Bereich hat teilweise ordentlich Kraft gekostet, aber unter rum war es toll - lockerer Pulver auf fester, glatter Unterlage!

Was ist aus den beiden Gletscherbruchaspiranten geworden? Nun, sie haben dann doch umgedreht und sind über die steile Flanke zur Glatze hoch. Das war auch alles andere als ungefährlich:  Spalten- und Lawinengefahr. Man konnte von oben sehen, daß ihre Spur knapp unter einer teilweise offenen Spalte vorbeiführte.

roBerge.de

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« am: 09.04.2012, 18:53 »