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Autor Thema: Berchtesgadener Hochthronsteig am am 04.01.2009 (Versuch einer Winterbegehung)  (Gelesen 4447 mal)

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Offline Tom

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 Berchtesgadener Hochthronsteig am 04.01.2009
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Servus roBergler

Trotz der angekündigten Kaltfront wollten Ines und ich es versuchen ... aber es blieb dann leider auch bei einem Versuch.

Eigentlich hatten wir es uns bei den momentanen Verhältnissen recht einfach vorgestellt:

  • kein Neuschnee
  • vorhandener Schnee gefroren
  • zur Zeit so gut wie keine Lawinengefahr (LWS1)
  • fast kein Schnee in der doch recht steilen Wand des Berchtesgadener Hochthrons zu sehen
  • Weg/Routenführung ist uns bekannt

Die Gesamtumstände zwangen uns dann aber nach einem Drittel des Steiges zum Abbruch und Rückzug. Bei -10°C (gefüllt wie -20°C) wurden die Finger allmählich eisig kalt; wir hatten bis zum Einstieg bereits länger gebraucht als geplant; durch lästiges Anseilen/Selbstsichern aufgrund des doch stellenweise verdeckten "Seils" haben wir für das gegangene Stück gut eine Stunde gebraucht und damit ebenfalls das festgesetzte Zeitlimit gesprengt. Da uns nicht klar war, ob wir durch die Verwechtungen am Ausstieg/Gratkamm überhaupt nach oben raus kommen und wir dann bei einem gezwungenen Rückzug bei Dunkelheit abklettern müssten, entschlossen wir uns rechtzeitig zu einem Abbruch.

Wir kommen bestimmt wieder  ::) , aber jetzt erstmal im warmen Zuhause die arktische Kaltfront überstehen ohne krank zu werden.


Steigdaten:
Schwierigkeit: C/D
Wandhöhe: 400 m
Klettersteiglänge: 600 m
Exposition: Ost
Einstiegshöhe: ca. 1580 m (je nach Schneehöhe  ;) )
Ausstiegshöhe: 1975 m


Verhältnisse:

Zufahrt und Parkplatz:
Die Straße vom Marktschellenberg zum Wanderparkplatz Hinterrossboden und der Parkplatz selbst waren geräumt.

Zustieg:
Vom Parkplatz bis zur Baumgrenze unterhalb des "Scheibenkasers" feste Schneedecke.

Zuerst dem Forstweg folgend, der anscheinend auch als Naturrodelbahn dient; später über ein paar Abkürzungen durch verschneites Gelände. Ab Baumgrenze bis zum "Scheibenkaser" war der freie Hang beinhart gefroren (Steigeisen hilfreich). Vom "Scheibenkaser" bis zum Einstieg sehr mühsam; 50 Minuten harte Spurarbeit durch verschneiten Hang; teils in 20cm Pulver (Schneeverwehungen) - teils durch Bruchharsch - teils auf "Blankeis".

Aufstieg / Klettersteig:
In den eigentlich leichten Passagen zu Beginn ("B"-Stellen) war das "Seil" unter Eis und gefrorenem Schnee begraben. "Freilegen" teilweise unmöglich. An drei Stellen selbst mit Seil gesichert. Steigeisen ein absolutes MUSS, Eispickel (evtl. Eisgeräte) wären sicherlich sinnvolle Hilfsmittel.

 --- ABBRUCH nach einem Drittel des Steiges ---

Ausstieg / Gratkamm:
 --- nicht erreicht ---
 ... jedoch waren von unten schon relativ starke Verwächtungen sichtbar.

Gipfel:
 --- nicht erreicht ---

Abstieg:
 --- wie Aufstieg ---


Offizielle Fundstellen im WWW:

Touristinfo Marktschellenberg
TOPO von bergsteigen.at


Gruß. Tom.



Foto 01: Zustieg vom "Scheibenkaser" zum Einstieg
Foto 02: Im Klettersteig
Foto 03: Watzmannblick

roBerge.de

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« am: 06.01.2009, 14:38 »

Offline Tom

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Berchtesgadener Hochthronsteig am 01.05.2009
« Antwort #1 am: 01.05.2009, 23:51 »
 
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 Berchtesgadener Hochthronsteig am 01.05.2009
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Servus roBergler

da wir (Ines und ich) diese Tour in unserer "To-Do-Liste" leider immer noch auf "unerledigt" stehen hatten, mussten wir die Einladung von Daniel zu "Seebensteig und Tajakante" heute leider ausschlagen.

Da wir beim Versuch einer Winterbegehung am 04.01.09 wegen Kälte abbrechen mussten, wollten wir es heute nochmal wagen. Da es die vergangene Woche nochmal geschneit hat, kann man das trotz 1. Mai auch als Winterbegehung gelten lassen  ;).

Laut Wetterbericht hätte das Wetter zumindest heute nicht ganz so schlecht werden sollen (wie man bei den Fotos von Daniel auch sehen kann :o).

Wir hatten aber schon wieder Pech. Schon bei der Ankunft im Berchtesgadener Land regnete es - zumindest war alles Nass - vom Nebel wollen wir jetzt gar nicht reden. Im Klettersteig habe ich mich immer gefragt, was besser ist: eine trockene Wand bei -10°C oder eine tropfnasse Wand bei +10°C ... egal ... wir wollen es ja nicht anders.


Verhältnisse:

Zustieg:
Vom Parkplatz bis zur Baumgrenze unterhalb des "Scheibenkasers" so gut wie fast kein Schneekontakt. Mit Verlassen des Waldes geschlossene Schneedecke. Gut 10 cm Neuschnee auf zum Teil festgesetzten Altschneefeldern. Ziemlich rutschige Angelegenheit.

Vom "Scheibenkaser" bis zur "Wand" war wieder harte Spurarbeit gefragt. Schneeschuhe bringen da eigentlich nicht viel, da das Gelände (Hangquerung) viel zu steil ist. Der Neuschnee machte die Sache nicht einfacher. Der morgentliche Regen hat jedoch bereits vor unserem Eintreffen schon gute Dienste geleistet, indem er durch Auslösen von Nassschneelawinen einen großen Teil des Zustiegs wieder "gereinigt" hat.

Die riesigen Schneeansammlungen (sahen aus wie Séracs) hangseitig über dem Einstieg waren nicht gerade vertrauenserweckend. Da hat sich wohl alles gesammelt, was an Eis und Schnee den Winter über in der Wand hing.

Die Randkluft zur Wand war heute begehbar ... trotzdem ist dort Vorsicht geboten.

Aufstieg / Klettersteig:
In der Wand lag zum Teil nasser weicher Neuschnee, der so gut wie nicht störte. Wegen dem morgentlichen Regen war der Steig jedoch durchgehend tropfnass.

Richard Koller (der Erbauer) war laut Wandbuch schon mehrmals mit Kollegen im Steig, um die Winterschäden zu beheben. Offensichtlich wurde auch das Seil im ersten Teilstück vor allem im Einstiegsbereich neu gespannt und nachgezogen. DANKE!

Über die Schneerinne unterhalb der »Schluchtrampe« wurde ein altes Kletterseil gespannt, da das Stahlseil tief unter dem Schnee begraben ist (wir kennen es überhaupt nicht anders). Ob das Kletterseil dort bleibt  ... keine Ahnung ... es war uns jedoch hilfreich (zumindest mussten wir unseres nicht auspacken). Nochmals DANKE!

Ausstieg / Gratkamm:
Von den extremen Verwächtungen, die sonst um diese Jahreszeit noch am Ausstieg hängen/stehen war heute nichts zu sehen ... die liegen wohl alle im Hang kurz oberhalb des Einstiegs.

Gipfel:
Der kurze Weg vom Ausstieg zum Gipfel war zwar schneebedeckt jedoch problemlos zu gehen. Wir hatten Glück, dass wenigstens am Gipfel die Sonne zum Vorschein kam.

Abstieg:
Auf dem Weg vom Gipfel zum Stöhrhaus sieht man erst, wieviel Schnee da zum Teil noch liegt. Durch Schneeverwehungen / -verfrachtungen wurden teilweise riesige Schneewellen geformt - schön zum Anschauen - schlecht, wenn man drüber hinweg muss. Schneeschuhe von Vorteil, jedoch nicht unbedingt notwendig. Man sollte jedoch beachten, dass der Schnee im Tagesverlauf immer weicher wird. Ich sage nur "schwupp und weg". Zweimal bin ich durchgebrochen und hüfttief in den Latschen gesteckt  :(.

Vom Stöhrhaus auf Weg 417 zum "Leiterl" teilweise schon "aper". Der Weg 466 zurück zum Scheibenkaser war heute der anstrengendste Teil der Tour (und das soll was heißen). Unzählige Lawinenkegel und Schneefelder, die den Weg verschüttet bzw. verdeckt haben, sind zu queren ... das ist kein Spaß und macht auch keinen.

Vom Scheibenkaser zum Parkplatz - wie im Aufstieg - wieder problemlos.


+++ insgesamt 1300 Hm ... ca. 11 km ... anstrengende 9:30 Stunden (inkl. Pausen) +++


Fazit:

Immer wieder eine schöne Tour. Man sollte jedoch noch 3 bis 4 Wochen warten, da die riesigen Schneemassen im Zustiegsbereich als kritisch zu betrachten sind.


habe mal die Schneehöhe bei unserer Tour in ein "Sommerfoto" eingezeichnet




Gruß. Tom.

P.S.: Sorry, dass ich schon wieder soviel geschrieben habe  #angel#



Foto 01: ... kritischer Einstieg in der "Randkluft"
Foto 02: ... die »Schluchtrampe«
Foto 03: ... die letzten Meter zum Gipfel