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Autor Thema: Überschreitung der A(h)rnspitzgruppe am 27.06.2010  (Gelesen 4916 mal)

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Offline Tom

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Servus roBergler

Zur Vorbereitung auf die Hochtourensaison gibt es mal nix am Stahlseil  #angel#  sondern eine anspruchsvollere Bergtour mit alpiner Kraxelei in den unteren Schwierigkeitsgraden.


Warmes und stabiles Wetter war angesagt und die Tage sind lang genug für ausgiebige Bergfahrten. Wir wollen also mal wieder ein paar Sachen auf unserer ToDo-Liste abhaken und zugleich einen bislang schwarzen Fleck auf unserer persönlichen Bergkarte ausradieren.

Früh morgens fahren wir voller Motivation nach Leutasch, heute wollen wir die Arnspitzgruppe in Angriff nehmen. Eigentlich gehört die freistehende Gebirgsgruppe dem Wettersteingebirge an, wird von diesem aber durch das Leutaschtal deutlich abgetrennt.

Da wir einmal komplett über den Hauptkamm wollen, deponieren wir vorab unsere MTBs in Leutasch, Ortsteil Arn, um uns einen entspannten Rückweg zu sichern. Wir beginnen die Tour am Eingang der Leutascher Geisterklamm. Viel Eisen, rauschendes Wasser ... aber für uns nicht wirklich interessant ... vielleicht ist es auch nur zu früh am Morgen ... zumindest ist außer uns niemand unterwegs. Wir verlassen den Klammweg bei gut der Hälfte und steigen etwas abwärts zum Gasthof Gletscherschliff. Wir sind nun fast schon wieder in Mittenwald ... aber von hier beginnt nun die eigentliche Überschreitung.

Zunächst folgen wir einem Fahrweg ein paar Minuten bergab, bis ein Wegweiser "Große Arnspitze" in den Wald zeigt. Der Weg ist gut beschildert und markiert, aber offensichtlich wird er nicht oft begangen ... zumindest waren dieses Jahr noch nicht viele unterwegs. Stellenweise hat man wirklich Probleme dem schmalen Trampelpfad zu folgen. Laub vom letzten Herbst, verwachsene Sträucher und umgefallene Bäume bereiten leichte Probleme bei der Wegfindung. Im ZickZack geht es in dichtem Wald durch die Südflanke des Schartenkopfes an einer Diensthütte vorbei zur Riedbergscharte (1.450m), wo wir auf den um einiges kürzeren Nordanstieg stoßen.

Die Landschaft und die Aussicht werden nun mit jedem Schritt schöner. Der teils ausgesetzte Weg führt uns über den Riedkopf (1.805m) und über ein paar der Achterköpfe bis er den Kamm verlässt und unterhalb der letzten Achterköpfe durch einen steilen Schrofenhang hinüber zur Arnspitzhütte (1.955m / unbewirtschaftet / Notlager des DAV Hochland) quert.

Bislang war die Tour recht unspektakulär und ziemlich einsam ... es scheint aber besser zu werden. Kurz unterhalb der Hütte zweigt der Weg in Richtung Große Arnspitze (2.195m) ab. Hier ist zumindest schon mal Trittsicherheit gefragt ... auch die Hände kommen ab und zu mal zum Einsatz. Durch Schrofengelände (UIAA I) geht es weiter bis zum Gipfel (der mit den orangen Tafeln, nicht der mit Kreuz). Hier ist auch richtig was los, mit 4 Personen müssen wir uns den höchsten Punkt der Arnspitzgruppe teilen.

Den Aufstiegsweg ist MANAL letztes Jahr auch schon gegangen, hat ihm aber scheinbar nicht ganz so gut gefallen ... siehe hier: Wer war Wo? (2009-09)

Nach der Gipfelbrotzeit geht es nun ans Eingemachte. Zunächst geht ein kurzes Stück auf dem Normalweg zurück bis zu einer Gedenktafel ... dort verlassen wir den markierten Weg nach rechts und suchen uns den besten (einfachsten) Weg in Richtung Westen. Immer auf einem Grat bleibend geht es in teilweise luftiger Kraxelei (bis UIAA II) im Auf und Ab bis zum Wandfuß der Mittleren Arnspitze (2.091m). Aufgrund der Hitze (25°C auf über 2.000m) und den schwindenden Wasservorräten (auf der gesamten Tour kein Nachtanken möglich!!!) entscheiden wir uns gegen eine Gipfelüberschreitung und umgehen diesen Gipfel nördlich entlang des Wandfußes. Immerhin haben wir ja noch die Arnplattenspitze (auch Hintere Arnspitze / 2.170m) vor uns, über die wir in jedem Fall müssen.

Im Sattel zwischen Mittlerer und Hinterer Arnspitze beginnt dann ein sehr unangenehmer "Latschen-Nahkampf" ... im T-Shirt und kurzer Hose nicht wirklich der Hit, aber irgendwie muss man ja an den steilen Gipfelaufschwung der Arnplattenspitze rankommen. Nach gut 10 Minuten werden die Latschen aber wieder etwas lichter und man folgt der steil abbrechenden Kante am Nord-Ost-Grat nach oben. Hier sind sogar teilweise (ur)alte Markierungen und Stoamandl zu finden. Am Ende des Latschenbewuchses steht man dann vor der imposanten Gipfelplatte. Wir halten uns weiterhin an die rechte Gratkante bis wir auf einem Art Balkon stehen. Von dort zieht ein Riss bis direkt zum Gipfelkreuz ... sicherlich nicht die leichteste Variante, aber in jedem Fall die Kürzeste (sehr ausgesetzt / UIAA II-III).

Geschafft! Wir stehen auf der Arnplattenspitze ... völlig aus- und abgebrannt und die Sonne knallt immer noch auf unsere Köpfe. Vielleicht ist das Wetter heute zu stabil für diese Tour  8).

Nach erneuter Gipfelbrotzeit machen wir uns an den langen Abstieg. Zuerst ist aber nochmal etwas Klettergeschick gefragt, die Abstiegsroute vom Gipfel wird aber durch gelbe Punkte vorgegeben (UIAA I-II). Bald schon wird es flacher und wir folgen dichten Latschengassen über den Weißlehnkopf (2.002m),  Arnkopf (1.934m) und den Zwirchkopf (1.773m) bis uns ein extrem steiler Bergpfad durch einen Lärchenwald runter nach Arn zu unserem Bike-Depot bringt.

Mit dem Bike haben wir dann noch die nächstbeste Möglichkeit an der Leutascher Ache angesteuert, um bei einem kühlen Fußbad die letzten zwei Tore "unserer Jungs" im Österreichischen Radio zu verfolgen.

Die letzten 8km ging es im Anschluss ziemlich entspannt den Achweg entlang zurück zum Parkplatz.


Wegverlauf (gesamt):

Leutascher Schanz - Leutascher Geisterklamm (Eingang auf 1.010m) - Gasthof Gletscherschliff (1.020m) - Riedbergscharte (1.450m) - Achterköpfe - Arnspitzhütte (1.955m) - Große Arnspitze (2.195m) - Mittlere Arnspitze [umgangen] - Arnplattenspitze (2.170m) - Weißlehnkopf (2.002m) - Arnkopf (1.934m) - Zwirchkopf (1.773m) - Leutasch/OT Arn (1.094m) - zurück per Bike an der Leutascher Ache




Rahmendaten:

[Hike] ca. 1700 Hm auf gut 15 Kilometer
[Bike] 8 km und wenige Hm


Ein paar Impressionen:

In der Geisterklamm






Die Große Arnspitze in Sichtweite


Die kleine Arnspitzhütte


Trittsicherheit ist gefragt beim letzten Anstieg zur Großen Arnspitze


Der Weiterweg ... dem Gratverlauf folgend zur Mittleren Arnspitze (Doppelgipfel) und weiter zur Arnplattenspitze (großer Turm)




Blick zurück zur Großen Arnspitze


Am Nord-Ost-Grat der Arnplattenspitze


Letzter Aufschwung über steile Platten zum Gipfel der Arnplattenspitze




Abklettern Richtung Westen


Die Arnplattenspitze ... auch von der anderen Seite ziemlich imposant


Super! ... hier läuft Fußball im Radio





Gruß. Tom.

roBerge.de

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« am: 29.06.2010, 00:14 »

Online MANAL

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Re: Überschreitung der A(h)rnspitzgruppe am 27.06.2010
« Antwort #1 am: 29.06.2010, 20:17 »
Respekt Tom! Die Tour war für mich schon bis zur Arnspitze recht anstrengend... Hatte damals nicht ganz so schönes Wetter. Vielleicht hat mir deswegen die Tour ned wirklich getaugt...

Scheint ja eine ordentlich luftige Sache dann noch geworden zu sein!?