1.01.2023: Brandenberger Alpen: Pendling-Überschreitung

Begonnen von geroldh, 02.01.2023, 11:55

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geroldh

Wer kannte bis vor wenigen Tagen Wielenbach#gruebeln#  Ich nicht – und nun sei dieser Ort Wielenbach (550m) in Oberbayern (bei Weilheim) mit gemessenen 20,8 Grad Celsius dank der besonderen Wetterlage (aber mit Unterstützung der Klimaerwärmung...) der Spitzenreiter für den wärmsten je aufgezeichneten Silvester-Tag gewesen. Selbst die Landeshauptstadt München soll mit 20,0 Grad Celsius noch dazu beigetragen haben, dass selbst der Dezember-Temperaturrekord aus dem Jahr 1961 deutlich überschritten wurde.

Also wieder (mal) ein Jahreswechsel, an dem es möglich ist, nach einer kurzen ,,Zwischen-Schneezeit", die Herbst-Tourenzeit zu verlängern bzw. bereits die Frühjahrstouren-Zeit einzuläuten. So wurde an Vor-Silvester mit almrausch und Tochter Theresa, sowie Herbert die Kraxel-Route via dem ,,Zick-Zack-Band" durch die Salwand-Südwand wiederholt – und mit dem Neujahrstag folgt die Wiederholung der im Vorjahr entdeckten Route ,,Wilder(er)Steig" durch die Pendling-Ostwand (unterwegs mit Christian H.).

Zitat von: geroldh am 17.04.2022, 10:07...
Wichtiger Hinweis: Dies ist ein Erlebnisbericht – und KEINE Tourenempfehlung!
Wer dort hingeht, tut dies auf eigene Verantwortung – und wer sich dort versteigt, ist selbst schuld...


Unser Ausgangspunkt ist der Parkplatz am Stimmersee (ca. 550 m, 9:45 Uhr), wo sich kurz darauf bei der Häuseransammlung ,,Pulverturm" ein hervorragender Einblick in die steil aufragende Wand des Pendling bietet.

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Das Aufstiegswandl – die Route führt S-förmig durch die obere Bildmitte...

Anstatt uns auf der langweiligen Forststrasse warmzulaufen, erkunden wir im dortigen Umfeld den historischen Wegverlauf, dessen Trasse sich noch gut im Gelände abzeichnet und uns bereits früher aufgefallen ist. Dann wird auf einem Forstweg die baumfreie Kehre erreicht, die mir zuletzt stets die Möglichkeit gegeben hat, ein Foto von dieser mächtigen Wand zu machen. Wenig später stehen wir auch schon weglos, aber nicht orientierungslos, im Wald: Anhaltspunkte zur Route (T4, Stellen T5), die sich geschickt die Schwachstellen der Wand sucht, wurden bereits in den letztjährigen Berichten gegeben – mit der entsprechenden alpinen Bergerfahrung ausgestattet, fühlen wir uns hier ,,wie dahoam".

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Der kleine, wasserführende Graben wird erreicht und die kleine Steilstufe rechts umgangen

Wir kommen gut voran und haben alsbald den Bereich der Engstelle mit der markanten, von oben herabziehenden Rinne erreicht – heute (bereits wieder) komplett schneefrei. Für den wilden Weglos-Anstieg bildet sie etwa ,,die Halbzeit" – und geschützt in einer Wandnische (mit Steig-/Wandbuch #buch# ) machen wir eine kleine Rast (ca. 1200 m / 11:30 Uhr).

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Kufstein und die beiden Felsstöcke des Kaisergebirges – mit dem ,,breiten" Kaisertal dazwischen

Der zweite Routenteil beginnt durch die Steilheit etwas anspruchsvoller, aber mit dem Erreichen des nächsten Geländerückens gibt es wieder Genuß-Kraxeln pur. Der Wandausstieg wird erreicht und bald können wir auf einem ,,Jaga-Bankerl" (mit kleinem Beistelltischchen ausgestattet) Platz nehmen und mit den herauf getragenen Bierflaschen auf das genussvoll beginnende Bergjahr anstoßen (ca. 1500 m, 12:45 Uhr). Hier an diesem beschaulichen und ruhigen Ort fällt unsere Rast länger aus, dann steigen wir vollends hinauf, zurück in die Zivilisation.
Der Berggasthof Pendlinghaus (seit 1909) ist derzeit geschlossen (Winterruhe; ,,Saisonstart voraussichtlich ab April"), dennoch ist das Aussichtskreuz an diesem heutigen Prachttag mit klarem Blick zum Alpenhauptkamm gut besucht.

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Für Bergerfahrene mit guter Orientierung und entsprechender Kenntnis im alpinen Gelände gibt es (nun) zwei logische Möglichkeiten der Pendling-Überschreitung:
Der uns seit einigen Jahren bekannte Aufstieg durch die Südost-Flanke direkt von Schaftenau aus – und dann den steilen Jägersteig auf dem Nordost-Rücken hinunter.
Diesen i.d.R. feuchten und daher rutschigen Abstieg wollen wir uns heute nicht antun, sondern wir wählen aufgrund der völlig schneefreien Situation am "aussichtslosen" Pendling-Gipfelkreuz (1563 m, ca. 13:45 Uhr) vorbei den längeren historischen Steig durch die schattige Nordwest-Seite.
Dieser führt uns mit einem angenehmen Gefälle via der Örtlichkeit ,,Kaltwasser" um den Bergstock herum zum unscheinbaren Sattel ,,Dreibrunnenjoch" – und wenig später – es ist gerade 15:00 Uhr vorbei – sind wir bereits zurück am Auto, um dort noch kurz in der tiefstehenden Sonne diese ,,Schmankerl-Tour" nachwirken zu lassen.



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