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Autor Thema: 15.+28.11.2020: Mangfallgeb.: Salwand durch die “Südwand”  (Gelesen 433 mal)

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Offline geroldh

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    • climbing Chulu Far East (6059m), Annapurna Himalaya, Nepal (Okt.2007)
Diese beiden Tourentage standen vorrangig im Zeichen des Erkenntnisgewinns – einerseits „auf der Strasse“ und andererseits „am Berg“: Unterwegs wollte ich erste Erfahrungen mit einem „Fahrrad-SUV“ sammeln und zwischendurch wie die Kraxel-Route im Spätherbst „geht“.
Noch sind wir im „Corona-Jahr“ und um die aktuellen Vorgaben von „Social-distancing” und „Lockdown-light“ (einigermaßen) ernst zu nehmen, habe ich mich nun ernsthaft mit dem Thema „E-Radl“ befasst. Meine Erkenntnisse hierzu werde ich ggfs. in einem passenden Parallelbeitrag <klick> hinterlegen – hier die Beschreibung zu den beiden Tagen, die tatsächlich dasselbe Ziel innehatten, um mir einen direkteren Vergleich in der Anfahrt zum Berg zu schaffen.

Zitat von: geroldh (11.06.2019)
Jetzt wo ich „den Weg“ mit seinen Eigenschaften kenne, kann ich mir eine Wiederholung mit leichtem Gepäck [d.h. ohne Seil, etc.] an temperierten Tagen gut vorstellen.

Nach meiner Erstbegehung vor über einem Jahr bietet sich bei den derzeit kurzen Tagen diese Tour in der sonnigen Südflanke als Wiederholung an.

Um erste praktische Erfahrungen mit einem Radl mit motorisierter Antriebsunterstützung zu sammeln konnte ich mir in RO von privat ein E-MTB der Vorgänger-Generation ausleihen  #danke1# , d.h. mit einem Bosch-Perf.CX-Antrieb der 3. Generation (75Nm). Mit diesem ging es, u.a. die verschiedenen Leistungsstufen und Gänge austestend, von Rosenheim (ca. 445 m) auf dem ebenen Inndamm gen Süden, und etwa ab Kirchdorf (ca. 460 m) diagonal an Brannenburg (ca. 500 m) vorbei hinauf nach St. Margarethen (PP= 637 m). Wenig später wird es ernst und die geschotterte Fahrstrasse steilt sich im Bereich des Materiallifts für das Breitenberghaus ganz schön auf: Ich wechsele in den Turbo-Modus und kann dafür im Sattel sitzen bleiben. Danach ist der stets leicht ansteigende „Fahrweg-Hatscher“ relativ gemütlich und überaus flott im Eco- oder Tour-Modus zu bewältigen. Der Haltepunkt Aipl (978 m) der Wendelstein-Zahnradbahn (derz. außer Betrieb) wird erreicht und ein Abstellplatz für das Radl gesucht – nun geht es per Pedes weiter.

Zwei Wochen später erfolgt diese Anfahrt auf dem gleichen Weg mit meinem neuen E-Trekking-Rad (2020er Modell, Bosch-Perf.CX-Antrieb 4. Generation, noch 75Nm). Die Erfahrungen, die ich nun damit mache, decken sich gefühlsmäßig mit denen der ersten Tour, selbst den steilen Abschnitt bringt mich das (schwere) Radl im Turbo-Modus ohne das schmälere Hinterrad durchzudrehen hinauf – ich bleibe im Sattel sitzen und freue mich obendrein über die vorhandenen Lenkerhörnchen. Nach etwa 22 km und knapp 550 hm Anfahrt wird nach ca. 1 Std. und etwa 250 Wh (Akku: 50%) wieder der HP Aipl erreicht und das Rad „geparkt“. Das Fahrrad ist mit dem DualBattery-Konzept ausgestattet, aber den 500er Aufsatz-Akku habe ich zuhause gelassen.

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Der zentrale Aipl-Pfeiler in der Salwand mit dem Aufstiegsbereich im linken und dem Abstiegsbereich im rechten Bildteil

Der Zustieg zum Wandfuß (ca. 1050 m) ist nicht einfach zu finden, ein neuer Jägerstand bleibt stets in Sichtweite. Inzwischen ist das Gras völlig vertrocknet und die Halmbüschel geben einen weiteren minimalen Halt im steilen Gelände (inzw. mit Helm). Bei meiner letztjährigen Erkundungstour bin ich noch etwas höher aufgestiegen, um auf einem ausgesetzten, schmalen Sims – den auch die Gämsen nutzen – auf das untere Ende des ersten Bandes zu gelangen – meine damalige Schlüsselstelle. Doch diesmal orientiere ich mich nach der linken Hand und kraxele eine kleine schrofige Rinne hinauf, die auf eine kleine Rippe und dann auf das steile Grasband übergeht. Das Gelände ist definitiv exponiert, doch mit der zweiten Begehung fühle ich mich durchwegs sicher.

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Am Wandfuß – ab hier geht’s mit „Kopfbedeckung“ in das strukturierte Gelände

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Am Beginn des unteren Bandes – die Standfestigkeit mancher alpiner Bäume ist bemerkenswert

Ein kleines Felsköpfl wird erreicht – ich vernehme ein ungewöhnliches Geräusch und entdecke von oben herab eine Gämse, von der dieser bisher noch nie vernommene Ton stammt und die sich der „Gamsrinne“ nähert. Soll ich noch vor dieser weiter aufsteigen oder mich auf eine Naturerfahrung einlassen? Ich entscheide mich für zweites und setze mich auf das Köpfl, die Händy-Lochkamera im Anschlag. Mit einer Art „schnarrenden Geräusch“ kommt die Gams die Rinne hoch, wir sehen uns nicht, es wird wohl ein brünftiger Bock sein. Etwas Zweifel kommt in mir auf, wie wird er reagieren, wenn er mich entdeckt? „Angreifen“? – dafür wäre mein exponierter Sitzplatz etwas ungeeignet – aber sein eigentlicher Weg weiter hinauf bleibt frei und außerdem gäbe es für ihn noch zwei Fluchtmöglichkeiten abwärts. Nun auf meiner Höhe angekommen steckt er den Kopf zwischen die Grashalme und saugt die Luft tief ein – da irritiert doch irgendetwas? Trotz etwa fünf Meter Abstand hat er mich noch nicht entdeckt, aber kurz zuvor bin ich ebendort durchs Gras gestriffen. Mit einem kleinen Geräusch wird ein Bild gemacht, der Kopf hebt und wendet sich, er schaut mich an: „Was macht denn der da?“ Es gibt keine reflexartige Fluchtreaktion, aber ein weiteres Foto. Sichtbar irritiert steigt die Gams etwas höher und dreht sich noch einmal um, klick, dann setzt sie unaufgeregt ihren weiteren Weg hinauf fort. Ich warte noch etwas ab, dann wird dies auch mein weiterer Aufstieg sein.


Brunftzeit: Ein einsamer Gams-Bock auf der Suche nach seinem Harem? Vielleicht...

Etwas trödelnd kraxele ich höher und begutachte die Ausstiegsmöglichkeit (bei den zwei dürren Bäumen) am Beginn des zweiten Bandes. Heute wähle ich diese direktere Möglichkeit, um weiter oben an eine Passage zu gelangen, an der ein felsiger Aufschwung unten umgangen werden muss. Zwischen den Bäumen hindurch sehe ich noch einmal die Gams, sie hat es auch nicht wirklich eilig, wählt aber „artgerecht“ den steileren Aufstieg durch eine Rinne. Tatsächlich dauert es auch nicht lange, bis sie mit faustgroßen Steinen nach mir „wirft“, ich habe damit gerechnet und lasse die Steine neben mir die Rinne hinunterrollen, bevor ich mich zügig an die Querung dieser mache. Noch etwas Steilgelände ist zu durchsteigen – diesmal probiere ich eine kleine Rinne – dann gelange ich in einfacheres, mit lichtem Bergwald bestandenes Gelände. Der Abstecher hinab zum Aipl-Pfeiler wird noch mitgenommen, dann ist gegen 13:30 Uhr der mit einem Messstein markierte Gipfel der Salwand (ca. 1425m) erreicht.

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28.Nov.: Herbstlicher geht es kaum – Im Rückblick versinkt das Inntal im Nebel

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15.Nov.: Tiefblick vom Aipl-Pfeiler in das Abstiegsgebiet

Zwei Wochen später ist es unten bei Aipl noch frostiger, die Sonne gelangt hier schon seit wenigen Wochen nicht mehr hinab, der erste Schnee bleibt liegen und sorgt für die ersten frostigen Zehen des Jahres in den Leichtbergschuhen. Umso angenehmer ist es, die wärmende Sonne zu erreichen. Hier habe ich die Gelegenheit den Zustieg weiter zu optimieren, dennoch kommt im Zustieg in einem wenig aufmerksamen Moment ein kleiner Felsblock ins Rutschen und „küsst“ mein Schienbein. Autsch! Dafür wird dieses Missgeschick gleich darauf mit einem schönen Baumschwammerl entschädigt.


Solange der vertrocknete Wirts-Baum steht, kann das anhängliche Schwammerl weiter gedeihen

Auch „in der Wand“ kann ich die Route noch etwas optimieren, vierbeinige Mitkraxler gibt es heute keine, dennoch ist der Helm in diesem Gelände Pflicht. Es sind etwa 250 Höhenmeter tw. recht exponiertes Gelände zu durchsteigen, doch die Schwierigkeiten bleiben auf der idealen Route bei T5 und T6. Am felsigen Grat wird ein kleiner, sonniger und grasiger Platz gefunden, im Süden spitzen bereits der „Bimmler“ und der Großvenediger zwischen den Bergspitzen hindurch. Hier wird ausgiebig pausiert und die Sonne genossen, von unten herauf ist das knirschende Geräusch von Schritten auf gefrorenem Schnee zu vernehmen. Allerdings ist der Kamm östlich des Wendelsteins höher und mit absinkender Sonne kriecht der Schatten von unten herauf – es ist an der Zeit, um aufzubrechen, damit noch im Sonnenschein der schattige Gipfel der Salwand erreicht wird. Spätestens hier zeigt sich, dass der Hochnebel heute keinerlei Anstalten unternommen hat, um sich wenigstens ansatzweise aufzulösen. Wenig später hat mich der Schatten eingeholt, der Abstieg wird begonnen.


Von früheren Touren her kenne ich östlich eine Abstiegsmöglichkeit, um die Runde nach Aipl zu schließen – doch trotz Ortskenntnis gelange ich beide Male kurz in steileres Gelände und muss korrigieren. An der passenden Stelle werde ich über bröseliges Gelände hinab geleitet und komme direkt unterhalb des Aipl-Pfeilers vorbei, in dem sich am ersten, wärmeren Tag noch zwei Kletterer versuchen, am zweiten Tag haben sie bei einsetzender Dämmerung bereits abgeseilt. Anstatt zu Fuß hinab zum Parkplatz (oder gar zum Bahnhof) zu latschen, kann ich nun die angenehmste Seite eines „fahrbaren Untersatzes“ voll auskosten und es zügig hinab rollen lassen.
Das E-MTB hat keine Schutzbleche, daher nehme ich an den wenigen nassen Stellen im Fahrweg das feuchte Material in Form von Spritzern ins Gesicht und an Kleidung und Rucksack auf. Wesentlich sauberer geht die Abfahrt mit meinem Trekking-Rad vonstatten – und da es bereits am dunkel werden ist, freue ich mich obendrein über die gute Ausleuchtung des Weges durch die helle Fahrradbeleuchtung. Einen weiteren Punkt im Komfort bekomme ich über den Sattel zu spüren: Zusätzlich mit einer Parallelogramm-Federsattelstütze ausgestattet, werden die Unebenheiten des Weges fast weggebügelt. Das erhöhte Fahrradgewicht macht sich jedoch in beiden Fällen dadurch bemerkbar, dass das Rad sowohl stärker gebremst werden möchte – als auch, dass es vor engeren Kurven stärker zur Geradeausfahrt neigt.

Die Heimfahrt auf dem Anfahrtsweg – größtenteils wieder der Inndamm – verläuft wieder etwas erkenntnisreich: Ich teste den Unterschied zwischen direkt ausgeschaltetem Motor und der kleinsten Unterstützungsstufe (Eco). Beim E-MTB wohl etwas stärker als bei meinem Rad meine ich einen gewissen inneren Widerstand des Motors zu verspüren (in dieser 3. Motorgeneration muss noch ein Getriebe bewegt werden), das zusätzliche Gewicht zu bewegen kommt dann noch dazu. Derselbe Effekt tritt auch ein, wenn sich mit Überschreiten von etwa 26 km/h die Motorunterstützung herunter regelt und abschaltet – die Folge ist, dass ich meine angenehmste Fahrgeschwindigkeit bei ungefähr 24 km/h im Eco-Mode finde – schneller treten lohnt sich nicht.
Dies ist am zweiten Tourentag auch witterungsbedingt nicht erstrebenswert, da der feuchte Nebel mit dem einsetzenden kalten Nordostwind wenig Fahrfreude aufkommen lässt. Nach wiederum einer knappen Stunde (~22 km) zuhause angekommen ist die Rest-Kapazität des integrierten Rahmenakkus nach Anzeige (Kiox Farb-Display) auf 36% zurück gegangen – die beleuchtete Heimfahrt hat also rund 65 Wh verbraucht.

Bisher stets unmotorisiert auf zwei Reifen zum Berg unterwegs gewesen, ist das neue „Rentner-Radl“ ;) zukünftig eine gute Alternative. Allerdings lassen sich nicht nur die (angenehmen) Vorzüge „ernten“, es muss auch ein Kompromiss mit den systembedingten Nachteilen geschlossen werden. Und wie sich die Wartung und der Verschleiß entwickelt, wird ein anderer Erkenntnispunkt werden...

roBerge.de

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« am: 03.12.2020, 21:29 »

Offline Maiwanderer

  • Bergfan
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  • Immer nur kurz und flach
WOW!
Klasse Tour und ein suuuper Tourenbericht  #schoenetour#  :schoenefotos:
Da geht man unzählige Male aufm Weg zur Mitteralm und/oder Wendelstein vorbei, doch die Wand hab ich noch nie so genau betrachtet  #schade#
Werde mir das beim nächsten Mal genauer anschaun. Aber keine Angst: nicht um eine Wiederholung der Tour zu starten sondern um die weißen Flecken auf der Landkarte zu reduzieren  #hihi#

Schena Gruaß
Maiwanderer