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Autor Thema: Schlicker-Klettersteig auf die Große Ochsenwand am 20.08.2009  (Gelesen 1948 mal)

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Offline Tom

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Servus roBergler

Nach der Ilmspitze und dem Habicht war am dritten und letzten Tag unseres Stubai-Aufenthalts ein absoluter Klettersteig-Klassiker an der Reihe, den ich schon seit Jahren einmal gehen wollte ... der Schlicker-Klettersteig (Topo) auf die Große Ochsenwand (2.700m).

Da uns vom Vortag noch die 2.000 Abstiegs-Höhenmeter vom Habicht in den Beinen steckten, haben wir entgegen unserer Prinzipien doch eine Bergbahn benutzt  :-[ , um uns den Zustieg etwas zu verkürzen.

Wir standen also um kurz vor halb 9 mit zig anderen an der Talstation der »Schlick 2000« in Fulpmes. Pünktlich um 08:30 Uhr saßen wir ganz stolz als erstes in der Gondelbahn nach oben. Als wir an der Mittelstation Froneben ausstiegen, wunderten wir uns jedoch, warum wir die einzigen waren, die hier bereits absprangen ... hatten die anderen doch auch "Klettersteigzeugs" dabei.

Schnellen Schrittes ging es auf einem Fahrweg von der Mittelstation über die Schlicker-Alm in Richtung Einstieg. Kurz vor dem Einstieg mussten wir feststellen, dass alle anderen an diesem Tag noch fauler waren als wir. Der Rest fuhr scheinbar mit der Bahn bis zur Bergstation Kreuzjoch ... die mussten also keine 650 Hm bis zur Abzweigung zum Klettersteig aufsteigen - so wie wir - sondern nur 250 Hm absteigen  :(.

Na ja, soetwas kann passieren. Schlimm nur, dass fast alle dieser 26 Personen zu einer einzigen Gruppe gehörten ... slowakische und/oder rumänische "Hardcore-Alpinisten" im Alter zwischen 18 und 58 Jahren  :o.

Da wir unsere Klettergurte bereits an hatten und der Helm schnell auf den Kopf geschnallt war, konnten wir uns am Einstieg an gut der Hälfte vorbei mogeln ... die haben zwar böse geschaut, aber nichts gesagt. Jetzt hatten wir nur noch die jüngere Generation dieser Gruppe vor uns. In der überhängenden Einstiegswand hat dann schon eine der jüngeren Damen das Zittern in beiden Knien bekommen. Auf gutes Zureden ihres Freundes hat sie es dann doch noch geschafft. Super dachte ich mir ... das kann ja heiter werden.

Obwohl wir sichtlich schneller waren als die, wollte uns im Steig keiner mehr von denen vorbei lassen ... zumindest anfangs nicht  ::). Es lagen immerhin 700 Hm Klettersteig vor uns, da ist man dann schon mal genervt, wenn einem ständig jemand auf die Hacken steigt ... wir wurden also schließlich doch freiwillig von allen vorbei gelassen.

Obwohl der Steig laut Topo stellenweise nur mit B bzw. B/C bewertet ist, war er durchgehend recht anspruchsvoll. Da kennt man gleich den Unterschied zwischen einem modernen Sportklettersteig und einem alten Klassiker. Da findet man nicht auf jedem Meter einen Trittstift und oftmals folgt man dem Stahlseil 10 - 12 Meter ohne eine Zwischensicherung. Ganz zum Schluss geht es dann gänzlich ohne Sicherung weiter ... stellenweise eine recht anregende Schrofenkraxelei (UIAA I-II).

Am Gipfel haben wir dann "Mark Zahel" getroffen ... erfolgreicher Autor unzähliger Bergliteratur. Wir mussten ihn bei seiner gemütlichen Brotzeit für ein Gipfelfoto stören, anschließend flüchtete er mit uns auf die Erhöhung am anderen Ende des Gipfelkamms, wo wir den nachfolgenden Klettersteiglern bei den letzten Metern ihres Gipfelsturms zusahen.

Nach knapp einer Stunde machten wir uns an den Abstieg. Der Abstiegklettersteig (200 Hm) mit max. C bewertet, war dann nochmal was für Armkraft und Konzentration ... zudem musste man absolut immun gegen Tiefblicke sein. An der Alpenklub-Scharte (2.451m) konnten wir dann wieder entspannen und unsere Ausrüstung wegpacken. Auf einfachem Steig ging es weiter hinab Richtung Schlicker-Alm. Links ab vom eigentlichen Weg konnten wir dann in wenigen Minuten knapp 300 Hm in einer Geröllrinne abfahren  ;) ... das war zwar recht ruppig, hat aber irrsinnig viel Spaß gemacht.

An der Schlicker-Alm ging es bei unserem Eintreffen zu wie auf dem Jahrmarkt ... und fast nur Italiener.


Tipp:

Auf jeden Fall nach der Schlicker-Alm den kurzen Gegenanstieg in Kauf nehmen und über den Erlebnisweg zum Panoramasee schlendern.

+ weicher Waldweg
+ lustige "Erlebnisweg-Stationen"
+ kühles Bad im Panoramasee


Weiterer Abstieg ... vom See kurz der Beschilderung folgen, dann einfach über die breite Skipiste bis zur Mittelstation Froneben.



Gruß. Tom.



Foto 01 : überhängende Einstiegswand
Foto 02 : kurzer "Gegenanstieg" im Abstiegsklettersteig
Foto 03 : knapp 300 Hm Geröllabfahrt

roBerge.de

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« am: 25.08.2009, 00:19 »