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Autor Thema: Moose der roBerge  (Gelesen 520 mal)

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Offline Tharandter

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Moose der roBerge
« am: 23.11.2020, 14:08 »
Liebe roBergler,

ich möchte Euch heute mal eine andere Gruppe von Lebewesen präsentieren, die, wie ich glaube, oftmals viel zu kurz kommt. Es sind die Moose. Sie umgeben uns eigentlich überall, selbst in den Städten und auf dem heimischen Garagendach. Oft als störend oder sogar schädlich empfunden, werden sie bisweilen sogar entfernt, wie bspw. an Obstbäumen oder in Blumentöpfen. Sie sind aber ein essentieller Bestandteil unserer Ökosysteme und nicht selten sogar ihr grundlegender Baustein (Moore). Es gibt von ihnen allein in Bayern fast 1000 verschiedene Arten und die höchste Diversität bieten einmal mehr die Gebirge (insbesondere die Alpen). Es gibt Wassermoose, Baummoose, Gesteinsmoose, Sandbodenmoose, Totholzmoose, ja sogar Dungmoose, fleischfressende und leuchtende Moose.

Die Reaktionen einiger Wanderer die mich bei der Moossuche erwischen, sind oft die gleichen. Bei meiner suchenden Forwärtsbewegung an Bächen oder Wegrändern, tönen mir Fragen wie "Hams was verloren?", "Is do a Viech?" oder "gibt's do a seltenes Bleamerl?" entgegen. Wenn ich dann erwidere, dass ich nach Moosen suche, ist die Reaktion in 90% der Fälle ein "achso", "die hab ich im Garten, wie bekomme ich die los?" oder "gibt es da mehr als eins". In etwa 10% der Fälle stoße ich auf Begeisterung und biete dem interessierten Wanderer auch gerne einen Blick durch die Lupe an.

Um euch mal einen kleinen virtuellen Lupeneinblick in diese unvorstellbare Vielfalt zu geben, möchte ich euch einige Bilder zeigen, die ich in den roBergen gemacht habe. Es handelt sich zum Teil um sehr spezielle Arten, die eine sehr enge ökologische Nische haben und aus diesem Grund nur an wenigen Stellen überhaupt vorkommen. Es gibt bei uns in den roBergen sogar Arten, die es deutschlandweit nur an einer Stelle gibt.


Ein Spitzmoos, diese Arten besiedeln überwiegend morsches Nadeltotholz in Nordhanglagen


Das Fels-Schwanenhalsmoos ist eines unserer kleinsten Moosarten und siedelt auf losen Sandsteinen (Flysch) in engen Bachtälern


Das Glänzende Flügelblattmoos ist der nördlichste Vertreter einer tropischen Moosfamilie. Zu finden in Bachtälern auf Flysch


Ein Bärtchenmoos in feuchten Kalkfelsspalten


Das Kahnblattmoos ist auf Latschenhumus häufig


Das Dünnkelchmoos ist eines der schönsten Moosarten auf Latschenhumus


Das Federchenmoos besiedelt trockene Nadelholzstümpfe oder Stämme, kommt aber auch an der Borke freistehender Fichten vor


Das Sichelige Kleingabelzahnmoos besiedelt lehmige Weganschnitte. Auf dem Foto sind gut die Sporenkapseln zu erkennen, wodurch sich Moose über Sporen verbreiten.


Wie eine Reptilienhaut überzieht das Kegelkopfmoos feuchte Erde an Bachrändern oder an Felsen


Das Keltische Spaltzahnmoos ist eine Rarität und wurde 2019 auf einer Exkursion, erstmals für die Chiemgauer Alpen nachgewiesen.


Das Beblätterte Blasenmoos ist eines meiner Lieblinge, es wächst auf lehmiger Erde zwischen Buchenwurzeln und seine Kapsel schaut aus wie ein kleiner Blasebalg. Trifft ein Wassertropfen dieses "Säckchen", so stößt die Kapsel die Sporen in einem bis zu 1m hohen Strahl aus der Kapsel


Das Duftende Erdkelchmoos trägt seinen Namen zu Recht, es duftet nach Rosen.


Das Gefiederte Kranzmoos wächst an feuchten Stellen in blockreichen Bergwäldern.


Das Rosenmoos ist meist nur in Einzelpflanzen zwischen anderen Moosen zu finden.


Das Thujamoos ist weit verbreitet und auch in den Fichtenforsten des Alpenvorlandes häufig. Dennoch ein Kunstwerk der Natur.


Das Krummstielmoos ist ein Sonnenanbeter und wächst oft auf sonnigen Kalkfelsköpfen.


Es gibt zahlreiche Torfmoosarten, hier das Sumpf-Tormoos.


Das Kalklappenmoos trägt seinen Namen ebenfalls zu Recht, es findet sich oft auf feucht-schattigen Kalkfelswänden, wo es in keinen halbkugeligen Polstern wächst.


Das Bartkelchmoos ist winzig aber dennoch ein Hingucker. Es wächst auf feucher lehmiger Erde.


Plattmoose besiedeln häufig Humusauflagen und Totholz in unseren Bergwäldern.


Wohl kaum ein Moos ist so eigenartig wie das Grüne Koboldmoos. Es ist eine besonders geschützte Art und von ihm sind nur die "Kobold-"mützenförmigen Kapseln zu sehen, die fast wie Pilze aussehen. Die Art versteckt sich in schattigen Bergwäldern auf morschem Nadeltotholz. Dieses Bild ist vom Laubenstein.

Das soll es erstmal gewesen sein und ich hoffe ich konnte euch ein wenig für diesen Mikrokosmos begeistern, der uns überall umgibt. Wer sich für Moose interessiert oder selbst mal ihre Vielfalt erleben möchte, dem empfehle ich eine kleine Juwelierlupe 10x für ein paar Euro. Ihr werdet in eine wundervolle Welt eintauchen. Möchtet ihr ein Moos bestimmt haben, könnt ihr auch gerne Bilder einstellen.

In diesem Sinne, eine gute Woche und haltet die Augen offen, für die kleinen Wunder des Lebens!
-Tharandter

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« am: 23.11.2020, 14:08 »

Offline eli

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Re: Moose der roBerge
« Antwort #1 am: 23.11.2020, 16:03 »
Servus Tharandter,

bin schwer beeindruckt von der Vielfalt und der Schönheit der Moose sowie von deiner Präsentation der Aufnahmen. #danke1#

eli

Offline Bergautist

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Re: Moose der roBerge
« Antwort #2 am: 23.11.2020, 16:38 »
Tolle Bilder! #gutgemacht#
Da könnte man ja direkt zum Moosliebhaber werden!

Vielleicht kannst du mir sagen, ob das folgende Bild tatsächlich ein ("leider" kein seltenes) Moos abbildet:


Offline Chtransalp10

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Re: Moose der roBerge
« Antwort #3 am: 23.11.2020, 17:35 »
Sind das tolle Bilder!! Da werde ich gleich bei meiner nächsten Wanderung die Augen noch mehr als sonst auf die "kleinen Wunder am Wegesrand" offen halten!

Offline Tharandter

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Re: Moose der roBerge
« Antwort #4 am: 23.11.2020, 17:38 »
Tolle Bilder! #gutgemacht#
Da könnte man ja direkt zum Moosliebhaber werden!

Vielleicht kannst du mir sagen, ob das folgende Bild tatsächlich ein ("leider" kein seltenes) Moos abbildet:

Dein Bild zeigt den Sprossenden Bärlapp oder auch Wald-Bärlapp (Lycopodium annotinum). Eine sporenbildende Pflanze die noch am ehesten mit den Farnen verwandt ist. Sie bilden aber eine eigene Gruppe unter den Gefäßpflanzen. Urzeitliche Bärlappgewächse waren übrigens hauptsächlich an der Entstehung der Kohleflöze beteiligt.

Offline Bergautist

  • Cirsium palustre
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Re: Moose der roBerge
« Antwort #5 am: 23.11.2020, 17:43 »
Dein Bild zeigt den Sprossenden Bärlapp oder auch Wald-Bärlapp (Lycopodium annotinum). Eine sporenbildende Pflanze die noch am ehesten mit den Farnen verwandt ist. Sie bilden aber eine eigene Gruppe unter den Gefäßpflanzen. Urzeitliche Bärlappgewächse waren übrigens hauptsächlich an der Entstehung der Kohleflöze beteiligt.

 #danke1# Tharandter! Man lernt nie aus!