29.10.2023: Kaisergebirge: NaturNah auf das Tuxeck (Tuxegg)

Begonnen von geroldh, 05.11.2023, 22:22

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geroldh

Dieser Aufstieg Tuxeck über Schutterfeldköpfe und Südostgrat und Treffauer (29.10.2016) wurde bereits in der guten alten roBerge-Zeit thematisiert, als das Forum u.a. auch noch angenehm "Pop-Up-werbefrei" war...
Mir war diese Route von zwei Begehungen bekannt, auf meiner älteren AV-Karte ,,entdeckt", vor ca. zehn Jahren alleine erkundet und dann vor wenigen Jahren nochmal als ,,Führungstour". Doch als ich kürzlich "nebenan" einen Tourenbericht Tuxeck (2226 m) – Südostanstieg über die Schutterfeldköpfe (21.10.2023) von DonUlmar gesehen hatte, war der Gedanke sofort da, dass dieser einsame Aufstieg doch eine herrliche, naturnahe Tour - gerade für den Herbst - abgeben könnte. Als zeitgleich BarfussUlrich aus Innsbruck für eine gemeinsame Herbsttour anfragte, passte dies perfekt für das letzte ,,föhnige" Oktober-Wochenende zusammen.

Mit dem ersten Zug des Tages bin ich unterwegs nach Kufstein und nach kurzem Umsteigen weiter nach Wörgl, dort treffen wir zusammen und fahren zu unserer "Saisonabschluss-Tour" via Söll nach Scheffau. Die Umstellung von der Sommer- auf die Winterzeit (eine Stunde "geschenkt") haben viele Bergler alles andere als "verschlafen", denn bereits etwa die Hälfte der Stellfläche vom Parkplatz Jagerwirt (910 m) ist belegt, als wir - Ulrich natürlich barfuß und ich in den leichten FiveFingers, um diesbezüglich mit ihm mithalten zu können – dort um 8:15 Uhr starten.

Nach einem kurzen Warmlaufen – im Schatten hat es kaum 10 *C – machen wir bei der Wegscheid-Niederalm (989 m) einen flotten Ausziehstopp und steigen zwischen zwei Kleingruppen in Hör-/Sichtweite an der Wegscheid-Hochalm (1212 m) vorbei zum "Boulderfelsen" (ca. 1350 m / ca. 9:00 Uhr) auf. Dort wird es mit dem Abbiegen auf den sog. Gruttenweg - es ist aber ein Steig - für mich entspannend, denn die Gruttenhütte hat bereits geschlossen und wir brauchen dort keine Wanderer mehr erwarten. Im leichten auf und ab wird hier ,,halbkreisförmig" der dem Hauptkamm südlich vorgelagerte Berg umrundet. Doch unerhofft kommt oft - eine (einheimische) Trailrunnerin kommt uns entgegen, ganz normal ein kurzes Hallo und Servus ausgetauscht – und schon ist sie an uns vorbei.

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Blick vom Gruttenweg an der gleichnamigen Hütte vorbei auf den Ostkaiser.

Anschließend sind nur knapp 250 m auf dem Gruttenfahrweg zu absolvieren, dann geht's, wie in der AV-Karte vermerkt, auf 1452 m die Böschung hinauf und in die Latschen hinein (10:15 Uhr). Mit dem Zusammentreffen des Steigs von der Grutten herüber beginnt praktisch der Süd-Ost-Aufstieg, der vor dem offiziellen Einstieg aber noch eine kleine Prüfung bereithält, denn ein größeres Schuttkar ist aufzusteigen. Je nachdem wie geübt mensch ist, ist es ,,ein Schritt vor und ein halber zurück", mit Bergstiefeln üblicherweise nur lästig. Doch Barfuß (oder in den FiveFingers der dünnen Sohle wegen) braucht es noch mehr Aufmerksamkeit (und Übung), um dort ,,einen Schritt vor und ganz selten etwas zurück" zu machen.

Die steile Einstiegsrinne wird erkraxelt, dann führen die Spuren im Zick-Zack einen grasigen Hang hinauf, der zunehmend felsiger wird und nach den Händen verlangt. Nun, aus den Hosentaschen brauchen wir sie wenigstens nicht nehmen... Abgesehen vom kühlen, aber noch erträglichen Südwind ist es eine Freude die Schutterfeldköpfe, deren Türme noch knapp unter der 2000 m Marke bleiben, in dieser Form zu durchsteigen.

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Blick von den Schutterfeldköpfen hinab nach Scheffau und Söll.

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Da geht's durch: Der Gipfelaufbau des Tuxeck / Tuxegg (AV-Karte).

Im Bereich eines kurzen ausgesetzten Felsvorsprungs ,,bei einer Latsche" beginnt der eigentliche Gipfelaufbau des Tuxeck's bzw. in der älteren AV-Karte auch als Tuxegg geschrieben. Ab hier wird das leichte Klettern schon anspruchsvoller, aber ein kurzes Stahlseil unterstützt bei einer plattigen Stelle und auch sonst sind – die entsprechende Erfahrung vorausgesetzt – immer ausreichend gute Griffe und Trittstellen zu finden. Etwas heikler wird es – wegen des vielen losen Gerölls, daher wird hier die Mitnahme eines Helms angeraten – erst in der letzten Rinne mit dem Klemmblock, die sich in ein trichterförmiges Schuttfeld aufweitet.

Als wir uns von dort der kleinen Scharte nähern, die den Tuxeck-Gipfel vom Treffauer-Stock ,,abtrennt", ist es mit der Einsamkeit erst mal vorbei, denn Andere, vermutlich den Normalweg (durch die Süd-West-Flanke) heraufgekommen, oder ggfs. bereits vom Treffauer herüber, sind dort gerade dabei das steile 10m-Wandl zum Gipfelkreuz (2226 m / 12:30 Uhr) zu erklimmen. BarfussUlrich schreckt dies nicht und er steigt einfach so weiter in diese kleine Nordwand mit den Eisenbügeln hinein. Ich bin hier anständiger unterwegs, aber es funktioniert auch mit den leichten FiveFingers noch gut, entscheidend ist, wo die Fußsohle belastet wird.
,,Zum Gipfel bin ich immer noch barfuß aufgestiegen", so Ulrich's Kommentar, als wir im Rahmen unserer kurzen Gipfelrast die mitgenommenen Zustiegsschuhe anziehen, denn hinunter wollen wir mit ,,Normalgeschwindigkeit" absteigen, denn am Spätnachmittag würde in Innsbruck noch ein Abholtermin für ihn anstehen.

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Blick vom Tuxeck-Gipfel über die Gruttenhütte hinweg auf den Ostkaiser.

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Blick vom Tuxeck-Abstieg zum Hintersteiner See und den Westkaiser.

Noch bevor die anderen Gipfelaspirant/innen sich an den (komplizierteren) Abstieg machen, steigen wir geschwind hinab in die Scharte. Der nun nach Westen hinabziehende und etwas zwischen Felsen eingeschnittene Abstiegsweg ist vom letzten Niederschlag noch leicht mit angefrorenem Schnee überzogen, für die Schuhkante jedoch kein Problem. Als wir kurz unterhalb die sonnige Flanke erreicht haben, werden wir sogleich wieder naturnah und steigen flott aber vorsichtig diesen durchaus anspruchsvollen Steig hinab – die absteigende Nachhut vom Gipfel wird uns nicht mehr einholen. Bereits wieder tief unten – eigentlich fast zu spät für den Gipfel – bekommen wir noch einmal Gegenverkehr von einem älteren Einheimischen, der – so erfahren wir in einem kurzen Gespräch – entweder sehr früh oder aber spät von seinem Scheffauer Zuhause aufbricht. Und: Er merkt noch an, dass er einen Barfuß-Gänger kenne, der die (Ellmauer) Halt sowohl hinauf als auch hinab auf blanken Fußsohlen unterwegs sei... – Jaja, Kniebundhosen und Bergstiefel werden immer mehr reduziert...

Der Gruttensteig sieht uns nur kurz, dann biegen wir auch schon auf einen anderen kleinen Steig ab, der uns hinab führt an das Ende einer Forststrasse, die uns knieschonend mit mäßigem Gefälle, aber in größeren Kehren in den Bereich der Wegscheid-Niederalm führt. Dort kürzen wir über das Almgelände und entlang des Bachs ab, um dann wieder ganz ohne Unterschied zu allen anderen Wanderern die letzten wenigen hundert Meter bis zum Parkplatz zurückzulegen (15:00 Uhr).
Yepp, es hat wieder einmal durchaus Spaß gemacht, diese Nähe zur Natur. ;)

Ich habe es für mich eher spät entdeckt, das leichte, unbeschwerte unterwegs sein – entsprechend hatte ich damals wohl die Sendung Barfuß wandern mit dem Schmidt Max (29 Min. / 14.07.2011 ∙ freizeit ∙ BR Fernsehen) übersehen und erst viel später in der Mediathek gefunden.
Hmm, eigentlich könnte es hier noch einen ,,zweiten Teil" geben...